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Der Israelit · 1909-05-21 · Heft 20 (21.5.1909) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 20 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 21. Mai 1909 Der H-ratlü. «r. 20 Nichts wird in unseren jüdischen Schriften so sehr getadelt als die Grausamkeit bei evtl Kriegen. So steht auch in 12'X*? 1T1S 1'8 i'22 i*?2 iiit 82«? S«? xdh ip'i? p in'*?«?i«?''2S8x ]öin iviT2x 1212«? 'n p«?xi - .11?P221 j^di p «?'x D's*?x ii«?i? D"2ii? 0121 1 8 f'8'2 und nBD wird gar gefolgert: D1*?1*? iran*? x*?i ix'axi*? x*?i in'ini*? x*?i i'*?i? 1V172X 11'8 „unter keinen Umständen dürfe man eine Stadt aushungern oder ausdursten oder die Bewohner eines grausamen Todes sterben lassen". Warum auch sagen wir vom ersten Tage 1DB ö'mn an wohl nur halb *?*?1? Weil selbst an diesem großen Freundenfeste der Befreiung aus dem Sklavenjoch keine volle reine Freude empfunden werden kann, denn viele tausende von Menschen fanden ihren Tod in des Meeres Wellen. Mögen es hundertmal unsere Feinde gewesen sein, die uns verfolgten und dabei ihren Untergang fanden, so waren sie nichtsdestoweniger Gottes Geschöpfe. Kann man wohl noch zartfühlender gegen seine Feinde sein, als es durch diesen ftl ausgedrückt wird? Der Mensch ist eine geheiligte Person und stets muß es als ehr Verbrechen zu betrachten sein, unter welchen Umständen auch immer eines unschuldigen Menschen Leben zu nehmen. Die einzigen Kriege, die uns Juden gestattet waren, sind Defensivkriege und evtl. Kulturkriege wie z. B. die Kriege gegen die D'ar'7 es gewesen. Der Unfriede ist die zerstörende, Fluch und Verderben bringende Gewalt, der Frieden aber ist die allerhaltende beseligende Macht. Die Kraft des Rohen kommt zum Ausdruck durch Freude an Streit/ die Kraft des Guten durch Lust an Frieden. Städte zerstörend, Gebiete verwüstend, fteie Völker knechtend, durch Rauben und Morden kann man nimmer als Held imponieren, -px mo ->8X22? nr ix «?2i2i >1122 n?'x Tl? 12*?8 11112 *?«?81 11228 D'LX. „Wer ist ein Held zu nennen", so fragen schon unsere alten Weisen. Und sie geben nicht etwa als Antwort „wer Städte bezwingt" sondern „wer sich selbst bezwingt", wer langmütig ist und die Neigung zum Streite niederkämpft. — David unterließ es den Tempel zu bauen, denn, wie er sagte, durfte er es nicht, da seine Hände mit Blut und Krieg befleckt waren. Auch unsere Propheten haben als die Zeit unendlichen Glückes die Zeit des dauernden Friedenszustandes verkündet, wo jeglicher der Frucht seiner Arbeit froh wird. Jene erhabenen Gottesmänner lehrten uns, daß in den geschichtlichen Erscheinungen nicht Zufall und Willkür herrscht. Mögen die Leiter der Staaten auch glauben, daß sie nur ihren eigenen Willen ausfüyren, in Wirklichkeit schieben sie nicht, sondern werden geschoben, und führen nur ein Prinzip aus, als dessen Träger sie in ihrer Eigenart berufen erscheinen. In Wirklichkeit strebt alles, jedes nach seiner besonderen Weise und doch von einem Prinzip beherrscht, dem Heilesziel entgegen, und immer mehr kommen die Menschen zur Erkenntnis, daß sie alle Kinder eines Gottes seien. I'l?