Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1909)
- Date
- 1909-04-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Vette 6 Nr. 1B Synagoaengemeinde mitaetetft hatte, dieser eine junge Mann solle bei seinem zukünftigen Lehrherrn verpflegt werden, „auf Ihr frdl. Angebot (bezügl. ritueller Verpflegung) können wir ja cr. später zurückkommen." Der Zögling wird also weder rituell verpflegt (zudem bezahlt die Stiftung dem christlichen Lehrherrn noch höhere VerpfleguUgssätze als das obige Angebot des Vorstandes stipulierte), noch ruht er am Sabbat und an den Festtagen von der landwirtschaftlichen Arbeit. Daß dies bei den jüdischen Gemeindegenoffen des Ortes böses Blut macht, ist selbstredend, zumal der christliche Betriebsleiter selbst den jungen Mann ausdrücklich bat, am Sabbat sich der Arbeit zu enthalten, wie er sich auch nachträglich, nach persönlicher Versicherung, um rituelle Verpflegung des Zöglings bemüht und ferner der im übrigen streng conservative evangelische Pfarrer des Orts ad hoc den dortigen jüdischen Religionslehrer aufsuchte, um ihm seine Entrüstung darüber auszusprechen, daß eine jüdische Organisation es dulde, daß einer ihrer Schutzbefohlenen, ohne dazu gezwungen zu sein, die Gesetze seiner Religion öffentlich mißachtet. Es. leuchtet ein, daß die ganze Gemeinde — Jude wie Nichtjude — bei diesem Gebühren der Alexander und Fanny Simon-Stiftung und ihrer Pflegebefohlenen über elftere in nicht gerade sehr schmeichelhafter Weise urteilen und unsere Glaubensgenossen bei einem derartigen DttfH ViVn 'Dmsa dem Wunsche des Syndicus, «sich der Schützlinge anzunehmen und sie ihres Wohlwollens zu würdigen," nicht willfahren können. Nehmen wir noch hinzu, daß auf dem letzten Berbandstag der „Freien Bereinigung" in der Commission für ländliche Wohlfahrtspflege Herr Dr. Arthur Kahn aus Charlottenburg, der Generalsekretär des „Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands," es in so überzeugender und eindringlicher Weise unternommen hat, die Commissionsmitglteder für die Ziele und Zwecke des genannten Vereins zu begeistern und ihren Beitritt zu diesem Verein zu erbitten, daß ferner nach Angabe des Herrn Dr. Kahn der „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" mit der Alexander- und Fanny Simon-Sttftung in Verbindung zu treten beabsichttge behufs gemeinsam e r V erfo l g u n g der gleichen Ziele beider Institutionen, dann werden die Gesetzestreuen und insbesondere die Mitglieder der „Freien Vereinigung" aus obigem Vorkommnis schon die nötigen Consequenzen zu ziehen in der Lage sein. Noch mehr aber. Es fehlt in Süddeutschland nicht an jüdischen Kleinbauern, die recht froh wären, eine landwirtschaftlich mehr oder weniger vorgebildete Straft in ihrem Betriebe beschäftigen zu können unter den Bedingungen, wie sie hier einem im Uebrigen sehr ehrenwerten und wie wir sehen sehr toleranten christlichen Landwirt eingeräumt werden. Wir fragen, warum werden diese jüdischen Landwirte nicht besonders bevorzugt? Endlich aber, was für unseren concreten Fall von großer Wichtigkeit ist: In den kleinen Landorten, wo sich doch nicht so selten jüdische Landwirte (fti es im Haupt- oder Nebenbetrieb) finden, nimmt die jüdische Bevölkerungsziffer stetig ab. In der oben mehrfach erwähnten Gemeinde wird im Laufe des Sommers durch Wegzug einiger Gemeindemitglieder es schwer halten, mit Minjan den regelmäßigen Gottesdienst abzuhalten. Könnte man nicht, selbst wenn man die landwirtschaftlichen Zöglinge bei christlichen Arbeitgebern unterbringt, dadurch daß man erstere zur Sabbathetligung etc. anhielte (womit ja, wie wir sehen, die nichtjüdischen Lehrherren in anerkennenswerter Weise sich einverstandeu erklärten) auch der Gemeinde die Abhaltung des regelmäßigen Gottesdienstes in gewohnter Weise mit Minjan erleichtern bez. ermöglichen? Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß alle maßgebenden Organisattonen sich bemühen, dem Der JLra M. oben geschllderten Dvn V6n abzuhelfen — der geschilderte Fall ist nicht vereinzelt,' auch ein zweiter ähnlicher ist zu unserer Kenntnis gelangt — mögen sie der jüdischen Oeffentlichkeit aber auch die Augen öffnen über die religiösen Anschauungen der Alexander- und Fanny Simon- Stiftung bezw. ihrer derzeitigen Organe. Videavr CODSulcS ..... und Nachrichten. Deutsche« Berliner Brief. orrespondenzen (Bon unserem Korrespondenten.) E. B. Berlin, 2. April. Nun hat der Organisationsgedanke, dieser charakteristischste und stärkste Trieb unseres modernen Gesellschaftslebens, auch die orthodoxen Frauen hier ergriffen und sie zur Gründung einer „Frauengruppe der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" geführt. Zweck der neuen Vereinigung, nach ihrem Statut, ist die Entfaltung einer Wirksamkeit für die Interessen des gesetzestreuen Judentums in sachgemäßer Anwendung und im Sinne der Freien Bereinigung. Nachdem anfangs im dunklen Tatendrang noch einige Unklarheit über die Modalitäten und Wege, die zu diesem Ziele führen sollen, geherrscht, ist jetzt der von dem Beirat der Vereinigung, Dr. Eduard Biberfeld, von vornherein vorangestellte Gesichtspunkt, daß nämlich die Wirksamkeit der Frauengruppe sich vor allem in der Richtung einer Vertiefung des religiösen Empfindens und Wissens ihrer Mitglieder entfalten solle, allgemein als der wichtigste erkannt und anerkannt worden und ihm soll deshalb in erster Linie die Tätigkeit der Frauengruppe gelten. Daneben sollen dann auch die Humanitären und sozialen Aufgaben, welche das Judentum seinen Töchtern stellt, in altüberliefertem Sinne und in moderner Weise, in den Kreis der Vereinsarbeit gezogen werden. Nachdem bereits im Dezember eine Versammlung zur Konstituierung der Frauengruppe stattgefunden hatte, welche einen provisorischen Vorstand mit den einstweiligen Vorarbeiten betraute, hat nunmehr in gutbesuchter zweiter Versammlung die 'Wahl des Vorstandes und die Feststellung des Arbeitsplans stattgefunden. Es wurden gewählt: Frau Dr. H. Hildesheimer zur Ehrenvorsitzenden, FrauJ. Oft er weil zur 1. und Frau G. Rofenberg zur 2. Vorsitzenden, Frau B. Sealtiel zur Schriftführerin, Frau M. Strauß und Frau Dr. Preuß zu Rendantinnen, Frau I. Rosenblüth, Frau Dr. E. Biberfeld und Frau M. Merzbach zu Beisitzerinnen. Ueber die Hauptprogrammpunkte der Bereinigung zu referieren hatten drei Damen übernommen und Mar über die „Pflege des religiösen Sinns" Frau Sealtiel, über „Wohltätigkeit" Frau Jg. Weichselbaum und über „Stellenvermittlung" Frau Feinberg, die sich sämtlich ihrer Aufgabe in mustergiltiger, von der Versammlung mit reichem Beifall bedachter Weise entledigten. Im Anschluß an diese Referate wurden folgende Kommissionen, in welche naturgemäß der Schwerpunkt der Tätigkeit fällt, gebildet: 1. Für Pflege des religiösen Sinns/ 2 für Kranrenfürforge,' 3. für Soldatenbeköstigung,' 4. für Stellenvermittlung (weibliches Hauspersonal); 15. April ISVll 5. für Propaganda/ 6. zur Pflege des Zusammenschlusses unter Gleichgesinnten. Die Kommisffionen haben ihre Arbeit sofort begonnen und schon jetzt schöne, segensreiche Erfolge erzielt. Der Mitgliederbestand der Ortsgruppe reicht bereits an die Zahl 100 heran und es ist keine Frage, daß bei eifriger Propaganda und wenn erst die Segnungen ihrer Tätigkeit mehr in die Erscheinung treten werden/ die Zahl sich sehr bald vervielfachen wird/ sicherlich eine Form Feminismus, den man unserer Zeit ja zmn Vorwurf macht, an der Niemand etwas auszusetzen finden dürfte. — Beitrittserklärungen nimmt die Vorsitzende, Frau