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Der Israelit · 1909-06-03 · Heft 22 (3.6.1909) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 22 (3.6.1909)
Date
1909-06-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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«eite 6 Nr. 22. Der J-raeNt. 3. Juni 1309. Berlin, 25. Mai. Wie uns aus dem Deutschen Bureau der Alliance Israelit e Universelle mitgeteilt wird, hat sich in Aleppo ein Unterstützungskomitee gebildet für die Israeliten aus Anatolien, namentlich aus Adana, Antio chia, Marasch, Aintab, Van, die infolge der bekannten Ereignisse in großer Not sind. Die Alliance Jsraelite Universelle hat dem Unterstützungskomitee telegraphisch 5000 Frs. überwiesen. Gießen, 30. Mai. Die Fleischer-Innung Gießen hat sich in ihrer letzten Generalversammlung mit der Frage des Schächteus eingehend beschäftigt und kam zu folgenden Ergebnis: Die Innung hat sich mit großer Mehrheit dahin ausgesprochen, daß das Schächten von Vieh jeder anderen Tötung vorzuziehen ist. Ausschlaggebend war hierfür, oaß nach den jahrelangen Erfahrungen, die die beteiligten Jnnungsmeister über das Schächten gemacht haben, sie der Ansicht sind, daß das Fleisch der geschächteten Tiere im Gegensatz zu einem auf andere Art getöteten Vieh besser und vor allem haltbarer ist. Diese Ansicht wird besonders damit begründet, daß bei geschächtetem Vieh alsbaldige Blutentleerung eintritt, was zur Folge hat, daß dadurch das Fleisch haltbarer wird. Die Jnnungsmitglieder, die sich sich in diesem Sinne aussprachen, erklärten weiter, daß bei jeder anderen Art Tötung, insbesondere bei Schießen oder Schlagen, durch den hierdurch verursachten Schreck, das Blut in den Körper des Tieres zurückgedrängt wird. Dies habe zur Folge, daß das Blut mehr oder weniger im Fleich verbleibt und deshalb dieses eher und in größerem Maße dem natürlichen Zersetzungsprozeß ausgesetzt ist. Als selbstverstänlich erachtet es die Fleischerinnung, daß das Schächten von Vieh nur von solchen Personen vorgenommen werden darf, die hierfür gründlich ausgebildet und geprüft sind, da nur hierin eine Gewähr liegt, Tierquälerei zu verhüten. Auch die Metzgermeister der Stadt Alsfeld in Oberhessen haben sich in gleichem Sinne über die Schächtfrage geäußert. Stimmungen non der Tagung des bandesuereins. Nürnberg, 28. Mai. Eine müde, dumpfe Resignatiion, so ungefähr könnte man die Grundstimmung der diesjährigen Tagung des Bayerischen Landesverver eins bezeichnen. Es war unverkennbar: der Eindruck, den die schlichte Mitteilung des Herrn Geheimrats Josephthal, daß er den Vorsitz niederlege,machte,war ein gewaltiger, niederdrückenfranzösischen Kriege. Dasselbe trägt folgende Inschrift: Hier ruhet Paul Rathe aus Meseritz, geboren den 23. Schebath 5599, gestorben den 11. Ab 5630. Er starb an seiner Wunde, die er im Kampf fürs Vaterland davongetragen. Rathe hat bei Wörth gekämpft, war dort verwundet und hierher in das im Gymnasium errichtete Feldlazarett transportiert worden, wo er nach kurzer Zeit gestorben ist. Seine Familienangehörigen haben ihm gleich nach dem Kriege auf seinem Grabe einen Leichenstein setzen lassen. (Die Kunst im Lebe« des jüdischen Kindes.) In Wilna wurde vor einigen Tagen eine Ausstellung eröffnet, die den Namen „Tie Kunst im Leben des jüdischen Kindes" führt. Tie Ausstellung wurde hauptsächlich von Privat-, Volks- und Mittelschulen, Talnrud-Thora"-Anstalten, Kindergarten rc. beschickt. Da die staatlichen Schulen aus irgend einem Grunde sich an der Ausstellung .nicht beteiligt haben, ergibt es sich, daß die meisten Schüler, deren Arbeiten ausgestellt sind, Kinder des Ghetto sind. Besonders reich ist die Abteilung für Schulmalerei und Zeichenkunst, welche auch von englischen und amerikanischen Schulen (zumeist von Emigranten lindern) beschickt sind. Interessant ist nun zu beobachten, womit sich die Phantasie dieser jüdisc^n Kinder beschäftigt. Die meisten Bilder dieser kleinen Aussteller aus dem Ghetto — Zeichnungen wyrden im Vorjahre angefertigt — .stellen Szenen ans dem russisch-japanischen Kriege dar. Der eine zeichnet ein Kriegsschiff, der andere versteigt sich sogar zur „Darstellung" einer Schlachtszene u. dgl. mehr. Selbst die Schüler der - Talmud-Thora haben der und wirkte tatsächlich wie ein Reif in der Frühlingsnacht, löste manche Frage aus, die ihrer Beantwortung harrt. Weßhalb? fragten sich vieleist es wirklich nur das Alter, oder ist es gar die gärende Jugend einer neuen Zeit?