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Der Israelit · 1909-04-22 · Heft 16 (22.4.1909) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 16 (22.4.1909)
Date
1909-04-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Sette S Nr. 16. 22. April 1909._ Versammlung verschoben. Vorläufig hat also Mtzw-Aork zwar eine Kehilla, aber keinen Vorstand. Für kommenden Sonntag, den 21. März, Ist eine Spezial-Versammlung der orthodoxen Delegirten in der rumänischen Synagoge einberufen, um die Kandidaten-Liste festzustellen, für die die Orthodoxen stimmen sollen. New-Jork, 4 April. In New-Pork macht sich jetzt eine bisher niemals beobachtete massenhafte Einwanderung von Juden aus Galizien fühlbar, welche sowohl der „Hebrew Immigrant Aid Society", als auch der „Verband galizischer Juden in New-Uork" große Sorgen verursacht. Man war wohl in den letzten zwei Jahren gewohnt, daß die jüdische Einwanderung aus Oesterreich selbst diejenige aus Rumänien übertraf, daß sie aber an Zahl fast an erste Stelle rücke, ist ein Sympton, das viel zu denken gibt. Der Leiter der „Hebrew Immigrant Aid Society" teilte über die Bewegung folgendes mit: „Schott seit einigen Wochen ist die Einwanderung galizischer Juden in stetem Wachsen begriffen. Zwei Drittel der Passagiere der anfangs März eingetroffenen „Kaiserin Äugusta Viktoria" waren galizische Juden. Von beit 45 Einwanderern desselben Dampfers, welche hier von Niemanden erwartet wurden und von unserer Gesellschaft auf eigene Verantwortung übernommen werden mußten, waren 32 galizische Juden. Die meisten der e'mgewanderten galizischen Juden gehören dem Arbeiterstande an, welche erklären, daß sie infolge des überhandnehmenden Antisemitismus in Oesterreich und insbesondere in Galizien zuhause keine Arbeit finden und daher gezwungen sind, auszuwandern. Nach Aussagen dieser Einwanderer berutet sich für die Zeit nach den Pessachtagen eine Massenauswandernng aus Galizien vor. Bemerkenswert ist, daß ein großer Teil der galizischen Juden nach Amerika auswandert, ohne dort einen Verwandten oder Bekannten zu haben, wie dies z. B. bei den meisten russisch und rumänischen Juden der Fall ist. llermlsebtts. Ftantsnrl a. M., 20. April .Herr Vciffar Levisohn in Frankfurt a. M., der sich der ri> netten Beköstigung der in Kiel stationierten jüdischen Marinesoldaten während des letzten Pestachfestes warm angenommen hatte, erhielt felgendes Dankschreiben: „Kiel, den 13. April 09. Lehr geehrter Herr! _ Nachdem wir hier beim Herrn Lehrer Kai; das Peßach fest in würdiger Weise gefeiert haben und gehört haben, daß wir hauptsächlich durch Ihr tatkräftiges Eingreifen Jomtow feiern konnten, halten wir es für unsere Pflicht, Ihnen besonders dafür zu danken. Möge Gott Ihnen die Kraft verleihen, daß Sie dies schöne Werk itoch manche Jahre vollsühren können. O, möchten doch viele Juden von Ihrem Geiste beseelt sein, um es sonst im Jahre zu ermöglichen, rituell leben zu können, damit Herr Lehrer Katz in dieser Sache unterstützt wird. So osr einer von uns zur Synagoge kommt, wird er von Lehrer Katz gastfrei zu Tische geladen und mtfs Beste bewirtet. Ihnen nochmals besten Dank sagend unterschreiben mit besonderer Hochachtung." Unterzeichnet ist der Brief von acht in Kiel statiotrierten jüdischen Marinesoldaten aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands. (Soweit uns bekannt ist, hat die „Freie Bereinigung" die Frage der r i t u e l l e n B e r p f l e g u n g d e r j ü d i s ch e n Soldaten seit Jahren in ihren Arbeitsplan ausgenommen. Vielleicht fühlen sich Edelgesinnte durch obige Zeilen veranlaßt, ihr in diesem Bestreben ihre Unterstützung angedeihen zu laffen. Die Redaktion.) Cöln, 4. April. Eine stimmungsvolle Feier war eS, die