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Der Israelit · 1909-05-25 · Heft 21 (25.5.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 21 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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WWW iMte f. «r. 21. wird sie auch in Armut vernachlässigen und wer sie selbst in Armut aufrecht erhält, wird sie auch im Reichtum aufrecht halten." Man wird sich vergeblich in allen Zeiten und Zonen nach einer Wissenschaft umschauen, die an ihre Jünger solche Ansprüche stellt wie die Wissenschaft der Thora sie nicht etwa von einem abgegrenzten Stand, sondern von einem ganzen Volk verlangt. Noch erfolgloser wird man nacheinem Kreise Umschau halten, der diesen Anforderungen t. so voll und ganz Rechnung trug, als Israel mit i seiner vollendeten Hingebung an die Aneignung und Erhaltung der Tora. So groß auch das Wunder ist, mit dem die Thora, diese Lebensseele Israels, den oft so schwer bedrohten und verkümmerten .Volkskörper erhalten hat, das Wunder der beispiellosen Hingebung, mit der Israel sich seine Thora behauptete, ist kaum geringer. Unserer Zeit klingt eine solche Hingebung unmöglich und märchenhaft. Ihr eigentümlicher Zug, möglichst mühelos zu besitzen und zu genießen, ihr Bestreben, mit geringem Einsatz hohe Treffer zu gewinnen, beschränkt sich nicht nur auf den Besitz irdischer, sondern auch aus die Aneignung geistiger Güter. Spielend und tändelnd zu lernen, Alt ihr als Ideal. Der rückhaltlose Ernst daoeaen, der Gut und Blut einsetzt, um sich die Wahrheit zugänglich zu machen und sie sich zu erhalten, dünkt ihr eine unerhörte Zumutung. Das beginnt schon bei der Erziehung und Heranbildung der Jugend für die Thora und behauptet sich durch alle Altersstufen. Während der alte jüdische Kanon lautet, daß vom lallenden Kinde bis rum sterbenden Greise, daß Hoch und Nieder, Arm und Reich, daß alle ohne Ausnahme um die Kenntnis der Thora sich bemühen müssen, hat bei uns jeder Stand und jedes Alter seine besonderen Ausflüchte, um sich vom Studium der Thora zu dispensieren. Während die jüdische Erziehungsregel lautet: „Sobald das Kind zu sprechen anfängt, lehre es der Vater Thora und zwar das Wort: „die Thora, zu der uns Moscheh verpflichtet, ist das zu vererbende Gut der Gemeinde Jakobs," vertändelt unsere Pädagogische Ktnderweisheit die ersten Lebensjahre durch Erzählungen von Märchen und Spuk aller Art und glaubt ihm die ewige Wahrheit der Thora nicht lange genug vorenthalten zu können. Kommt das Kind in die Schule und diese macht dann ihre Rechte auf die junge Kinderseele geltend, dann muß sich die Wissenschaft der Thora mit dem Abhub der Zeit begnügen, und sie darf noch von Glück reden, wenn ihr dieser wenigstens noch verbleibt. Denn gewöhnlich ist auch das nicht der Fall. Mit dem Natur und Gesetz. Bon Rabbiner I. Nobel in Halberstadt. - nivn *b na* /■«r '*1 nnin *|ban I asb mrr tmnna *6« «nnnb ronac mann |: ptptn vi'2 na b*mrb n"apn nbj na ^aai 5 np* ba nöKtp non w dt» iy w dvd nai | d’ith *ro) anb nba Ta ytzm ntpya 'n nnn i ♦(hm I „Der König brachte mich in seine Gemächer." Hiert: -U R. Janai: Die eigentliche Thoravorführung sollte 1 mit dem Verse beginnen U. B. M. 13, 1: „Dieser | Monat sei euch der erste usw." Wozu hat der Allheilige i es Israel offenbart, was am ersten und was am zweiten '( SchvpfungStage geworden, bis zum sechsten Tage? | Das geschah entsprechend dem einstigen Verdienste Israels, das am Berge Sinai gesprochen: „Alles, was Beginn der Schulzeit beginnt auch die Klage wegen Ueberbürdung der Kinder. Wie begründet oder unbegründet diese Klage sein mag, soll hier nicht erörtert werden. Hier gilt es nur die Tatsache zu betonen, daß, wenn es sich um Entbürdung der Kinder handelt, es dann gewöhnlich zu allererst das Aschenbrödel aller Disziplinen, die Thora ist, die ihr zum Opfer fällt. Um wie vieles, um wie weniges wird durch dieses Verfahren die Bürde des Kindes wirklich leichter? Ist es ein Wunder, wenn