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Der Israelit · 1909-05-25 · Heft 21 (25.5.1909) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 21 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
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Seite 24 No. 21. Der Js rtclit. vergessener Stiüe antrat, scheinen auch die Juoen wieder rusgewandert zu sein. Aber heute n?ch wird der Tourist, der in Markt Mittenwald — nun ein schweigendes Idyll — einkehrt, an die einst dort seßhafte jüdische Bevölkerung erinnert, wmn er den Marktplatz betritt. Der Teil des Marktes, der von dem Hauptplatz aus in einen Winkel sich zurückzieht, heißt heute noch die Judengasse. (Der Handel in Damaskus vor 1000 Jahren.) In dem vierten der von der Handelsakademie in Hamburg veranstalteten Borträge, über die tzandelsgeschichte des Altertums schilderte Herr Dr. R i e g e r den Handel in Damaskus um das Jahr 800 v. d. übl. Zeitr. In Lied und Sage wird Damaskus als schönste Stadt des Morgenlandes gerühmt. Wer sich am der Hauptkarawanenstraße, die aus Mesopotamien über Haran und Biredjik durch wüstenartige Steppen nach Damaskus führte, der Stadt näherte, war von ihrer Schönheit geblendet. Meilenweit war sie von prachtvollen Obstwaldungen umgeben, die die lieblichste Umrahmung des schönen Stadtbildes schufen. Die stadt selbst lehnte sich an einen letzten etwa 1000 Fuß hohen Ausläufer des Anti- Libanons an, auf dem ein Tempel stand. Die Ströme versorgten die Stadt mit quellfrischem Wasser, das durch ein uraltes kunstreiches Röhrenwerk allen Teilen des Stadtgebietes zugeführt wurde. Durch die Stadtmauer, die von den köstlichsten Rosen überwuchert war, schritt man „die gerade Straße" (die noch heute bestehende Tarikei Mostakim) entlang zum Tempel des Thammus, dem am 21. und 22. Juni besondere Feste gesirert wurden. Rings tun diesen Tempel lagen die Basare und die Chuzoth, die Quartierhäuscr der fremdländischen Kaufleute, die syrischen und samaritanischen Großhändlern zur steuerfreien Durchfuhr ihrer Waren eingeräumt waren. Die Schilderung der Basarstraße bot dem Redner Gelegenheit, aus die altberühmte Tamastweberei einfarbiger seidengewebe mit cingewirkten Blumenornamenten, auf die Damaszener Schwcrtsegerei, das Damaszieren von Klingen und die hochentwickelte Bronzetcchnir, aal die Rosenölindustrie, aus die Elfenbeinschnitzereien und Holzbildhauereien einzugehen, deren Erzeugnisse neben dem köstlichen Wein von Chclbon bei Damaskus, den Damaskuspslaumcn, Bauhölzern und anderen Bodenprodukten die wichtigsten Exportgegenstände des altert Damashtshandels bildeten. Außerdetn aber war Damaskus als Krertzungspunkt der Karawanenstraßen von Mesopotamien und von Syrien, nach den phönizischen und philistüischen Häfen eine der lebhaftesten Handelsstädte des Altertums. Nur kurze Zeit war die Stadt irr israelitischem Besitz verblieben. Bereits unter Salomo riß sie sich von Israel los und tvurde die Oberherrin des neuen aramäischen Reiches, dessen wachsende Macht vor allem von Assyrien aus ängstlich beobachtet tvurde. War doch Damaskus für Assyrien und seinen Welthandel das einzige Aussallstor nach dem Westen und damit nach dem mittelländischen Meere. Bon 854 an wird daher die Stadt wiederholt, allerdings ttfeijt erfolglos, bekriegt, bis es Tiglatpilesar 733 gelang, sie zu erobern. Politisch war Damaskus so ohnmächtig geworden, aber es blieb der Mittelpunkt des lcvantinischen Handels bis zur Eröffnung der Straße von Suez. Durch die Eisenbahn nach Beirut und den begonnenen Schienenweg nach Mekka, vor allem aber durch einen Anschluß an die Bagdadbahn ist ein bedeutender Aufschwung der Stadt zu erwarten. (Bilder aus Tripolis.) In einein Feuilleton: „Bilder atts Tripolis", schreibt Ernst von He f f e-W artegg in der „Bossischen Ztg/: „Unter den 80000 Einwohnern von Tripolis sind mindestens ein Zehntel Juden. Nicht nur Abkömmlinge jener, die zu Torquemada's Zeit aus Spanien Vertrieben worden sind and sich, wie überall im Mittelmeere, auch