Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1909)
- Date
- 1909-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«eite 6 Nr. 16 Der JSraeltt. daß die Keilschrifttexte nicht historischen, sondern religiösen Zwecken zu dienen bestimmt waren und daher keine lückenlose Darstellung der Ereignisse bieten. . Wie zum vollen Verständnis der Bibel die Kenntnisse altorientalischen Geistes, so sei umgekehrt, zur Altsfüllung jener Lücken, in den Keilschrifttexten die Kenntnis der Bibel nnbedingt erforderlich. Was aber die Sitten- und Gottesvorstelluitg betrifft, so klafft eine unüberbrückbare Kluft zwischen der Israels und der babylonischenbei Israel der reinste Monotheismus, dort bestenfalls eine Art des Monoismus. Wenn es sich um Civilisation handelt, könne man das Wort „Babel-Bibel" unterschreiben, in Sachen der Religion aber allezeit nur „Bibel-Babel" sagen. Dem Vortragenden lohnte reicher Beifall seines zahlreichen Publikums, für seinen.überaus lehrreichen, durch treffliche Lichtbilder unterstützten Vortrag. Von den hiesigen Blättern nimmt außer der katholischen „Märkischen Volkszeitung" keiites Notiz davon. Berlin, 16, April. Als im Sommer 1906 in dem „Bund jüdischer Akademiker" die Organisation der gesetzestreuen Studentenschaft Deutschlands ins Leben trat, mußte der B.J.A. zunächst sein Attgenmerk darauf richten, einen weiten Wirkungskreis für die Verbreitung seiner Ideen zu schaffen. So verdoppelte sich denn im Jahre 1907 die Zahl der Bundesvereine Zu den „Vereinigungen jüdischer Akademiker" in Berlin, München und Straßburg kamen solche in Marburg, Heidelberg und Würzburg hinzu. War somit der äußere Rahmen für den B.J.A. geschlossen, so legte man im verflossenen Jahre das Hauptgewicht auf den inneren Ausbau des Bundes. Diesem Bestreben diente hauptsächlich der erste ordentliche Bundestag, der gegen Ende des Jahres 1908 in Frankfurt a. M. abgehalten wurde. Unter den zahlreichen Beschlüssen, deren Würdigung an dieser Stelle zu weit führen würde,«Reorganisation der Bundesverwaltung x.) verdient besonders die Einführung eines Fuxenunterrichts für alle Bundesvereine hervorgehoben zu werd.'n. In ihm sollen die jüngeren Mitglieder mit den grundlegenden Prinzipien der jüdischen Welt- und Lebensanschauung und den ^tüchtigsten Epochen der jüdischen Geschichte vertraut gemacht werden, wobei die in der Gegenwart innerhalb der Judenheit hervortretenden Strömungen, speziell die jüdischen Studentenorganisationen, eingehende Berücksichtigung sinden sollen. Diese Institution ist hestimmt, die V.V. J.A. in der Erfüllung ihrer Hauptaufgabe zu fördern; denn die V I A. will die gesetzestreue akademische Jugend um ihre Fahne scharen, um sic gegenüber den Gefahren die gerade auf der Hochschule auf den gesetzestreuen Studenten in mannigfacher Form einstürmen, in ihrer jüdischen Wetranschaung zu festigen und sie mit dem erforderlichen Wissen auszustatten. Hierzu bieten vor allem die zahlreichen wissenschaftlichen Vorträge und Diskussionen Gelegenheit, in denen die verschiedensten, sich dem jüdischen Studenten nufdrängenden Probleme zur Erörterung gelangen. Er gewinnt in sie Einblick, indem er die gereifteren Anschauungen der „alten Herren" kennen lernt, unter deren bewährter Leitung, er auch bei den Vereinsschiurim in die verschiedenen Gebiete des jüdischen Schrifttums eindringt. Neben der ernsten Vereinsarbeit wird jedoch auch der Geselligkeit durch Kneipen, regelmäßige Ausflüge, Rudern x. Rechnung getragen. So wird der B.J.A. den Aufgaben, die an ihn als die Organisation der gesetzestreuen Studentenschaft Deutschlands herantreten, in vollem Maße gerecht. Hier bietet sich dem juttgen Studenten Gelegenheit, zu einem bewußten Jehudi sich heranzubilden. Darum tritt jetzt bei Semesterbeginn an jeden gesetzestreuen Kommilitonen die Pflicht heran, sich dem Bund jüdischer Akademiker anzuschlies en. Das Bnndespräsidium, das von jetzt ab seinen Sitz in Berlin hat, ist gerne bereit, auf Anfragen über den B.J A. Auskunft zu erteilen. (Adresse: esnck. obem. W. Halberstadt, Berlin N. 24, Krausnickstr. 