so entbürdete Kinder, nachdem sie aus dem Leben der Schule in die Schule des Lebens getreten sind, dann nicht wieder aus freien Stücken, die teuere Bürde auf die Schultern nehmen, die verblendete, einsichtslose Eltern in die sie umflutende Zeitstörung geworfen haben? Wenn unsere Kinder erst junge Leute werden, dann umfängt sie die Sorge um Geschäft unb Beruf, und die Mußestunden gehören der Zerstreuung, dem Leichtsinn und der Sünde. Aber die alte Sinaipflicht, sich der Mühe des Thorastudiums zu unterziehen, weisen sie als unerhörtes Ansinnen widerwillig zurück. Und die Männer, die aus diesen jungen Leuten heranreifen, glauben ihre ganze Zeit und Kraft dem Erwerb hingeben zu müssen. Für die Thora und ihren Anspruch, den sie an jede Zeit stellt, haben sie kein Ohr und kein Herz, kein Verständnis und keine Empfindung. Wenn man ihnen erzählte, daß es in den Zeiten unserer Väter und Großväter D'TfV und D'ra in jeder Gemeinde in Hülle und Fülle gab, die neben ihrem Geschäft früh und spät Zeit und Muße zum gemeinsamen Thorastudium hatten, sie würden es nicht glauben. Könnten sie trotzdem die Tatsache nicht in Abrede stellen, so wären sie sofort mit der Ausflucht zur Hand, daß das allerdings auch eine andere Zeit war, daß aber für Zeiten und Verhältnisse, wie es die unsrigen sind, diese Hingebung an die Beschäftigung mit der Tora eine Unmöglichkeit sei. Es ist dies eine wunderbare Erscheinung! Dieselben, die sonst den Mund nicht voll genug nehmen können von dem Fortschritt, der Bildung und Aufklärung unserer gepriesenen Zeit, stellen derselben Zeit das kläglichste Armutszeugnis aus, wenn man sie für andere als materielle Zwecke, wenn man sie für wirklich höhere, geistige und ideale Ziele reklamieren will. Verdient unsere Gegenwart wirklich das Diplom der Erleuchtung und des Fortschritts, das ihr ihre Kinder so bereitwillig zuerkennen, wenn ihre Verhältnisse und Zustände in der Tat so compliziert und erschwert sind, daß die Suche nach Brot den Suchenden jede Möglichkeit eines Aufblickes zu Höherem und Ewigem benähme? Gott geredet hat, wollen wir auSüben und hören! Darum hat Gott all dies von Anfang an kund getan." (Rabba.) Jauchzend klingt es heraus aus dem der jüdischen Nation gewidmeten Hohenliebe: „Der König hat mich in seine Gemächer gebracht." Unsere Weism haben auS diesem triumphierenden Tone des dem Gottesgesetze und der GotteSliebe angelobten Volkes die Vertraulichkeit herauSgehvrt, mit der der ewige Gesetzgeber sein Volk eingeführt in die Geheimgemächer, wo Satzung und Schöpfung vom selben Geiste der Gotteshörtgkeit um geben find. Die sechs Schöpfungstage hindurch ertönt Tag für Tag ein Schöpferwort, und jedes Wort bedeutet und bewirkt eine Schöpfungstat. Am sechsten Tage aber, an der Grenze, wo Nacht und Tag sich scheiden, ruft der Schöpfer sein Halt! und die Schöpfung hält inne mit ihrem Werden, fie horcht auf und unterläßt das schaffenSkrästtge Tun, denn der Weltenmeister hat Feierabend geboten. Auf Gottes Ruf setzte fich das Triebrad der Schöpfung in Bewegung, unb auf Gottes Ruf stand es zur festgesetzten Sekunde still. In der Bewegung wie in der Ruhe, im Tun wie im Untertaffen verkündet die Wett: „Ich bin Gottes L chöpfung und vollständig in seiner Allmacht." Dieselbe Verkündigung vernahm die Wett als das Echo der Gottesoffenbarung am Berge Sinai: nTO5 ertönte, Tun und Hören, wo und wann Gott das Tun geunb verbietet - also ntptf filLtz und nttWl rib JTUCÖ entsprechend dem „Werde!" und „Halt!", die das Lun und Lassen regulierten. Freudig ruft Israel am Sinai: nßW und übernimmt damit die treue Erfüllung des ThoragesetzeS, ob dieses nun die Forderung deS ntPtf oder des nttWfl rib stellt. Damit erwirbt fich Israel ein Verdienst und ein Recht darauf, in die geheimen Werkstättm deS Wetten- 25 Mai 1209 In Wirklichkeit ist das Gortlob eben auch gar nicht der Fall und die Klagen über die schweren Erwerbsverhältnisse unserer Gegenwart im Vergleich zu vergangenen Zeiten