Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1909)
- Date
- 1909-04-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 12. Der Israelit. 16. April 1909. Nr. 15. war ein Wandel nicht leicht zu erzielen, weil die minder rigorose Beobachtung der rituellen Beschränkung des Wcingenufses in bestimmten, genau fixierten Fällen'") von manchen rabbinischen Größen, wenn auch nicht gebilligt, aber immerhin in Schutz genommen und entschuldigt wurde. Bon diesen, in gewissen Fällen gestatteten Erleichterungen scheint man nun Gebrauch gemacht und in manchen Gemeinden Mährens eine allgemeine laxe Behandlung der Satzung praktiziert zu haben und das konnte Rabbi Löb nicht gutheißen. (Schluß folgt.) Eine historische Mitteilung des Midrasch zum Buche Josua. Bon Professor Adolf Wehl in Frankfurt a. M. In Jost a C. 5), 2 ff. wird berichtet, daß nachdem Israel den Jordan überschritten hatte, Josua an dem während der Wüstenwanderungen geborenen Teile des Volkes die nVö MXv, die während dieser Zeit nicht beobachtet worden war, vollzogen hat. Es werden im Talmud (Jebamot 72) und auch in den Midraschim für diese Unterlassung zwei Nechtiertigungsgründe angegeben. Vom Stamme Lewi jedoch wird durch die midraschische Ueberlieferung rühmend hervorgehoben, daß seine Mitglieder im Gegensatz zum übrigen Volke, jenes Gebot .strrnge nusgeführt haben. Zum Belege für diese Hingebung derLcwiten berufen sich unsere Weisen auf die preisenden Worte, die unser Lehrer Moses kurz vor seinem Tode an die Lewiten gerichtet, auf die Worte nisr "jnnm "jmoK rw '2. Das Wort irvnm deute auf r6'ö n'"Q, den die Lewiten auch unter schwierigen Umständen heilig gehalten hätten. Welche Zeit aber Moses bei jenen Worten im Auge gehabt, darüber herrscht übrigens Meinungsverschiedenheit Nach rm mor C. 19, 6, nai 13-102 C. 3, 4 und C. 15, 9 hat Moses auf das rühmliche Verhalten der Lewiten diesem Gebote gegenüber in der ägyptischen Zeit im Gegensätze zu dem übrigen Israel Hinweisen wollen. Im Jalkut jedoch zu dem betreffenden Verse von n2i3n NteN werden zwei Meinungen angeführt: Nach der zuerst angeführten hätte Lewi in der Wüste durch die Beobachtung jenes Gebotes seine unbeirrbare Pflichttreue bekundet, während' die zweite Meinung sich der im mi ttniD an verschiedenen Stellen geäußerten anschließt. Abarbanel in seinem Kommentar zu Josua hält jene ganze. Mitteilung des Midrasch Rabbah über das Verhalten des Stammes Lewi mehr für eine historische Vermutung als für eine sichere Tat. fache. Er fragt verwundert, warum uns denn die Thor ah nicht auch dt? seid Ruhmestitel von Lewi ausdrücklich verkünde? Und doch scheint mir bei genauerem Lesen der betreffenden Verse in Josua C. 5 jene Mitteilung des Midrasch Jalkut, uud zwar nach der ersten Auffassung, sich fast möchte ich sagen mit Sicherheit, verifizieren zu lassen. Was wird uns in jenen Versen erzählt? Ich übersetze wörtlich mit Hinweglaffung der für unsere Betrachtung nicht in Frage kommenden Worte: „ . . . Alles Volk, das aus Mazrajim gezogen war, die Männlichen, alle Kriegsmänner, waren in der Wüste gestorben . . . Denn beschnitten waren alle, die herausgezogen waren, und alle, die in der Wüste geboren waren, hatte man nicht beschnitten. Denn vierzig Jahre waren die Kinder Israel in der Wüste umhergezogen, bis dahin war das ganze Geschlecht der. Kriegsmänner, die aus Mizrajim gezogen waren . . . Und. deren Söhne setzte er (nämlich Gott) an ihre Stelle, s i e beschnitt Josua . . . ." Wessen Söhne hat also Josua beschnitten? Die Söhne des in der Wüste umgekommerren Volkes der Kriegs- B) Jore. D. 123, 1; 124, 24 re. männer. Nun zählten aber die Lewiten nicht zu den Kriegsmännern, wie aus i31v2 C. 1, Vers 1-3 