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Der Israelit · 1909-04-15 · Heft 15 (15.4.1909) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 15 (15.4.1909)
Date
1909-04-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 15 Der Israelit. »acht zuletzt zu guten ^uöcu zu ma$en. Und wlr dürfen den Herren P i n e a S und Kösterich, die 25 Jahre hindurch an der Seite ihrer Kollegen mit seltner Pflichttreue und Sachkenntnis ziclbewußt und unverdrossen an. diesem hohen Zkulturwerke mitgcarbeitet haben, von Herzen gratulieren. Bon einer größeren Feier wurde abgesehen. Auf die herzliche Ansprache -es Herrn Rektors und die Gratulationen der Kollegen antwortete eben so schlicht und herzlich Herr P i n e a s, indem er den Dank beider Jubilare ausdrückte und die Hoffnung, daß die Huld Gottes weiterhin auf ihrem Werke und dem der ganzen Schule ruhen möge. Bon der Schulverwaltung wurden den Gefeierten als Ehrenzeichen silberne Pokale in prachtvoller Ausführung überreicht. Hohenfalza, 25. März. Ein schwerer, unersetzlicher Verlust hat unsere Gemeinde betroffen. Herr Louis Sandler ist am Ausgang von 's DDE? im Alter von vierundsieb^ig Jahren plötzlich verschieden. Ein Mann von energischer Initiative, von allgemeiner Bildung und einem beim kaufmännischen Beruf seltenen Reichtum an jüdischem, besonders talmudischem Wissen, war er ein leuchtendes Beispiel jüdischer Pflicht- und Gesetzestreue, der Stolz unserer Gemeinde. Allezeit bemüht, der Flamme der Glaubenstreue durch Vertiefung des Wissens und Steigerung feines Leistens neue Nahrung zuzuführen, blieb der Heimgegangene aufrecht und standhaft, ungebeugt in manchem Familienletd, »»besiegt ar in beharrlicher Betonung des überlieferten Gesetzeswortes gegenüber starken Widerstanden. Ein schlichter Kaufmann, stand er seit Jahrzehnten im Mittelpuntte des Gemeinbelebens und auch der Gemeindekämpfe, an der Spitze des Gemeindekörpers, dessen Vorstand er angehörte, war er die Seele des Beth Hamtdrasch-Jnstttutes, dessen Vorsitz er führte, dessen al. geheiligtem Geiste er der gewissenhafteste, treueste Hüter und Pfleger gewesen ist, war er die Zuflucht der Darrenden und der zahlreichen Pilg.r von jenseits der nahen Grenze. Wenn der verklärte auch als vielbe chäftigter Kaufmann keinen Tag verstreichen ließ, den er nicht durch Mizwaus veredelte, so waren die letzten Jahrzehnte seines Lebens ganz dem Gemeinwohl zugewandt, und mitten aus frommen Werken heraus hat der Tod den ausgezeichneten Mann abberufen, von dessen Grab wir mit der bangen Frage schieden: „Unsere Gemeinde ist verwaistob es ihr noch bestimmt ist, einen Gleichen erstehen zu sehen?" Die Beerdigung fand unter Teilnahme der gesamten Gemeinde sowie zahlreicher auswärtiger Verehrer und freunde des Entschlafenen statt. Des Nissan-Monats wegen mußte von einer eingehenden Würdigung des vorbildlichen Lebens und Leistens des Viel betrauerten abgesehen werden. nDlDb p'Ttf 1D1- Straffburg, 14. April. Die Freudenstimmung der letzten Festtage innerhalb unserer Rel gionsgescllschaft wurde beeinträchtigt durch die Trauer um den plötzlich erfolgten Tod des Herrn Buttenwteser, des Bar. rs unseres verehrten Rabbiners ■»"}. Erst vor wenigen Jahren ist der Verstorbene hierher gezogen, wo ihm sein Lebensabend durch die liebevollste Pfl ge von seiten seiner Kinder verschönert wurde. Da der Heimgegangene, welcher bas hohe Alter von 83 Jahren erreicht hatte, jeden Nachruf in öffentlicher Form sich verbeten hatte, ist es