Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 20 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12. Der Israelit. 21. Mat 1909. Rr. 20. Unsere Seele besitzt aber Neigungen, Begierden und Wünsche; wollen wir sie heiligen und rüsten, so müssen wir alles Unedle in uns — den jnn — besiegt haben, deshalb beten wir VW Um in dem Kampfe gegen das Böse zu siegen, müssen wir uns besonders vor dem Umgang mit bösen Menschen hütenwir beten deshalb pxn w. Unterst ü tz t werden wir in diesem Kampfe durch einen bescheidenen, dein u t s v o l l e n Sinn: D'öbiyn *?3 sl3i. Stolz aber dürfen wir sein auf unsere Ahnen und auf unseren Beruf als das Volk Gottes: *?3N und unJK Israels Beruf aber besteht darin, den Namen Gottes den anderen Völkern zu verkündigen und durch einen heiligen Lebenswandel seinen Namen zu heiligen: Kin nnt<. Diesen Zweck hat auch seine Zerstreung unter die Völkersie ivird aufhören und Israel wird nach seinem Lande zurückkehren, wenn es seinen Beruf erfüllt und wenn die Zeit sich erfüllt hat: nnt«? ton. In gleicher Weise wird ein Ueberblick über die mon -piOD gegeben: 1. Wir haben als Israeliten eiue Pflicht/ Gott zu rühmen, denn a) Gott hat mit unseren Vätern einen Bund geschlossen, den er treulich gehalten hatdarum beten nur Hin bis iym *?K. b) Gott hat einst ganz Israel gesammelt und geehrt, das Gotresreich über alle Völker begründetdarum beten wir in'V bis^n*? e i Wir haben Gott für alle die Wohltaten zu danketl, die er fortwährend dent ganzen Volke erwies und noch erweist: iivlO min*?. 2. Wir haben als Menschen Gott zu rühmen. Zu allen Zeiten hat Gott seine wunderbare Größe, Allmacht und Herrschaft offenbart. Seine Ällgüte, Langmut und Allbarmherzigkeit hat er stets gegen alle gezeigt. Darum muß jeder Mensch Gott rühmendeshalb beten wir das Davidslied “il"!*? n*?nn. — In den folgenden vier Psalmen wiederholt sich derselbe Gedanke in verschiedener Form. Wir müssen Gott loben, denn a) Gott ist Schöpfer und Versorger der ganzen Welter waltet auch über Zion. b) Gottes Fürsorge erstreckt sich auf alle Wesen, sie gilt aber besonders Israel, dem er seine Thora gegeben. c) Gott hat der Natur Gesetze gegeben, und er hat Israel beigestanden. d) Gott wird dem Volke Israel und der ganzen Menschheit eine herrliche Zukunft bereiten. Als Schlußpsalm: Darum sollen alle Wesen mit Sang und Musik ihn ver herrlichen. Den Kern des Morgengebets bildet das yctp mit zwei einleitenden und einer Schlußbenedeiung folgenden Inhalts'): 1. Benedeiung für das Wiedererscheinen des Tageslichts, durch das die wohlgeordnete Schöpfung neu verjüngt den Schöpfer lobpreist: HK VjTP; 2. Benedeiung für unser geistiges Licht, die Thora: H3n nana. Darauf das yötr in drei Abschnitten, durch die wir uns l. zu unserem Gott und seinem Dienste, 2. zu dem Glauben an seine gerechte Vergeltung, 3. zu den einzelnen Gottesgeboten bekennen, an die das Zizisgebot erinnern soll. Die Schlußbenedeiung enthält das auch im letzten Abschnitte des Sch'iua schon angedeutete Bekenntnis, das; die Wahrheit der erwähnten Glaubenssätze erkannt lind angenommen worden sei, als Gott Israel aus Egypten erlöste: nVixi. Die Gliederung des Achtzehngebets ist zu bekannt, als daß es nötig wäre, sie hier anzusügen. Zunl Schluß möchten wir rrur noch darauf Hinweisen, daß wir bezüglich der Methode des Nebersetzungsunterrichts im allgemeinen auf dem Boden der durch Abraham- Berlin und Levi - Frankfurt angeregten Reform stehenes ist nur eine Umkehrung des Lehrganges, den wir Vorschlägen. Wenn Abraham *) Nach nninn von Rabbiner Dr. Feilchenfeld-Pofen. allerdings auf grammatisch - lexikalischem Wege alles erreichen und dem Schüler überhaupt