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Der Israelit · 1909-04-29 · Heft 17 (29.4.1909) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 17 (29.4.1909)
Date
1909-04-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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29. April 190» Weisheit letzter Schluß noch lange nicht ist, (wenn auch nur in Form einer väterlichen Ermahnung, ausgesprochen,) aus einer vom Staat anerkannten und mit dessen Autorität ausgerüsteten ,, Gesamtorganisation" des preußischen Judentums „ein paar Gemeinden" wegzulaffen. Es wird der Staat so bald seinen Arm dazu nicht bieten, das Schreckgespenst geknechteter Gewissen vor Augen, eine Organisation zu schassen, die von Anbeginn an „ein paar Gemeinden" — es sind nicht gerade die schlechtesten — bei Seite läßt, bei Seite lassen muß, und die auch für die Zukunft nur bestehen kann mit Hilfe des flebile beneficium emigrationis; er wird vielmehr vorziehen, die Organisation des preußischen Judentums auf eine Zeit zu verschieben, in der die Gärungen und Gegensätze in dessen Innern überwunden sein werden, und die natürliche Einheit des jüdischen Religionskörpers, die Rosins prophetischer Geist mit genialer Gestaltungskraft in die Gegenwart hineingezaubert hat, in Wahrheit besteht und rechtliche Formbildung erheischt. Für die Gegenwart aber gilt der Satz: Jeder Versuch, das preußische Judentum als Religionskörperschaft zu organisieren, führt in sinngemäßer Fortführung der bisherigen preußischen Gesetzgebung mit der zwingender Macht logischer Folgerichtigkeit zum völligen staatlich anerkannten Auseinanderklaffen des preußischen Judentums in zwei von einander völlig geschiedene Konfessionen. Will der Deusch-Jsraelitische Gemeindebund hierfür oie Verantwortung übernehmen? Eine Gesamtorganisation mit allgemeinem Austrittsrecht ist also ein juristischerWiderstnn.Aber auch von rein praktischen Gesichtspunkten aus erweist sie sich für die Orthodoxie als unannehmbar. Die Gesamtorganisation liefert die kleineren Gemeinden unmittelbar der Neologie aus. Gerade aber in den kleineren Gemeinden beruht die Hauptstärke der Orthodoxie. In den „Provinzialgemeinden" und in der „Landesgemeinde" wird die Neologie in überwältigender Ueberzahl zur Vertretung gelangen. Durch wirtschaftliche und geistige Anpassungsfähigkeit vielfach zu sozial prominenter Stellung gelangt, wird sie den von ihr vertretenen Landgemeinden zu imponieren verstehn und wird sie die wirtschaftlich Schwachen dauernd an sich ketten. Für die ärmeren Gemeinden wird die Möglichkeit des Austritts tatsächlich, auch wo sie rechtlich besteht, in weiteste Ferne gerückt sein. Und so wird sich das in der Vergangenheit so oft Erlebte in unendlich vergrößertem Maßstab wiederholen, daß von oben herab mit furchtbarer Sicherheit die Gesetzesleugnung und Gesetzesverachtung Rückschau zu halten, des Gerechten Stolz und Freude aber ist es, ein dauerndes, auf festen Stützen ruhendes Haus zu besitzen, d. h. ein ganzes, gehaltvolles, auf fester, nachwirkender Vergangenheit beruhendes Leben sein eigen zu nennen. CPpHX ll'21 DW“1 "slDN (2"' Im Leben unserer Stammväter und Großen zählt die Thora mit Vorliebe die Tage V’H ’Ö' rrpl und das bekannte Psalmwort spricht ebenfalls von den „Tagen unserer Jahre" ’ö’’* Denn auf die Zahl der gelebten Tage kommt es in erster Reihe an. Darum lautet auch der Zusatz zum Sefirohgebote: mtt’ön niWÜ Mü „Sieben volle S abv ato sollen es sein." Vollkommen und lückenlos kann aber — bemerken hierzu unsere weisen Lehrer — die Zähl der Tage und Wochen nur dann sein, wenn Israel dett Willen Gottes erfüllt. njJED NIv'QN j.T VlöK yl'Ä/M ttljn D’ttnr Und gewiß dachten unsere Weisen dabei nicht allein an die sieben Sabbate der Omerzeit, sondern überhaupt an die sieben Jahrzehnte des Erdendaseins. Auch die kurze Spanne unseres Lebens kann als ganz und menschlich vollkommen gelten wenn sie den Willen Gottes zum Maßstab und zur Richtschnur hat, wenn