Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 20 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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wzie^uficj und Le() PaJ^oji*4>a Beil AlS Organ des Bundes gesebestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Zweigvertin Rheinland des Knndes gesehestrener jüdischer Kehrer Deutschlands. -❖- Einladung zur Konferenz am Sonntag, 6. Juni, nachmittags 37* Uhr in Cöln. T a g e s o r d n u n g: 1. Bericht über das 1. Bereinsjahr. 2. Kassenbericht. 3. Ernennung eines Ehrenmitgliedes. 4. Beratung der Thesen der letzten Vorträgefr. Stoffverteilung für den Pentateuchunterricht. 6. Festsetzung von Themen für die nächsten Versammlungen 7. Freie Besprechungen. Die Versammlung findet im Jüdischen Lehrerseminar, St. Apernstraße 29/31, statt. Die Reisekosten werden zum Teil vergütet. Der Schriftführer: Harth. Zur Metdoüe der Gebetübersetzen*. Bei der Diskussion über die Methode des Uebersetzungsunterrichts wurde eine Seite desselben recht stiefmütterlich bedacht, besonders soweit das Gebetübersetzen in Betracht kommt: die Schwierigkeit, den Inhalt der Gebete dem kindlichen Geiste nahe zu bringen. Auch das einfachste Gebet setzt so viel religiöse Vorbegriffe voraus, daß man sich stets fragen muß: „Liegt hier nicht eine Verfrühung vor?" Hat das Kind wirklich einen dauernden geistigen Gewinn von einem Unterricht, der so überaus hohe Anforderungen an sein Begriffsvermögen stellt? Bei jedem Lesestück wird sorgsam geprüft, ob es sich für diebetreffende Stufe nach Form und Inhalt eignet, wobei jedoch immer der Inhalt das entscheidende Wort spricht, und wir sollen uns bei der Auswahl d"r Gebete ausschließlich von der U e b e rsetzungsschwierigkeit leiten lassen, als ob die Form die Ha uptsache, der Inhalt aber das Nebensächliche wäre? Jedem Lehrer kommen im Laufe der Jahre diese Bedenken und gar mancher sieht sich durch sie veranlaßt, für die ersten Schuljahre den Pentateuch vorzuziehen, weil sein Inhalt durch den biblischen Geschichtsunterricht dem kindlichen Verständnis teilweise schon erschlossen und im allgemeinen leichter zugänglich ist als der der Gebete. Aber selbst wenn das Gebetübersetzen erst später einsetzt, bleiben noch so viel sachliche und sprachliche Schwierigkeiten, daß die Besprechung des Inhalts eines jeden Gebetstücks und die Vertiefung in demselben, die dem Uebersetzen stets vorangehen Müssen, gar nicht gründlich genug sein können.' Der Unterricht im Gebetübersetzen soll ja nicht Sprachunterricht sein, sondern vor allem bei dem Schüler religiöse Gefühle und Empfindungen auslösen, die, wenn sie in genügender Kraft und Stärke beim Unterricht geweckt worden sind, stets wieder ins Bewußtsein treten, so oft der Schüler das Gebet verrichtet. Selbstverständlich ist die deutsch-textliche Behandlung für Unter-, Mittel¬ und Oberstufe durchaus verschieden. Auf der Unterstufe handelt es sich in erster Linie darum, durch eingehende Fragen und Erläuterungen das einfache Verständnis des Inhalts zu erwecken, gleichsam den des Gebetes zu behandeln. Das wäre an und für sich eine einfache Sache, wenn die Gebetssprache nicht durchweg poetische Prosa und deshalb für das Kind immerhin schwer verständlich wäre und wenn nicht auf Schritt und Tritt neue religiöse Begriffe auftauchten, die eine eingehende Besprechung nötig machen. Das Tischgebet wird in den meisten Schulen sehr frühzeitig durchgenommen/ aber schon der zweite und vierte Abschnitt desselben bieten der sachlichen und sprachlichen Schwierigkeiten so viele, daß man nur dann an die Uebersetzung herantreten darf, wenn der- Boden genügend vorbeitet ist. Genau so verhält es sich mit yDtP, das sehr häufig als erstes Gebetsstück behandelt wirdwenn hier nicht eine klare Auffassung des Inhalts vor dem Uebersetzen bereits vorhanden ist, so geht der ganze