am Montag Nachmittag Lehrer, Schüler, Freunde und Gönner in den Anstaltsräumen des jüdischen Lehrerseminars vereirügte. Galt es doch die abgehenden Zöglinge, die die staatliche Lehrerprüfung und nach Absolvierung des neueingerichteten Fortbildungskursus auch die Religionslehrer- und Kantorenprüfung bestanden hatten, feierlich zu entlaffen und sich von den abgehenden Seminarlehrern Dr. Auerbach und Bonn zu verabschieden. Nach einem Eröffnungschor richtete der Seminardirdktor Dr. Carlebach väterliche, herzliche Mahnworte an die in die Fremde ziehenden jungen Lehrer, empfahl ihnen als Lehrertugenden die von unserem Lehrer Moscheh besonders gerühmten Vorzüge: Treue und Bescheidenheit. Aus den Mienen der scheidenden Schüler konnte man D.er Israelit. lesen, wie sehr das Abfchiedswort ihres auch im Namen deö Lehrerkollegiums sprechenden Direktors ihnen zu Herzen ging, wie schwer ihnen das Scheiden von der alma mater wurde. Auch Herrn Lehrer Bonn wurde warme Anerkennung für sein dreijähriges Wirken als Lehrerbildner zuteil. Als es aber dem Abschied vom Religionslehrer Dr. Auerbach galt, der ins heilige Land zieht, um an geweihter Stätte die Erziehung der Jugend 'für min und jn* •JTT ä" organisieren, blieb kein Auge tränenleer. Als kleines Zeicheit des Dankes übergaben Schüler und Lehrer dem Scheidenden ihr Bild. In schlichten, innigen Worteit sprach Herr Dülken, Vorsitzender des Kuratoriums, den abgehenden Zöglingen die Anerkennung nnd den scheidenden Lehrern den Dank der Verwaltung aus. Lehrer Bonn pries das im Se^ minar vorwaltende vorbildliche Zusammenwirken von Schülern und Lehrern und Herr Dr. Auerbach wies tief ergriffen in seiner Rede die Anerkennung und den Dank bescheiden zurück, er dankte seinerseits allen für das Ber trauen, das ihm in so kurzer Zeit zuteil geworden war. Als Vertreter der Abiturienten dankte Lehrer Bog den Lehrern, die sie mit Liebe und Geduld an das ersehnte Ziel geführt hatten. Mit dem Gelöbnis, stets treu zum Eölner Lehrerseminar halten zu wollen, schloß er seine sinnige Danksagtmg. Abends um 9 Uhr vereinigte ein vom nettgegründeten ^sentinaristenverein veranstalteter Kommers die Festteilnehmer. Hamburg, 15. April. Eine folgenschwere Gasexplosion lreignete sich am Morgen des Ostersonntags im Israelitischen Waisenhaus am Laufgraben, dem früheren Paulinenstift. Zur frühen Morgenstunde waren in dem Bateraum des Waisenstifts mehrere Mädchen im Alter von sechs bis neun Jahren mit Hausarbeit bc schäftigt. wahrend der Waisen Vater und Hausvorstcher Tannenwald, der ebenfalls dort verweilte, einen starken Gasgeruch im Zimmer verspürte. Da er annahm, daß dieser aus einem Rohr des Gasbadeofens strömen könnte, bestieg er einen Stuhl, um die Leitung abzusuchen. Unvorsichtiger Weise ließ er Tür und Fenster geschlossen, als er ein Streichho z entzündete. In demselben Augenblick ersollste eine furchtbare, weithin hörbare Detonation, eine große Ftuerflamme füllte für einlze Minuten das Zimmer, und Tür und Fenster sowie einige Inventarstücke wurden auselnandergeriss n. Mannschaften des vierten Feuerwrhrzuges brachten den Verunglückten die erste Hilfe. Es waren sehs Personen, die von den Samaritern Notverbände ei hielten. Außer dem 54 Jahre alten Tannenwald, der im Gesicht, an den Händen und an der Brust sehr schwere Brandwunden erlitten hatte, sind noch fünf kleine Mädchen, zum Teil schwer, teils leicht verletzt worden. Charlotteuburg, 15. April. Die Synagogengemeinde BiSmarckstraße dahier, hat Her n Dr. Wilhelm Lewy in Neustcttin zum Rabbiner berufen. Herr Dr. Lewy, dem der Ru eines vorzüglichen Kanzelredners v rauSgtht, ist ein Schüler des Hilders he im erschen Seminars. Die Berufung erfolgte durch einstimmigen Borstandsbeschluß am 