keine Uebersetzung in die Hand geben will, so können wir ihm darin nicht folgen. Die Theorie gibt vielleicht ihm recht, die Verhältnisse aber geben denjenigen Lehrern — und es ist die weitaus überwiegende Majorität — recht, die zwar dem Mechanismus durchaus abhold sind, eines guten Lehrbuchs für die Uebersetzung aber nicht entraten können. Hose visner. Bon A. E. 1. Der größte Lehrer der Lehrer kajt exoehen ist und bleibt für uns Mosesals den erfolgreichsten Erzieher aber können wir unseren Stammvater Jakob verehren, dessen zwölf Söhne sämtlich die Probe bestanden, als er sie vor seinem Tode auf ihren sittlichen Gehalt musterte. Rührte feine vorzügliche Eignung zum Erzieher vielleicht davon her, daß er in seiner Jugend, vor dem Eingehen der Ehe, „ein Joch getragen", daß ihn das Schicksal in eine harte Schule genommen hatte? Eine wie hehre sittliche Persönlichkeit muß er doch gewesen, fein, wenn die Erinnerung an das Bild seines Vaters — lipiH nivl r3K — genügte, um seinen Sohn Josef in der Stunde der Gefahr vor dem sittlichen Fall zu bewahren! Aber nicht nur als Erzieher, sondern auch als Lehrer hat er sich bewährt. Wie gründlich unb nachhaltig muß seine Unterweisung gewesen sein, wenn Josef nach 22 Jahren noch die Stelle anzugeben weiß, wo sein Vater den Unterricht abgebrochen, als er sich aufmachte, seine Brüder zu suchen! Wenn man gar die Deutung hinzufügt, der Vater habe ihm durch das Gebot von nsmy nbiy die schwere Veranwortlichkeit der Regierenden recht lebhaft vor Augen führen wollen, um ihn vor der Gefahr, sich gefährlichen Träumereien hinzugeben, zu bewahren, so muß man auch die Unterrichtskunst Jakobs bewundern, der in lebendig-anschaulicher Weise ethische Lehren mit wichtigen Geboten verknüpfte. 2. An Josef erinnerte mich auch ein Bild, das ich jüngst beim Durchblättern einer illustrierten Zeitung fand. Eine Rinderherde, die durch eine kleine nordamerikanische Stadt getrieben wird, erfüllt die ganze Breite der Straße und bedroht die Passanten auf dem engen Bürgersteig. Besonders eine große und starke Frau mit einem gewaltigen Marktkorb in der Hand verrät alle Zeichen der Furcht. Da stellt sich ein kleiner Junge mit dem ganzen Selbstvertrauen eines altgehenden Yankee vor sie hin und sllcht sie mit den Worten zu beruhigen: „Fürchten Sie nichts, Madame, ich werde Sie beschützen!" Der Junge hatte etwas von dem kecken Mute des Josef an sich, der, ganz im Gegensatz zu seinen Brüdern, keineswegs hinter der Schürze seiner Mutter Schutz vor dem bösen Onkel sucht, sondern sich selbstbewußt vor sie hinstellt, um sie den Blicken Esaus zu entziehen. Dieses Selbstvertrauen ist Naturgabe, es mllß im Kinde liegen, läßt sich aber durch Erziehung nicht angewöhnen. Das ist wohl auch die Ansicht unserer Weisen s. A. wenn sie sagen: py '*?y nznn1? v\öV H2T 3. Mens sana in corpore sano bedeutet — was heute, in der Zeit des Sports und eines gewissen Kraftmeiertums besonders hervorgehoben werden muß — eine gesunde Seele in einem gesunden Körper. Das Göttliche, Ewige in dem Menschen muß für die Erziehung auch das Höchste sein. Der Leib ist nur die Herberge des Geistes, ein kostbares Gefäß, aber immer nur ein Gefäß, bei dem es noch viel mehr als bei jedem anderen auf den Inhalt ankommt, von dem es in erster Linie heißt: HD3 fpap3 *?3nDn u bmb?. Wie man sich aber davor hüten muß, einer übertriebenen Leibespflege das Wort zu reden, so muß man sich auch vor spannten Spiritualismus in acht einem übernehmen. Der gesetzestreue Jude besonders gerät leicht in die Gefahr, in dieses Extrem zu verfallen. Wer den Sabbat nicht zu Ausflügen benutzen kann, wohl aber die freien Nachmittage und noch einen