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Der Israelit · 1909-04-22 · Heft 16 (22.4.1909) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 16 (22.4.1909)
Date
1909-04-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 8 Nr. 16 Der JSraeltt. ll iscs vis kabbiner-IiummiWn. St. Petersburg, 10. April. (Bon unserem Korrespondenten.) Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird endlich, nach einer mir von zuverlässiger Seite Angehenden Nachricht, die Rabbinerkommission noch in diesem Jahre und höchstwahrscheinlich im nächsten Herbste, wahrscheinlich im Oktober a. St. einberufen werden. Wie lange dieselbe tagen wird, läßt sich nicht voraussehen, es ist aber ausreichender Grund vorhanden, anzunehmen, daß ihre bevorstehende Tätigkeit sich auf Monate erstrecken dürfte. Im Verlaufe von 18 Jahren, seitdem die letzte Rabbinerkommission aufgelöst wurde, soll sich ein sehr umfangreiches Material angesammelt haben, das der Entscheidung der Rabbinerkommission harrt. Die Tätigkeit der Rabbinerkommission umfaßt, laut Gesetz vom 18. Mai 1848, Fragen jüdischreligiösen Inhalts und solche, in welchen die Meinungen einzelner Rabbiner auseinandergehen. Dem Wortlaute des besagten Gesetzes zufolge sollte die Rabbinerkommission beständig am Departement der geistlichen Angelegenheiten der nicht griechisch-katholischen Konfessionen im Ministerium des Inneren funktionieren. In Wirklichkeit aber wird sie nur von Zeit zu Zeit vom Minister des Inneren durch die Generalgouvernenre und Gouverneure einberufen. Sie besteht aus einem Vorsitzenden und 6 Mitgliedern, welche vom Ministerium des Inneren aus der zu diesem Behufe von den jüdischen Notablen, Kaufleuten und Rabbinen des Ansiedlungsrayons gewählten Kandidaten ernannt werden. Wie verlautet, soll diesmal der bevorstehenden Rabbinerkommission eine eriveiterte Kompetenz zuerkannt werden. Es soll ihr die Befugnis eingeräumt werden, auch allgemeine jüdische Fragen wie: den Religionsunterricht in öffent. Schulen, den Eid, Gemcindeorganisatkonen, Unterrichtsfächer zn erörtern und ihre Meinung über dieselben dem Ministerium des Inneren zu unterbreiten Es sollen ihr auch von demselben noch andere Fragen zur Betrachtung, Untersuchung und Meinungsäußerung vorgelcgt werden. Als Vorbereitungsarbeiten sollen die Elaborate dienen, welche im vorigen Jahre die Konferenzen der Kreisrabbiner verschiedener Gouvernements ausgearbeitet und den betreffenden Gouverneuren und General-Gouverneuren eingereicht haben. Demselben Zwecke sollen auch die Resolutionen dienen, welche die Versammlung der polnischen Rabbiner, die Ende des verflossenen Jahres in Warschau ftattfaub, angenommen und an bereit endgültiger Formulierung und Redaktion eine eigetts dazu von der genannten Versammlung gewählte Kommission noch gegenwärtig arbeiten soll. Eine ähnliche Rabbinerversammlung mit derselben Bestimmung soll bald iiad) dem Peßach in Wilna zusammentreten. Die obrigkeitliche Genehmigung zu derselben ist bereits erfolgt. Zu den 25 Rabbinern, welche die Zulassung zu derselben erhalten haben, gehören die vornehmsten Koryphäen der Rabbiner Rußlands, wie Rabbi David Friedmann aus Pinsk, R. Chajim Soloweitzik aus Brest - Litowsk, R. Chajim Oser Grodsensky aus Wilna, R. Hirsch, Rabbinotviz aus Kowno, R. Leiser Gordon aus Telschen, die Ehassidischen Rabbis aus Lubawitz, Bobuisk, Gor und Schochostav. Die überwiegende Majorität wird aus Rabbinern der „Misnagdim" bestehen, von deren Einsicht und Welterfahrung sich mit Sicherheit voraussehen läßt, daß sie die Bedürfnisse unserer Zeit besser verstehen, als die Tonangeber der Warschauer Rabbinerversammlung, deretl Beratungen und Beschlüsse in vielen Kreisen, ortodoxe