Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1909)
- Date
- 1909-05-25
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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1 1 1 Üllttstrierfft Beil aje zumBi*srae Blüten und Blätter. Skizze von S. S chachnowitz. Es ist der Rüstetag zum Schowuoth-Feste. Ein frischer Duft erfüllt die Luft. Am nördlichen Himmel zieht langsam eine kleine, graue Wolke und treibt die Bauern zu größerer Eile an Absalonis Grab. ./Gelingt es mir," droht sie düster, „mich mit meinen freunden, den größeren und kleineren Rebelmassen, die du schweben, zu vereinigen, dann, Bauern, habt Ihr genug geheut.'" Darum hurtig an die Arbeit! . . . Neberall die riesigen, gefüllten Heuwagen. In Schaaren ziehen die sonnverbrannten Bauern in Hemdsärmeln, mit blanken Schaufeln und Senken auf den Schultern, von Frauen mit weißen Kopftüchern und barfüßigen Kindern begleitet, ins Feld hinaus. Es ist nichts von lautem Jubel und rauschender Freude, was auf den Gesichtern dieser Bauern ausgeprägt ist, aber in Haltung and Wesen verraten sie viel von natürlichem Selbstbewußtsein. Sie haben das stille, geheimnisvolle Weben der Natur begriffen, und ihre nahen Beziehungen zu ihr erfüllen sie mit jenem sicheren Vertrauen, das ein Kind auf dem Schoße seiner Mutter empfindet. Ich öffne das Fenster und atme den würzigen Duft in vollen Zügen ein. Ter Himmel ist klar; und blau. Nur im Norden bewegt sich, immer noch vereinzelt, die kleine Wolke blaß und fließend, verfolgt von den halb schadenfrohen, halb mißtrauischen Blicken der Schnitter. Rechts erhebt sich der Hörnli berg mit seinen schon blühenden Reben, die am Gipfel von dichten Tannen abgelöst werden. Hie und dort eine furchtbar klein erscheinende Gestalt, die sich in gebückter Haltung wie ein Käfer zwischen den Rebstöcken hin- und herbewegt. Links aber steht dicht vor dem Fenster der dicke Birnbaum, vielästig, blätterreich und behäbig. . . . Ein alter guter Kauz, dieser Baum, der freundlich den unter seinem Schutze sich tummelnden Kindern zulächelt, ein ganzes, stets lärmendes Spatzenvolk in seinen Aesten beherbergt und geduldig und verschwiegen den Geheimnissen der Gemeindeväter, die in seinem Schatten ihre Vorberatungen halten, lauscht. Er ist vor mehr als fünf Jahrzehnten mit dem Bau der Synagoge gepflanzt worden und hat sich seither eine ehrwürdige Stellung in der Gemeinde erobert. Er hat die Gemeinde steigen und fallen gesehen und immer dabei traurig und lustig sein Haupt geschüttelt. So mancheiner, der früher bis zu seinen Wipfeln in kindlichem Uebermut sich emporgewagt, stützt sich jetzt müde und altersschwach an den alten Stamm, wenn man vor der Synagoge den Gottesdienst abwartet. „Siehst Du, so werden wir alt," lispelt es dann gutmütig in den Blättern.. Aber er, der Baum hat sich im Grunde nicht viel geändert. Jahr für Jahr derselbe Frühlingsschmuck, derselbe Blärterreichtum, dieselben ungenießbaren Birnen, dasselbe freundliche Zunicken. „Meine Leistungen, wißt ihr, sind nicht weit her, gleichwohl fülle ich meinen Platz aus, und wir haben uns gern!" Mein Nachbar Jean zieht mit seinem Heuwagen vorüber, der von einer Kuh gezogen, wie Frau ist ins Haus vorausgeeilt, um das „Znüni-Essen" herzurichten. Die anderen kommen nach. Andere vorüberziehende Bauern werden durch den stillstehenden Wagen aufmerksam urd schauen nachdenklich nach der Uhr. Ja, es ist Zeit und sie lagern sich auf den Rasen unter dem Birnbaum, um ihr Morgenessen zu verzehren. Die Spatzen haben Lärm und Gezänk eingestellt und schielen vorsichtig von entsprechender Hohe nach den abfallenden Brosamen hinunter. Die Sonne malt breite goldene Streifen aus den grünen Teppich zu ihren Füßen. Bon einiger Ferne winken die sich emporschlingenden Reben und die schlanken Tannen: Gesegnete Mahlzeit! .... An meiner Wand hängt ein Bild, ein altes verwittertes biblisches Bild, das jahrüber nur selten beachtet wird. Unwillkürlich bleibt heute mein Auge an dem Gemälde haften. Es ist heute, dem Feste zu Ehren, mit zwei blühenden Hollunderzweigen und einer halb entwickelten Rose geschmückt und die palästinische, von grünen zackigen Hügeln umkränzte Ebene sieht dadurch blühend aus. Mitten in der lachenden Flur sitzen oder stehen in gebückter Haltung Schnitter und Schnittererinnen, die frohgemut Aehren sammeln unr Garben binden. Etwas entfernt, dort an der Ecke, bewegen sich einige dunkle Gestalten etwas Rahrls Grab. ein riesiges vollbeladenes Schiff sich langsam und schwerfällig fortbewegt. Die graugrünen Wellen, die noch frisches Wiesenleben atmen, reichen fast bis zu meinem Fenster. Die ^Kuh, als wüßte sie, daß all der Reichtum ihr und ihrem Geschlechte gehöre, zieht langsam^ kauend und mit bedächtigen Schritten an dem alten ^Birnbaum vorüber und hält an der halbgeöffneten Bogentür der Scheune von selber an.^Z Die unsicher suchend und spähend, aus deren Mitte ein junges Weib mit einer unaussprechlichen Traurigkeit in den lieblichen Zügen hervorragt. — Die Armen, die Nachlese an den Ecken halten und die von meinen schmückenden Kindern wie zum Schutze mit dem großen buschigen Hollunderzweige fast ganz verdeckt wurden .... Im Hintergründe wird eine kräftige Gestalt sichtbar, ein stämmiger muskulöser Mann, der J*M.t.rH i -in i I ' MM»«!