Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 22 (3.6.1909)
- Date
- 1909-06-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3. Juni 1909. Der JSraelU. No. SS. Seite Ü. letzte Jom-Kippurpredigt, die ein Zuhörer veröffentlichte, ist als ein Meisterwerk zu bezeichnen. Er war ein hervorragender Organisator, ein Mann der schöpferischen Tat, der an allen Orten seiner Wirksamkeit segensreiche Institutionen ins Leben rief und sich damit allein schon das schönste Denkmal errichtete, dauernder als Erz und Stein. Sein Wirken als Seelsorger darf vorbildlich genannt werden. Die einheimischen und die auswärtigen Armen, die russischen rVQ'W, die Institutionen des heiligen Landes werden seinen Heimgang schwer empfinden. Hatte er doch für jeden ein freundlichesWort und seine Empfehlungen, mit denen er trotz mancher schlimmen Erfahrung, sehr freigiebig war, wurden überall gut honoriert. Daß er selbst über seine Verhältnisse hinaus von dem Seinigen spendete, bedarf bei einem solchen Manne keiner Erwähnung. Seine 7!v2N war sprichwörtlichdas Wort v:b T«n D“!K noDn war wie auf ihn geprägt. Von ihm erwartete man, bei ihm fand man Rat und Hülfe, Ausgleichung der Gegensätze, bei finanziellen Schwierigkeiten, bei Familienkonflikten und ehelichen Zwistigkeiten, sein weiser Rat wurde eingeholt bei der Verheiratung der Töchter, bei der Berufswahl der Söhne - für Jeden hatte er Zeit, und Jeder ging befriedigt von dannen. Vor allem wirkte er durch die Macht seiner Persönlichkeit. Dem Zauber, der von ihm ausging, konnte sich Niemand entziehen. Wer diesem Mann gegenüberstand, hatte das^ Gefühl, einen Großen seines Zeitalters vor sich zu haben. Dabei war er schlicht und einfach, voller Herzensgüte und Freundlichkeit gegen Jedermann, ein sonniger Humor verklärte seine Züge, so daß auch die Kinder sich zu ihm hingezogen fühlten. Er vereinigte in sich alle jene Eigenschaften, die nach den Worten unserer Weisen zum Wesen des wahren Tö7n gehören. Sein Amt betrachtete er als Lt-ip,i irray, als einen heiligen Dienst, daher war auch sein Leben ein 'n trnp. Das Wort des Talmuds: "pp*?K 'n ran«*) "|T 7V ow Dt? tM'V „Du sollst Deine Liebe zu dadurch bekunden, daß Du durch Dein Tun, Lassen und Leben für Ihn werben und Propaganda machen sollst für Seine heilige Lehre" (Joma 86») er, der teure Lehrer, hat es uns vorgelebt durch sein Beispiel und Vorbild. Wer ihn kannte, mußte eingestehen, nur unsere heilige Lehre verleiht ihren Jüngern und Trägern solche edle Vorzüge, solche erhabene Tugenden. Das Urteil konnte nicht anders lauten. Seine zahlreichen Schüler, die er in drei verschiedenen Ländern ausgestellt hat, blicken verehrungsvoll empor zu der nunmehr verklärten Gestalt ihres Heimgegangenen Lehrers, der ihnen seine Geistesrichtung ausgeprägt und das Beispiel einer idealen, von Pflichtbewußtsein getragenen Lebensauffassung gegeben. Ihnen ist das Beste zu Teil geworden, ein untadeliges Muster und Vorbild, das ihnen voranleuchtet in den Irrgänger! des Lebens. Das ist auch der schönste Lohn, der ihm, in seinem Geiste, zu Teil werden konnte. Für ihn kann es in den Gefilden der Seligkeit'keine schönere Genugtuung geben, als wenn seine Schüler sich noch nach seinem Heimgang an seinem Beispiele begeistern und seinem Vorbilde nachstreben. Auf ihn findet dann Anwendung das Wort aus dem Buche Daniel: 'p'-rcai jrpin -intD lTnp .ijn oViyV W22122 tra-in Die Lehrer werden leuchten wie der Glanz des Firmaments und die, welche Viele zur Frömmigkeit angeleitet, werden leuchten wie die Sterne immer und e w i g." und Nachrichten. orrespondenzen Deutsches Molch. Berlin, 28. Mai. In der Generalversamm. lung des Berliner Lokal-Komitees der Alliance Jsraelite Universelle, die am 23. d. M. stattgefunden hat, gab der Vorsitzende Geheimer Kommerzienrat Goldberger, Bericht über Ursprung, Entwicklung und Ziele der Alliance und kam auch auf den bekannten Konflikt mit der Orthodoxie zu sprechen. Er meint darüber: Seit ungefähr zwei Jahren sind von manchen orthodoxen Seiten gegen die Allianceschulen Angriffe gerichtet worden. In diesen Schulen, hieß es, lehre man nicht hebräisch, erziehe man