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Der Israelit · 1909-05-25 · Heft 21 (25.5.1909) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 21 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gelte 4 28. Mat E Der Mraeltt. Auftreten ihre religiösen Interessen mit Sicherheit wahren und sich dabei zugleich die Bündnisfähigkeit von Fall zu Fall erhalten kann. Sie würde sich selbst das Grab graben, wenn sie, verleitet von dem durch eine Koalition errungenen Siege nun etwa den „Gemeindebund" oder den „Verband der deutschen Juden" auch nur scheinbar als den Boden ihrer Wirksamkeit anerkennen, und diesen Körperschaften damit das Prestige einer Gesamt Vertretung der preußischen Judenheit verleihen wollte. $ * Im übrigen möchten wir in eine Beleuchtung der in vielfacher Hinsicht lehrreichen Episoden der Gemeindetag-Verhandlungen erst dann eintreten, wenn unsere stenographische Auf nähme vorliegt. Die bisher veröffentlichten kurzen Berichte bieten der Besprechung keine zuverlässige Grundlage. ver neue finnische Landtag und das Sdiädifoerbof. Die Rabbinerversammlung in Wilna, über die wir in den letzten Nummern als von einem hoch bedeutsamen Ereignisse im Leben der russischen Judenheit berichteten, faßte auch eine Resolution zum Schächtverbot in Finnland, die, als Kundgebung der Entrüstung gedacht, auch die Hoffnung enthält, daß der kommende Landtag die durch nichts begründete und überaus drückende Maßregel aufheben werde. Inwieweit diese Hoffnung berechtigt ist, läßt sich nun, nach den am 16. dieses abgeschlossenen finnischen Landtagswahlen, wenn auch noch nicht mit völliger Sicherheit, so doch einigermaßen beurteilen. Wiederum haben die Altfinnen eine Niederlage erlitten und die Sozialisten einen vollen Sieg errungen. Unter 200 Stimmen werden die letzteren im neuen Landtag über 85 verfügen, während das konstitutionelle Zentrum 54 Mandate erhielt. Die Allsinnen bleiben in der Minorität mit 50 Stimmen. Die Chancen für die jüdische Gleichberechtigung sind, vorausgesetzt daß einem derart zusammengesetzten Parlament nicht von Petersburg aus ein frühzeitiges Ende bereitet wird, nicht gerade schlecht. Der Senat, der ausschließlich aus judenfeindlichen Altfinnen besteht, hat keine Partei im Landtag und wird in seiner Ausrottungspolitik nach dem Rezepte der Echtruffen keine Unterstützung finden. Die Sozialdemokraten sind die Väter des Antrages auf Gleichberechtigung der Juden und werden für ihn eintreten. Das konstitutionelle Zentrum ist aber durch sein Parteiprogramm gehalten, dem Antrag zuzustimmen. Anders aber sie schmeichelt dem sinnenden Gemüt so sehr — und tvarutn sollte das Kind nicht träumen dürfen, ob auch, bis die Erfüllung seines Traumes kommt, Jahre vergehen? Und sind wir Erwachsene denn besser, weiser und vernünftiger? Da ist einer, der seine Mutter nie gekannt. Er war klein, als sie starb — sn seiner Erinnerung fehlt das Bild ihres wirklichen <-eins. Stur aus Schilderungen derer, die sie von Angesicht zu Angesicht gesehen, träumt er sich eine ungefähre Vorstellung ihres Gesichts, -hrer Gestalt, ihrer ganzen Persönlichkeit zusammen. Da komint nach Jahren einer und bringt ihm ein Geinälde seiner Mutter, voll dessen Dasein er nie gewußt. Wie er das Gemälde sieht, kann er nicht anders — er weint, und in seiner Träne ergießt sich ihm der ganze tiefe Schmerz darob, daß er von Kindheit an verurteilt war, mutterlos durchs Leben zu gehen — im Augenblick, lvo er zum ersten Mal deutlich ihre Züge sieht, ist's ihm, als habe er sie erst jetzt verloren. Schon als Kirrder haben wir vom TempelinIerusalem gehört. Ueberschwänglich malt die Chronik seine Pracht. Und Bücher und Lehrer reden es ihr nach — in kalten und bei allen Superlativen, doch so hohlen, nichtssagenden Worten, die es jedem Lehrer und Hörer überlassen, sich nach Maßgabe seiner Einbildungskraft eine Vorstellung davon zurechtzuzimmern. Da hilft kein Bild, kein Wort, jeder denkt was eigenes dabei, phantasiert davon eine halb- oder ganzverschwommene Anschauung sich zurecht. Die meisten denken an ein glänzendes Gebäude, an den