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Der Israelit · 1909-05-25 · Heft 21 (25.5.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 21 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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35. Mai 1909. Der JSraettr. No. 21. Seite 5. „Und sprachen zu ihnen: Bringet die Gefangenen hier nicht ein, denn nicht nur, daß wir in Schuld verfallen gegen den Ewigen, denket ihr hinzuzufügen zu unserer Sünde und zu unserer Schuldgewiß, groß genug ist unsere Schuld und die Zornglut über Israel." 'is*b man nxi .Tatrn nx p*?nn aum (14) Anpn Sai cntrn „Da ließen die Geriisteten die Gefangenen und die Beute vor den Fürsten und der Versammlung." ip'tm marca iap3 rnvx a’iwxn lap'i (ib) Dwabn bbm p irabrt amanra bzi mawa anana ai^nm aiaan aipsm b£ok;i ai^rn arm* ^acx anann my irrp aix^an bwia bzb ♦p-iatr laitrm „Und die Männer, die mit Namen genannt sind, standen aus und ergriffen die Gefangenen und kleideten all die Nackten unter ihnen von der Beute, und gaben ihnen Kleider und Schuhe und zu essen und zu trinken, und salbten sie und führten sie, jeglichen Schwachen auf Eseln und brachten sie nach Jericho, der Palmenstadt, zu ihren Brüdern, und kehrten nach Schomron zurück." Und noch nie Dagewesenes geschah. Das siegreiche Heer gibt nicht nur die Gefangenen zurück, sondern auch sämtliche Beute. Man nimmt von der Beute und gibt wohl auch von dem Eigenen noch hinzu, und bekleidet davon die Nackten und versorgt sie mit Speise und Trank, vergißt auch nicht sie zu salben, die Schwachen werden auf Esel gesetzt und so gehts statt nach Schomron hin zur Palmstadt Jericho, wo die Brüder der Gefangenen weilen, und erst nachdem der Zug glücklich hingeleitet, kehrt das „siegreiche" Heer mit leeren Händen nach Schomron zurück. Wo hat sich eine derartige außerordentliche Tat wohl je schon abgespielt? Ist es da wirklich nur eine Utopie an den ewigen Frieden zu glauben, ist es wirklich nur ein Traum, dessen Erfüllung tu weite Ferne gerückt ist. Nein, es ist kein Hirngespinst, denn aus dem Berichteten ersehen wir, daß der gute Trieb der Menschennatur das Unglaubliche Wirklichkeit werden läßt. Man komme mir nicht damit, daß es sich ja um einen Bruderkrieg handelte. Wir wissen es ja nur allzugut, daß Ephraim-Juda leider einander spinnefeind waren und daß der König Israels alles daran setzte, Israel von Juda gänzlich zu entfremden. Das einzige Bindeglied zwischen den beiden mag wohl nur noch gewesen jein, daß der Einzige der Gott ihrer gemeinschaftlichen Ahnen war. Wenn es aber auch nur dies Band war, welches noch eine Verbindung zwischen beiden herstellte, so sollte es doch auch in unserer Zeit der Glaube an ein und denselben Gott sein, der alle Völker Europas und die in Betracht kommenden der anderen Erdteile zu einer großen Völkerfamilie eint, die nimmer Kriege gegeneinander führen, sondern die friedlich und glücklich nebeneinander leben. König über Israel war zu jener Zeit Pekach ben Remaljohn. Diesem Peckach, dem ehemaligen Wagenkämpfer, dem Mörder Pekachjahis war gewiß nichts unlieber, als der Ausgang dieses Feldzuges. Was mag er wohl geschimpft und gewettert haben, daß seine Feldherren den unsinnigen Streich verübten, die Gefangenen herauszugeben, die Beute zurückzugeben und noch obendrein die Gefangenen zu ihren Brüdern zu geleiten. Wir können wohl mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß auch im Heer sich zuerst großer Widerspruch zeigte, der erst niedergekämpft werden mußte. Doch der Strom der Begeisterten ist nicht mehr anzuhalten, immer mehr Kehlen schreien: „Frieden! Frieden!" Die Bäume rauschet:, die Ströme tosen und brausen und ein Ruf wie Donnerhall ertönt: Frieden, Frieden, sind wir nicht alle Kinder eines Gottes? p in*nry o-tSK 'ja 'trxho d'wk lapn (12) KPDjn obv p imprm ma^a p lmaia pnw .toxn p D'ton by ^nn p „Da standen auf Männer von den Häuptern der Söhne Ephraim: Asarjahu, Sohn Jochanan, Berechjahu, Sohn Meschilomoth, Chiskija, Sohn Schallum und Amassa, Sohn Chadlai wider die vom Heereszuge Gekommenen." Und wie diese Häupter Dl^>tr rufen, da verstummen die übrigen Feldherren und stimmen ein: „groß genug ist schon unsere Schuld und die Zornglut über Israel." Man ergriff die