«?', die Zukunft schauend, ruft gar aus: x'' J 1'£21 hm p2T '12 Dl? 1821 L?22 Dl? 2X7 121 i3'i?ii 211 iisi .22 2.12 pp n?:i ht x'iai!?«?!?«?! ♦pil *?2X'1p22 .T1X7 p'1*?' 1X21' 111' ..11.111' ^182 '2ii?ax 111X8 *?i?i ]ns in *?i? ,121' pxi ix*?a '2 'trip 1.1 S22 iiw x*?i 11?1' x*? ♦D'D28 n'b D'82 '1 IX ni?1 „Und es wohnt der Wolf mit dem Lamme, und der Tiger lagert neben dem Böcklein, und Kalb und junger Leu und Masttier zusammen, und ein kleiner Knabe leitet sie. Und Kuh und Bär weiden, es lagern ihre Jungen zusammen, und der Leu, wie ein Rind, frißt Stroh. Und es spielt der Säugling auf dem Loche der Natter, in die Höhle des Basilisken steckt seine Hand das entwöhnte Kind. Sie tun kein Leid und richten kein Verderben an auf meinem ganzen heiligen Berge; denn voll ist die Erde der Erkenntnis des Ewigen, wie Wasser die Meerestiefe bedecken." Wenn nämlich die Erde voll sein wird von Gotteserkenntnis, dann wird auch eine ungeheure Wandlung im Denken und Urteilen der Menschen vorgegangen sein. Dann wird die Binde vor den Augen gefallen sein und klar wird man erkennen die Blindheit und Verstocktheit der Idee von der Unvermeidlichkeit und Erhabenheit des Krieges. Wenn man vor dem geistigen Auge die Höllenflammen des Krieges mit ihrer ganzen Entsetzlichkeit aufprasseln sieht, so wird man diese grausame Institution endlich völlig aus der Welt schaffen, welche Mord und Plünderung, List, Lüge und Verrat als Grundsatz hat. Dann werden die Helden des Schwertes, von deren Lob unsere Bücher voll waren, aus ihnen getilgt, und die Helden des Geistes, deren oft nur in Anmerkungen Erwähnung geschah, werden auf den Schild erhoben, weil sie durch Kunst und Wissenschaft das Volk veredelt, vervollkommnet habendann ist die Zeit gekommen, wo ein Menschenleben, die Individualität und die psychische Persönlichkeit geachtet werden. Nicht etwa, daß die nationalen Unterschiede aufhören werden: das ist durchaus nicht nötig. Doch die Schranken, die so lange die Völker voneinander feindlich geschieden, werden völlig geschwunden sein, alle wirtschaftlichen Gegensätze haben ihre Ausgleichung gefunden und alle Menschen betrachten sich als eine große Menschheitsfamilie. Was von dem Propheten als das Ziel der weltgeschichtlichen Erziehung der Menschheit betrachtet wird, ist ja nicht, daß alle Menschen Juden werden, sondern daß alle Menschen, brüderlich vereint, edle Menschenkinder werden. In jener Zeit, so spricht der Prophet Micho, 11121 IX«?' X*? 111818*? D1'11'2m D'IX*? Dl'1211 ♦181^8 111? 1118*?' X^I 211 '12 *?X '12 „Da schmieden die Menschen ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Speere zu Winzer- Messern, und nicht mehr wird es eine Nation wagen, gegen eine andere Nation das Schwert zu erheben, und nicht mehr wird man das Kriegführen erlernen." Tina l'XI 112X1 1111 1222 111 «?'X 12«?'1 .121 11X2X *1 'S '2 „Und sie werden sitzen, ein jeglicher unter seinem Weinstocke und unter seinem Feigenbaum, und niemand stört — denn der Mund Gottes der Heerscharen hat gesprochen." Wenn dies der Geist unserer Bibel ist, wahrlich, dann hat der Jude allen Grund, die Friedensbewegung unserer Tage mit aller Kraft zu fördern. Es nützt nichts, nur mit leeren Worten, hohlen Phrasen bei der Sache zu