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Der Israelit · 1909-05-25 · Heft 21 (25.5.1909) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 21 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
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25. Mai 1909 Ter Israelit. Na. 21. Seite 23 entfernt liegen die 3 Salomonischen Teiche, von welchen einer hier (Bild 3) abgebildet ist. In alter Zeit dienten diese Teiche zur Ansammlung des Wassers. Zwei Zuführungskanäle ver- Handen südlicher gelegene Quellgebiete mit den Teichen, und zwei Aquädukte leiteten von hier das Wasser nach Jerusalem. Die Ausdehnung dieser Bauwerke ist sehr beträchtlich; sie sind ein Zeugnis von großer technischer Geschicklichkeit der damaligen Zeit. Bon Rahels Grab gelangen wir in einigen Stunden nach Chewron (Bild 4), wo die Erzväter in der Höhle Machpelah (Bild 5 u. 6) ruhen. Dieses Grabdenkmal wird von den Türken ebenfalls als heilig verehrt. Die Meorath hamachpelah wird auch Burg Davids genannt, weil Meorath hamachpel&h. König David während seiner 7jährigen Regierung in Hebron eine Burg über diese Patriarchengräber hatte errichten lassen. Wie die Bevölkerung Jerusalems im allgemeinen, so ist speziell die jüdische bunt gemischt. Da sehen wir typische Gestalten arabischsp a n i o l i s ch e r und aschkenasischerJud e n. Die arabisch-jüdische Bevölkerung ist fast durchweg sehr arm und die meisten von diesen Jemeniten (arabische Juden/ leiden Hunger trotz ihrer unbeschreiblichen Einfachheit und beispiellosen Genügsapikeit. Es liegt auf der Hand, daß eine mehrköpnge Familie mit einem Gesamteinkommen von 20—35 Franken monatlich nur ein höchst kümmerliches Dasein fristen kann. Daibe leiden diese Aermsten der Armen am meisten unter den Landeskrankheiten, als da sind.'Malaria und A li g e n e n t z ü n d u n g e n. Durch den Mangel einer Augenklinik für diese Beklagenswerten häufte sich die Zahl der Blinden und Halberblindeten ganz bedenklich an. Alljährlich war eine Menge Augenkranker gezwungen, nach Europa auszuwandern, um sich dort einer spezialiftischen Behandlung zu unterziehen. Trotz der größten Anstrengungen konnten viele die Reisekosten nicht erschwingen und selbst diejenigen, welche schließlich unter schwerer Mühe und Rot die Spesen für eine Reise nach Berlin, Königsberg, Wien oder Paris zusammengescharrt batten, fanden leider in Europa nicht immer die erwartete Hülfe. Die Unglücklichen kamen eben oft zu spät. Infolge ungenügender, manchmal absolut falscher Behandlung in Palästina oder längerer Nichtbehandlung während der Ueberfahrt nach Europa war oft das Auge schon zu Grunde gegangen und das Augenlicht für immer erloschen. Wer die Erzählungen dieser Bedauernswerten mitanhört, den ergreift tiefes Mitleid. Man kann sich daher leicht vorstellen, mit welcher Begeisterung und welch freudigem Jubel die Errichtung einer Augenklinik in Jerusalem im Frühjahr 1908 begrüßt worden ist. Die Augenheilanstalt zählt 22 Betten und ist. mit einer sehr stark frequentierten Poliklinik verbunden. Dieselbe erfreut sich eines sehr lebhaften Besuches nicht nur von Seiten der jüdischen Bevölkerung in Jerusalem, sondern auch der Bewohner von Jaffa, Chaffa, Tiberias, Saffed, Ehewron und sämtlicher jüdischer Kolonien. Auch der mohamedonischen und christlichen Bevölkerung Palästinas kommt diese segensreiche Anstalt sehr zu statten. In diesen! Gebäude sitzen die Anhänger der verschiedensten Nationen und Bekenntnisse friedlich beisammen. Hier ist eine Stätte in Jerusalem, wo die Rassen-, Klassen-, Religions- und Nationalnätsunterschiede nicht beachtet werden, denn hier ist jeder nur Patient Die Dankbarket dieser armen Leute ist sehr groß, oft geradezu überschwänglich. Besonders der Fellache (arab. Dorfbewohner) hat das Bedürfnis, dem Arzt goldene Berge zu versprechen. Dies tut er, wenn er auch nicht mehr besitzt als sein Hemd und die sehr originelle Kopfbedeckung. Der Europäer weiß, daß diese großartigen Redensarten weiter nichts als leere Phrasen sind, aber er hört sie trotzdem an. Das Leben in den j ü - d i s ch e n K o l o n i e n ist bereits mehrfach in Wort undBild dargestellt worden. Der Palästinafahrer wird nicht versäumen, den: altehrwürdigen Fluffe Jordan und dem Toten Meere einen Besuch abzustatten. Der Weg dahin führt durch die I ü d i s ch e W ü st e; ab und zu fällt der Blick des Touristen auf eine von einem scharf bewaffneten Beduinen gehütete K a - meelgruppe. Nach einer fünfstündigen Wagenfahrt ist man von Jernsalem aus in I e r i ch o , Ein Ghetto im bayrischen fiocbland. Bon Dr. Sch. in W. der Ir hathemarim (Palmenstadt) angelangt. An Stelle der einst blühenden Stadt steht heute ein verkümmertes einsames Dorf, bestehend aus einigen armseligen Felachenhütten und Zelten, worin Beduinen und Zigeuner Hausen. In 2 Stunden erreicht man von hier den Jarden. Sein Uferrand ist