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Der Israelit · 1909-04-15 · Heft 15 (15.4.1909) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 15 (15.4.1909)
Date
1909-04-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 8 Nr. 16 Der JSraeltt. 15. »prtl 1909 Ausgaben des Vereins, worüber erst der 2. Teil des Berichtes, der sich noch in Druck befindet, näheres enthalten wird, einiges mitzuteilen. Die Gesamteinnahmen des Vereins beliefen sich im Jahre 1908 auf K 46,263.63; sie waren also um K 2,403.20 geringer, als im Vorjahre. Die Gesamtausgaben stellten sich im Berichtsjahre auf L 53,915.22, das ist um K 18,607.32 höher als im Vorjahre. Diese Steigerung wurde da- - durch herbeigeführt, daß für die Industrien mit Einschluß der Unterbringung von Lehrlingen im Jahre 1908 K 32,887.55 ausgegeben wurden, während die entsprechenden Auslagen im Jahre 19O7^bloß K 15,287.15 betragen hatten. Insbesondere verursachte die Einführung der Spitzenklöppelei infolge der Heranziehung von 10 neuen Klöppellehrerinnen Mehrauslagen im Betrage von K 13,985.45. Wenn die Ausgaben mit den Einnahmen verglichen werden, so zeigt sich, daß jene im Jahre 1908 um K 7,681.59 höher waren, als diese, während sich im Jahre 1907 ein Ueberschuß von K 13,328.93 ergeben hatte. Dieses Plus an Ausgaben sei jedoch, wie der Berichterstatter bemerkte, nicht als eine betrübende Erscheinung zu betrachten; der Verein hätt nicht die Aufgabe, Vermögen anzuhäufen, sondern seine Mittel, soweit es nötig ist, für den Bereinszweck zu verwenden. Nach diesem Berichte erstattete der Obmann- Stellvertreter des Aufsichtsrates, Herr Ferdinand Löwy, Bericht über die Tätigkeit der Vereinsleitung, der sodann einstimmig das Vertrauen der Versammlung ausgesprochen wurde. Herr Baurat Wilhelm Straßny dankte hierauf in Vertretung der Wiener Israelitischen Kultus- Gemeinde der Vereinsleitung und dem Sekretär für ihre außerordentlichen Leistungen im letztverfloffenen Jahre. Ebenso Herr Prof. Dr. S. Ehrmann in Vertretung des Verbandes der B'nai B'rith-Vereinigungen für Oesterreich. Endlich drückte Herr Jakob Straßberg, der wie er sagte, wahrscheinlich der einzige Galizianer in dieser Versammlung sei, im Namen seiner Landsleute seinen tiefgefühlten Dank für die Wohltaten aus, die der Verein den galizischen Juden durch Verschaffung von Arbeitsgelegenheiten in so reichem Maße gewähre und oie auch in Galizien gebührend anerkannt würden. Ungarn. ver neugegründefe Ungarisch israelifildie handeshulfurnerein“. ■ (Bon unserem Korrespondenten) B u d a p e st, 4. April. Auf Anregang hervorragender Großneologen in der Hauptstadt Ungarns gründete sich in den vergangenen Tagen ein „Ungarisch israelitiicher Lan deskulturverein." Die konstituierende Generalversammlung fand im Prunksanle der.Pester israelitischen.Gemeinde mit großem Gepränge statt. Ueber die wahren Stredeziele des neugegründeten Vereins herrscht noch Dunkel. Denn während der neologeGemeinderabbinerDr. Hev e si in seiner Eröffnungsrede „die Verbreitung der Kenntnis der jüdischen kulturellen Aufgaben und des Wertes der jüdischen Religion unter den ungarischen Juden" als Zweck des neuen Vereins proklamierte, also eine Art jüdische Missionsoereinigung — natürlich im neologen Geiste — beabsichtigt, zeigt die Antrittsrede des neugewählten Präses, des Baron Paul Csetey-Herzog eine ganz andere Richtung an. Derselbe sprach nämlich in seiner Rede von „der Förderung der ungarischen Kultur auf patriotischer Grundlage" und von der „Bekämpfung der zum Teil offenen, aber überwiegend stillen Absonderung der Klaffen." Diesen Worten zufolge denkt sich also der zum Vereinspräses gewählte Herr Baron den neuen Verein als eine Vereinigung zur Abwehr