1711). Berlin, 20. April. Gelegentlich der jüngst in Berlin stattgehabten Hauptversammlung des Vereins für Statistik der Juden könnten die stetigen erfreulichen Fortschritte dieser Organijation festgestellt werden. Aus dem Bericht des Vorsitzenden, Dr. Alfred Nossig ging hervor, daß das vom Verein geschaffene Bureau für Statistik der Juden im vorigen Jahr zwei größere Arbeiten veröffentlicht hat: „Die Juden in Oesterreichs von Dr. Jakob Thon und „Die Juden in Rumänien" von Dr. Arthur Ruppin. Beide Schriften bringen zum ersten Mal das gesamte amtliche Material, das über die Juden der betr. Länder vorhanden war, in übersichtlicher systematischer Bearbeitung. Eine bereits früher im Auftrag der Großloge des 11. O. B. B. vollendete Arbeit über „Die Juden in Hessen" befindet sich z. Z. int Druck und wird demnächst erscheinen. Im Lauf des Berichtsjahres sind zwei weitere Arbeiten zu Ende geführt worden. Dr. Jakob Segall hat eine Untersuchung über „Die jüdische Bevölkerung in München" vollendet, die namentlich deshalb von außerordentlichem Interesse ist, weil sie zum ersten Mal die Verhältnisse der nach Deutschland eingewanderten ausländischen Juden erschöpfend behandelt. Die von Norbert Weldters bearbeitete Monographie über „Die Juden __22 April 1909. in Ungarn" verdient deshalb besondere Aufmerksamkeit, weil die amtliche Statistik in Ungarnein außerordentlich vielseitiges Material bringt, das die Erforschung der Lage der Juden in einem Maße ermöglicht, wie dies kaum in einem andern Lande geschehen kann. Mit der Veröffentlichung dieser Arbeit wird, abgesehen von einigen kleinerett Staaten, wie die Niederlande und die skandinavischen Länder, im Großen und Ganzen das vorhandene Material vom Gesichtspunkt der Statistik der Juden verarbeitet sein. Für das Bureau f. St. d. I. eröffnen sich nun drei weitere Aufgaben: zunächst sind die neuen statischen Angaben für die bereits bearbeiteten Länder fortlaufend zu sammeln und von Zeit zu Zeit zu veröffentlichen. Hier ist vor allem an eine Neubearbeitung der „Juden in Deutschland" zu denken, sobald die Ergebnisse der Berufszählung vom Jahre 1907 zur Veröffentlichung gelangt sind. Eilte zweite, schwierigere Aufgabe besteht darin, statistische Erhebungen in jenen Ländern zu veranstalten, deren.amtliche Statistik das Religionsbekenntnis garnicht oder in ungenügen - der Weise berücksichtigt, wie Frankreich, England, Belgien, die Schweiz, die Vereinigten Staaten, sowie in den Ländern, die keine amtliche Statistik, wohl aber eine jüdische Bevölkerung besitzen. Es handelt sich hier um Originalerhebungen, die natürlich nur unter Aufwendung großer Mittel in Angriff genommen werden können. An zwei Punkten haben die diesbezüglichen Bemühungen des Vereins eingesetzt. Es schweben Unterhandlungen mit den maßgebenden Körperschaften der Schweiz, um dort eine eingehende Enquete zur Durchführung zu bringen. Seit längerer Zeit wird ferner eine Originalerhebung über die jüd. Bevölkerung in Palästina vorbereitet, die zunächst die Unterrichts- und Erziehungsverhältnisse beleuchten soll. Eine dritte Aufgabe bildet die Zusammenfassung des bereits gewonnenen Materials für die Zwecke einer Gesamtstatistik der Juden. An diese Arbeit ist das Bureau eben jetzt heran getreten. Es liegt der Plan vor, tabellarische Uebersichten zu schaffen, die die gesamten Verhältnisse der Juden in den einzelnen Ländern übersichtlich darstellen und einerseits zur schnellen Orientierung über einzelne Fragen dienen, andererseits Bausteine für die Gesamtstatistik der jüdischen Bevölkerung der Welt bilden sollen. An diese Serie von Arbeiten werden sich, wie schon in früheren Jahren, Monographien über einzelne soziologische Erscheinungen angliedern. Ein weiteres Betätigungsfeld des Bureaus bildet die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden", die nunmehr im 5. Jahrgang erscheint, ebenso das statistische Bureau, das nicht nur in jüdischen und wissenschaftlichen Kreisen, soitdern auch von Staatsbehörden gewürdigt wird. In halten hat, folgendermaßen beantwortet: Es war Ton Josef, der bekannte Herzog von Naxos und den zykladisrhen Inseln, der im Jahre lö74 die jüdischen .Kolonken in Serbien und Bosnien gegründet hat. Ton Joses war bekanntlich nicht nur der Bankier, sondern auch der Ratgeber nnd Freund des Sultans Selim, des Sohnes des berühmten Eroberers Soliman. Im Vereine mit seiner menschenfreundlichen Tante Donna Gracia war er bestrebt, seinen Glaubensgenossen auf jede nur mögliche Weise zu helfen. Er gründete Schulen und Gemeinden in Tiberias und vielen anderen Orten, später bat er den Nachfolger Selims, Mnrad III., ihm die Gründung einer jüdischen Kolonie in den Provinzen Raszia und Mafia zu gestatten. Seit