sie von mjtöl miTl geleitet und geadelt wird. Die großen Väter, deren wir in diesen still-ernsten Tagen mit so viel Liebe und Treue gedenken, deren Schatten wir heraufbeschwören und deren Leben und Leiden wir uns mit Stolz und Bewunderung vor Augen führen — sie lehren es uns am besten, w i e wir unsere Tage zu zählen habey, damit die Zahl immer stimme und uns nichts von den gelebten Tagen und Stunden verloren gehe. Was jenen Großen, die im Leben 'und Sterben tausendfach den Namen Gottes geheiligt, Adlerschwingen und Löwenmut verliehen, war einzig der heiße Wunsch, den Willen _Der JSraeltt._ in den breiten, bis jetzt noch treu gebliebenen Mittelstand dringt. Gerade die Separatgemeinden, die sich längst wirtschaftlich selbständig gemacht haben, hätten am wenigsten zu fürchten. Die vielen kleinen Einheitsgemeinden aber, die bis jetzt noch dem Leben der Väter treu gebliieben sind, das sind die eigentlich Bedrohten. Sie haben bis jetzt unsere Kerntruppe gebildet. Sie, die oft mit unendlichen Opfern die Gesetzestreue hochgehalten und ihre schlichte, tief inf Herzen wurzelnde Gottesfurcht im Gegensatz zu den Großgemeinden sich zu bewahren verstanden haben, sie sollen jetzt kurzer Hand einem Provinzialvorstand ausgeliefert werden, der sie zwar pekuniär unterstützt, dafür aber das Recht in Anspruch nimmt, für die Beaufsichtigung des Religionsunterrichts Sorge zu tragen. „Rettet die Landgemeinden", das ist darum die Parole, mit der wir gegen den neuen Organisationsplan zu Felde ziehen. Wohl ist ihre wirtschaftliche Lage bedrängt, allein es hieße Doktor Elsenbarths glorreiche Kur wiederholen, wollte man ihrer Notlage grade nach den Rezepten unserer Redaktoren ein Ende bereiten. Es gibt nach unserer Neberzeugung Mittel und und Wege genug, die eine wirtschaftliche Stärkung der kleinen Landgemeinden ermöglichen, ohne sie mit Haut und Haaren der Neologie auszuliefern. Die Gefahr aber, die jetzt droht und die durch die Verkoppelung der Landgemeindefürsorge mit der Repräsentationswut und dem Verwaltungsehrgeiz unserer Notabeln ein so drohendes Gesicht erhält, die gilt es zunächst zu bannen. Der Kampf, den wir führen, ist kein Kampf der großstädtischen Separat-Gemeinden gegen ihre Nebenbuhler. Es ist vielmehr nicht mehr und nicht minder als der Kampf der in ihrÄr vitalsten Interessen bedrohten Gesamtorthodoxie. (Fortsetzung folgt.) Koch-vmvZscha«.?emdebe». Wir Juden bringen naturgemäß den politischen Geschehnissen des Tages, ohne Rücksicht auf die räumliche Entfernung ihres Schauplatzes, ein gesteigertes Interesse entgegen. Für uns gibt es ihres Schöpfers zu erfüllen. fiVlKÖl *63 D’ltWö V11L pam dnp 11L"1 naa- Wie mitleidsvoll mögen diese „Geächteten" und „Gedriickten", die es wohl wußten, daß rrn mip bv nn« njra na' ntn DWil "N Sao iOn> daß eine Stunde des hinrntlischen Glückes, von bem sie schon hinieden durch die Weihe des Sabbats (#377 ppa -712V) ein schwaches Vorgefühl empfunden, alle vergänglichen Freuden der Erde aufwiege, von der-Höhe ihrer geläuterten Welt- und Lebensanschauung auf ihre des wahren Glückes beraubten Peiniger und Verfolger herabgeschaut haben? p Und wenn wir heute tränenvollen Auges in ergreifenden Gebeten ihrer gedenken, so gilt unsere Träne nicht so sehr jenen Reinen und Heiligen, als vielmehr uns, den Schwachen und Kleinen, einer Zeit, der es oft an Kraft und Mut gebricht, den Idealen zu leben, für welche jene Gr ßen so freudig starben, sie gilt denen, die das Zählen verlernt, den Anschluß an die jüdische Welt mit ihrer glorreichen Vergangenheit, mit ihrem beglückenden Innenleben, mit ihrer unerschütterlichen Familientreue, mit ihren unerschöpflichen Mizwosfreuden verloren haben und nun schmachtenden Blickes ins fremde Lager hinüberschielen und voll Groll uild Neid über Mißachtung und Zurücksetzung klagen- Ihnen gilt die Träne — und auch diese Träne nimmt Gott unter die Zahl der Perlen in seinem Tränenschlauche auf, auf daU das Maß bald voll wird, und die