des Antisenlitismus und Förderung der radikalsten Affimilation. Uebrigens braucht man sich über das wohlüberlegte Schweigen des Herrn Baron über etwaige jüdische Tendenz u des neuen Vereins gar nicht so sehr zu verwundern, wenn man erwägt, daß die eifrigste Förderin und Lady Patroneffe der Judentaufen in Buda-. Pest eben die einzige — getaufte Schwester des neuen Präses ist. Wir aber glauben, daß die sympathisch begrüßten Ausführungen des Abgeordneten Dr. Lettner, der dafür eintrat „die ungarischen Juden im Interesse ihrer Konfession zu organisieren" diewirklicheTendenz des Vereins verraten. Wir glauben, daß hinter dem neuen Verein die Politiker von der neologen Landeskanzlei stehen! Wir Orthodoxen haben von dem neuen Verein gar wenig zu erwarten. Aber lernen können wir von unseren Gegnern. Unsere Gegner suchen wenigstens für ihre Ideale zu arbeiten, gründen zu diesem Zwecke, bereits tausende Mitglieder zählende Literatur- und Kulturvereine, geben zu diesem Zwecke Bücher und Schriften heraus. Wir Orthodoxen aber überlassen alles dem lieben Gott, oder erwarten alles von einem einzigen hochverdienten Manne, dem schon die würdevolle und treue Vertretung der politischen Interesse der Orthoxie fast übermenschliche Anstrengungen zumutet, und der sich vielleicht am meisten nach treuen und berufenen Mitarbeitern umsieht für die Löfung der so zahlreichen und wichtigen orthodoxen Kulturaufgaben, wie z. B. Reorganisation der lYD'ar', Lösung der ordothoxen Schullehrerfrage, Regelung des Gehaltes und der Stellung der Kultusbeamten rc. Der in Ober-llnaarn gegründete Machsike - Hadath - Verein scheint etwas von der Rührigkeit unserer deutschen Gesinnungsgenossen und unserer hierländischen — Gegner gelernt zu haben. Doch rekrutiert sich die Mitgliederzahl desselben aus wei Komitaten und ist demzufolge auch essen Tätigteitsfeld ein sehr beschränktes. Doch eine Schwalbe macht keinen Frühling, und hat leider die große Masse unserer orthodoxen Ge meindemitglieder nur für Lokales Interesse. Und doch sollten wir von unseren Gegnern lernen. Und noch eins Lehre soll uns der neue neologe Kulturverein bringen. Der Direktor der Schule der orthodoxen Gemeinde in Freiftadtl (Galgöcz) ist Ausschußmitglied des neuen Vereins! So wir die Erziehung unserer Volksfchulehrer weiterhin der Neologie anvertrauen, so können wir uns darauf gefaßt machen, daß der größte Teil des Lehrerstandes der orthodoxen Gemeinden früher oder später auch offen sich neologen Kultur- und Literaturvereinen anschließen wird. Oder sollte auch dies uns ganz gleichgültig lassen? * * 4- Die orthodoxe Landeskanzlei in Pest hatte Anstalten getroffen um die in Bosnien kampierenden Soldaten jüdischer Konfession während der sivs- Woche mit nxo zu versehen. Die.Dienstbefreiung der jüdischen Soldaten an den ersten und letzten Tagen des NOS-Feftes wurde auch Heuer wie alljährlich auf Ersuchen der orthodoxen Landeskanzlet gewährt. — Budapest, 26. März. Die Vorlage des neuen Sonntagsruhegesetzes wurde vom Landesindustrierat in dem Sinne verabschiedet, daß die sonntägige Sperrstunde der Gewölbe in der Provinz für 10 Uhr vormittags angesetzt wurde, ohne daß die halbjährigen Beschränkungen, welche das Zirkular der kaufmännischen Vertretungen wünschte, statuiert wurden. Die endgültige Textierung hängt aber vom Handelsminister ab. Rußland. Petersburg, 5. April. In den letzten Jahren hat eine fluchtartige Auswanderung jüdischer Kolonisten aus den jüdischen Kolonien Südrußlands nach Argenttnien stattgefunden. Anfangs Winter sind aus verschiedenen Kolonien des Cherssoner Gouvernements ungefähr 600 Kolonisten nach Argenttnien ausgewandert und sobald die Witterung günstiger wird, werden jetzt wieder