Osterweil, Neue Friedrichstraße 71, gern entgegen/ der Mitgliedsbeitrag bleibt der Selbsteinschätzung, die hoffentlich recht hoch ausfällt, überlassen. Ein anderes Bild! Vielbesprochen und, von von Freunden eines gesunden Humors viel belacht, wird eine tragikomische Geschichte, in der die Hauptrollen von einem hiesigen jüdischen Blatte und einem z. Z. noch auswärtigen Rabbiner creiirt worden sind. Erschien da in der „Allg. Ztg. d. I." eine Artikeserie, überschrieben, „Gedanken eines Laien über das Judentum." Veröffentlicht von Rabbiner Dr. I. Ziegler- Karlsbad. Tendenz . und Zweck des Skriptums war am Schluffe der Einleitung sehr deutlich in folgenden Worten ausgesprochen: „Was ich also will, ist: einerseits durch volle Entfaltung der persönlichen Seite im Judentum, jedem Juden, der noch ein religiöses Bedürfnis sich bewahrt hat, auch wahre, innere Befriedung im Judentum geben können, und dem Judentum selbst dadurch die Stellung unter den Religionen schaffen, die ihm gemäß seiner inneren Größe zukommt. Ich will den Schutt hinwegräumen und bauen." Abbruchs- und Baugeschäft in einer Hand vereinigt. Entsprechend der Großzügigkeit des Projekts und dem an zu geringer Selbstbewertung zu allerletzt leidenden Größenbewußtsein des gedankenreichen Laien wurde in den folgenden Artikeln so ziemlich Alles zertrümmert und in Stücke geschlagen, was dem Juden an seiner Religion heilig und unverletzlich ist, und in gutem Verständnis für die Forderung des Tages das Programm des „Liberalen Vereins" noch um ein Unendlichfaches überliberalismuft. Der Kultus, der Sabbath. die Feste, die Spkisegesetze, die Eheschließung, Milah, Trauerbräuche, der häusliche Gottesdienst des wahren Judentums wurden in einer Weise dargestellt und geschildert, die nur eine noch dazu stümperhafte, jämmerliche Karrikatur genannt werden kann/ die beizende Lauge des Spotts wurde über die hehrsten Regungen echtjüdischen Empfindens ausgeschüttet und mit sattem Behagen Alles aufgetischt, was nur in der antisemitischen Küche an Verleumdung und Verächtlichmachung des Judentums heraerichtet worden ist/ den Ahnen, die für ihre Religion in Tod und Martern gezeugt und gelitten haben, bornierte Beschränktheit als Milderungsgrund zugebilligt und dann, von diesen dunklem Hintergrund in um so kräftigerer Farbengebung sich abhebend, das Idealbild des „neuen" Judentums gekennzeichnet, in dem es keine Gesetze und keine Vorschriften mehr aiebt, sondern nur noch Empfindung und Hochstimmung und ähnliche Schönheiten! Nun traf es sich zufälliger Weise, natürlich, ohne daß zwischen dieser Veröffentlichung und jener Angelegenheit ein Zusammenhang bestand, daß in der hiesigen Reformgemeinde eine Predigervakanz bevorstand, für deren Ausfüllung nach dem Gefüge der Gemeinde naturgemäß — der Sabbath ist dort auf den Sonntag verlegt — nur eine ausgesucht radikale Größe der neologen Predigerhierarchie in Betracht kommen konnte. Was Wunder, daß sich die Blicke auf jenen interessanten „Laien" und dann, da man desselben doch nicht habhaft werden konnte, auf den Herausgeber seiner „Gedanken" lenkten, der durch diese Publikatton sein feines Verständnis für den Geist des Fortschritts im Judentum und was dazu gehört, 15 doch Obj, „Lai Chm nach Feft 24. an. anzu Men scheu besch sei nicht Jud, aus diffei diese resul Gern gewr ohne darf. aber Feste Joha modo rechn Poesi Laie Der durch „Tra der ein si Berli Auge Akten Mär. würdi Artil gemes schütt der $ versiö fizierr wie z festes einfac sichert üch Wie Berlii sie ni der vollen verbri noch > doch c fach n H Woche sich ni Veren stand neuen Handl in seii : Ö, Achills« und in Angehö 'Witfllie Zn yaut § ieifion, ergibt e nonen jUH'nn si vaiidlu der Sa Bluten, nn loai? 4, da halten sinnlose Wetjciifn