Stunde der Erlösung schlägt. »o. l7 Sette $ ’ kein entferntes Ausland, dessen Erfahrungen wir als völlig unbeteiligt und uninteressiert verfolgen dürften. Ueberall wissen wir Juden, Glaubensbrüder, deren Geschicke mit denen ihres Landes und des Volkes, in dessen Mitte sie leben, eng verknüpft sind. Und daß zudem von den politischen Umwälzungen, wo und in welcher Art sie auch immer vor sich gehen mögen, das Judenviertel nicht unberührt bleibt, ist eine Tatsache, die von der Geschichte schon so oft bestätigt wurde, daß man sie auch gegenwärtig überall als selbstverständlich voraussetzt. Man ist auch kaum überrascht, wenn man erfährt, daß die blutigen Vorgänge, die in der Türkei auf die unblutige Revolution gefolgt 'sind, und nun mit einem Thronwechsel endeten, durch einen Vernichtungskampf in Kleinasien eingeleitet wurden, welcher wiederum sich zu allernächst durch eine Juden - hetze in Adona und Mersina ankündigte. Weil schlimmer liegen aber die Verhältnisse, so weit sie die Juden betreffen, in Persien, wo ein hoffnungsloser Bruderkrieg seit Monaten wütet. Täbris, wohin sich die verzweifelt für Recht und Freiheit Kämpfenden zurückgezogen haben, ist von den Schah-Truppen belagert und täglich erwartet man den Zusammenstoß, von dessen Ausgang die Zukunft des persischen Reiches abhängen wird. Unterdessen vertreiben sich die edlen Perser in der Provinz die Zeit mit Ausplünderung und Verwüstung der Judenhäuser. Jn Kirmanscha im Westen Persiens wurde, wie wir bereits berichtet haben, das Judenviertel regelrecht und vollständig ausgerauöt. Mehrere hundert Familien, die abseits aller politischen Wirren standen, sind brod- und obdachlos geworden, weil sie angeblich einen bei ihnen bediensteten Priester mißhandelt hätten. Ein persisch-islamitischer Priester im Dienste der Juden! Das orientalische Märchen ist phantasiereich und macht nicht den geringsten Anspruch auf Wahrscheinlichkeit. Aus dem Märchen war indes in der Perserstadt ein blutiges Drama geworden, dem gegenüber der Gouverneur sich als passiver Zuschauer verhielt. Die Gouverneure in Persien sehen es, wie alle Hüter eines alten, dem Zusammenbruche nahen Regims, gerade nicht ungern, wenn die entfesselte Bolksleidenschaft nach der Richtung des Judenviertels abgelenkt wird. Hier aber wies doch die Rechnung, ob auch vom Wirte gemacht, einen bedeutenden Rechenfehler auf. Wie die Dinge zur Zeit in Persien liegen, mußten dort die Vertreter der fremden Mächte, mehr als sonst zu normalen Zeiten in normalen Ländern üblich, auf die innerpolitische Lage Einfluß gewinnen. Neben Rußland ist es vornehmlich England, das einigermaßen bestimmend auf die Geschicke Persiens einwirkt. Und so war es denn euilleton. ver Steinbrucb des Königs Salomo. Ter amerikanische Konsul in Jerusalem Mr. Thonras R. Wailage, hat seiner Regierung in Washington einen interessanten Bericht über die Geschichte des in der Nähe von Jerusalem befindlichen Steindrnchs des Königs Salomo unterbreitet. Ter Konsul schreibt u. a.: v „Es wird über die Entdeckung der Steinbrüche interessant sein, sestzustellen, daß alle Aufzeichnungen über dieselben verloren gegangen zu sein scheinen und daß ihre Wiederentdeckung dem reinen Zufall zu verdanken ist. Es geschah nämlich, daß ein Herr Tr. Barclay aus die Jagd gegangen war und bei diesem Anlasse sein Jagdhund in einer Höhle unterhalb der nördlichen Stadtmauer verschwunden war. Da der Hund nicht mehr zum B irschein kam, grub der Tr. B. das Unkraut und die Erde an der Mündung der Höhle so lange, bis sie zugänglich wurde. Dr. Barclay begab sich nun selbst in die Höhle, um nach seinem Hund zu suchen und er entdeckte die Steinbrüche. Ursprünglich wurde angenommen, daß es sich blas um die Auffindung eines alten Kellers handle, die weiteren Nachforschungen ergaben jedoch, daß man es mit einem immensen Steinbruch zu tun habe, in welchem ein Felsblock behufs Steingewinnung am Grunde ge-

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