Hunderte von Kolonistenfamilien gleichfalls nach Argentinien auswandern. Die Leute verkaufen ihre Wohnhäuser und andere Habseligkeiten und trachten je ftüher mit Kind und Kegel aus dem Lande zu fliehen. So ist denn der Traum, in Rußland selbst jüdische Ackerbauer zu züchten, schließlich doch zunichte geworden. Im Vorjahre waren es gerade hundert Jahre, daß die ersten jüdischen Kolonien im Cherssoner Gouvernement gegründet wurde. Denkt man an die unsäglichen Mühen und Geldopfer, die die Errichtung dieser Kolonien besonders in der ersten Hälfte ihres hundertjährigen Bestehens gekostet haben, so bleibt einem das Herz still vor Schmerz über die schließlich nutzlos vergeudeten Kräfte. Das alte Rußland wollte aus den Juden mit aller Gewalt Ackerbauer machen und es tat dies nach erster altrussischer Methode. Die Juden wurden in die Kolonien „geführt" und dort im Wege eines Ukas „angesiedelt." Die Kolonien sind heute alle überfüllt und ihre Erweiterung wird nicht gestattet. Bis vor einiger Zeit gab der Staat wenigstens einiges Land den jüdischen Kolonisten zur Bewirtschaftung in Pacht. Unter dem Vorwände, daß dieser staatliche Boden zur Aufbesserung der Lage der Bauern gebraucht werde, hak man den jüdischen Kolonisten allmählich alle Pachtverträge gekündigt. So bleibt denn den armen Kolonisten nichts anderes übrig, als den Wanderstab zu ergreifen und zu fliehen. K a l i s ch (Rufs. Polen), 5. März. Es ist aufs freudigste zu begrüßen, daß auch in Rußland an der Grenze sich nunmehr Komitees bilden, die unseren unglücklichen Glaubensgenossen (Auswanderern und Rückwanderern) mit Rat und Tat zur Seite stehen wollen. So hat sich hier ein solches Komitee gebildet, dessen Leitung der prakt. Arzt, Herr Dr. Zucker, übernommen hat. Dieses Komitee kann ganz besonders viel für unsere Glaubensbrüder leisten, da Kalisch an der Hauptstrecke Warschau-Lodz liegt, durch welche sich der Auswandererstrom aus Russisch-Polen zum größten Teil ergießt. England. London, 2. April. Der ziemlich feierlich angekündigte Bericht der unter den Auspiezien des General-Gouverneur von Tripolis entsandten Forschungs-Kommission der Jto nach Cyrenaica liegt jetzt vor. Er enthält neben reichlichem Karten- und Bilder-Material eine historischpolitische Einleitung von Zangwill, ein General- Referat des Leiters der Expedition, Prof. Gregory aus Glasgow, sowie Spezialberichte der übrigen wissenschaftlichen Mitglieder der Expedition. Leider verlohnt es sich nicht, auf den an sich sehr interessanten Bericht näher einzugehen, weil das End-Ergebnis e i n du r ch a u s ne gatives ist. Die Expedition hat namentlich festgestellt, daß das ganze Plateau von Cyrenaica aus einem großen Bloa porösen Gesteins von 3000 Fuß Dicke besteht, das das Regenwasser aufsaugt und hierdurch jede Wasserversorgung unmöglich macht. Damit hat sich das Projekt, Cyrenaica zum Schauplatz einer jüdischen Anfiedlung zu machen, als undurchführbar erwiesen. Wenn die Verhältnisse in der Türkei sich konsolidieren und dort in der Tat eine Aera ruhiger und gesicherter polittscher Entwicklung anheben sollte, dann dürfte die Jto gut daran tun, das weitere Suchen nach unbewohnten Territorien aufzugeben und ihre Kraft lieber der wirtschaftlichen Nutzbarmachung Palästinas zu Gunsten der heimatlosen Juden anzuwenden. Amerika. eine Intereliante 6eriditsent[dietöung. New-Aork, 24. März.' Der „Daily Argus" berichtet über folgende intereffante Gerichtsverhandlung: Angeklagt war Herr Joseph Cohn. Er ist vom Detektiv Silverstein oer Uebertretung von § 267 des Strafgesetzbuches beschuldigt, weil er am Sonntag in seinem Laden, West First streei »ö, Nahrungsmittel verkaufte.

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