dieser Zeit datiert die Einwanderung von Inden in diese beiden Länder. Eine neue Aera begann im Jahre 1880 nach der Besetzung von Bosnien. Angehörige verschiedener Nationen ließen sich im Lande nieder, die Verwaltung wurde verbessert und infolge der verbesserten Verkehrspflege traten auch sonst mannigfache Veränderungen ein. Die Entwicklung des Handels und der Industrie hatten einen heilsamen Einfluß auf das Leben nnd auf die Sitten der Bewohner. Auch die spaniolischcn Juden mußten den veränderten Verhältnissen der Neuzeit Rechnung tragen aber der Tradition blieben sie treu. Das religiöse Gefühl durWringt nach wie vor das ganze häusliche und soziale Leben der spaniolischen Juden. Da gibt es keine Begrüßung, keine Konversation und keinen Brief, die nicht eingeleitet würden mit irgend einem Spruche aus der heiligen Schrift. Sabbat und Festtage werben aufs strengste beobachtet. Man findet unter ihnen Männer mit großem talmudifchem Wissen, mit seltener Energie, und zugleich bewundernswerter Menschenliebe. gicrnng erhobene bedeutende Geldfordernug yiir die seit 1811 «ach ihrer Ansicht ihr von den ehemalig.ni hiesigen altonaischen und Waudsbecker Gemenwema gliedern zukommenden Schntzgeldern. Die Gemeinde erbat sich die Vergrößerung des ihr bereits zugehörigen Bcgrävnisplatzes am Grindel und tarn die Ueberweisnng der hierzu bestimmten Parzellen nach mehrfacben, durch Verhandlung tnil den betrefseild.'n Behörden herbeigesührren Abänderungen in: August 1837 zu Stande. Erst seit dieser Zeit wird der Friedhof allgemein als Begräbnisplatz bis zur Eröffnung de,? Begräbnisplapcs in Ohlsdorf benutzt. Im Jahre 1804 erfolgte bei Tracierung der Verbindungsbahn durch Umtausch eine abermalige Vergrößerung des Friedhofs. Tas letzte Begräbnis auf dem alteir Friedhofe war das des am 2. Februar verstorbenen Herrn Gustav Tuch. (Ein OstermärchenZ Die Deutsche Tageszeitung in Berlin tischt ihren Leser» folgendes Märchen auf: „Die Gcmeindewahlen am 0. April in Saint Louis haben wider Erwarten mit dem Siege der deniokra tischen Kandidateri geendet. Dieser Ausgang ist dadurch herbeigeführt, daß die 30<>i><> jüdischen Wähler der Stadt, die nahezu sämtlich der republikanischen Partei angehören, sich aus religiösen Gewnsensbedenien nicht an der Wahlhandlung beteiligen durften. In den Vereinigten Staaten von Amerika dürferr keine gedruckten Stimmzettel Verivendung finden: sondern jeder Wähler muß den Namen seines .Kandidaten im Wahllokal handschriftlich eintrageil. Diese Handlung erklärte der Oberrabbiner von Saint Louis als einen Verstoß gegen die Vorschrifteil über die Heiligung des Sabbats. Versuche (der Gemeindebehörden und hervorragender Glaubensgenossen, ihn zu einer milderen Auslegung zu bestimmen, blieben erfolglos. Damit war die Niederlage der republikanischen Partei besiegelt." Wäre dem so, dann könnte man mit dein ainerikanischen Jndeirlniir zufrieden sein, am meiften könnte es der Rabbiner von St. Louis, von dessen strengeren oder milderen Handhabung der jüdischen Gesetze allein das politische Schicksal seiner Stadt abhängen soll. Aber schon der Stil der Meldung verrät, daß sie zu den altbeliebten antisemitischen Osterinärchen gehört. (Adolf v. SonncnthalZ Ter verstorbene große >lün stier Ad al s v. s v n il e n t h a l wird in den Zei-- tnngen, die ihm sehr ehrenvolle Nachrufe widmen, nur Recht oder Unrecht auch als „frominer Jude" geichildcrr. Sv erzählt das „Berliner Tageblatt": „Als Adolf v. Sonneinhal noch jung war, traten verschiedentlich- F-reunde mit der Bitte an ihn heran, sich taufen zli lassen. Ter Künstler war eine Zeitlang auch nicht abgeneigt. Plötzlich änderte er aber seine (Besinnung nnd blieb ein frommer Jude. Tas hing mit der antisemitischen Aera iu Men zusammen. Seit sie einsetzte, hätte er cs für eine Feigheit gehalten, sich taufen zu lassen. Er befolgte seitdem die Satzungen der jüdischen Religion aufs strengste. Er verbrachte, wie der „Roland' von Berlin" erzählt, jeden Versöhnungstag in der Synagoge, und der Burgthearcrdirektor mußte dementsprechend seine Repertoire einrichtcn, weil Sonnenthal an ersten jüdischen Feiertagen nicht spielte. Nach dem Versöhnungstag spielte er jedesmal Nathan den Weisen." (Zur Geschichte der Juden in Bosnien.) Tie Frage, wann Juden nach Bosnien und Herzegowina gekommen sind, hat ein englischer Reisender, der sich eine lange Zeit in Bosnien und Herzegowina aufge-