schlechte Juden, sogar schlechte Söhnedie Schulen ständen in üblem Ansehen bei der Bevölkerung, deren Bedürfnisse und Wünsche nicht beqchtet würden. Diese Kampagne bildet einen Teil des allgemeinen Angriffsplanes, der darauf abzielte, der Alliance die freundliche Gesinnung ihrer Anhänger, namentlich der Strenggläubigen, und im besonderen der deutschen Juden zu entziehen. Die Schilderhebung ließ das Zentral-Komitee zunächst ziemlich kühl. Das Zentral-Komitee legte ihr so wenig wie dem Geschrei einer mißvergnügten Preffe besonderes Gewicht bei. Aber gegenüber der Hartnäckigkeit und Erbitterung, die jene Angriffe zur Schau trugen, entschloß sich das Zentral-Komitee, einer Anregung der deutschen Konferenz-Gemeinschaft zu folgen und eine Abordnung zu delegieren mit dem Aufträge, die Anschuldigungen zu untersuchen und Aufklärung zu schaffen. Nach dem, was die beiden Mitglieder der Expedition, Herr Professor Israel Levy-Paris und Herr Rabbiner Dr. Porges-Leipzig, auf Pflicht und Gewissen als Rabbiner und Gelehrte erklärt haben, bleibt von den Anklagen, die man gegen den in den Allianceschulcn erteilten Unterricht erhoben hat, nichts übrig!" Hier wird zum ersten Male offen ausgesprochen, daß es in der Tat einzig und allein die Angriffe von orthodoxer Seite waren, welche die „Alliance" zum Arrangement ihrer Inspektions-Komödie veranlaßten. Um so empörender und verletzender für den elementarsten Begriff von Gerechtigkeit ist die Tatsache, daß man jede Vertretung der Orthodoxie von der Inspektion auSschloß und drei Männer dazu berief, von denen kein einziger das geringste Verständnis für die Gewiffensanliegen der gefetzestreuen Juden besitzen kann. Wie ehrliche Leute angesichts dieser Tatsache nun frischweg in die Welt hinausposaunen können, die Anklagen der Orthodoxie seien geprüft und als unberechtigt befunden worden, ist uns ein Rätsel. Bor der Unverfrorenheit einer solchen Kampfeswelse möchte man degoutiert die Waffen strecken. Wer von gefetzestreuen Juden so naiv oder so gewissenlos ist, der Alliance für ihre „Kulturzwecke" Geld anzuvertrauen, der mag das mit sich abmachen. Unseren Gesinnungsgenossen aber mögen die krampfhaften Versuche der „Alliance", über den unjüdischen Charakter chres Schulwerkes hinweg zu täuschen, jedenfalls zeigen, welch' starke moralische Macht das überlieferte Judentum innerhalb der Gesamt- Judenheit doch repräsentiert und wie leicht ein Sieg über den unjüdischen Alliance-Geist wäre, wenn nur alle Juden alten Schlages ernstlich wollten. Berlin, 27. Mai. Der Ausschuß der preußischen Aerztekammern hat in seiner letzten Tagung am 26. d. M. den Entwurf einer Standesordnung für preußische Aerzte angenommen und u. a. beschloffen, dem Anträge Ostpreußens betr. russische Paßvorschriften für israelitische Aerzte ruzustimmen. Es wurde ferner beschloffen, den Medizinaldirektor zu ersuchen, dem Reichskanzler eine Gleichstellung der russischen Paßvorschriften für deutsche Aerzte jüdischen Glaubens mit denen der übrigen Aerzte zu unterbreiten. daran denken mochten, daß ihre Inschriften nach Jahrtausenden im fernen, ihnen unbekannten Norden Nachahmung finden könnten. Der Grabstein ist aus Fichtelgebirgs-Syenit in der Werkstatt des Bildhauers Emil Grätsch gefertigt und darf als eine Zierde des alten F riedhofes an der Thalkirchenerstraße bezeichnet tverden. (Die Juden in Jndien.j In den letzten 20 Jahren ist nach dem soeben erschienenen 26. Bande der „Imperial Gazette of Jndia" die Zahl der Juden in Indien von 12 000 aus 18 000 gewachsen. Dieser Zuwachs kann nicht auf Einwanderung zurückgesührt werden, da Indien mit seiner eingeborenen geschäftsgewandten Bevölkerung und seinen niederen Arbeitslöhnen für den fremden Juden nur wenig Anziehungskraft besitzt. Im Einzelnen ergeben sich folgende Zahlen: In Aden wohnen 3059 Juden, in Bombay 5357 bei einer Gesamtbevökkerung von 750 000. In Kalkutta sind 1889 Juden ansässig, in ganz Zennalindien nur insgesamt 24. Die Zahl der Juden in Cochin beträgt 1137. In Ernakulam wohnen 412, der Handel dieser Stadt, dem Endpunkte der Cochin 2teele Eisenbahn, ist hauptsächlich in den Händen der Konkanis und