i ns leider versagt, über das Wirken und Schaffen des Herrn Buttenwieser ¥7 zu berichten. Die Beerdigung fand am Nachmittage des nDB fHTIN unter sehr reger Beteiligung statt. ' Wien, 11. April. Adolf von Sonnenthal, der gefeierte Künstler, ist in Prag, wo er sich auf einer Gastspielreise befand, plötzlich gestorben. Der Verstorbene gehörte zu den leuchtendnen Sternen des Wiener Burgrheaters und war eine Weltberühmtheit. Seine Gastspielreisen, die ihn auch nach Amerika führten, machten seinen Namen und seine Kunst in allen Weltteilen bekannt. Besonders zeichnete er sich im klassischen Drama aus. Als „Nathan" war er ein unübertroffener Dolmetscher und Verkünder der hohen Ideale dcs Dichters, voll Begeisterung und innerster Ueberzeugung. 1834 in Budapest g"boren, betrat er 1851 zuerst die Breiter, die sür ihn eine Welt des Erfolges, aber auch der ztelbewußten, edlen Wirksamkeit bedeuteten. Hinreißend und gewaltig überzeugend w. r er insbesondere in den Rollen, die ihn als Prediger des Weltfriedens und der Völkerversöhnung erscheinen ließ n. Seit 1856 war er am Wiener Burglheater tätig. Sonnenthal dachte und fühlte als Jude, davon zeugt auch sein Testament, in dem er seinen letztwilligen Wunsch ausdrückte, unter peinlicher Beobachtung aller rituellen Bestimmungen und unter Vermeidung von Kränzen auf dem Döpltner Friedhofe begraben zu werden. Die Beerdigung fand am Donnerstag, den 8. d. MiS unter Beteiligung der höchsten Vertreter der Kunst unst Wissenschaft statt. Die Wiener Kultusgemeinde veranstaltete zu Ehen des Verstorbenen eine besondere Trauerfeter. Wien, 8. April. Heute verbreitete sich hier die Kunde vom tragischen Tode des Herrn Oskar Marmor e k, die wette Kreise in tiefe Trauer versetzt. Marmorek war Mitbegründer der zionistischen Partei und blieb treu an der Seite Herzels bis zu dessen Lebensende. Nach dem Tode des Führers konnten sich scheinbar seine Getreuen in die veränderten Verhältnisse mcht mehr recht hlnetnfinden und räumten einer nach dem andern das Feld. Leopold Kahn starb vor Kurzem a'S stiller Mann, und nun ist auch der dritte im Bunde, das langjährige Mitglied des Engern A. C., der einst unermüdliche Agitator, der Mann der so eng mit der Idee und den Hoffnungen desZwntsmus verknüpft war, daß ihn Herzl in seinem «A ltneuland" unter dem Namen „Steineck" für alle Zetten verewigte, gegangen. Ein Leb<nssatler und Enttäuschter, von einer Schar junger Slurmgeister, Ile im Zionismus nur ein Mittel zur Erreichung unklarer Kulturibeale erblicken, beschimpft, verdächtigt und bei Sette geschoben, verfiel er in eine geistige Umnachtung, die ihn an der Idee, an welche er einst so stark glaubte, ja am Leben verzweifeln ließ und ihn schließlich zum Selbstmörder machte. Marmcreck war auch der einzige Vertreter des ZiontstnuS im Wiener Kultus Vorstand, innerhalb deffen er sich auch durch seinen Takt und seine Sachkenntnis als Baurat einen Ehrenplatz erworben hatte. Wer den edlen Charakter des Mannes und sein ehrliches Wollen kanttte, wird tiefes Mitleid empfinden mit dem Manne, der dem Judentum, dieweil er nur eine einzige Sette desselben kannte und liebte, nie ganz gehörte und nun ihm, wie dem Leben, der Welt auf so tragische Weise verloren gegangen ist. Königsberg i. Pr., 8. April. Herr Benjamin Scheftelewttz feierte am |-|DS sein 25jähriges Amtsjubiläum als SNIV unserer Gemeinde. Der Jubilar, als hervorragender n"fl und pflichttreuer Beamter in allen Kreisen der hiesigen jüdischen Bevöklerung