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Der Israelit · 1909-04-15 · Heft 15 (15.4.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 15 (15.4.1909)
Date
1909-04-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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15. Avril 1909. Der JSraütt. No. 15. Seite 5. erübrigte auf ihren weiteren Inhalt einzugehen. Er ist, so weit es sich um die praktischen Vorschläge zur Erhaltung der Sabbathidee handelt, gegenstandslos geworden. Wir wollen ihn aber trotzdem mit einigen Worten streifen, um zu zeigen, daß der sicherlich von ehrlichstem Streben und bestem Wollen diktierte, uns angezeigte Weg den im Anfang ausgesprochenen Ueberzeugungen des Herrn Reformators zuwiderläuft. Wir haben bereits nachgewiesen, daß die Erhaltung der Sabbath i d e e unmöglich ist, wenn nicht mit ihr gleichzeitig der Sabbath selbst mit fernen, die Welt beglückenden Segnungen erhalten wird. Wie vermögen aber Stunden der Weihe Ersatz für den vertriebenen Sabbath zu bieten, wenn unser Freund selbst zugibt, daß eine Weihe ohne Ruhe unmöglich sei. Wird sich ein Publikum finden, das mitten in dem rauschenden Geschäftsleben einige Weihestunden feiern soll, nur um die Sabbath-„Jdee" zu erhalten? Und wenn an anderer Stelle mit Recht betont wird: „Wer das Herzensbedürfnis hat mit der Gemeinde Gott zu preisen, Belehrung zu verlangen, der wird ja alles daran setzen, dieses Verlangen zu befriedigen", dann ist doch dies die unbedingte Anerkennung der Notwendigkeit des Sabbaths selbst, der Ausdruck einer Uederzeugung, daß alle, die den Sabbath suchen, ihn auch finden werden und sollte sie auch Opfer kosten. Und wenn es heißt: „die Familie ist und bleibt der Brennpunkt der Sabbathweihe", dann wird diese Anerkennung, daß der Sabbath in seiner Jahrtausende alten Weise der richtige Sabbath ist, noch vertieft, trägt er doch allen diesen Forderungen ohne „Reform an Haupt und Gliedern" im weitgehendsten Maße Rechnung. Er allein ermöglicht die Erhaltung jenes schönen Familienlebens, das das Judenvolk vor allen andern Nationen von jeher ausgezeichnet hat. Welche Veränderung sollen neu einzusührende Reformen in die religiöse Weihe des Sabbathtages bringen, wenn sie schließlich, wie unumwunden zugegeben wird, doch in dem einen großen Grundsätze gipfeln müssen: heilige den Sabbath und gehe an ihm deiner täglichen Arbeit nicht nach." Mußte dem Judentum erst die Sonne des zwanzigsten Jahrhunderts leuchten, um ihm solche Vorschrift zuteil werden zu lassen? Hat es nicht, als noch die Welt in Unkultur, Heidentum und Aberglauben befangen war als einziges Beispiel tief religiöser und sozialer Erkenntnis dieses Prinzip verwirklicht und durch Jahrtausende getragen? Das Judentum bedarf keiner neuen Mittel, um jüdisch-religiöses Leben zu erwecken, es besitzt sie in seinen unvergleichlichen Gesetzen, die das tiefernste und zugleich zufrieden-heitere Leben denen verbürgen, die sie willig annehmen und ihr Leben ihnen unterstellen. Erschüttert also der Schrei schristen richtig zu entziffern, ist ihm von einer Reihe hervorragender jüdischer Gelehrten, die Abklatsche und Photographien der Funde erhielten, bestätigt worden. kl« pattlotlrcder Hundscbreiben von $. K. fiirscb. Mitgeteilt von Louis Lamm, Berlin. Jede Kundgebung eines bedeutenden Mannes ist voll Wichtigkeit für seine Charakteristik. Lassen sich aus allen einzelnen Dokumenten die prägnanten Eigentümlichkeiten erkennen, so darf man doch sagen, daß jeder einzelnen Urkunde ein gewisser Wert innewohnt. . Speziell aber ist das der Fall, wenn es sich um Bekundungen handelt, die einer größeren Menge zugänglich gemacht — also sicher vor der Herausgabe einer sorgsamen Prüfung seitens des Autors unternursen wurden. Von diesem Standpunkte aus ist cs sicher gerechtfertigt, wenn das nachfolgende mir vorliegende Runschreiben^das gedrückt ist, der Oesfentl.chkeit — soviel ich weiß zum evsten Male — übergeben wird. CD ist auch fraglich, ob sich noch ein weiteres Exernplar des Zirkulars erhalten hat. n A n d i e e h r s a in e u jüdischen Ge nr e i nden der Pr ovinz Mähren Aufforderung zu patriotischen Spenden an Silber oder Silberwerth. Tas Vaterland bedarf der Kräfte aller