Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1909)
- Date
- 1909-04-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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auch der englische Konsul, der auf Weisung von London einen scharfen Protest gegen die Vorgänge in Kirmanscha erhob, und seiner Forderung auf Amtsentsetzung des psiichtvergeffenen Gouverneurs dürste inzwischen von Teheran aus entsprochen worden sein. Durch den erwarteten Einmarsch der Russen in Persien scheint ein kleiner Umschwung in der Lage eingetreten zu sein. Man spricht heute auch schon von der Möglichkeit einer angesichts der bewaffneten Einmischung von außen zustandekommenden Versöhnung und Vereinigung der feindlichen Parteien in Persien um auf dem Friedenswege die erwünschten, durchgreifenden Staatsreformen herbeizuführen. Sache der jüdischen maßgebenden Kreise wird es nun sein, bei Zeiten die englische Diplomatie dafür zu gewinnen, im gegebenen Momente daraus einzuwirken, daß bei der Neugestaltung der Dinge in Persien auch der dort lebenden bislang völlig entrechteten 30000 Juden gedacht werde, und daß Vorfälle wie die in Kirmanscha für die Zukunft von Gesetzeswegen unmöglich gemacht werden. Der Sufammenbrudi des edifruffifdien Verbandes. Seit einem halben Jahrzehnte übt der „Verba n d d e r E ch t ru s s e n", der von der reaktionären „Intelligenz" geleitet, den unter der Bezeichnung „schwarze Hunderte" organisierten Pöbel in Rußland umfaßt, eine wahre Schreckensherrschaft aus, vor der nicht allein die Juden zittern, sondern sich auch die höchsten Hof- und Regierungskretse beugen. Was dieser Großmacht im Zarenreiche im kurzen Zeitraum ihres Bestehens schon alles gelungen ist, wird viele Kapitel in der jüngsten Geschichte der russischen Wirren ausfüllen. D?r allgewaltige Verband stürzt Ministe bildet Kabinette, beherrscht die Duma^ arrangiert Progrome, führt die Begnadigung von Mordbrennern herbei und vergewaltigt dre öffentliche Meinung, und unzählig sind die Opfer, die?r seit Kisch in ew gefordert hat. Muri aber soll die von der Regierung als zur Unterdrückung der Revolution durchaus nötig und nützlich bezeichnete Arbeit des Verbandes denn doch noch einen traurigen Abschluß erhalten. Und es flingf. wie eine blutige Ironie des Schicksals, bah hem Verbände, der jahrelang seine vornehmste Aufgabe in der Inszenierung von Massenmorden erblickte, ohne daß seine Leiter als die wahren Schuldigen jemals zur Rechenschaft gezogen worden wären, eine einzige Bluttat zum Verhängnis wurde, der Mord des Duma-Abgeordneten und Kadettenführers Herzen st ein. Herzenstein war in den Augen der Duhropinsprengt wurde. Die Art der Arbeit und die Methode des Sprengens -es Fclsblockes ließen auf ein großes Alter der Steinbrüche schließen. Dse Forscher ^entschlossen sich ihnen den Namen „Steinbruch Salomos" beiz» legen. Diese Stcinbrüche werden von Josephus als die „Königlichen Steinbrüche" wiederholt erwähnt. Die Archäologen und Schriststelter der neuen Zeit haben jedoch diesen Steinbrüchen wenig Aufmerksamkeit gewidmet und fanden bloß bei Laien - T ouristen, welche die Stadt einzeln oder in corpore besuchten, besonderes Interesse. Hinsichtlich der Zeit, wann die Steinbrüche geschlossen worden seien, kann man nur Vermutungen ausstellen. Es kann als wahrscheinlich angenommen werden, daß dies zur Zeit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer geschehen ist. Es ist auch möglich, daß die Steinbrüche, die wie erwiesen als Schuttab-< lagerungsstätte benutzt wurden, von dem angehäuften Schutt und Straßenmist allmählich verschüttet wurden. Bezüglich der Zeit, seit wann die Steinbrüche verschüttet sein könnten, bietet ein Fund, den Mr. Page, ein Mitglied der amerikanischen Kolonie in Jerusalem gemacht hat, einige Anhaltspunkte. Mr. Page entdeckte nämlich eine kleine irdene Lampe, die fast ganz mit dem in der Luft herumsliegenden Staub gefüllt war. Die große Dichtheit der Staubpartikel, mit denen die Lampe bis an den Rand gefüllt war und die sich in diesem geschlossenen, von jedem Windhauch geschützten Raume nur langsam sich haben ansammeln können, weisen aus eine sehr lange Zeit hin, seit welcher die Lampe in diesem unterirdischen Raume gestanden haben inuß. Allen Besuchern der Steinbrüche fällt deren kolossaler Umfang auf. Mau erhält einen Begriff von den großen