gleich geachtet und geehrt, beging seinen Ehrentag dadurch, daß er an ihm zum zweiten Male den ganzen Talmud beendete und einen ^>1? DVD veranstaltete. Gewiß ein seltenes Fest in unserer thoraarmen Zeit, an dem viele mit den aufrichtigsten Glückwünschen für die Familie des feiernden und gefeierten Thorageiehrten teilnahmen. Lüneburg, 1. April. Mit dem heutigen Tage tritt . Herr Lehrer Th. Philipp nach vierundvterzigjähriger segensreicher Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Seit dem 14. Juli 1865 wirkte er als Lehrer, Prediger und Borbeter der hiesigen israelitischen Gemeinde und waltete seines Amtes mit Gewissenhaftigkeit und Treue. Seiner Gemeinde war er stets ein Vorbild in hingebender Pflichterfüllung und in der Pflege des Friedens. Seine trefflichen Eigenschaften brachten ihm die uneingeschränkte Verehrung der Gemeinde, und auch in weiten Kreisen der hiesigen Bürgerschaft genoß er Wertschätzung. Möge nach seinem arbeitsreichen Leben ein gütiges Geschick ihm einen ungetrübten Lebensabend verleihen. — Zu seinem Nachfolger hat die Synagogengemeinde den Lehrer Wolf aus Aurich gewählt, der bisher als Lehrer in Neustadt am Rübenberge tätig war. Marburg. 11. April. Am 5. April feierte der Senior unserer Gemeinde, Herr Jakob Cohn, in seltener geiitger Frische und Rüstigkeit unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde seinen 90. Geburtstag. Ein frommer, für das Gedeihen der jüdischen Gemeinschaft lehaft interessierter Jude, hat Herr Cohn fast fünf Jahrzehnte in der jüdischen Gemeindeverwaltung gesessen und an dom Wohl und Wehe der Gemeinde den regsten Anteil genommen. Am Geburtstage, dem Rüsttage zum Pessachfeste, hielt der Prediger der Gemeinde, Herr Alexander, an den Gebmtstagsjubilar, um den flch seine ganze Kinder-, Enkel- und Verwandtenschar geschart hatte, eine ergreifende Ansprache, in der er das Glück der Familie hervorhob, einen Vater bis zu di sem Alter in so geistiger Anteilnahme für seine Umgebung zu besitzen. Der Vorstand der Gemeinde überreichte eine Adresse, in der dem bei greis die dauernde Ehrenmitgliedschaft der Gemeinde verliehen wird. Am ersten Tage des Pesiichfestes wurde nochmals von der Kanzel herab der Greis, der dem Gottesdienst beiwohnte, gefeiert. Lübeck, 14. April. Am 11. April beging Herr Julius Lissauer dahier sein 25jähriges Jubiläum als Vorsteher unserer Gemeinde. Es wurden ihm aus diesem Anlaß von Seiten des Vorstandes und der ganzen Gemeinde viele Ehrungen zuteil. Ntukircheu b. Ziegenhatn, 4. April. Unter überaus zahlreicher Beteiligung der hiesigen Einwohnerschaft und auswärtigen Kollegen wurde heute Herr Lehrer I. Rothschild zur letzten Ruhe geleitet. Der Verstorbene war etwa 37 Jahre im Schulamte tätig gewesen, von denen 33 Jahre auf die hiesige israelitische Gemeinde entfallen, und hatte es durch Berufsfreude, Rechtsstnn und Selbstlosigkeit verstanden, fich die Wertschätzung Wetter Kreise zu erwerben. Herr Prov nzialrabbtner Dr. Munk aus Marburg, der langjährige Vorgesetzte des Verblichenen, schilderte tief ergriffen die Geistes- und Herzensvorzüge des allzu früh verstorbenen Jugendbtldners. Schuaittach, 14. April. Am 22. April feiert der hiesige Lehrer und Vorsänger, Herr Mayer, seinen 70. Geburtstag - derselbe amtiert bereits über 42 Jahre hier und blickt auf e n arbettsreicheis Leben zurück. Herr Lehrer Mayer ist noch sehr rüstig. Möge demselben vergönnt sein, auch fernerhin seinen Berus wie bisher ausüben zu können. Ostrowo, 