11. März und wird Herr Dr. Lewy bereits Mitte Mai sein neues Amt antceten, sobald die umfangreichen Umbauten der Synagoge vollendet sein werden. Die Umgestaltung dieser derzeit größten Synagoge in Chartottenburg beweist, daß man selbst in Berlin nicht immer praktisch bei einem Synagogenbau vorgrht. Das Gotteshaus wurde erst vor einem halben Jahre eingcweiht, als sich schon damals herausstellte, daß die Einteilung der et ca 700 Sitzplätze, vielerlei Mängel aufwies. Nunmehr wird bei einer Neueinteilung auch der Aron hakodesch vergrößert, ein eigner Chorraum geschaffen und der kleine Betsaal für den Jugendgottesdienst eigens hergertchtet werden. Der Religionsunterricht (zu dem der Vorsitzende Herr Dr. Arthur Kahn Anmeldungen entgegennimmt) soll gleich alls im Shnagogengebäude stattfinden. Mit der Neueinweihung der Synagoge ist die feierliche Awtsemführung des neuen Rabbiners geplant, di dadurch besonders eindrucksvoll gestaltet werden dürfte. Worms a Rh., 15. April. Am letzten Tage des Peßachfestes hielt Herr cand. phtl. Salomon Horowitz aus Bern in der hiesigen Synagoge der polnischen Gemeinde einen Bortrag über das Peßachfrst. Der Redner erläuterte in vortrefflicher Weise das Wesen des Festes und seine Stellung in der Geschichte und im Pflichtenleben des jüdischen Volkes- Der Bortrag fand großen Beifall. Bnrgknndftadt, 12. April. Zu der Notiz aus Burgkunstadt in No. 10 des „Israelit", betreffend den Schulstrcit der dortigen Gemeinde mit der städtischen Schulbehörde, erhalten wir von den Vertretern ber Gemeinde folgende Berichtigung: „In dem Art kel auf Seite 7 der No. 10 dieses. Jahres find in dem Berichte über den Streik der Bur gundstadter Kultusgemeinde gegen die dortige polittsche Gemeinde wegen Heranziehung der Israeliten Burgkundstadts zur Unterhaltung der christl. Volksschulen mehrere störende Druckfehler unterlaufen. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Der Kultns-Boistand Moritz Lonnerstädter hat gegen die unbillige und unberechtigte Besteuerung Beschwerde eiimelegt und hat die Kgl. Regierung von Oberfranken in Bayreuth den Beschluß des Kgl. Bezirksamtes LichtenfelS zu Gunsten der Israeliten Burgkundstadts bestätigt, wonach die Stadtgemeinde z tr Rückzahlung der für Schulzwecke der christl. Volksschulen verwendeten Gemetndeumlagen vemrtetlt wurde." Kiel, 14. April. Für den Neubau der Synagoge der Kieler tsraelitischen Gemeinde auf dem von der Stadt erworbenen P!atz Ecke Goethe- und Humboldt-Straße werden die Grundmauern hergestellt. Die Ausführung Lee Maurerarbeiten liegt in den Händen des Bauunternehmers K. Rauc. Emden, 14. April. Das jüdische Waisenhaus ist hlerselbst jetzt vollständig fertiggestellt worden. Vorläufig werden in demselben 25 Kinder Ausnahme finden. Allenstein, 15. «p il. Die Gebrüder Adels und Josef Krause in Berlin, gebürtigt in Osterode, schenkten dem jüdischen Altersheim in Allenstetn 24000 Mk Leipzig, 16. April. Mit der Frage, ob die Exhumierung einer Leiche auf Grund jüdischer Ritualvorichriften untersagt werden kann, hatte sich das Reichsgericht aus Anlaß eines Rechtsstreites der Witwe Neumark in Bremen gegen die Israelitische Gemeinde in Bremen zu beschäftigen. Tie Klägerin war Mitglied der Israelitischen Gemeittde. Am 17. März 1905 ist ihr verstorbener Ehemann auf dem der Israelitischen Gemeinde gehörigen Kirchhofe beerdigt worden. Neben denr Begräbnisplatz ihres Gatten hatte die Klägerin eine Begräbnisstätte erworben. Als die Klägerin später ihren Austritt aus der Israelitischen Gemeinde erklärte, ging ihr diese Begräbnisstätte verloren. Sie verlangte nun Exhuntierung der Leiche ihres verstorbenen Mannes zwecks Ueberführung derselben auf den konfessionslosen Friedhof. Tie Exhumierung mußte indeß die