seiner Kinder. Darum dies Wort an Euch, geliebte Brüder. Wohl, meine Brüder, kenne ich Eure gedrückten Bermögensumstände, kenne die Lasten, die Ihr bisher zu tragen, habt, weiß, wie namentlich Euch die Gewerbe und Nahrung störenden Folgen der Zeitereignisse getroffen, prrd wie sehr Ihr gerade | nach frisch pulsierendem neu religiösem Leben heut abermals die Welt, dann mögen sie alle, die den Mangel der religiösen Befnedigüng in sich verspüren, herbeieilen und den jüdischen Sabbath der Schöpfung betrachten. Nicht die Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag wird sie zu entschädigen vermögen, auch der Sonntagsgottesdienst wird ihren Durst nach religiöser Erkenntnis nicht zu befriedigen vermögen. Der Sabbath in der unveränderter Form als Ganzes, als unantastbares Gut, von einer höheren Vorsehung dargereicht, wird ihnen das bieten können, was sie vergebens auf anderem Wege suchen. Wie in der Wüste irren sie umher und wollen neue Quellen entdecken, gehen aber an den vorhandenen blinden Auges vorüber. Und mit dem Sabbath steht das Judentum und mit ihm fällt es. Er ist der Grundpfeiler jenes festgefügten Hauses, das ins Schwanken geraten muß, wenn man es seiner festesten Stütze beraubt. Er ist der Mittelpunkt jener Gesetzessammlung, auf die sich die gesamte Kulturwelt stützt. Bildet er doch im Rahmen des in den Gesetzesbüchern aller Religionen als Fundament dastehenden Dekaloges einen sanften Uebergarw von den Pflichten gegen den Schöpfer zu den Pflichten gegen den Nebenmenschen. Und niag uns die Arbeitslast des Alltags noch so sehr von den hohen Menschheitsidealen abgelenkt und unsere Kräfte intensiv für das Erwerbsleben in Anspruch genommen haben, der Sabbath bringt uns wieder zu uns und unseren Nebenmenschen zurück, er schenkt uns von Neuem der Welt und die Welt, jene in den sechs Arbeitstagen der Woche vollendete Welt, uns. Er ist in Wahrheit ein Naturfest, besten Heiligkeit als Naturschöpfungsfest uns allwöchentlich neu erstehen läßt. Der Klang der innigen Töne eines Freitags Abends ist auch im zwanzigsten Jahrhundert noch nicht verstummt, an ihm berauscht sich sogar die Reform des Judentums, welche dem Jahrtausende alten Sabbath Existenzberechtigung und Existenzmöglichkeit absprechen will. Noch scharen sich aber tausende gesetzestreuer Juden zusammen, um dieses Kleinod bis zu ihrem letzten Atemzuge zu verteidigen. Sie werden sich diesen Edelstein nicht rauben lasten und ihn vielmehr heller erstrahlen machen als je, um ihn der Welt von Neuem zu schenken, um die Welt in seinem sonnigen Lichte von Neuem erglänzen zu sehen, erst sanft in lichtem Morgenrot immer glühender, bis er dereinst nicht nur allen Juden, sondern allen Völkern das göttliche Licht spenden wird, das zu verbreiten er bestimmt ist! Selbst die neueste Richtung der Reform des Judentums hat die Heiligkeit unseres Sabbaths nicht anzutasten vermocht, konnte sie ihr doch die Anerkennung nicht versagen. jetzt im nahen und nächsten Kreise in Anspruch genommen werdet. Allein ich weiß auch, daß Ihr jüdische Herzen habet und jüdische Herzen nie zurückgestanden, wo es galt, Hab und Gut fürs allgemeine Beste hinzugeben. nair dsdk TOX iw dito n« um das Wohl des Landes mit aller Kraft, mit aller Aufopferung zu fördern, das war und ist uns heilige Gottespflicht, und die Aufforderung, die in deren Namen an uns ergangen, hat uns nie lässig und zaudernd gefunden. Außerordentliche Zeiten fordern außerordentliche Opfer von Jedem,, Md nur wenn Jeder das Seinige thut, kann das Ganze zum Heile erstehen. Schon strömen von allen Seiten Gold- und Silberspenden der Staatsverwaltung zu. Lasset uns nicht die Letzten sein, meine Brüder. Geld werden die Meisten in dieser schwergedrückten Zeit nicht wohl spenden können; aber einiges Silbergeräthe haben die Meisten, und gerade Silber zur Münzausprägung ist der Staatsverwaltung am willkommensten. Darum meine dringendste Bitte an die jüdischen Häuser unserer Provinz, IT» njWM tgTK jedes nach Kräften, jedes über ferne Kräfte lege eine gottgefällige Spende aus den Altar des Vaterlandes! Tie ehrsamen Vorstände der Gemeinden wollen sich gefälligst sofort nach Empfang dieser Zeilen der Sammmng in ihren Gemeinden unterziehen. Jeder