einerseits und Vers 47 andererseits hervorgeht. Ferner sind alle da rüber einig, daß die Lewiten nicht gleich den anderen israelitischen Männern, die beim Auszuge aus Mizrajim 20 Jahre und darüber alt waren in der Wüste ausgestorben sind. Die Worte „deren Söhne" in dem letzten der oben ange führten Verse, die sich doch grammatisch au' „K r i e g s m ä n n e r" beziehen, können daher nur die nichtlewitischen Söhne bezeichnen und die Worte: „sie beschnitt Josua" sagen nichts anderes als: „die nichtlewitischen Söhne beschnitt Josua", woraus nach meiner Meinung streng schlüssig hervorgeht, daß die lewitischen Kinder beschnitten waren. Durch diese exegetische Betrachtung würde die erste Meinung im Jalkut zu dem betreffenden Verse, daß nämlich vnxr "jrV"Ql sich auf das Verhalten der Lewiten in der Wüste beziehe, vollauf bestätigt werden. Zum folgenden Vers nsisn nan in "ptostro w wird übrigens im Jalkut dieselbe Auffassung '"2 pyDW 'i ausdrücklich in den Mund gelegt. Eine grammatische Betrachtung dürfte unsere obige Beweisführung noch etwas verstärken. Der Sätzii^)'' "irma’HrnötmiDttr '2 enthält zwei Aus sagen. Nach dem Jalkut bezieht sich die eine auf die ägyptische Zeit, die andere auf die Wüstenperiode Nun steht das erste Verbum im obigen Satze im Perfekt, das zweite im Jnperfektum (nach der neu eren Bezeichnung). Es liegt doch aber dann nach meiner Meinung nahe, die Worte TDDtP *0 "jmöK mit dem Perfekt auf die ägyptische Zeit, als eine zur Zeit von Moses' Tod längst abgeschlossene zu beziehen. In der zweiten Aussage jedoch, die ein Verhalten des Stammes Lewi gegenüber einem Gebot rühmt, zu dessen Erfüllung jeder Tag Gelegenheit bot, ist das Imperfektum am Platze, denn dieses „stellt im Gegensatz zum Perfektum solche Handlungen, Ereignisse oder Zustände dar, die sich dem Redenden in irgend einem Zeitpunkt als noch andauernd^ .bemerkbar machen." (Gesenius-Kautzsch, Hebräische Grammatik § 112a.) Warum mag nun aber Abarbanel zu der historischen Mitteilung des Midrasch über das rühmliche Verhalten des Stammes Lewi die zweifelnde Frage aufwerfen: nob "p rein OKI rrnnn kV? Mir scheint, daß er der Meinung war, unsere Alten hätten aus den Worten "JIV121 jenes Verhalten der Lewiten erst erschlaffen, und dazu dürfte diese Wendung allerdings zu ui bestimmt und vieldeutig erscheinen. Aber warum sollen wir nicht lieber annehmen, daß unsere Weisen sicher viel mehr historische Neberlieserungen, seien es schriftliche oder mündliche gewesen, gehabt haben, als auf uns gekommen sind? Und so werden sie auch, mit der Kenntnis jener den Stamm Lewi betreffenden historischen Ueberlieferung ausgestattet, an die Erklärung des Verses HOB' nixr "jrV"Oi "imOK herangetreten sein. Dann aber scheint uns die midraschische Auslegung der Worte rnsu' nicht mehr gekünstelt und willkürlich. Ja, diese Auslegung wird überhaupt unserer Meinung nach nicht eist in den Zeiten der Abfassung der Midraschim entstanden, sondern die von altersher überkommene gewesen sein. Abarbanels Frage aber: Warum erzählt uns denn der Pentateuch nicht von diesem rühmlichen Verhalten des Stammes Lewi? beantworte ich mit der Gegenfrage: Warum erzählt uns denn der Pentateuch nicht schon von dem entgegengesetzten Verhalten von Israel, das doch im Buche Josua erst mitgeteilt wird? Aus diesem Buche geht aber auch die Richtigkeit der inbezug auf Lewi vom Midrasch überlieferten Mitteilung hervor, wenn unsere obige Erörterung der beteffenden Josuaverse richtig ist. Dann aber würde sie für uns auch die Lehre und Mahnung enthalten, den Worten unserer Weisen aus der Boreit, auch wenn sie nicht gerade halachische Dinge ehandeln, ehrerbietige Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wie