beruhen zum mindesten auf einer großen Selbsttäuschung. Freilich ist der Kampf um das bloße Dasein heißer und die Zahl der Kämpfer eine größere geworden, als zur Zeit unserer Großväter. Aber dafür hat sich auch der Boden erweitert, der allen zur Bearbeitung frei steht, dafür liegt auch die ganze Welt den Brotsuchenden offen da und dem regen Geist, verbunden mit ernstlicher Energie, ist die Möglichkeit gesichert, der Schlaffheit und der Mittelmäßigkeit den Rang abzulaufen. Das war in jenen alten Zeiten nicht der Fall. Kein noch so Heller Geist, keine noch so rührige Tätigkeitwar stark genug, die Schranken zu durchbrechen, welche die Großväter in ihre Ghetto's pferchte. Das höchste Aufgebot aller Kraft war nicht im Stande, auch nur einen Stein aus den Felsblöcken zu brechen, die dem Juden den Zugang zu allen redlichen und ergiebigen Nahrungswegen versperrten. Und doch erblickten die o'ra 'bys jener Zeit in der unüberwindlichen Schwierigkeit aller Erwerbsverhältniffe keinen Freibrief für die Unterlassung des Thorastudiums. Ein Vergleich zwischen Einst und Jetzt müßte nach dieser Seite hin zu einem überaus betrübenden Ergebnis führen. Aber wir lassen ihn ungezogen, angesichts des heiteren Festes, der herannahenden limin fnv P2l. Die Thora, die uns an diesem Tage Gott vor Jahrtausenden gab, gibt er uns heute noch täglich und stündlich, sobald wir nur mit dem festen Willen an sie herantreten, sie uns wieder von neuem anzueignen. Drang nach Aneignung von Wissen nnd Kenntniffen jeder Art, der unsere Zeit in so herzerhebender Weise adelt, kann auf die Dauer nicht vor der Wissenschaft aller Wissenschaften, vor der Erkenntnis unseres Lebensgesetzes Halt machen. Mag eine oberflächliche Leichtlebigkeit immerhin in dem Gesetze eine Schranke der persönlichen Freiheit erblicken und ihm deshalb gram sein, w i r wollen nicht müde werden, so lange und so entschieden unsere Tage und Wochen von der Freiheit zum Gesetze zu zählen, bis sich alle wieder im Geiste um den flammenden Sinai zu dem alten Bäterschwur zusammen finden: .yDtwi ntpy: 'n -an bs « w MOl* » meisters, in die ^bvN geführt zu werden, damit es dort vernehme, wie das göttliche das Schöpfungsgetriebe vom ersten bis zum sechsten Tage in Bewegung setzt, bis zu der Sekunde, da das göttliche ntWtfl rib! der Bewegung ein Halt gebietet und auf die Arbeit die Ruhe folgen läßt. Noch eine andere wichtige Aehnlichkeit findet fich zwischen der Art, wie in den sechs Tagen des Werkes fich die irdische Welt gründet, und der Art, wie die Offenbarung auf Sinai grundlegend und erhaltend fortgewirkt für die Welt der Sittlichkeit und des Rechts. Die Schöpfungsgeschichte begnügt fich nicht damit, zu verzeichnen, daß auf Gottes Geheiß Himmel und Erde und was fie füllt, geworden, sondern fie markiert auch, in feiner Linie zwar, die Art und Weise, wie fie es geworden. Nicht als ob uns die Thora in ihrem Anfang ein System des Weltanfanges und Weltaufbaues, eine systematische Elementarkosmologie darbteten wollte. Das nicht. Allein soviel sollen wir doch an diesem schrittweisen Vorrücken des schöpferischen Werdeganges Tag für Tag merken, daß jedes einzelne Tagewerk lebendig ins Dasei» treten unb die Bedingungen dieses Daseins wirkend und weiter schaffend erfüllen mußte, um fich in feiner Entwicklung zum Weltganzen als das von Gott berufene Teil des von chm geplanten Universums zu zeigen und zu bewähren. „Gott sprach: es werde!" steht am Anfänge des Tages, „Gott sah, daß es gut sei" steht am Ende desselben, und zwischen Anfang und Ende liegt ein Tag mit dem Vollzug des göttlichen Geheißes, ein Tag seiner Geschichte. Nicht seine Werke, l'VVL), allein hat Gott seinem Volke, dem Träger deS ewigen WeltgrunbbucheS, kundgetan, sondern auch die zeugende, fortwtrkende Kraft seiner Werke, TtPtfE N2, wie fie fich auSlebt und von heute zu i « k § r i 9 kl d fl v k> ei ei i! ei a V o! u w fe st & d ti « V i:-

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