Segen verloren und es wird leeres Stroh gedroschen. Auf der Mittelstllfe — aber erst am Ende derselben — tritt die Gliederung des zll behandelnden Gebetsstücks hinzu. Nehmen wir als Beispiel oS'iy iHK1). In den ersten Versen preisen wir Gott als Königer war der Herr vor der Erschaffung der Welt, er zeigte sich als solcher bei ihrer Erschaffung und er wird Herr und und König sein, auch wenn die Welt vergeht. In den nächsten drei Versen preisen wir Gott als ewig, einzig, unendlich und allmächtig. Vers 7 und 8: Gott ist unser Erlöser und Helfer, unsere Zuflucht und unser Anteil. Vers 9 und 10: Darllm vertrauen wir auf ihn zu jeder Zeit. Oder Psalm 146, a. Gott ist zu loben, so lange man lebt: ”ra 'n r6*?nte. b. Vertrauet nicht auf hinfällige Menschen 1NV2N e. Vertrauet auf Gott, den besten Helfer: new T1TV3 'Nur. d. Denn er sorgt für die Natur OW nsvy. e. Er sorgt für die Schwachen ü'pltt^ BStPD rwp- Er waltet sorgend über Zion: "pDv l) Ich folge hier dem Kroner'schen Lehrbuch rnifl itbsm aus dessen hohen melhodischen Wert erst jüngst an dieser Stelle hingewiesen wurde. Diese Gliederung, die den gedanklichen Zusammenhang eines Gebetes hervorhebt uitd denk Schüler zum Bewußtsein bringt, soll w o m ö g - lich von dem Schüler selbst gefunden und an die Tafel geschrieben werden. Oft genügt die stärkere Betonung eines Satzes seitens des Lehrers, unl den Grundgedanken eines Gebets hervorzuheben, wie in two nbsn: 1. „Alle sollen sie einen Bund bilden, unl Deinelt Willen mit vollem H e r z e it zu erfüllen". Bitte um Herbeiführung eines von wahrer Gottesfurcht erfüllten Bundes aller Menschen. 2. „Gib Ehre, Ewiger, Deinem Volke" —Bitte um volle Wiedereinsetztmg Israels in seine Ehre und Herrlichkeit. 3. „So mögen Gerechte es sehen und sich freuen . . . und aller Frevel möge wie Rauch dahinschwinden" — Bitte um volle Vergeltung: Lohn für die Frommen, Untergang alles Frevels. 4. „Du, o Gott, mögest allein regieren über all Deine Werke auf dem Berge Zion, Deiner herrlichen Wohnung und in Jerusalem, Deiner heiligen Stadt" Bitte um Errichtung der göttlichen Weltregierung in den heiligen Stätten der Menschheit. 5. ,Mnd der heilige Gott wird durch Gerechtigkeit geheiligt" Anerkennung der Heiligkeit Gottes?) So eingehend nun auch auf der Unter- und Mittelstufe der Inhalt des Gebets behandelt werden muß, so hüte man sich doch vor der Zer - pflückung desselben. Auch hier gilt das Wort eines namhaften Pädagogen: „Die Samenkörner des göttlichen Wortes mahle man nicht zit Staub. Poetische Kraft entkräfte man nicht durch prosaische Auslegung. Was ergreift, weil es ist, so wie es ist, das tvolle man nicht ergreifender machen durch Umsetzung in schwächlichere Formen. Auch die richtige Erklärung wirkt schädlich, wenn sie als eine breite, übernüchterne, grundprosaische Art des Auslegens deprimierend an die Jugend tritt." Auch unsere Gebete besitzen hohe poetische Kraftsie wirken von selbst auf das kindliche Gemüt und ihrer Verwässerung wird niemand das Wort reden wollen, aber nur die wenigsten sind für die Schüler der Unter- und Mittelstufe ohne weiteres verständlich. Wir fürchten vorläufig kein Uebermaß von Erklärungen seitens der Lehrer, wohl aber, daß die Schwierigkeit, Oie in dem bloßen Inhalt liegt, unterschätzt wird. Als Krönung des ganzen Gebäudes gebe mait dem Schüler einen Einblick in das teilweise mustergiltige Gefüoe unserer Gebetordnung, wenigstens soweit sie das Morgengebet betrifft etwa in folgender Weise: Gott ist unser Königi hm müssen wir uns weihenvor allem unfern Körper, den er so wunderbar eingerichtet: aber auch unsere Seele, indem wir uns daran erinnern, daß sie rein ist und rein bleiben muß: notttt 2) Indem der Mensch Gerechtigkeit übt, erkennt er Gott als das heilige Wesen an, das nur «Gerechtigkeit liebt, Unrecht als Sünde aber haßt. ■ " rinifilMBitiMif