Gefangenen, kleidete die Nackten, speiste die Hungrigen, führte die Schwachen auf Eseln und brachte alle nach ihrer Heimat. Mir scheint jedes Wort der Hinzufügung eine Verringerung zu sein. Das Wort ist für solchen Jubel zu arm geworden. In welchem Uebermaß von Glück schwelgten wohl jene Menschen, die diese Großtat erleben durften? Aus all dem erhellt wohl zur Genüge, daß auch nach unserer altjüdischen Auffassung das Schlachtfeld als die rühmlose Arena menschlicher Erniedrigung betrachtet wird. Welch'schöner Tag ist doch heute! Die Sonne lacht mir zum Fenster hinein, alles duftet im Frühlingsglanze und Mutter Erde strahlt wie eine zum Hochzeitstag geschmückte Braut. Wenn es nur Worte wären, die einst gesprochen wurden — meine Hoffnung wäre tmr gering, doch es war eine Tat, eine Großtat, die geschehen. Man hat es nicht mit bloßer Behaupheiligften seines Amtes zu walten, dort der Wachtturm vor dem Altäre, der Eingang für die Musik, das Schlafgemach der Priester, der Eingang für die Frauen, der Brunnen, aus welchem das Wasser kam für die Priester, Hände und Füße zu waschen — eine altersgraue Vergangenheit mit all ihrer Pracht und ihrem Jubel läßt dieses geschnitzte Holz aus dem Grabe steigen -- nur ein bischen Phantasie, und die beglückendste Illusion, deren ein jüdisches Herz fähig ist, kommt zustande. — In unserer nüchternen Zeit, die nur die greifbaren Werte schätzt und auch Kunst und Wissenschaft vielfach nach hem Legitimati insschein ihrer praktischen Verwertbarkeit befragt, gelten Träume, auch die schönsten, rricht viel. Sie schaden dem Geschäft, sie trüben die Klarheit dos Sinns, sie verwirren und taugen zu nichts. Nehme man aber einmal einem Menschen alles, womit er die öde Nüchternheit eines poesiennd phantasielosen Lebens deckt, man wird staunen iibcr die verzweifelte Nacktheit und nackte Verzweiflung, in die er allmählich versinkt. Was wären wir, was wären unsere Brüder im Osten ohne die Sehnsucht nach Jerusalem, ohne den Glauben, daß das Leid schon heute oder morgen in Freud sich wandeln kann? Wir wären frei von einer Sehnsucht, die sich uns in all den Jahrhunderten seit der Zerstörung des Tempels als die hartnäckigste, aber auch als die beglückendste erwies. Dj-s^r Glaube ist von Gott gepflanzt, und dieser göttliche Ursprung ließ unsere Väter und läßt auch noch heute die Getreuen ihrer Enkel in dieser hartnäckigen Hoffnung nicht eine trügerische Illusion, sondern eine unverwüstliche Zuversicht erkennen, daß über Jahr und Tag denn doch einmal die Mmacht der göttlichen Wallung die tote Vergangenheit zu neuem Leben erweckt. Insofern das Schwarzbachsche Kunstwerk die hartnäckigste aller Sehnsuchte neu fundieren Hilst, hat hier der Spieltrieb des Menschen, der schon das Kind zu Schimmel und Puppe drängt, nicht nur dem Wissen um Jerusalem und seine Schätze, sondern auch der Vertiefung unseres jüdischen Phantasie- und Gefühlslebens einen sehr beachtenswerten Dienst erwiesen. Abdul fiamid und die Juden. Tie Umwälzung, die sich in dem türkischen Staatswesen vollzogen hat, erweckt selbstredend auch bei den Juden des Landes das allergrößte Interesse und es herrscht aufrichtige Freude unter ihnen darüber, daß sich die Türkei nunmehr denjenigen modernen Staaten Europas angeschlossen, die die Gleichberechtigung aller Bürger auf ihre Fahne geschrieben. Sie werden ebenso wie die Andersgläubigen glücklich sein, dem Vaterlande künftighin nicht nur die Blutsteuer entrichten zu können, sie werden vielmehr auch ihre ganze intellektuelle Kraft einsetzen, um dem wiedergeborenen Vaterlande zu dienen. In letzterer Beziehung haben übrigens die Juden der Türkei schon seit vielen Jahrhunderten dem Lande die schätzenswertesten Dienste geleistet. Bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts, als der in Portugal von der Inquisition verfolgte Juan Miquos, der sich später Joseph Nassi nannte und durch seine Kenntnisse der intimen Zustände des der Türkei feindlichen Venedigs und Frankreichs seinem Freunde dem Sultan Selim die höchsten diplomatischen Siege verschaffte, spielten die Juden im Reiche des Halbmondes eine große Rolle. Ein jüdischer Diplomat Salomo Aschkenasi schloß späterhin Friede zwischen der Türkei und Venedig. Auch jüdische Frauen taten sich in diesem