hierher flüchteten, sondern auch die Nachkommen der aegyptischen und römischen Juden. Im alten Oca und den anderen Römerstädten Tripolitaniens gab es blühende Judenkolonien, selbst Earthago besitzt eine solche, wie der dortige Jndenfriedhof beweist, und sind auch die Römer verschwunden, die Juden haben sich mit den Ureinwohnern des Landes, den Berbern, erhalten und sitzen heute nicht nur in allen Städten, sie weilen auch draußen im Gebirge unter den Berbern und sind unter den Troglodyten des Dschubel Gharian und Dschubcl Nefoussa selbst Troglodyten geworben. Daß diese .Höhlenbewohner dort schon lange ansässig und, sah ich selbst aus alten Grabsteinen .aus dem elften und zwölften Jahrhundert. In manchen Oasen bewohnen sie ganze Dörfer. So z. B. fand ich sogar in der die Stadt Tripolis umgebenden ungeheuren Oase, mitten im Palmendickicht verborgen und einige Kilometer von der Stadt entfernt, das Dorf Amruß mit über tausend Einwohnern, die fast durchweg Judon sind. Sie haben ihre eigenen Synagogen, Rabbiner, Talmudschulen und beobachten ihre alten religiösen Sitten und Gebräuche unverfälscht. Auch in der Hara, dem großen Judenviertel von Tripolis, sind die Verhältnisse nicht viel anders. Nur ein kleiner Teil der dortigen Juden hat sich emanzipiert und ist zu großem Wohlstand und Einfluß gelangt. Handel, Industrie und Gewerbe liegen in Tripolis ganz in ihren Händen, sogar der Karawanenverkehr nach dem Sudan wird fast ausschließlich von jüdischen Häusern geleitet. Von der Verachtung, welche die Marokkaner und Algerier den Juden zeigen, ist in Tripolis nichts zu bemerken. Sie werden hier sogar zu Beamtenposten zugelassen, sind Konsule und Dragomanen, ja selbst der mächtige Generalsekretär des Walt | ist ein Jude. Während sie in Marokko in anumiuertat Ghettos zusammengesercht wohnen, ist diese Absperrung hier längst gefallen. Und in der Umgebung des einzigen hervorragenden Denkmals aus der Römerzeit, einem herrlichen, stulpturenbedeckten Triumphbogen, stehen mitten in der Stadt friedlich türkische Moscheen, eine schöne neue katholische Kirche, ein protestantisches Bethaus und eine Synagoge nahe beieinander." (Lohnkämpfc im alten Aegypten.) In der Umhüllung eines Mumiensarges sind zu Fajum Papyrusstücke aus dem dritten Jahrhundert vor der übl. Zeitr. gesunden tvorden, die den Briefwechsel eines Ingenieurs mit seinen Arbeitgebern, seinen Werksührern und Arbeitern enthalten. In der Revue des Etudes grecgues veröffentlicht nun Bouche-Leclercq diese interessanten Papiere, die einen Einblick in die Arbeiterverhältnisse des alten Ägyptens gestatten. Ter Ingenieur Cleon war von Ptolemäus beauftragt worden, Kanalisationsarbeiten am Nil vorzunehmen und hatte eine ganze Armee von Erdarbeitern, Steinbrechern, Maurern, Schmieden u.s.w. unter sich. Ter Turchschnittslohn dieser Arbeiter betrug etwa einen Obolus, d. h. 15 Pfennige den Tag; jeden zehnten Tag wurde nicht gearbeitet und auch nicht bezahlt. In einem Briefe an Clevn beschweren sich die Erdarbeiter über einen Werkmeister, der sie ungerecht behandle, ihnen die schwerste Arbeit auflade. „Jetzt sind wir .ganz erschöpft", schreiben sie, „und das Äsen unserer Werkzeuge ist abgenützt." Bisweilen wurde auch der Untcrnehmcr von der Finauzverwaltung im Stich gelassen und konnte nicht zahlen, dann hörten die Arbeiter zu arbeiten auf und die Unternehmungen rrthten eine Zeit lang. Ein Aufseher Temetrios beklagt sich darüber, daß er von den Arbeitern mißhandelt worden sei, und bittet um Bestrafung der Schuldigen, damit seine Untergebenen nicht allen Respekt vor ihm verlieren möchten. Minderecke. Flbraham und die 6öfeen.