sein, sondern es ist nötig, Liebe entgegenzubringen, ja eventuell auch Opfer zu bringen, so wie unsere Väter einst dem Frieden zu Liebe schwere Opfer brachten. Mit Recht können wir stolz darauf sein, daß unsere Ahnen einst eine Heldentat vollzogen, die die Heldentaten anderer Völker in den Schatten stellt. Alles, was die Friedensapostel von heute kaum zu erhoffen wagen, das haben unsere Ahnen schon in grauer Vorzeit zur Wahrheit gemacht. Von einem geschichtlichen Ereignis wollen wir reden, das so herrlich aus dem düsteren Hintergründe trauriger Zeiten hervorleuchtet, daß selbst alle modernen Schiedsverträge ihm an moralischem Wert nicht gleichgestellt werden können. Es steht an einer Stelle, die wohl nicht allzu häufig gelesen wird, 6-15 n"D'2 D12\1 '121, und wurde meines Wiffens bisher noch von keinem Friedensschriftsteller zitiert: D'1«?I?1 1X8 nlll'2 1.1'*?81 ]2 npS 2111 (6) ♦D112X 'X '1IX D271?2 *?'1 '22 *?211PIX DVD F]*?X „Pekach ben Remaljohn schlägt in Juda 120000, lauter tapfere Leute, weil sie verließen den Ewigen, den Gott ihrer Väter." Als wenn es eine Kleinigkeit wäre, 120000 Mann an einem Tage! D'«?3 5]*?X D'IXD D.1'1X8 ^?X1«?' '22 12«?'1 (8) *?*?«? 11X 1X'2'1 D.18 1772 21 *?*?«? D27 11221 D'22 .1118«?*? „Und die Kinder Israel nahmen gefangen von finden, der für Mirjam betet, und bei Abraham, der für Abimelech 1*?S1 tat?" Die gesamte Menschheit hat eine gemeinsame Ausgabe zu erfüllen. Die Gesamtheit als lolche setzt sich aus der Summe der Einzelwesen zusammen. Mithin ist die Existenz jedes Einzelwesens für die Existenz der Gesamtheit notwendig. Denn jeder Mensch — nehme er eine noch so tiefe soziale Stellung ein —, er allein und kein anderer kann so wie er seinen Posten ausfüllen. Folglich kann und muß moralisch jeder einzelne, um der Gesamtheit ein notwendiges Glied zu erhalten, für dieses auf irgend eine Weise nicht mehr würdige Glied iSsi tun. Und je höher eine Persönlichkeit — in ethischer, geistiger oder sozialer Beziehung — steht, um so mehr hat ge die Pflicht, für ihren Bruder zu beten! Nicht etwa deshalb, weil sie als höherstehende Person ein gutes Wort für ihn einlegen könnte, sondern weil ihr mit jener hervorragenden Stellung gleichzeitig eine größere Verantwortung auferlegt wurde. Unsere Weisen drücken diesen Gedanken in dem Satze ans: nl2 17 D'211? *?X1«?’ *?2 Denn die Konsequenz des Sinnes, der diesem Satze innewohnt, daß nämlich bxl«?' *?2 für einander verantwortlich ist, ist doch, daß man für den gesunkenen Einzel-Israel, um ihm wieder den Mut zum neuen Anstreben zur Heiligkeit Gottes zu geben, für ihn beten muß. Wollen wir am Schlüsse unserer Ausführungen die Bedeutung, den Zweck und Geist der Gebete kurz zusammenfassen, so können wir dies am treffendsten mit dem Satze 1'81 '122^ P 'I'l«?! Dieser Satz drückt den Gedanken aus, daß wir uns im Gebete zu Gott emporheben, unsere Seele und unser Inneres s 0 mit dem Gedanken des Göttlichen durchdringen sollten, so daß wir von diesem göttlichen Gedanken bei unserem Tun und Lasten ständig geleitet werden. Das Resultat der nSsi soll p Tl'1«? T81 stur! Erst wenn wir „beten" in diesem Sinne auffaffen, dann wird und muß ja unser ganzes Leben '1 