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Der Israelit · 1909-05-06 · Heft 18 (6.5.1909) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 18 (6.5.1909)
Date
1909-05-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Crzid^ung und Le(i PiJ^ojift^c Beil Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Zur forthilduugsttage. Bon Lehrer I. Markus in Affeuheim. Die Referate des Herrn Seminarlehrer Gut und des Herrn Rabbiner Dr. Kohn, Ansbach haben, so klärend sie auch nach den verschiedensten Seiten hin wirkten, die Fortbildungsfrage doch nur zu einem vorläufigen Abschluß.gebracht und ich glaube, sie wird nicht so rasch von der Tagesordnung verschwinden. Herr Kollege Rohrheimer hat jüngst die Ansicht ausgesprochen, das Bundesthema hätte allgemeiner gefaßt sein müffen. Ich meine, im Gegenteil, man hätte es, um den Kern der Sacke zu treffen, noch enger fassen müssen, es hätte also richtiger gelautet: /,Die Fortbildung im jüdischen Wissen". Das ist kein bloßer Streit um Worte. Für alle Fortbildung muß doch der Beruf den Mittelpunkt bilden, um den sich alles gruppiert, sonst verliert sie sich ins Weite und Breite, nascht von allen Blüten und trägt doch keine Frucht. Eine solide Berufsbildung muß der Lehrer erstreben und sich nicht mit erborgten Flittern behängen. Der jüdische Lehrer bedarf, will er sein Amt in Treue ausüben und seinen Posten voll und ganz ausfüllen, eines reichen Fonds jüdischen Wissens. Die Seminarbildung kann nur die Grundlage dazu liefern, auf welcher der Lehrer dann unausgesetzt fortbauen muß, will er nicht zum bloßen Handwerker herabsinken. Daß auch diese Grundlage in verschiedenen Seminaren eine recht mangelhafte ist, wird von allen Seiten zugegeben. Wir wollen uns deshalb nicht schämen, die Sache beim richtigen Namen zu nennen, wir wollen nicht stolz immer von „jüdischen Religionswissenschaften" sondern einfach und bescheiden, aber zutreffend, vom„jüdischem Wiffen" sprechen. Bei schärferem Hinsehen werden wir allerdings bemerken, daß es sich hier um die Wiederholung eines sehr alten Streites handelt. Schon im Talmud stehen sich zwei Ansichten gegenüber. Die eine verlangte nqD nm d. h. zuerst lernen (Aneignung vvn Wiffen) und dann verstehen (wiffenschaftliches Ergründen), die andere dagegen forderte i'tn -nm iao. Nach längerer Ueoerkegung gab - der Vertreter der zweiten Anschauung zu, daß "Qü "Hm vdj am zweckmäßigsten sei. Gegen diesen pädagogischen Grundsatz verfehlen sich die jüdischen Lehrer aber am gründlichsten, wenn es sich um ihre eigene Fortbildung handelt. Auch hier rmht es sich bitter, daß man immer nach den christlichen Kollegen hinüberschielt und nach der Schablone arbeitet. Weil in der Gegenwart die begabtesten und strebsamsten unter unseren christlichen Kollegen sich an den Ferienkursen der Universitäten beteiligen, so glaubte man jüdischerseits als Mindestforderung „Fortbildungskurse an den rabbinischen Hochschulen" stellen zu müssen, ohne zu bedenken, daß unsere Ausbildung in den jüdischen Religionsfächern an Umfang und Tiefe weit, weit hinter der in den profanen Wiffensgebieten zurücksteht, ohne zu bedenken, daß das, was die christlichen Kollegen erreicht haben, das Ergebnis eines viele Jahrzehnte sich hinziehenden Kampfes bedeutet, ohne zu bedenken, daß für das Gros der Lehrer die Forderungen viel bescheidener klingen. Man lese doch einmal das Programm dieser jüdischen Ferienkurse und die Berichte über sie und man wird sich überzeugen, wie weit die jüdischen Lehrer über das Ziel hinausgeschosien haben. Anstatt denselben, die ohne ihr Verschulden in ein verantwortungsreiches Amt mit verhältnismäßig geringem jüdischen Wiffen eintreten, eine Anleitung zu geben, wie man mit Fleiß und Ausdauer durch Selbstndium das Versäumte nachholen kann, überhäuft man sie mit wissenschaftlichen Borträgen. Und nun gar das Gutmann'sche Expose! Man hat an ihm immer nur die radikale Tendenz gerügt,- daß es auch ein ganz unmögliches Fortbildungsprogramm aufstellt, weil die darin empfohlenen Werke für den jüdischen Lehrer sehr schwer zugänglich sind und weil, wenn er sie auch alle recht gründlich studiert, er