-Eine ganze Fülle guter Traditionen, das empfand man allgemein, winkte stummen Abschied - der Wunsch, den wohlverdienten Mann als Ehrenvorsitzenden wenigstens stets eng an den Landesverein gefesselt zu sehen, war ein aufrichtigeres zog ein Ahnen patriarchalischer Treue durch den Saal, als dieser Beschluß einstimmig gefaßt wurde. Unter der Gewalt dieses Eindrucks verlief die Sitzung ruhig und erledigte fast debattelos eine stattliche Anzahl wichtiger Dinge. Nur manchesmal ein großes Aufleuchten ohne nachhaltige Energie. Ein Angriff gegen die Vorstandschaft wegen ihres Verhaltens in Sachen des Staatszuschuffes für mittellose Gemeinden blieb ohne Unterstützungin früheren Jahren hätte das einen Sturm entfesselt. Hatte nur das eine Resultat, daß die wenig erbauliche Perspektive eröffnet wurde, daß dieser Kampf in die Nabbinerkonferenz verlegt werden würde, da nach Anschauung des den Angriff vertretenden Herrn die rabbinischen Mitglieder der Vorstandschaft hätten anders handeln sollen. Mit Unlust wurden bei dem Kassabericht die wenig Wachstum verheißende Stabilität der Einnahmen und der Vorwurf der scheinbar zu geringen Propagandatätigkeit der Distriktsrabbiner berichtet und vernommen. Wie Nachwehen abgeflauter Brisen mutete hier das Erwähnen journalistischer Entgleisungen aneine Debatte? Nein, man war nicht disponiert dazu. Lautlos wurde auch ein Beschluß gefaßt, der eigentlich ein ganz bedenkliches Präcedenz ist, die Erwerbung eines verlassenen Friedhofes durch den Landesverein. Es ist nicht Aufgabe dieses Stimmungsberichtes, die Konsequenzen dieses Beschlusses ins rechte Licht zu setzen. Spätere Generationen mögen das, durch die Erfahrung belehrt, besser verstehen. Wie ein Treuschwur zur blau-weißen Fahne mutete es an, als trotz mahnender Kassandrastimmen aus dem Norden die Gründung eines bayerischen Landesarchivs in Angriff zu nehmen beschlossen wurde. Für den Psychologen war es äußerst interessant, dem Gange dieser kurzen Debatte zu fMen, sie war logisch folgerichtig und nicht ohne Reiz. Es ist das Verdienst des Bamberger Rabbiners, den, wie wir Höffen, richtigen Weg vorgezeichnet zu haben. Den Schwerpunkt der Verhandlungen bildeten eigentlich die Kommissionsberichte. Wesentlich gefördert wurde die Idee von der Umwandlung der Elementarverweserstellen in definitive Schulstellen durch einen Beschluß, welcher ständige Zukeine jüdischen Themata gewählt. Hier überwiegen Häuser und Felder das Gebiet der kindlichen Kunst. Die jüdischen Gymnasiastinnen haben wieder ihre Stoffe aus dem Novellenschatz russischer Dichter, Lermontow und Puschkin gewählt. Blos eine kleine Kollektion von Arbeiten ganz kleiner Kinder im Alter von 4—7 Jahren ist vorhanden, die einen Stoff äus dem jüdischen Leben behandelt. Tie Kollektion macht sich durch die weithin sichtbare hebräische Aufschrift: „Leil Sabbat" (Sabbatnacht) bemerkbar. Tie kindliche Phantasie hat die minutiösesten Einzelheiten einer zum Empfangendes Dabbats vorbereiteten Stube festgehalten. Tie einzelnen Teile, der mit weißen. Linnen bedeckte Tisch, die gescheuerten Sessel, die Sabbatlichter :c. find natürlich dem Alter der „Künstler" entsprechend sehr primitiv gemacht, aber man fleht, daß die Kleinen mit.Gefühl gearbeitet habeil. Alles ist auf seinem richtigen Platze, nichts fehlt: der Wein, die Sabbatbrode, selbst die Schüssel zum Händewaschen fehlt nicht. .... (Der sozialdemokratische Anti- und Nichtsemit.) Der sozialdemokratische Abg. AdolfHoffmann verwahrt sich in der „Leipz. Volksztg." dagegen, daß ihm von einigen Blättern nachgesagt worden ist, er sei Jude. Hoffmann schreibt, er sei evangelisch getauft. Seine Mutter, die er, da sie vier Monate nach seiner Geburt gestorben sei, nie gekannt habe, sei römischkatholisch gewesen. Wer sein Vater sei, wisse er nicht; es sei anzuneymen, daß er evangelisch gewesen sei, da er (Hossmann) doch evangelisch getauft worden sei. Wir sind nun fest überzeugt, daß der famose