4. April. Mit dem 1. April hat nach nc unzehnjähriger Tätigkeit der Kantor der Gemeinde, Herr Abramowttz, unsere Stabt verlaffen, um nach Berlin zu überstedeln. In Anbetracht der langjährigen Tätigkett hat ihm die Gemeinde 5000 Mark als Ehrengeschenk gewidmet. An seine Stelle ist Herr Kantor Casper aus Schildberg getreten. Briefkasten. A E in Budapest. Vielleicht kann Ihnen der „Jüdische Frauenverein", Frankfurt a. M., Schützenstraße 14, mit Auskunft dienen. Andernfalls versuchm Sie es mir einer Annonce. B. Fr. in Pr. An unserem Entschlusie kann leider nichts mehr geändert werden. Brauchbare Berichte und Beiträge sind uns stets willkommen. M. Sch. in B. Wir werden Ihnen demnächst Bescheid zukommen lassen. 15. April 1909. S. R in <$• Der Artikel konnte wegen Raummangels nicht mehr untergebracht werden. Besten Dank. I. G. in A. Die Auszeichnung ehrt sowohl den Beamten wie die Gemeinde, doch ist der Anlaß zu gering, um ein öffentliches Jnterrffe zu beanspruchen. R. I. E. Wir danken Ihnen für die Mitteilung und werden gelegentlich der Frage näher treten. O. D. in W. Konnte wegen Raummangels nicht erscheinen. Manuskript folgt zurück. . E. in D. Ihre Anfrage traf zu spät ein, um sie noch rechtzeitig zu beantworten. Jahresabonnement für Ungarn beträgt 8 Kronen. I E. in A. Wie die Berhältntffe zur Zeit liegen, kann von etner Aenderung oder Besierung in dieser Beziehung nicht die Rede sein. Wir halten es daher für besser, Jh^e wohlgemeinte Zuschrift nicht zu veröffentlichen. Dr. E. D. in B. Sie tun am besten, wenn Sie sich an Herrn Dr. Feuchtwan ge r, Frankfurt a.M. Allerhetltgenstr. 3, wenden, der das Komitee der Tachkemoni-Schule leitet. Uereinskalenaer. Verein Mekor Chajim. Samstag, 17. April' 41/* Uhr nachmittags, Mikrovortrag des Herrn Leopold" Oppenheimer. Druckfehler-Berichtigung. Im Leitartikel „Die Erneuerung des Judentums" in der letzten Nummer des „Israelit" muß es in der ersten Spalte, (zweiter Absatz, 7 Zeile von unten gelesen) statt „unwande.bar" richtig heißen: „find wandelbar wie die Bedingungen der Existenz." Tamiliennacbricbteii. Geburten: Eine Tochter: Hermann Rothschild 'Löwenstein) hier. — S. H. Katzen sie in (Grebenau» hier. — David Seeligmann (Benjamin» hier. — SalomonGoldmann (Birnbaum) Wiesbaden. Verlobte: Rosa Oppenheimer, Gustav Lewison, beide dahier. — Malwine Schlessinger, Nathan Straffer, B. Kerecztia-Tokaj. — Blanche Lang, Hermann Bauer, Dürmenach i. Eli.-Frankfurt a. M Vermählte: Dr. Siegfried Oppenhe imer, Tlementine geh. Stern, beide dahier. Verstorbene: Frau Abr. Jakob Poritzkv, Karlsruhe i. B. 74 Jahre. Lest-Anfang u. Ausgang ' 2 ' D TT ORT: Anfang Datum Uhr iMin. 1»0S SS«»!Mu iTJrii 17. 26. Nissan Frankfurt a. M 6 50 April 8 10 Berlin .... — — 7 50 München . . . 6 45 7 48 Straffburg . 7 15 8 05 Stuttgart. . . 6 45 7 58 Posen ... - - 7 46 Nürnberg . . - 7 52 Hamburg . . . — 8 10 Prag .... — 7 45 Für de» Reklamenteil Ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen »itneller Waren oder sonstige Angabe« religion-gesetzliche« Charakters ans ihre Zuverlässigkeit z« prüfen. -f 4 Landeshuter | -> Leinen« und Gebild-Weberei F. V. Grünfeld Königl., Grossherzogi. u. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W., ielpiigsrstrtlll 21-2. Grösste AaswaU aller Wäscheartikel für den Bausbedarf. flBfertimi ganzer iisstattniei. Preisliste mit AMitliliingen sowie Kostenanschlige zu Diensten. (12423) -.3-i'Tn-i .SFJ au*

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