Prachtbauten ihres individuellen Ersahrungskreises sich dabei unbeholfen orientierend. Wollte inan einmal in die Phantasieecke hineinleuchten, wo bei den meisten Unter uns das^npvnn^asiüne Stelle hat, es erwiese verhält es sich mit der Frage des Schächtverbot e s, mit dieser empfindlichsten aller Beschränkungen, die, wie die Erfahrung gelehrt, sich als Aeußerung des praktischen Antisemitismus unter allerlei Deckmäntelchen auch mitten in einem theoretisch konstitutionellen Zustande erhalten kann. Es ist zunächst die Frage, ob ein diesbezüglicher Antrag überhaupt im Landtage eingebracht wird, und dann, welche Aufnahme er dort findet. Daß der Senat eine von ihm willkürlich getroffene Maßregelaus freien Stücken einer nochmaligen Revision durch die Volksvertretung unterziehen lassen wird, ist nicht gut anzunehmen. Die K o n st i - tutionellen hüten sich aber, getreu der Taktik der ihnen geistesverwandten Kadetten in der Reichsduma, peinlich davor, irgend eine Initiative in der Judenfrage zu ergreifen und werden daher von einer Interpellation in dieser Angelegenheit absehen. So beruht die Hoffnung einzig auf den Sozialisten, deren Stellung zur Schächtfrage sich aber mit absoluter Sicherheit nicht bestimmen läßt. Jedenfalls muß die Aufklärungsarbeit mit aller Energie einsetzen. Daß die Freiheitsparteien schon aus Rücksichten der Religions- und Gewissensfreiheit ohne weiteres zugunsten der Juden in dieser Beziehung gestimmt sein werden, diese optimistische Auffassung könnte leicht zu einer unangenehmen Enttäuschung führen, ipat man es doch in Berlin erlebt, daß ein Führer der Sozialdemokraten es mit seinen Anschauungen über Recht und Freiheit vereinbar hielt, im Rathaus ein Schächtverbot zu propagieren. Darum dar? nichts versäumt werden, was zur Belehrung und Aufklärung der Abgeordneten über diese wichtige Institution des Judentums nur irgend beitragen könnte. Der Beschluß der Rabbinerversammlung betreffs Herausgabe und Verbreitung der schächtqünstigen Schriften und Gutachten müßte mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Lage ohne Verzug zur Ausführung gelangen. Andererseits dürfte es gerade an Hand der Rabbiner-Kundgebung nicht schwer fallen, die Rechrdenkenden davon zu überzeugen, wie nngemein viel diese von böswilliger Seite in tendenziöser Verdrehung der Tatsachen so gering eingeschätzte Institution für uns bedeutet und wie viel uns an ihrer Erhaltung gelegen ist. Nur dann darf mit einem Eingreifen des Landtages im Sinne der Rabbiner-Resolution ernstlich gerechnet werden. sich dabei unzweifelhaft der Tempel zu Jerusalem als ein chimärisches Etwas, als eine Art architektonische Sphinx: halb Kaiserpalast, halb Opernhaus, Gelehrtere tvissen zwar auch von verwickelten Einzelheiten zu reden, von Wölbungen des Fundaments, unter denen der Strom Kidron floß, von Geländern rings um den Tempelberg, vin Nikanortor und Säulenhallen, von Wächtertürinen und Sanhedrinsälen, vom Allerheiligsten und Altar — aber das alles lebt nicht klar und geordnet in ihrer Phantasie, die nur nnbeholsen die einzelnen Hallen und sonstigen Tempelteile in die richtige Stelle einzuregistriercn weiß und sich ans,die Zeit vertröstet, lvo der Tempel selbst einmal zu wirklichem Leben aus seinen Triiminern ersteht. Es ist darum mit Freuden zu begrüße», -- und seitens hervorragender rabbinischer Autoritäten ist dies bereits in dankenswerter Weise geschehen — daß Herr Leon S ch rv a r z b a ch aus Skala arn Zbmoz es ^unternahm, eine Holzschnitzerarbeit zu verfertigen, die sich als eine getreue Nachahmung des Tempels in Jerusalem darstellt. Die Arbeit, die nach dem Urteil von Sachverständigen ein hervorragendes Kunstwerk ist, wurde dieser Tage von dem Künstler zu Frankfurt a. M., Allerheiligenstraße 76, zur Besichtigung seitens aller Interessenten — und wer wollte sich bei einem solchen Ausstellungsobjekt nicht zu den Interessenten zählen -- Ausgestellt. Es ist ja modern heute, für Palästina zu schwärmen, und zum bonton der oberen und auch der mittleren Zehntausend zählt.'s, per Schiss und Wsenbahn nach der Stätte zu wettfahren, wo einst 'SV der Inbegriff alles Schönen, tV)Xn?a V1V!2, die Wonne der ga nzen Erde geweilt. Die Augen der meisten Palästinafahrer modernen Kalibers sind indessen allzusehr für die Schönr-nr Judentum und f riedensbewepng. Bon Dr. M. Ascher in Neuchütel. (Schluß.) 