ununterbrochen mit Schilf und allerlei Gesträuch bewach'en und zwar so dicht, das; der Wasserlauf an vielen Stellen dem Blicke des Wanderers gänzlich entzogen wird. Dann sehen wir einen Ort, wo früher eine Brücke über den Fluß geschlagen war. Die Brücke ist nicht mehr. Der griechische Fährmann ist an ihre Stelle getreten. In der gleichen Zeit, welche man benötigt, um von Jericho nach dem Jarden zu gelangen, kann man auch das Tote M eer erreichen. Wir befinden uns hier an der nordwestlichen Ecke des Salzsees. Diese Gegend ist vegetationslos und menschenleer. Man nimmt an, daß hier einst Sodom und Gemorah gestanden haben. Auf diese öde An der großen Heer- und Völkerstraße, die aus Italien nach Deutschland führt, am Fuße des grauen Karwendelgebirges mit seinen grünen Schluckten und Wäldern liegt das reizende Mittenwalo, weithin bekannt durch seine weltberühmten Geigenmacher. Wer möchre es ahnen, daß in dem kleinen, felsüberragten Bergdorf einst ein riesiger Handelsverkehr herrschte und ein wahrhaft internationales Leben sich entwickelte. Ja, wer möchte es glauben, daß dieser Gebirgsort einst sogar sein Ghetto hatte. Ein großer Handelsweg ging über Mittenwald und Partenkirchen nach Tirol. Schon seit Römerzeiten war die dortige Hochstraße ein Stück des Heerweges von Augsburg nach Verona gewesen. Der Knotenpunkt war Mittenwald, die alte meäia silva, die dicht vor den Gebirgspässen lag. An diesem Orte begegnet uns schon frühzeitig eine merkwürdige Organisation des Verkehrs. Die Berftachtung der Kaufmannsgüter war ein Monopol, welches der Innung der dortigen Fuhrleute, der sogenannten „Rott zustand, und da die Straße für den Verkehr fast nicht mehr ausreichte, so wurde im Jahre 1407 auch noch eine Rottfuhr auf der Isar errichtet. Jeder der Beteiligten mußte zwei Flöße an der Lände liegen haben, die von „bestätigten Fergen" geführt und jährlich zweimal revidiert wurden; für die Kaufmannsgüter selbst aber war ein großes Magazin am Wasser errichtet, das seinen eigenen Hüter hatte. Dort lagen die Schätze, die aus Italien und der Levante kamen, große Säcke mit Gewürz und Seioe, mit Südfrüchten und Sandelholz, vor allem aber zahllose. Fässer mit Oel und Wein. Nach Süden dagegen g*ng Aachener, Kölner und Speyerer Tuch, Weißblech, Wildfälle und Eisen. Ergaben sich Streitigkeiten in Bezug auf Fuhr und Abfertigung der Kaufmannschaft, so entschied hierüber ein Gericht von 12 Schöffen, das schon im 15. Jahrhundert durch den B'schof von Freifing (den Landeshcrrn der Gegend) emgesetzt worden war. Seinen Höhepunkt aber erreichte der riesige Verkehr des Ortes erst, als der große Bozener Markt, aus welchem die deutschen und italienischen Kaufleute abrechneten, plötzlich nach Mittenwald verlegt wurde. Bozen in Tirol war bisher der Hauptstapelplatz zwischen Deutschland und Italien. Die Bozener Märkte waren die bedeutendsten von ganz Süddeutschland. Veranlaßt wurde die Verlegung dieser Märkte durch einen Streit, den Erzherzog Sigmund im Jahre 1487 zu Bozen mit den Kaufleuten Venedigs begann. Er ließ ihrer 130 an der Zahl ins Gefängnis werfen. Tics kränkte die stolze Lagunenstadt auf das Aeußerste. Sie beschloß, die Niederlage ihrer Waren und die Abrechnung mit ihren deutschen Geschäftsfreunden an einen anderen Ort zu verlegen, der von Italien nicht allzuweit entfernt wäre. Bon Tirol wollte sie in ihrem Meorath hamachpeluli. Stätte bezieht sich wohl die Stelle in Jes. l 3, 20 ,-irri th ny prtrn nxA at?n *6 .OLk isst mb crjm qz* brr „Ewig bleibt sie unbewohnbar und für alle Zeiten ohne Ansiedelung, selbst der Araber schlägt dort sein Zelt nicht auf und Hirten lagern dort nicht'." — Die Photographien, die wir am Jordan und am Toten Meere ausgenommen haben, sollen in einer folgenden Nummer dieses Blattes reproduziert werden, die dem Leser denn auch einen Blick in die oben erwähnte Augenklinik gewähren soll. Zorne nichts mehr wissen. Deshalb wählte sie das hart an der Tiroler Grenze gelegene Mittenwald. Hier wurden nun die Bozener Märkte 192 Jahre lang abgehalten.- Diese Zeit bildet den Glanzpunkt in der Geschichte Mittenmalds und gab dem kleinen Orte eine gewisse internatconale Bedeutung. Ueberall aber, wo ein reger Handelsverkehr sich entfaltet, erscheinen in den Zeiten des Mittelalters die Juden auf dem Schauplatze. Ms der Markt Mittenwald im Jahre 1487 zu blühen begann, da siedelten sich auch jüdische Handelsleute in dem kleinen Bergdorf an. Tie Behandlungsweife, die ihnen zu teil wurde, unterschied sich in nichts von der damals aller Orten üblichen. Es wurde für sie eine eigene Judengasse in einem abgelegenen Winkel angelegt. Dieser Mittenwalder Ghetto, in den die Juden abends eingesperrt wurden, ist wohl ein Unikum in der Kulturgesckickte des bayrischen Hochlandes. Mit dem Aufhören der Mittenwalder Märkte, wo eine Epoche Welt-

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