Teil des Sonntags für den hebräischen Unterricht verwenden muß, der sollte sich gelegentlich fragen: „Welche Einrichtungen sind zu treffen, damit unsere Erziehung nicht allzu einseitig wird?" Erinnern wir uns, daß eine Vernachlässigung der Körperpflege hier sich oft durch schweres Siechtum rächt und schlagen wir auch die goldene Mittelstraße ein, die uns Sirach, Kap. 30, V. 15 u. f. gewiesen hat: „Besser arm und gesund und kräftig in seinem Tun, als reich und von seinem Leib gequält. Gesundheit und Wohlbefinden sind besser als Geldein kräftiger Körper ist besser als unermeßlich Gut. Es gibt keinen besseren Reichtum als Gesundheit des Körpers und es gibt keine Freude über Herzensfreude." 4. „Mache nicht viel Federlesen! Schreib auf meinen Leichenstein: „Dieser ist ein Mensch gewesen und das heißt ein Kämpfer sein!" Ja, Mensch sein, heißt Kämpfer sein- Jude sein, heißt doppelt Kämpfer und gesetzestreuer Jude sein, heißt dreifach kämpfen. Wer aber im Kampfe bestehen und den Sieg über feindliche Mächte davon tragen will, der muß nicht nur wohl gerüstet, sondern auch abgehärtet sein. Dasjenige Heer wird unter sonst gleichen Bedingungen den Sieg erringen, das die Strapazen und Entbehrungen des Kriegs am besten ertragen kann. Es ist im Leben nicht anders. Auf Schritt und Tritt türmen sich für den gewissenhaften Juden die Hindernissesie zu überwinden, dazu gehört vor allem ein st a r k e r Wille. Die Erziehung in Schule und Haus muß deshalb eine ernste, ja ich möchte fast sagen, eine strenge und harte sein. Einfach und bescheiden sollte besonders die Lebensführung im Hause sein, denn Luxus und Ueppigkeit führen zur Verweichlichung und machen untauglich zum Kampfe. Wem in der Jugend kein Wunsch versagt wurde, wem überall die Wege bequem geebnet wurden, dem werden die Anforderungen unserer Religion hart und schwer Vorkommen. Er wird das min Viy unerträglich finden, im Kampfe der Religion mit der Bequemlichkeit ein Kompromiß, einen faulen Frieden schließen und werden — wie die Anderen. Darum härtet eure Kinder rechtzeitig ab, nicht nur körperlich, sondern auch geistig und bewahrt sie vor eitler Genußsucht, vor Luxus und Wohlleben, um der Zukunft einer Kinder willen und nod) mehr um eurer Religion willen! kingesanclt. Bezugnehmend auf den Artikel „Das jüdische Datum" von Herrn Kollegen Mannheimer in Dettelbach möchte ich eine weitere Aenderung der ni*? anregen. Ich habe häufig die Beobachtung gemacht, daß die Bezeichnung der Wochentage mit hebräischen Lettern, wie sie sich in den vielverbreiteten Rödelheimer Ausgaben findet, den Schülern die Nebersicht erschwert und überaus störend wirkt. Da übrigens die deutschen Namen der Wochentage verzeichnet sind, ist die fragliche Kolumne überflüssig und könnte künftig ganz wegbleiben. L. 8. Briefkasten. K. W. Das jüdische Lehrerseminar in Cassel ist m. W. das einzige, an dem die zweite Lehrerprüfung abgelegt werden kann. Sie tun gut, sich rechtzeitig über die in Preußen gestellten Anforderungen zu informierensic weichen nicht unbedeutend von denen in Hessen ab. Wenn Sie ein bayrisches Seminar besucht haben, so lernen Sie für Math matik vor allem die Logarithmen und Trigonometrie nach. Hernn B. in H. Am 21 d. M. wird voraussichtlich das Lehrerbesoldungsgesetz im preußischen Herrenhaus endgültig verabschiedet und dann erst ist es an der Zeit, über die hervorragenden Erfolge, die der „Bund" auch bei diesem Gesetz erzielt hat, ein kräftig Wörtchen zu sprechen. Die Verdienste des Herrn Kollegen Amram zu schmälern, fällt mir dabet gar nicht ein-ich werde sogar die Verdienste noch ganz anderer Leute um die jüdische Lehrerschaft ins gebührende Licht setzen.