Juden. In Mettancheri sind 474 Juden ansässig. Der historisch interessanteste Teil dieser Stadt ist die sogenannte Judenstadt, die ausschließlich von weißen und „schwarzen" Juden bewohnt ist. Hier ließen sie sich nach ihrer Vertreibung aus Cranganur durch die Portugiesen im 16. Jahrhundert nieder. In den letzten Jahren haben sie an Zahl und Ansehen abgenommen. Sie besitzen drei alte Synagogen. Im Staate Mysor wohnen 34 Juden, im Bezirk Bombay 609, in Punjab sollen nur 36 wohnen. Im Staate Sind schätzt man ihre Zahl auf 428. Alle diese Zahlen beruhen aus ben Volkszählung von 1901. (Die Juden in Aemen.j Man kann die Juden in Jemen (Südarabien) auf 15 000 schätzen, loenn nicht höher. Ihre Hauptsitze sind: die Hauptstadt Sanoa und im Gebirge die bedeutendsten Städte Manha, Damar, Quadr, Amram, Djebel, Bura. Rema, Khema, Kharaz, Jp, Tez rc. Was ihre Existenz-Mittel betrifft, so betreiben sie allerlei Gewerbe, um anständig zu leben; es gibt unter ihnen Weber, Schmiede- Goldschmiede, Steinschneider; Andere sind Bibelschreiber, Tischler, Maurer, Sattler, Kausleute rc. rc.; unter den Letzteren gibt es auch ziemlich reiche. Dieselben haben einen Großrabbiner, der den Titel Hakham- Baschi von Jemen führt, neben anderen Rabbinen, die sich in den genannten Städten befinden. In Sanoa gibt es 13 Synagogen. Seitdem die Ottomanen vor ca. 60 Jahren von Jemen Besitz genommen haben, befinden sich die Inden wohler, als zur Zeit der Sherife, welche diese Provinz regierten. Sie wohnen seit undenklichen Zeiten im Gebirge und im Inneren von Jemen und nicht in den Küstenstädten, was daher kommt, daß die Küstenstädte von sunnitischen Muselmännern bewohnt werden, welche, sehr fanatisch, sie mißhandelten und zum Uebertritt zwangen, während im Gebirge und im Innern von Jemen die Bewohner ze'idische Muselmänner sind, welche sie verhältnismäßig besser behandeln. (Begräbnis eines jüdischen Soldaten inBosnien.j Aus Kalinovik in Bosnien wird geschrieben: Stumm und langsam naht ein trauriger Zug dem kleinen Friedhof aus der Höhe, den kleinen schmucklosen Totenhügeln inmitten rauhen Karstgesteines der kahlen wehmütigen Zagorje. Der Feind rüttelte an den Toren unseres Vaterlandes und wie an vielen anderen Orten, erklang auch in Pisik die Trommel, und die braven Leute, jung und alt, ledig o)er verheiratet, eilten ohne Murren, ihrem Ruf folgend. unter die Fahne. Jedem schlug das Herz höher, wie manchem aber mag es wohl auch schmerzlich schwer geworden sein, da er von seinen Lieben, von Gattin und Kindern Abschied nahm; vielleicht für immer. Das zweite Elserbataillon (Kommandant Major Schutte) hatte nach mehrtägiger Fahrt bosnischen Boden betreten und zog nun wieder bei schwerem Fußmarsch seiner kaum vor einem Jahre verlassenen Garnison Kalinovik zu. Der Himmel zeigte sein finsteres Gesicht und der gefürchtete dtordwind, die Bora, peitschte die einsame, sonst so stille Gegend. Reservekorporal Hermann Engel, der Bravsten einer, hatte auch den Hammer weggelegt, um das Schwert in die Faust zu nehmen, bald aber erlag er der Ungunst des ungewohnten Klimas und den schweren Strapazen — eine jähe Lungenentzündung raffte ihn fern der teueren Heimat dahin. Stumm standen wir an seinem Grabe und gedachten in tiefster Ergriffenheit seiner Lieben in weiter Ferne, seiner Gattin, seiner drei unmündigen Kinder, die er in tiefster Not zurückließ und die nun ihren Ernährer, ihren Hort viele Kilometer entfernt in kühler Erde gebettet wußten — hoffnungslos. Ein „Lebe wohl, Bruder!" erklang von der Höhe in das träumende Schweigen, ein letzter Mschiedsgruß eines guten Kameraden und polternd fielen die Erdschollen aus den schmucklosen Sarg. Unter den Offizieren und Mannschaften des Regimentes wurde sofort eine Sammlung eingeleitet, zu der die übrige Garnison beisteuerte und manch armer Teufel, der selbst Weib und Kindin kärglichsten Verhältnissen zu Hause gelassen hatte, trug sein Scherslein bei, sodatz der Witwe ein namhafter Betrag übergeben werden konnte. (Jude« als Soldaten.) Aus Hagenau im Elsaß wird geschrieben: Aus dem hiesigen jüdischen Friedhof befindet sich ein Kriegergrab aus dem deutsch-