häufig kann sich vielleicht noch an ihnen für die geschichtliche Forschung das Wort bewähren: nom "pp? T3** W. lScherscha«. Tron *wk prrr rooö bv bmv' nnso "isc gn Ta« "s""i Vtn»’ 'pn rPrrrn v'xii pbn ♦Warn ♦Y'bS n"c"".n Das ist einmal ein Werk, welches man von ganzem Herzen loben kann und mag. Keines jener Werke, die jahraus jahrein erscheinen und deren Bersaffer, bei aller Anerkennung für ihre Gelehrsamkeit, es fich sehr bequem machen, indem fie fich einzelne bekannte Partien auswählen — TVVJHD nennt man sie gewöhnlich — und auf diesen vielbetretenen Pfaden mehr oder weniger geistreiche rmf) ,WT,n produzieren, die fie dann durch den Druck veröffentlichen. Wer viele derartige Werke in seiner Btbltvthek besitzt, weiß nicht was er mit ihnen anfangen soll. Er blickt einmal hinein, wenn fie ihm zugeschickt werden, dann wandern sie in den Sefortmschrank und ruhen dort in einer Ecke aus der fie selten hervorgesucht werden. Kommt man nach Jahren dazu, eine dieser jTpjllD zu lernen, so denkt man längst nicht mehr daran, daß dort in diesem oder jenem Werke etwas zweckentsprechendes z i finden wäre. Anders jedoch ist es bei einem Werke, bas einen ganzen Traktat der Reihe nach behandelt und fortlaufend mit Bemerkungen versteht. Da weiß man, was man vor sich hat und wer ein solches Werk besitzt, wird es gern hervorholen, wenn er die betreffende N2VV lernt. Behandelt es noch dazu eine jiIVV die große Schwierigkeiten bietet und wenig kommentiert wurde, so ist uns ein solches Werk doppelt willkommen. Das trifft bet dem derliegenden Werke zu. Erubtn zählt bekanntlich zu den drei schwierigsten tftfDDÖ/ die man mit dem Merkwort zu bezeichnen pflegt und wir besitzen nicht viele D’ttFYlBtt zu derselben. Der Bersaffer teS vorliegenden Werkes har fich dieser, man möchte sagen, verwaisten 712VY angenommen und hat fie mit großem Fleiß gründlich durchgearbeitet. Alle« was seine Vorgänger geschrieben, hat er gesehen und verwertetdas Wichtigste zitiert er dem Wortlaut nach, weil nicht jeder in der Lage ist, selbst nachzusehen. Auf diese Weise hat er ein brauchbares und nützliches Werk geschaffen, dem auch die rückhaltlose Anerkennung vieler -|*Hn '21"N zuteil geworden ist. Als Beweis, wie gründlich der Bersaffer zu Werke geht, sei hervorgehoben, daß der vorliegende erste Teil 266 Setten Großfolto zählt und doch nur die zwei ersten Abschnitte von päTU? behandelt. Auf Se te 65 s bringt der Verfasser die Erklärung des 2''v"l)n im '"au II. Jore Deah 151 in Bezug auf ' die Jndentifizierung von p /mHlfti P und 1T2K“1 in Erubtn 13 d. Da der Vorsasser im Besitz der Wilnaer Talmudausgabe .st, so hätte er auch auf R. Chananel z. St. Hinweisen können, der ausdrücklich bemerkt: urm P mpa pl. Zu der nächstfolgenden Erörterung sei bemerkt, daß VN) keinerlei NXV1V bat, stehe Raschi z. St. u. 3 B. M. 11, 43ferner MaimontdeS in seiner Einleitung zu nrnfc 'D und n«Ölttn man V.14. Die gegenteilige Anficht des ist unhaltbar und das Wort NVNV22 in Toffaphor Erubtn beweist nichts, es ist blos Zitat, und will bloS sagen, es ist nicht wie KöEö pltt? ,"lL?*N-22, womit aber nicht gesagt sein soll, daß eS rP122 la K&&& sei. Ferner sei bemerkt, daß neben den anderen Beweisen auch die Mtschna in Erubtn selbst als Beleg dienen kann, daß bet keine 8VV flKÜltD angehe. Dem verehrten Berfafier, der fich sicherlich keine Hoffnung macht, aus seinem Werke klingenden Lohn zu ziehen, was ja leider bei der geringen Zahl der Reste.'tonten ausgeschloffen ist, wünschen wir, daß er wenigstens auf seine Druckkosten kommen möge, damit er in der Lage 'ei, die beiden anderen in Aussicht gestellten Teile seines Werkes recht bald erscheinen zu kaffen. Iv"2N