Arbeiten, die hier vor Jahrtausenden voll- Partei als Freiheitsstürmer, und als geborener Jude doppelt verabscheuungswürdig, und so wurde er als erstes Opfer auserlesen und auf Kosten und Gefahr des Verbandes vor drei Jahren durch Meuchelmord aus dem Wege geräumt. Es wußte es alle Welt, aber es ließ sich, oder richtiger gesagt, man ließ es nicht Nachweisen, und so konnten die eigentlichen Mörder frei ausgehen. Nun sind sie aber denn doch noch vom Schicksal ereilt worden. Im Prozesse über diesen unseligen Mord, der sich jetzt vor der dritten Instanz in Petersburg abspielt, trat am 25. ds. der ehemalige Privatsekretär des rühmlichst bekannten Verbands-Präsidenten Dubrovin als Zeuge und zugleich als Ankläger auf. Er gab unter seinem Eide an, von seinem Chef den Auftrag erhalten zu haben, für 15 000 Rubel den Mörder Herzenfteins zu dingen, was er aber abgelehnt hätte. Der Mord kam aber dennoch und zwar zu dem billigen Preise von 4000 Rubel zu stände. Als aber der koulanle Mörder nachträglich Reue über den geringen Preis empfand, da verlegte er sich auf Erpressungen, die manche Unannehmlichkeit für die Verbandsväter im Gefolge hatten, die aber dank der Mittel, welche der sonderbare Heilige, der verstorbene Priester Johann von Kronstadt, dem Verbände zukommen ließ, immer bewältigt werden .konnten. Man erfuhr auch vom Zeugen, dessen Angaben über allen Zweifel erhaben sind, daß j'm Hause Dubrovin's, dieses großen Eiferers gegen die t e r r o r i st i s che Kampfeswelse der liberalen Parteien,, eine Menge von Waffen und Bomben als Eigentum der Kampforganisation des Pexbandes aufbewahrt wurde. Die Aussagen des Zeug n waren so überzeugend rinh belastend, daß sie zur sofortigen Verhaftung Dubrovin's und zur offiziellen Auflösung des Verbandes führten. Das klingt fast wie eine Freudenbotschaft für die Juden und die gutgesinnten Teile des russischen Volhes. Der Eingeweihte weiß indes, daß dfls Nebel leider bereits zu weit und zu tief eingewurzelt ist, um durch Personen- und' Namens- Wechsel abgestellt werden zu können. Bekanntlich schied schon vor einigen Jahren unter Führung des Abgeordneten Purischkewtsch eine Gruppe aus dem Verbände aus, die weniger oppositionell gesinnt, doch in Bezug auf die Ausrottungs« Politik den Echtruffen in nichts nachgidt,- und diese Seitenlinie wird es nun auch sein, die das Erbe das echtrussischen Verbandes antreten und aus dem Sturze Dubrovin's allein Kapital schlagen wird. Ist es doch gerade jetzt den Quertreibereien dieser Partei annähernd gelungen, das Kabinet Stolypin, dessen Rücktritt nur noch eine Frage der Zeit sein soll, zu Fall zu bringen. Die innere Politik Rußlands wird aller Vorausbracht wurden und mau ist ganz verblüfft, die Spuren erstannliü)er Geschicklichkeit virzufinden, mit welcher jene Arbeiter die Felsblöcke loHlösteii, sie zu Bausteinen verschiedenster Art formten, obleich ihnen damals sicherlich nicht die technischen Werkzeuge unserer Zeit zur Verfügung gestanden hatten. Mit dex Entdeckung der Steinbrüche jaucht.' gleichzeitig der Gedanke auf. daß König Salvmon die Bausteine zum Bane seines Tempels (n diesen Steinbrüchen habe hauen lassen. Verschiedene Fakcen unterstützen diese Hypothese. Das erste ist, daß Josephus Flavins in seineru Schilderung des- Tempels besonders hervvrhebt, daß der Tempel blendend weiß gewesen sei, wie ein mächtiger Berg frisch gefallenen Schnees. Das erste, was einem beim Besuche der Steinbrüche in die Augen springt, ist eben die ausfallend weiße Farbr: ihrer natürlichen Steinwölbung. Die Versuche haben auch ergeben, daß das in diesen Steinbrüchen gefundene Material von Natur ans weich ist, in der freien Lust aber an Härte gewinnt, wodurch es sich zu Bauzwecken in besonders hervorragendem Maße eignet. Josephus spricht auch von einem unterirdischen Gewölbe in der Nähe von Jerusalem, das den Namen „Königlicher Keller" führt und.zweifellos mit den Steinbrüchen identisch ist. Es wird auch behauptet, das einzelne Steinblöcke, aus welchen die alte Stadtmauer besteht, gleichfalls aus dem Steinmaterial dieser Steinbrüche stammen. Ein weiteres Beweissaktnm ist, daß der Boden der. Steinbrüche eine ganze Schicht von Steinspähnen ausweist, daß hier die Steinblöcke zu mächtigen Quadern verarbeitet wurden und an die Bemerkung der Bibel erinnert, daß der. Tempel ohne den Laut des Hammers oder der Säge zu vernehmen, gebaut wurde. Allen diesen Umständen ist es wohl zuzuschreiben, daß der allgemeine Sprachgebrauch diese Steinbrüche jetzt knrzwc'g „Stein- -——-T—7J- - --... ..