nicht ausgenommen, so viel böses Blut gemacht haben. Petersburg, 15. April. Vor kurzem fand hier die jährliche Generalversammlung der jüdischen Handwerks-Gesellschaft unter Leitung des Herrn Winawer statt. Aus dem erstatteten Kaffenbericht geht hervor, daß die Einnahmen der Gesellchast im Jahre 198 etwa 38 000 Rubel, die Ausgaben über 32 000 Rubel betrugen. Es wurden verausgabt: für Handwerkerschulen und Handwerkerklassen an den Elementarschulen 13771 Rubelfür Mädchen-Handwerksschulen |2145 Rubel) für professionelle Außerschubildung 5055 Rubel) für Handwerksinstrumente 2177 Rubel) für Beförderung von jüdischen Handwerkern in innerrussischen Städten 2998 Rubel) für Erdarbeiter 2625 Rubel. Die Versammlung beschloß, neue Abteilungen der Gesellschaft in Uman und in Homel zu gründen. Der neugewählte Vorstand, dem auch der Baron David Günzburg angehört, wurde beauftragt, die Möglichkeit einer eventuellen Erweiterung der Tätigkeit der Gesellschaft, die bisher nur einen philantropischen Unterstützungscharakter trug, zu prüfen. Odessa, 15. April. Wie das Odessaer Palästina-Komitee mitteilt, haben sich im Jahre 1908 2097 Juden von Odessa nach Palästina begeben, davon 1173 Personen in den letzten sechs Monaten des vorigen Jahres. Etwa 25'/» der Reisenden haben dem Komitee Angaben über ihre Vermögensverhältnisse gemacht, wonach sie zusammen ein Kapital von 1 115 300 Rubel nach Palästina mitführten. Von den in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres nach Palästina Reisenden beabsichtigten 784 Personen, sich dauernd als Kolonisten in Palästina niederzulassen) 272 — dort ihre letzten Lebensjahre zuzubringen) 51 — Schulen daselbst zu besuchen) 52 — nur zeitweiligen Aufenthalt dort zu nehmen) 14 Personen suchten Heilung im palästinischen Klima. Unter den Hin fahrenden waren 31 Juden aus Buchara und 48 aus Kaukasien, die meist Erdarbeiter . waren. Humiinien Soziale Frauenarbeit. . iBoii unserem Korrespondenten.) _ Bukarest, 10. April. Fräulein Berta Pappenheim aus Frankfurt a. M. hat im Aufträge des Vorstandes des jüdischen Frauenbundes eine Petition an die Königin von Rumänien eingereicht, welche dahin lautet, daß die Dichterin auf dem Throne sich der jüdischen Mädchen und Frauen in ihrem Lande annehmen möchte, die zu dem schändlichen Gewerbe der Prostitution getrieben werden. Inzwischen hat nun Fräulein Pappenheim die weite Reise nach Rumänien nicht gescheut und wurde von der Königin in Audienz empfangen. Die Königin bekundete der Sache ein lebhaftes Interesse, und die Bildung einer Liga zur Bekämpfung des Mädchenhändels in Rumänien dürfte in kürzester Zeit erfolgen. In einer von den Damen der vornehmen jüdischen Gesellschaft einberufenen Versammlung hat Fräulein Pappenheim über die Ziele und Bestrebungen des Frauenbundes gesprochen, worauf sich ein größeres Damenkomitee konstituierte. Gleiche Erfolge wurden in Galatz und Braila erzielt. f» Türkei. Konstantinopel, 11. April. Anläßlich der Peffachtage wurde in Mersina in Kleinasien die wahnsinnige Blutbeschuldigung gegen die Juden aufgebracht und haben sich dort ernste Unruhen rugetragen. Der fanatische Pöbel, der über unsere Brüder herfallen wollte, war natürlich kein mohammedanischer, sondern es wären wiederum Sprößlinge des rohen Griechenvolkes. Der Großrabbiner hat sofort nach Empfang der Nachricht seinen Buhta (Sekretär) zum ökumenischen Patriarchen gesandt, der bereitwilligst eine entschiedene Intervention zur Verfügung tellte. Der griechische Patriarch telegraphierte an die geistlichen Behörden des Ortes, sofort „Beruhigung zu predigen, die Unsinnigkeit der Blutlüge darzutun, und der Bevölkerung seinen Wunsch, auf friedliche und