noch nicht viel für sein Amt, für seinen Beruf gewonnen hätte, wurde in dem Kampf fast ganz übersehen. Das Gut'sche Referat hat mit Recht den Ruf erhoben: ^Zurück zu den Quellen! Ohne gründliches Quellenstudium ist ja ein wiffenschaftliches Arbeiten überhaupt nicht möglich. Die Fortbildungskurse sollen aber vor allem die Aneignung gründlicher, jüdischer Kenntnisse ins Auge fassen. Sie sollten sich davor hüten, ihrer immerhin nur bescheidenen Tätigkeit ein wiffenschaftliches Mäntelchen umzuhängen und von Pflege der „Religionswissenschaften" zu sprechen, da, wo es sich um fernen" nach guter alter Art handelt. Wohl weiß ich, daß dieses eine wissenschaftliche Behandlung nicht ausschließt, aber die zur Verfügung stehende Zeit ist doch zu beschränkt und das Arbeitsgebiet ist zu ausgedehnt, um im günstigsten Falle mehr als einen schwachen Änlauf zu wissenschaftlicher Arbeit nehmen zu können. Wohl gilt auch für den jüdischen Lehrer die Forderung, daß er sich in einem selbstgewählten Fache*) wissenschaftlich betätige,- auch für ihn gilt die Goethe'sche Sentenz: „In die Tiefe mußt du steigen, soll sich dir das Wesen zeigen." Aber vorher muß er einer anderen Forderung desselben Dichters gerecht werden: „Mußt' dich in die Breit' entfalten, soll sich dir die Welt gestalten." Wenn wir aber unserer Aufgabe, der religiöse Führer der Gemeinde zu sein, in richtiger Weise erfüllen wollen, dann muß sich unser jüdisches *) oder vielmehr in dem Teilgebiet eines solchen, denn der Umfang eines ganzen Fachs schließt in der Regel dessen gründliche Durchdringung aus. Wiffen noch recht sehr „in die Breit entfalten" dann wird es eines sehr großen Fleißes und besonders günstiger Verhältnisse bedürfen, um in die Tiefe der jüdischen Religionswiffenschaft zu tauchen und selbständig die Goldkörner zutage zu fördern, die sie in so reicher Fülle dem Forscher bietet. Glücklich der Kollege, der dazu imstande ist! Als Fortbildungsprogramm für das Gros aber verlange ich: Aneignung eines reichen jüdischen Wissens! Und der höchste Ehrentitel für den jüdischen Lehrer muß es sein, wenn ihm, als Frucht seiner Bemühungen auf diesem Gebiete, von berufener Seite das Zeugnis ausgestellt wird, er könne gut „lernen" - jeder andere dient nur der Eitelkeit und ist deshalb zu verwerfen, min*? 1122 i:m, gebt der Thanr 0 die Ehre! Das jüdische Datum. Bon Lehrer Mannheimer in Dettelbach. II. Scheinbar ist das, was ich als Unterrichtsziel für dieses Spezialgebiet ansetze, ein sehr niedriges, denn es geht in keinem Punkte über das hinaus, was jede Religionsschule mit halbwegs günstigen Verhältnissen leisten kann. Tatsächlich kann sich aber ein recht beträchtlicher Teil der Erwachsenen in der nicht zurechtfinden, das beweisen die vielen Anfragen über Jahrzeit und niXö "O in den jüdischen Zeitungendie m*? ist für viele von ihnen geradezu ein oinn iSD. Das rührt freilich zum großen Teil davon her, daß die Buchdruckereien, in denen sie hergestellt wird, entgegen jedem vernünftigen Geschästsprinzip,sie, von einigen unwesentlichen Neuerungen abgesehen, fast genau noch so drucken wie vor 60 oder 70 Jahren, ohne daran zu denken, daß unterdessen die Kenntnis der unpunktierten hebräischen Sckrift fast ganz entschwunden ist. Es hat lange gedauert, bis die unpunktierten Überschriften wenigstens in einigen Siddurausgaben durch punktierte ersetzt wurden und es ist die höchste Zeit, daß auch die ein modernes Ätwand annimmt, daß aus ihr die unpunktierten Bezeichnungen und die Abbreviaturen verschwinden, die ja leider für 99 % unserer deutschen Glaubensgenossen zu wahren Hieroglyphen geworden sind*). Das ist die Mindestforderung, die wir Lehrer an die Luach stellen müssen, damit sie zu einem brauchbaren Lehrmittel der Religionsschule werden kann. Was nun den Lehrgang und das Lehrver- *) Welchen Sinn hat es denn, wenn in einem jüdischen Kalender wohl die besonderen Namen der Sonntage und eine Unmenge katholischer Halbfeiertage klar und deutlich angegeben sind, während wichtige, jüdische Gedenktage nur mühsam entziffert werden können. - - I "i 3 > ' f 3 ' j n

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