--—„ i- * r' sicht nach, nach wie vor, besonders in B^ug auf die Juden frage, von den Intentionen der schwarzen Reaktion bestimmt und geleitet werden, ob auch ihr Begründer und bisheriger Spiritus rector, der nur vorübergehend die „großen Ziele" aus den Augen lassend in gar zu plumper Weise den Verband kompromittierte, ein für allemal unmöglich gemacht ist. Hbrabam Seiger'; religiöser Lbarakter. Bon Rabbiner Dr. Kaitz in Zabrze. (Fortsetzung.) In Parenthese sei noch bemerkt, daß Geiger diese Sätze als auch auf sich gemünzt angesehen zu haben scheint und sich in einer Renzension des Zunz'schen Werkes heftig gegen sie gewandt hat. (Literaturblatt zum Israelit des neunzehten Jhrh. 184«» Nr. 2.) In Heidelberg nun trieb Geiger fleißig orientalische, klassische und philosophische Studien und war produktiv tätig. Nach Semesterschluß trat er die Rückreise in die Heimat an und blieb unterwegs in Karlsruhe, wo damals R. Jakob' Ettlinaer „Klausprimator" war. Er schreibt: „Mein Aufenthalt in Karlsruhe war übrigens durch nichts als durch den Umgang mit meinem Randecker angenehm; die dort wo.incndtn Juden Hatten mir schon bei meinem ersten Besuche ch. h. ein Jahr vorh-r) sehr mißfallen, und nun da ich Orientalist zu werden entschlossen war, wandte ich mich ganz von ihnen ab. Mein Freund tadelte zw.r meinen Entschluß, konnte mich aber nicht von demselben abbrtngeu."") Seine Abneigung gegen die Karlsruher Juden beruhte auf seiner Antipathie gegen das orthodoxe Judentum. Er kehrte nach Frankfurt mit dem festen Entschluß zurück, der Theologie Batet zu sagen und sich seinem Lieblingsstudium, den orientalischen Sprachen zu widmen. „Wurde ich auch von diesen Absichten du ch tie Ermahnungen der Meinigen nicht abgebracht, so wurde ich durch .... das Interesse d r Frankfurter I.denschaft an der Religion neu angeregt, für das Wohl und die Auskaru g der Jud n zu Wicken. ") Es zeugt von der Abneigung, die sein Herz, gegen dje attjüdische Frömmigkeit und deren Bekenner erfüllte, daß er die Begriffe, Aufklärung und Interesse an der Sache der Religion identifiziert. Ihm fehlte völlig das Organ zu begreifen, daß doch gerade die Orthodoxen, die ganz m der Religion aufgingcn, die religiös Interessiertesten warert. Und weil sein Empfinden eilt unjüdisches war, weil ihn nicht, die währe Liebe zum Judentum, sondern eine blinde Aufklärungs sucht beseelte, weil er die Aufklärung höher stellte Geigers L. i. Br. S. 16. ll) A. a. O. S. 17. drück)« Salomo's" nennt. Es muß jedoch nochmals betont werden, daß in den archäologischen Werken dieser Name nirgends zu linden ist. Die Annahme mm, daß König Salomo mit diesen Steinbrüchen in Verbindung gestanden, macht das Interesse, welches weite Kreise diesen Lteinbrüchen und hauptsächlich jenem Raume, von welchem oben die Rede lpär, entgegenbringen, erklärlich. Tatsächlich werden auch in vielen Geschäften Jerusalems Hammer und Briefbeschwerer aus dem von diesen Steinbrüchen stammenden Material hergestellt und mit allerlei Emblemen verziert, verlauft." (Die Juden in Südafrika.) Tie jüdische Bevölkerung in Südostafrika, hauptsächlich in Transvaal wird laut der letzten statistischen Kundmachung auf ungefähr 50,000 Seelen geschätzt. Es dürsten sich Juden befinden in Transvaal 25,000, in Kapland 20,000, i» Natal 1700, im Oranje-Freistaat 1500, in Rhodesien 600. Außerdem leben ungefähr 300 Juden in den portugiesischen Kolonien, hauptsächlich in der Stadt Lourenco- Margues. Die meisten Juden leben in Johannesburg, wo aus eine Gesamtbevölkerung von 85.000 Weißen 15.000 Juden kommen. In der Stadt Kapstadt wird die ganze Bevölkerung auf 80,000 Maun abgeschätzt, darunter dürsten 8000 Juden sein. In Prätvria leben 1200 Juden und die ganze Bevölkerung dieser Stadt ist ungefähr 22,000 Mann stark. Die Hauptstadt von Oranje, Bloemsvntcin, hat ungefähr 1000 Juden bei 8000 Einwohnern. Die größte Stadt von Natal, Durban, hat 1250 Inden bei einer Bevölkerung von 60,000 Seelen. Einen Begriff des jüdischen religiösen und, gesellschaftlichen Lebens in Südafrika kann folgende Bekanntmachung über jüdische Gemeinden und religiöse Anstalten im letzten Heft des „Emigranten" geben: