Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1909)
- Date
- 1909-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Rv. 844. Conto bei der Ä. K. P-stsparkaffe «Sie» No. 7»««. Conto bei de« R. Postfparkaffenaurt Bnbapest No. 18424. Conto bei der Rigaer Conunergbank in Riga und deren Filialen. 0er Nachdruck Ser Artikel unS correlponSenzen des „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, ünd, foroeit es flcfi um größere Auffäfte handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gehaftettaste. iah. ide. gen, t 237 BHe für I. und II Quartal noch außenffeheriden Abonnementsbeträge werden wir Anfangs 3uni per Poffnachnahme?u?üglich Spesen erheben lassen. Verlag des „Israelit", 6 m. b. ß. MWK Cborastudiwm. Gezählt sind die Tage und Wochen, die uns von urmn p? zur urmn jno jot geleiten llnd die Brücke zwischen Freiheit mtb Gesetz itt einer Weise schlagen, die jede Stunde zum Herold der Wahrheit macht, das; das Fest der Freiheit erst durch das Fest des Gesetzes seinen vollen Abschluß erhält, daß Freiheit und Gesetz nicht entfernte Gegensätze^ sind, sich vielmehr derart verbinden und harmpnisch ergänzen, daß nur derjenige frei,?'"Vin p, ist, der sich ganz dem Gesetz, der min unterstellt. Inniger als sonst qnittt's ans der gottreuew jüdischen Brust, wenn die Stunde naht, in der vor mehr als 3000 Jahren der Himmel die Erde küßte und Gott seinem Volk das Gesetz seines Lebens gereicht, wenn dann die alten, heiligen Rollen sich öffnen und wir vor sie hintreten, mit dem Segen und Preis Gottes, der uns auserwählt aus allen Völkern, indem er uns seine Thora gab. Wenn die Thora llns dann nicht wieder entläßt, ohne daß wir für ihre Wahrheit Zeugnis oblegen und für das ewige Leben, das Gott mit ihr in unsere Reihen gepflanzt, wenn lvir sie Hochhalten, als die Thora, die einst Moscheh Israel überbracht, als irnser altes, ehrwürdiges Banner, das wir aus zahllosen erbitterten Kämpfen unversehrt gerettet haben und wir sie mit begeisterten Gesängen wieder zu ihrem heiligen Schrein zurückgeleitet haben, dann weckt diese laute, schwellende Begeisterung mehr als sonst die stille Frage: Ob diese rauschende, äußere Verehrung der heiligen Thorarollen auch der inneren, auch ihrem Inhalt, ihren Anforderungen, der ganzen Art und Weise entspricht, mit der ihre Bekenner ihr gerecht werden. Für ein Kleinod Gott zu danken, durch dessen Besitz er uns ausgezeichnet und dieses Kleinod dann unbeachtet und gleichgiltig in der Ecke liegen zu zu lassen, das wäre ein schreiender, unerträgli ' Widerspruch, dessen Schärfe sich vielleicht mals so fühlbar macht, als in der Stunde unserer Erwählung, als an dem Feste, das ihrenr Gedächtnis gestiftet ist. Wenn Gott uns sein Gesetz anvertraut hat, so fordert dieses Vertrauen die treue Hinnahme, die rastlose Hut und die gewissenhafte Befolgung dieses Gesetzes. Das Bewußtsein von der Würde dieser Bürde ist aber vielfach so getrübt und zum Teil so gänzlich geschwunden, daß es einmal geboten erscheint, an Aussprüchen und Zügen aus dem Leben unserer großen Meister zu zeigen, wie sie dieser Pflicht gerecht wurden. Einer der hervorragendsten unter ihnen, Rabenu Moscheh ben Maimon — Rambam - hat die für die Praxis maßgebenden Bestimmungen in seinen H i l ch o th Talmud-Thora zusammengestellt. Es mögen hier daraus einige Sätze folgen, um an ihnen zu zeigen, wie diese ernste Hingebung an das Studium der Thora von ihren Meistern gelehrt und verwirklicht wurde. Kap. I § 8. Jedermann in Israel ist zum Studium der Thora verpflichtet, der Arme, der Reiche, der körperlich Gesunde und der mit Schmerzen Behaftete, der Jüngling und der hochbetagte, altersschwache Greis. Auch derjenige Arme, der auf Mildtätigkeit.angewiesen, gezwungen ist, an den Türen zu betteln, ist, selbst wenn er Frau und Kinder hat, verpflichtet, sich bei Tag und Nacht eine Zeit für das Studium der Thora festzusetzendenn es ist gesagt: Sinne darin bei Tag und bei Nacht. § 9. Unter den großen Weisen Israels gab es Holzhauer, Wasserschöpfer und Blinde, dennoch befaßten sie sich mit dem Studium der Thora bei Tag und bei Nachtsie gehörten zu den Trägern der Ueberlieferung, die sich von Mund zu Mund fortpflanzt und bis auf unseren Lehrer Moscheh zurückreicht. 8 10. Wie lange ist man zum Studium de* Thora verpflichtet? Bis zur Todesstundedenn es ist gesagt: Die Worte der Thora sollen nicht aus deinem Herzen weichen, alle Tage deines Lebens. Sobald man nicht lernt, vergißt man. § 11. Die dem Lernen zu widmende Zeit ist in drei Teile zu teilen. Ein Drittel ist für die geschriebene, ein Drittel für die mündliche Thora und ein Dattel für die Gemoro zu verwenden. Kap. HI § 3. Es gibt keine unter allen Pflichten, welche derjenigen des Thorastudiums an Wichtigkeit gleich käme. Das Thorastudium überwiegt alle anderen Pflichten, denn es drängt ur Tat, deshalb muß es ihr überall voran- § 5. Wenn einst die Stunde der Borantwortung für jeden. Menschen kommt, so hat er sich über die Erfüllung dieser Pflicht des Thorastudiums zu allererst <zu verantworten und dann erst über andere Handlungen. Deshalb sagen die Weisen, daß man sich immerhin mit der Thvra beschäftigen solle, selbst/ wenn es nicht in lauterer Absicht geschieht. Die nicht-lautere Absicht wird die lautere zukiFolge.-haben. § 6. Wenn ,es "gilt, diese Pflicht nach Vorschrift zu erfüllen und sich die Krone der Thora zu erringen, darf man seine Aufmerksamkeit nicht anderen Dingen zuwenden und sich nicht mit der Thora auch Reichtum und Ehre erringen wollen. Das ist dex Weg, der zur Tora führt: Iß Brot mit Salz, trinke Waffer nach Maß, schlafe auf der bloßen Erde, führe eine eingeschränkte Lebensweise und sei emsig für die Thora bemüht. Es liegt dir nicht ob, alles zu erreichen, aber es steht dir deshalb nicht frei, dich ihrer ganz zu entschlagen. 8 12. Die Worte der Thora bleiben nicht dauernd bei demjenigen, der sie sich in lässiger Weise aneignet, auch nicht bei denjenigen, die sie inmitten ihrer Zerstreuung oder beim Essen und Trinken lernen, sondern nur bei dem^ der selbst in den Tod für sie geht ünd dem Körper Werwährend Entbehrungen auferlegt, seinen Augen keinen Schlaf, seinen Wimpern keinen Schlummer gönnt.-Wer sich im Geheimen für sein Studium abmüht, wird weisewer beim Lernen laut die Stimme erhebt, dem verbleibt das Gelernte, wer dagegen leise lernr, vergißt sein Lernen rasch. 8 13. Obwohl es Pflicht ist bei Tag und bei Nacht zu lernen, so eignet sich doch Jedermann den größten Teil seines Wissens bei Nacht an. Wer daher die Krone der Thora erlangen möchte, achte auf seine Nächte und verliere auch nicht eine einzige durch Schlaf, Effen, Trinken, Unterhaltung u. dgl., sondern verwende sie zum Studium der Thora und der Wissenschaft. Die Weisen haben die Nacht als eigentliche Zeit für das Studium der Thora bezeichnetsie sagen: Wer sich mit der Thora des Nachts befaßt, um den schlingt Gott das Band seiner Liebe bei Tag. Sie sagen ferner: Wer sich mit der Tora beschäftigen könnte und es nicht tut, oder es hätte jemand die geschriebene und die mündliche Thora gelernt, sich aber dann von ihr losgesagt, um sich den Nichtigkeiten der Welt hinzugeven und vernachlässigt so sein Studium, der hat das Wort Pottes verachtet. Die Weisen lehren ferner: Wer hie Thora wegen seines Reichtums vernachlässige