freundschaftliche Beziehungen zu den Inden mitzuteilen." (Es ist zu hoffen, daß von den neuerlichen Unruhen und Kämpfen, die in Mersina in' den letzten Tagen zwischen Christen und Mohammedanern ausbrachen, Juden nicht betroffen wurden. Die Redaktion.) Konstantin opel, 20. März. Aus Jemen, woselbst sich die Araber in Aufruhr befinden, kommen täglich Nachrichten über Verfolgungen, denen die Juden seitens der Araber aüsgesetzt sind. Unter den Juden herrscht große Aufregung. Vor einigen Tagen erhielt der Minister des Innern vom Großrabbiner von Jemen eine im energischen Tone gehaltene Beschwerde, in welcher ausgeführt wird, daß cs eine Schmach sei, daß es in der Aera des Rechtes und der Gleichheit, die jetzt im Reiche herrsche, geduldet werde, daß in einer türkischen Provinz die Juden bedrückt und verfolgt werden. Der Großrabbiner stellt nun das Ersuchen, die Regierung möge energische Maßnahmen treffen, darnit dieser widerrechtliche Zustand ein Ende nehme und sich nicht mehr wiederhole. V<rlKsttrr«r. Jaffa, 10. April. ' Die heißen Schwefelquellen bei Liberias, die wegen ihrer großen Heilwirkung bei Rheumatismus und Hautleiden seit dem Altertum berühmt sind und in jedem Jahr von Dielen Tausenden aus Syrien und Palästina besucht werden, sind in diesem Jahr auf die Initiative des Palästina-Jndustrie-Syndikats von Juden aus Liberias gepachtet worden. Es wird dafür Sorge getragen werden, daß die Bäder, die unter dem bisherigen arabischen Pächter für europäische Ansprüche alt Sauberkeit und Bequenltichkeit fast alles zu lvünschen übrig ließen, in einen besseretl Zustand kommen und allen Ansprüchen an Reinlichkeit und Bequemlichkeit genügen. Es ist ztl hoffen, daß hierdurch nicht nur die Juden in Palästina und Syrien in verstärktem Maße von der Heilkra t der Bäder Gebrauch machen, sondern daß auch Inden von Europa die Bäder besuchen werden, die den Bädern von Aachen ebenbürtig sein sollen. Die Bäder liegen landschaftlich sehr reizvoll und sind mit der Bahn von Haifa aus in 4—5 Stunden zu erreichen. Ainorlkn. Die neue Kehilla in New-ilork. -Bon innerem Korrespondenten.) New-Iork, 10. März. Die Vereinigung der Gemeinden kam hier, wie bereits berichtet, zustande. Merkwürdigerweise kam die Hauptopposition bei der Versammlung am 28. ds. gegen die Gründung der „Kehilla" aus dem Lager der Reformer. Die Reform-Rabbiner Dr. Moses, Lyons und Harris machten geltend, daß eine solche allgemeine Organisation dem Geiste der amerikanischen Institutionen zuwider sei. Von den Orthodoxen erhob sich nur eine Stimme gegen den Plan. Es war die des ungarischen Rabbiners B a r u ch M e i e r K l e i n, der seine orthodoxen Gesinnungs-Genossen auf die Verhältnisse-in seinem Geburtslande hinwies, wo die Reform die Unterdrückung der Orthodoxie anstrebe. Mehrere orthodoxe Redner widersprachen ihm, indem sie hervorhoben, daß die Verhältnisse hierzulande wesentlich andere seien, daß die Gemeinden autonom seien, daß die Führung der religiösen Interessen in den Händen der eigenen Vertrauensmänner sein werde und daß unter diesen Umständen die Einigkeit der Zersplitterung vorzuziehen sei. Die sonstigen Verhandlungen waren meistens formaler Natur und verliefen ruhig bis es zum Punkte der Wahl des Exekutiv-Komitees von 25 Mitgliedern kam. Um Wahlkämpfe zu vermeiden, war ein Nominations-Komitee ernannt worden, um geeignete Kandidaten auszusuchen, die dann durch Akklamation gewählt werden sollten. Bon der Versammlung wurde aber gegen die Liste heftige Opposition geführt und war. es daher unmöglich, die einstimmige Annahme durchznsetzen. Die Wahl wurde deshalb auf eine in der nächsten Woche stattfindende

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