*' Terach, der Vater Abrahams, war selbst Götzendiener und trieb dazu einen ausgebreitetcn Handel mit Götzen. Eines Tages mußte er sich vom Hause entfernen und übergab die Leitung seines Geschäftes dem Abraham, der dazumal noch sehr jung war. Bald trat ein Götzendiener ein, der sich ein Bild zu kaufen wünschte. „Wie alt bist du?" fragte ihn Abraham. „Fünfzig!" antwortete der Götzendiener. „Und so ein Greis bückt sich vor einem Bilde, das erst gestern fertiggestellt worden? — Ueberlege es dir!" Der Same der Wahrheit war hiermit aus den Herzensgrund des Götzendieners gefallen. Ein anderes Mal, ebenfalls in Abwesenheit Terachs, kommt eine Frau und stellt vor die Götzen eine Schale Mehl als Opsergabe hin. Kaum war die Frau fort, als Abraham einen Stock nahm und alle Götzen zertrümmerte. Nur einen — den größten — ließ er unversehrt. Diesem Götzen schob Abraham einen Stock in die Hand. Bei seiner Rückkehr sah Terach die angerichtete Verheerung und warf sich auf Abraham: „Wer hat das gemacht?" „Höre, Vater und staune!" antwortete Abraham in aller Seelenruhe. „Kam da eine Frau und brachte den Götzen eine volle Schale Mehl. Ich legte die Schale den Götzen zu Füßen. Sofort entstand ein mörderischer Streit unter ihnen. Jeder wollte das Mehl für sich haben. Während alle zankten und sich rauften, nahm der größte, um Ordnung zu schaffen, einen Stock zur Hand und. da siehst du: alle tot!" „Nichtswürdiger!" schrie der Vater auf, „als ob Götzen sich zu zanken und zu raufen ver- *) Aus dem soeben erschienenen Büchlein: Leo T o l st o i. Jüdische Legenden. Deutsch von Eman. Mischnajewski-Runin (Verlag: Kurt Wigand, Berlin, Leipzig.) 2 5). Mai 190 mögen! Können denn die Götzen sprechen oder Worte vernehmen?" „Vater, Vater! Eine heilige Wahrheit birgt sich in deinen Worten!" „Was für Worte, was?! Tu willst mich unterweisen? Ich töte dich!" .... -I- -i- -i- Das Gerücht kam Nimrod zu Ohren und er ließ Abraham vor sich rufen. Nimrod heftete seine Blicke auf ihn und sagte gebieterisch: „Hier Feuer! Bete unseren Gott an." „Herr!" erwiderte Abraham unerschrocken, „käme es mir nicht eher zu, das Wasser anzubeten, sintemal dies das Feuer löscht?" „Es sei wie du willst: bete das Wasser an!" „Darf ich denn den Wolken Unrecht tun? Spenden Sie doch alles Wasser, das auf der Erde ist." „Wohlan denn, so bete die Wolken an!" „Was bedeuten aber die Wolken Vergleiche mit dem Winde, der sie doch Mt zerstreuen vermag?" „So bete denn den Wind an!" „Ten Wind? Was wird der dazu sagen, der Feuer, Wasser und Wind lenkt....' Blinder! Du siehst nicht die große Hand, die die Welt leitet." Ter König wandte sich beschämt ab und ließ den jungen Abraham in Ruh. Verleumder und Schlange?) Man hat an die Schlange die Frage getan. Warum noch tötet dein giftiger Zahn, Auch wenn dein Magen gefüllt ist, Und Hunger und Durst gestillt ist'? Frage den Verleumder, die Schlange spricht,- Warum seine spitze Zunge sticht, Auch wenn er vollaist Bror hat, Und Sorge nicht noch Not hat. *) Aus dem jüngst im Berlage von Otto Hendel in Halle erschienenen Buche: »Ewige Weisheit", Spruchpoesie des Talmuds, von Mar Weinberg. RÜel. .n: Pfeilschnell kommt er angepflogen, Abgesandr vom straffen Bogen. Spottet er mit garstiger Rede, Bringt er Streit nur, Zwist und Fehde. .2: Als Vogel ist er wohl bekannt, Von unferm Tische streng verbannt. .y: Spendet Schatten uns im Wald, Wärme, wenn es draußen kalt. . 17: Rätst Du dieses noch behende, Bist mir Allem Du zu Ende. S. Petuchowski. Auslösung des Räffefs in Ao. 16. "sh •er, Richtige Lösungen sandten ein: Lehrer Wertheimer, Hardheim; B. Lewin, Bern; Lena Stern, Bern ) I. Duschinski, Preßburg) Heinrich Herzog, Preßburg: Selma Jacob, Rüdesheim) Warga und Heinz Scheftelowitz, Strehlen) Ernestine Rafalowicz, Nürnberg) Arthur Pagel, Rawitsch) Lehrer Ackermann, Wiesloch / Laib Horwitz, Cannstatt) Ph. Kanstein, Lehrer in Hameln) Samuel Zobel, Boskowitz) M. und S. Friedmann, Leipnick) Israel Schächter, Borsczow) Jakob Hebri, Leipzig) Lehrer F. Wertheimer, Bukarest) Samuel Weber, Jerusalem) Lewy Fleischmann, D. Szerdasely) Lehrer Samuel Markowitz, Kenty) Hermann Weiß, Budapest) Moses Segal, Hörer der Jeschiwah in Buhuschi (Rumänien)) Lehrer M. Weimer, N. Megyer; Adolf Gottesmann, Poldwa; Karl Darmstädter, Ladenburg) Nathan Kugler, Rum (Ungarn).

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