Sozialdemokrat, der einerseits für Bolksrechte und Gewissenskreiheit eintritt und andererseits im Berliner Rathaus ein Schächtvervot propagiert, n i ch t j ü - bischer Abstammung i st und freuen uns darüber aufrichtig. Wendungen des Landesvereins zu diesem Zwecke ermöglicht. Prinzipielle Gegenbedenken wurden rasch niedergerungen - „Schule und Lehrer" waren die einzigen Gedankenkomplexe, welche den Herzschlag der Versammlung beschleunigtenwenigstens ein erfreuliches Sympton. Hingegen erschien es wie eine Kontrastwirkung, eine Vermählung zweier entgegengesetzter Grundstimmungen, fast wie ein unangenehmer Traum, wenn die seit Jahren bekämpfte Prüfungskommission für die Subventionen an die Lehrerfortbitdungskonferenzen denn doch fast debattelos eingesetzt wurde. Auch hier ist es nicht Aufgabe eines kühlen Referats, das Bedeutsame dieses Beschlusses zu glossieren. Man wollte nicht mehr kämpfen. Nous verrons! Nicht einmal die aktuellste Frage, die Revision, löste auch nur die bescheidenste Anfrage ausstumm nahm man den kurzen Bericht der betreffenden Kommission zur Kenntnis und erfuhr so wenigstens, daß diese demnächst eine Sitzung haben würde.-Hingegen war es sehr erfreulich, erfreulich in doppelter Beziehung, daß Herr Geheimrat Josephthal in Sachen der Besserstellung der Religionslehrer abermals die Initiative zu ergreifen versprach, erfreulich zunächst wegen der Sache selbst, dann aber auch deshalb, weil dadurch dieser Herr, wenn auch außerhalb des Rahmens des Landesvereins, im Dienste einer so enorm bedeutungsvollen Frage der jüdischen Oeffentlichkeit steht. Alle Versuche, diesen Herrn weiter dem Vorstande zu erhalten, scheiterten an der Energie seines Entschlusses. So wurde denn nach kurzer Debatte Justizrat Dr. Held-Nürnberg in die Borstandschaft delegiert, Justizrat Ofner-München zum Vorsitzenden des Landesvereins gewählt. Was dann noch zu tun war, wurde schnell erledigt, eine stattliche Reihe von Subventionen und Zuwendungen bewilligt, die Vorschläge, welche die Staatsregierungen für die Zuwendungen an leistungsschwache Gemeinden zu unterbreiten sind, festgesetzt. Ein Dankeswort an den Vorsitzenden, ein wehmütiges Abschiednehmen und die Sitzung war geschlossen. * So, und nun weißt Du, geneigter Leser, was Du da eben gelesen hast? — Das Produkt eines Vertrauensbruches eines Beteiligten, welcher die ihm zugetane Presse „bedient". Also war es zu lesen in einer politischen Zeitung Nordbayerns, die das feststellte, daß anderweitig eine Kenntnis über die Verhandlungen des Landesvereins nicht zu erhalten sei. Man kann wirklich nicht der Provenienz jeder Zeitungsnotiz nachspüren, würde sich auch im vorliegenden Falle nicht verlohnen. Erfreulich ist es, daß der ganze Ausschuß des Landesvereins das betreffende Entresilet mißbilligt hat. Unseren Gesinnungsgenossen aber sei in dieser Mitteilung eine neue Mahnung zur Einigkeit gegeben. In Würzburg sehen wir uns wieder. P. K. Königsberg, 28. Mai. In der antisemitischen Presse waren vor Jahresfrist eingehende Schilderungen der „schändlichen" Praktiken der jüdischen Getreidehändler in Odessa und anderen russischen Stapelplätzen zu lesen, die ja, soweit sie die schlechten Waren betrafen, vielleicht auch nicht durchweg erfunden gewesen sein mögen. Zu unserer nicht geringen Ueberraschung lesen wir aber nun in einem konservattven und stramm antisemitischen Blatte: „ Die Beschaffenheit des russischen Weizen läßt viel zu wünschen übrig. Der verunreinigte Weizen kommt meist von den Bauern, die keine Reinigungsmaschine besitzen und überdies minderwertige Sorten Roggen und Gerste, aber auch Sand, Erde oder Asche heimischen." Das Blatt, dem wir die interessante hier längst bekannte Tatsache verdanken, ist die „Kreuz- Ztg.,"diein einemLeitattikel „Rußland und sein Weizen" sich auf amtliche Quellen stützt. tat kor I9i üb« bin der wo setz Ju wo nid gez ten läsi tag alst Hof Uit] Zer tun] schr höck and tigc tun mac bere anei Aus für der der gew altei bebt Sch syna proj Seil eine gesch scher stim durc Mol werl tend täts! Eins ftanJ des Bor. auß« täts Ern gege Lau! sion jekte <! Kori Sali von im ( risch« Scho für ist. < nur San wähl finde

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