'isb xam ins? nnr nb x’aa n\n um (9) 'k 'n nana narr an1? narrn pnar1? xan xaasn fjrt: na innm nan'a nana nnin' bv naTnax ♦man a^arcS ny „Und dort (zu Schomron) war ein Prophet des Ewigen, Oded mit Namen, und er ging dem Heere entgegen, das nach Schomron kam, und sprach zu ihnen: Siehe, im Grimm des Ewigen, des Gottes eurer Bärer, gegen Juda, gab er sie in eure Hand, und ihr würgtet unter ihnen mit einer Wut, daß es bis an den Himmel reichte." Sonst war es immer Juda, das des Gottes der Väter gedachte und von dem die Aufforderung, treu zu bleiben, ausging, hier aber leuchtet einmal die Sonne aus Israel. Der Prophet Oded geht dem siegreichen Heere entgegen und überhäuft es mit Vorwürfen: „Ihr wähnt, durch eigene Kraft gesiegt zu haben, und siegtet in Wirklichkeit doch nur, weil Gott gegen Juda zürnt. Ist er denn nicht auch der Gott eurer Brüder, und nun habt ihr unter ihnen ein entsetzliches Blutbad angerichtet." anax ariK n^wm rnvr ’aannpi (io) □aar nnx pn xHn na*? anar*? waaS ♦'s 'ib nwx „Und nun denket ihr, die Kinder Jehudas und Jeruscholojims euch zu Knechten und zu Mägden zu zwingen — gewiß, das wird euch nur zu einer Verschuldung gereichen gegen den Ewigen, euren Gott." amaty -wx n’at&n lanrni 'aiyaw nnrn (ii) .na^r 'n *]x |nn ’a naTrxn „So höret mich denn und gebet die Gefangenen zurück, die ihr fortgeführt von euren Brüdern, denn die Zornglut des Ewigen ist über euch." Sie sollen also die Gefangenen zurückgeben, sie sollen freiwillig Verzicht leisten auf das, was ihnen als Sieger unbedingt zuftand und was an positivem Wert nach vielen Millionen zu tarieren war. Man möchte die Aufforderung Odeds für den eitlen Traum eines Idealisten, für eine absolut aussichtslose Zumutung halten. Doch etwas Seltsames ereignet sich! Die Häupter werden stutzig, beraten sich, überlegen. nan n’awn nx ix'an xb nnb naxn (13) aanxan bv rpanS anax nnx aa^y 'n natyx*? 'a *?x pjx ]nm Vjb natrx nan 'a aanawx *?jn ♦Srren heilen der Riviera, des Rigi, der Nordsee eingestellt, um die traurige Slnmut, in die sich vor bald 20R) Jahren Jerusalems strahlende Pracht von ehedem gewandelt, mit Verständnis „geiließen" zu können. Unr über die -Schönheiten des heutigen Jerusalem seine Häßlichkeiten zu übersehen, dazu bedarf es oiiier jüdisch gestimmten Seele, die inan freilich nicht so wohlseil wie den Bädeker erwirbt. Erweckung oder Auffrischung des religiösen Elements inr geschichtlichen und künstlerischen Allschauen Jerusalems und seilier heiligen schätze mag darum für viele die Schwarzbachschc Imitation bedeuten. Wer eine mit nationaljüdischen Erinnerungen getränkte Stunde verleben will, der möge kommen und schauen. Hier ist der Eingang zum Blumengarten, woher der Dust der Blumen in das Allerheiligste drang. Durch jenes Tor wurden die vorn hohen Gerichtshof zu einer Strafe Verurteilten vorn Tempelberg hinweggeführt. In diesen Kellern, die den jungen Leviten als Üebungsort zum spielen diente, wurden die Musikinstrumente ausbewahrt. Dort ist das Tempelhaus, die Vorhalle, Oberstock und Dach über dem Allerheiligsten, das Backhaus für die Opferbrode, die Garderobe für die Priestergewänder, die Zelle, in welcher der ,vna ]na badete, bevor er am Versöhnnngstag das Slllerheiligste betrat. Die iüe richtssäle des kleinen uno großen Sanyedrin zaubern der Phantasie des sinnenden Beschauers die großen Tage der jüdischen Vergangenheit zurück: 71 ehrwürdige (Gestalten tauchen neben den 23 der kleineren Justiz ans ihrern verschollenen Schattenreich ans Licht, und am Eingang zum Männerhof erinnert man sich an das sonderbare Geschick des Nikanortores auf seiner Meerfahrt von Alexandrien nach Jerusalem. Hier ist der Schwursaal, wo am Versöhnnngstag der Hohepriester den Aeltesten den Eid geleistet, treu und rein im Aller-

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