Israelitische Gemeinde auf Grund des Religionsgcsetzes verweigern. Auf die Klage der Witwe erkannten Landgericht Bremen und Oberlandesgcricht Hamburg dahin, daß die Israelitische Gemeinde in die Exhumierung der Leiche zu willigen habe. Gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg hatte die Israelitische Kirchengemeinde Revision beim Reichsgericht eingelegt, jedoch ohne Erfolg. Ter VI. Zivilsettat des höchsten Gerichtshofes erkannte auf Zurückweisung der Revision und bestätigte somit die Berechtigung zur Exhumierung. Paris, 18. April. Die in Paris wohnhafte Witwe des Militärarztes Felix, die vor wenigen Wochen heimgegangen ist, hat der Ecole Normale Orientale, d. i. der Alliance Israelite Universelle, viermal hunderttausend Francs vermacht! Liplo zerrlmiklos, 15. April. Die orthodoxe Fraktto i der hiesigen j tdischen Fortschrittsgemet! de, die sich mit der Pflege des Talmudstudiums beschäftigt, hat cs vor einigen Jahren durchgejctzt, daß ein orthodoxer ErilE? angesteüt wurde. Dieser Mann hat aber den auf ihn gesetzten Erwartungen nicht entsprochen. Hat er es doch mit seinem Berufe vereinbar gesunden, fern Schvhwarengeschäst, das er sich bald errichtete, auch am mV offen zu halten. Als dieser letztere Umstattd selbfl unsere sonst etwas apathische orthodoxe Fraktion aus ihrer Gleichgültigkeit ausrüttelte und diese schmachvolle Religionsverletzung durch denjenigen, dem eine der wichtigsten Institutionen anvertraut, einigen Staub aufwirbelte, wurde der Beamte äufgestrdert, sein Geschäft innerhalb einiger Monate aufzugeben und sich überhaupt von jeder profanen Beschäftigung zurückzuziehen, wozu er sich auch verpflichtete. Er hielt aber das Versprechen nicht nab suchte alle Auswege um seine Verpflichtung zu umgehen. Eine nett« Illustration für die Zustande in der ersehnten Einheitsgemeinde. Uminswesen. Breslau, 14. April. Das seit einem Jahr hier bestehende jüdische Brockenhaus „P e a h" hatte bis Ende 1908 insgesamt 1692 Eingänge an verschiedenen Gegenständen zu zerzeichnen; 9550 kaufende Parteien find abgefettigt worden und die Einnahme aus dem Verkauf betrug 8967,44 M. Die Anstalt strebt dahin, neben der Brockenhaus-Eintichtung eine Arbeitswerkstätte mit erweiterter!Arbeitsgelegenheit zu schaffen, wo Be chäfttgungslosen Arbeit und Verdienst gewährt werden kann. Posen, 15. Ap.tl. Die Ritsche-Flatausche Watsenerziehungsanstalt für Mädchen, die stch nach und nach zu einer Provinztalwaisenanstalt entwickelt bat, hat nun das erste Jahr im neuen Hause zurückgelegt, und darf mit Befriedigung anerkennen, daß sich der. noch außen schöne, unbedingt notwendig gewesene Bau auch im Innern nach jeder Richtung hin hewährte. Es knnn nicht überraschen, daß die Betriebskosten trotz sorgfälttgster Sparsamkeit cstiegen find. Die größeren Räume erfordern mehr tcht, Heizung, Waffer, Hilfskräfte usw., dazu tritt die allgemeine Teuerung der Lebensbedürfnisse. Dagegen ist der Ansturm von Gesuchen um Aufnahme von Zöglingen größer als je zuvor. Die Sachlage zwingt die Verwaltung, an alle Freunde der Anstalt, die Bitte zu richten, durch Zuwendung von Mitteln das Unternehmen zu unterstützen, damit nicht verwaiste Kinder, die der Aufnahme bedürfen, schweren Herzens abgewtefen werdm muffen. Im letzten Berichtsjahre wurden 7 ausgebtldete Zöglinge entlaffen. PmonalfeN. Frankfurt a. M-, 16. April. Im Rothschildschen Hospital starb an den MittelfetertagtN nach langem Leiden der weithin bekannte nSlB Rabbi S(ia8 Bunimowitsch F"). Buntmowttsch stammte auS Wilna, wo er viele Jahre als Meister seiner heiligen Kunst, wie alS Tü^n in hohem Ansehen stand. Jahrelang ließ itr MoseS Montefiore zahlreiche min ,"IBD durch ■BfittäSa

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