Reiche hervor, Ester Chiera war viele Jahre Vertraute eines tung zu tun, man hat den Beweis geliefert, aus den tiefsten, helligsten Träumen der Menschheit wird Wahrheit werden. Ich glaube, wir gehen einer herrlichen Zeit entgegen. Man wird nicht mehr die beste Kraft an ein wertloses Spiel setzen dürfen, in welchem nichts geringeres als Preis gilt als Menschenleben. Immer größer wird der Abscheu vor den Gräueln der Kriege, die oft aus ganz einfältigen, lächerlichen Ursachen angezettelt werden und die in ihrem traurigen Gefolge haben Bitterkeiten auf Bitterkeiten, Lahmlegung des geistigen, physischen, sittlichen und wirtschaftlichen Lebens. Immer mehr schwinden die Vorurteile der Massen, immer weiter wird die Perspektive, immer mehr erwacht der Instinkt für die Jntereffengemeinsamkeit aller Nationen. Immer mehr wird das Wahre, Edle und Schöne verstanden und geliebt. Schon ist auf fernen Bergen die Morgenröte sichtbar, der Friedensengel naht, by 11X3 HD DlW jTötWD wao D'inn Wie schön cst's, daß der Friedensbote naht! Wenn uns auch noch Berge von ihm trennen, seine Vorzeichen sind da und er wird sicher kommen. z-'QVQ 31B HP3D HJW er verbindet uns das Glück, er läßt uns Heilesbotschaft vernehmen. Wir wollen aufwachen aus unserem Schlafe, wir wollen uns ausrütteln. Wir müffen es als unsere Pflicht als Jude und Mensch betrachten, in den Reihen derer, die sich um den Frieden bemühen, tapfer mitzukämpfen. „Die Waffen nieder", „Krieg dem Kriege," so heißt das Losungswort. Vielleicht wird es den vereinten Kräften gelingen, den bluttriefenden Gesellen Mord und das häßliche Weib Verwüstung und die gräßlichen Larven Wahnsinn, Laster, Hunger, Wut, Raub, Pest, Verstümmelung und Verwesung abzuschütteln. Möge jeder von uns einen Tropfen reines Oel in die Lampe des Heiligtums gießen, aus daß Begeisterung alle Herzen entflamme, auf daß vor Millionen jubelnder Menschenstimmen getragen ein Ruf durch die Lüfte halle, deffen Echo durch alle Länder des Erdballs weiter getragen wird, der Ruf: Friede! Abraham Seiger'; religiöser Lbaraitter. Bon Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. (Fortsetzung.) Man sollte nun meinen, daß ein Jude, ein Rabbiner, der das einsieht, und der die Erhaltung des Judentums wünscht, in Konsequenz dieser Prämissen notwendigerweise zu dem selbstverständlichen Schluffe kommen muß, daß, wer auf die Juden einwirken will, die Erhaltung des Sultans und eine andere Jüdin heilte einen jungen Padischah von den Blattern, nachdem alle Aerzte ihn ausgegeben. Allein solche Gunstbezeugungen wurden auch in der Türkei immer seltener und hörten endlich ganz auf, je mehr das Reich erschlaffte, die Sultane Sardanapale wurden, und einerseits der Harem und andererseits die Prätorianer der Sipahis und der Janitscharen das Regiment führten. Ter Glanz der türkischen Juden erlosch wie ein Meteor und verwandelte sich auch da in dunkle Nacht, die nur noch von Zeit zu Zeit verzerrte Traumbilder zum Vorschein brachte. Erpressungen, Plünderungen, offenbare Gewalttätigkeiten der Paschas gegen die Juden der Provinzen fingen an, alltäglich zu werden, seitdem sie eines kräftigen Schutzes in der Nähe des Sultans entbehrten. Ties alles kann aber die Juden nicht dazu verleiten, dem eben abgegangenen Herrscher, wie das hier an der Tagesordnung ist, Fußtritte zu versetzen. Abdul Hamid konnte .sich, seinen atavistischen Allüren zun: Trotz, dem Einfluß der neuen Zeit nicht ganz entziehen und er hat sich, ob innerlich gewollt oder nicht, ein Anrecht auf die Dankbarkeit der Juden erworben. Vor jedem Passahfestesandte er dem Chacham-Baschi, (Hauptrabbiner) 8000 Francs zur Vertellung unter die jüdischen Armen. Als int Jahre 1883 ein Großfeuer hier 1000 jüdische Häuser vernichtet und über* 6000 Juden obdachlos gemacht hat, errichtete Abdul> Hamid ein Unterstützungskomitee, dessen Vorsitz er persönlich übernahm und er eröfsnete .die Sammlung mit einer Spende von 25,000 Francs zur Vertellung unter den jüdischen Armen. Ueber die Judenverfolgungen in Rußland sprach er sich häufig in mißfälliger Weise aus und den verfolgten rumänischen Juden hat er in Kleinasien Land angewiesen und die Kolonisten mit großen Summen aus feiner eigenen

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