Beitragende beliebe Zahl und Gewicht der gespendeten Silberftücke einzuzeichnen und ' wollen die ehrsamen Vorstände gefälligst die gesammelten Effekten sammt beigegebener Sammlungsliste im Wege der Herren Comiteglieder oder unmittelbar aq den Unterzeichneten längstens bis J iÄ Heil Dir, mein heiliges Judentum! Du hast manchem Sturme getrotzt, Völker hast Du erstehen sehen und vor Deinen Augen sind sie untergegangen. Je mehr sich die Feinde wider Dich erheben, — und wenn sie Deinen eigenen Reihen entstammen — desto fester wirst Du gegründet sein, desto einmütiger werden die Kinder, die Dich nicht verlassen, zusammenstehen und Dich verteidigen, auf daß in Erfüllung gehe das Wort des Propheten: „Dann wird sich offenbaren die Heiligkeit Gottes und alles Fleischgeborene allesamt wird sehen, daß der Mund Gottes gesprochen hat." (Jesajas 40, 5). Jüdischer Antisemitismus. Bon Dr. W. tn R. Im „Israelit" Nr. 11 vom 18. März d. I. brachte eine Correspondenz aus Hannover neben dem Programm der Alexander- und Fanny Simon-Stiftung betreffs Ausbildung jüdischer junger Leute in landwirtschaftlichen Betrieben auf dem platten Lande die Mittellung, daß auch in Baden „unter Förderung seitens eines hohen Regierungsbeamten" junge Leute in mustergültigen kleinen landwirtschaftlichen Betrieben untergebracht seien. Hieran schließt die Redaktion die Frage, ob die jüdischen Unternehmer auch auf die Wahrung des Sabbats und Einhaltung der Speisegesetze bei der Erziehung dieser Schützlinge gebührende Rücksicht zu nehmen gewillt seien. Als Illustration dazu, wie es mit den Erziehungs- und Ausblldungsgrundsätzen der Alexander- und Fanny Simon-Stiftung bestellt ist, möge folgendes Vorkommnis dienen: In der nächsten Nähe von hier sollten nach Unterhandlungen des Syndicus der Stiftung, des Herrn Dr. Eugen Katzaus Hannover, durch Vermittlung des obengenannten Regierungsbeamten (es ist der Herr Regierungsrat Dr. Hecht in Karlsruhe — ein Nichtjude) mit einem christlichen Schmiedemeister und Landwirt bei letzterem im Laufe dieses Frühjahrs 2 Schützlrklge der Alexander- und Fanny Simon-Stiftung untergebracht werden. Bor Realisierung dieses Projektes setzte sich der Syndicus mit dem Synagogenratsvorstand des betreffenden Orteu. A. wegen ritueller Verpflegung der Schützlinge ins Benehmen, worauf der genannte Synagogenratsvorstand sich zur Aufnahme der Schützlinge in Kost und Logis unter äußerst coulanten Bedingungen bereit erklärte. Zu seiner Neberraschung kam jedoch dieser Tage und zwar an einem Sonntag (er muß also am riTO gereist sein) nur einer der Eleven aus seiner neuen Stelle an, nachdem der Syndicus der Stiftung kurzer Hand dem betr. Vorstand der 11. Juni versiegelt zusenden, und erlaube ich mir, die Herren Comiteglieder hiemit höflichst cinzuladen, am 12. Juni der Eröffnung und Anfertigung des Gesammtansweifes hier beizuwohnen, womit die Sammlung dem Bestimmungsorte zu übermachen sein werde. Möge auch bei dieser Gelegenheit und in dieser Zeit der ächte Sinn jüdischer Freigebigkeit nch bewähren, der zu aller Zeit und in jeder Lage für gottgefällige Zwecke uns geleitet. Nickolsburg, 11. Mai 1848. Ter Oberlandesrabbiner Hirsch. r5 (Jerusalemer Militiirmusik.j Ter Platzkomnandant von Jerusalem, Generalmajor Dsemal Bey, richtete an den Herausgeber der hebräischen Zeitung „Chabazeleth" in. Jerusalem das folgende interessante Schreiben: „Ich bin sehr erfreut über den überaus warnun Empfang, den die geehrte jüdische Gemeinschaft der Militär-Platzmnsik am vorigen Montag zu Ehren des Purimfestes ink Stadtpark bereitet hat, sowie über die lobenden und schmeichelhaften Anerkennungen, welche mir und meiner Mannschaft in den jüdischen Jrurnalen gezollt wurden. Ich fühle mich verpflichtet, der jüdischen Bevölkerung für diese Anerkennung meinen innigsten Tank uuszusprechen. Um mich nun dieses mir gespendeten Lobes auch in Hinkunft würdig zu zeigen, habe ich das Vergnügen, bekannzugeben, daß die Militärkapelle die Ehre haben hnrb, vom nächsten Sabbat angefangen, in erster Zeit jede zweite Woche und nach kurzer Zeit jeden Sabbat ein Konzert zu veranstalten. Mit wiederholtem Kanke Ihr Djemal m. P."

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