11121? — wahrer Gottesdienst — sein. Aber damit haben wir nur unsere Pfiicht erfüllt, um als Glied des «?11p '12 dieses Prädikat zu verdienen. Denn dann erst, wenn wir dieser Bedingung entsprechen, können wir als D’212 12^88 — als Priester der Menschheit — den Missionsgednnken unter den Nationen der Erde erfolgreich verwirklichen und durchführen. Kleines Feuilleton. Ungebildete Leute. Von Arthur Kahn. (Fortsetzung.) Seit der Löb Stern tot war, änderte Jokew seinen Nachhauseweg, obgleich dies ein nicht unbedeutender Umweg war, was für einen mit so schweren Lasten marschierenden Mann denn doch nicht einerlei sein konnte. Der Witwe Löbs ging es, wie das bei so vielen Kindern von denen das älteste knapp 15 Jahre alt war, nicht anders möglich war, nicht gut, obgleich die Juden der Umgegend, die mit sich selber zu kämpfen hatten, mit allen Kräften das ihrige dazu beitrugen, die Armut zu lindern. Tank dieser Opserwrlligkeit brauchte die Witwe, die jetzt auf alle erdenkliche Art sich mit ihren Kleinen durchzuschlagen suchte, gerade nicht Hunger zu leiden, aber so ganz satt konnte sie sich nur selten essen. Und wenn sie abends müde und matt vom Hausieren in ihr Häuschen trat, siel es ihr immer wie ein Stein auf die Brust, wenn sie berechnete, wie unzureichend wieder ihr kleiner Verdienst war, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Mehr fast noch wie' diese Sorgen beschäftigte sie die geheimnisvolle Hilfe, die ihr seit detn Tode ihres Mannes in einer Seife zuteil ward, das; sie anfing an einen freundlichen Spuk zu glauben. Auf natürliche Weise konnte es nach ihrer immer fester wurzelnden Ueberzeugung nicht hergehen, daß bald abends, bald wieder in der Frühe, ein Bündelchen mit Brot, Eiern und sonstigen auf dem Lande alltäglichen Lebensmitteln, das eine mal vor, das andere mal hinter der Haustür, einmal auf der Hinterseite, und wieder ein andermal am Staketenzaun, in dem kleinen Gärtchen, oder vor der Stalltür lag. So scharf die Kinder auch aufpaßten, der rätselhafte Geber war nicht zu entdecken. Allmählig fing es die Frau an zu beunruhigen, eine wahre Furcht überkam sie, daß der Geber am Ende wohl der „Böse" sein könnte, der einen schlimmen Plan mit ihr oder ihren Kindern vorhatte. Ta entschloß sie sich, zum Rabbiner in die Stadt zu gehen, um ihn zu befragen. In meiner Kindheit hatten die Juden ein grenzenloses Vertrauen zum Raw; er war ihr Berater, ihr Vertrauter, ihr erster und letzter Vertrauensmann in allen Angelegenheiten. AHächsten Tag, an dem die Witwe den Rabbiner im nächsten Städtchen aufsuchte, passierte dem Botengänger ein schlimmer Unfall. Er glitt mit seiner Last aus und verrenkte sich den Fuß und mußte aus halbem Wege umkehren, und zwei volle Wochen das Zimmer hüten. Einige Tage darauf kam Frau Stern wieder zum Rabbiner, um ihm zu berichten, daß der „Kischef" (Zauber) mit einein Schlag aufgehört habe. Sie schien jetzt, wo er aufhörte, mehr beruhigt, als zur Zeit, in der er aufzutreten pflegte. Ter Rabbiner, der, sobald Jemand aus seiner Gemeinde erkrankte zuerst beim Patienten zu erscheinen pflegte, durchschaute sofort den Zusammenhang der

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