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Der Israelit · 1909-04-05 · Heft 14 (5.4.1909) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 14 (5.4.1909)
Date
1909-04-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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- Hl 5. April 1909. Der JSraeltt. No. 14. da stand, ansichtig wurde, sagte er leise und zutraulich: „Eure Eltern sind schon lange tot?" „Seit vielen, vielen Jahren!" sagte die Alte. „Euer Vater war ein Handelsmann!" Der Fremde sagte es bestimmt und gewiß und die Alte nickte bejahend. „Er ist wohl plötzlich gestorben?" Woher dies alles der fremde Mann so genau wußte. Peffele war es etwas unheimlich zu Mut?, aber sie fühlte sich zugleich doch auch zu¬ Jüdifche Lteiuhauer itt Jerusalem. traulich zu dem Manne, von dem sie nichts haben, wollte, dem sie im Gegenteil geben konnte, und sie erzählte: „Ich war noch ein Kind. Der Vater kam Abends früher als sonst, von zwei Männern geführt heim. Er hätte draußen einen Anfall gehabt, sagten die Männer. Wir brachten ihn zu Bett, er sprach nicht mehr. Er bewegte fortwährend die Lippen und zeigte mit dem Finger, als wollte er etwas sagen und bezeichnen, aber er brachte kein Wort mehr heraus. Tags darauf starb er. Wir weinten uns die Augen aus, die gute Mutter und ich, wir weinten auch noch später sehr viel und hatten Grund dazu. Seit zwanzig Jahren ist auch die' Mutter tot, und um mich wird keiner mehr weinen . . . ." Der Fremde hörte sehr aufmerksam zu und sagte dann feierlich, als zitierte er ein Gebet aus dem alten Buche: „Was Euer Vater in der Sterbestunde auf dem Herzen hatte und nicht mehr sagen konnte, ich glaube, es Euch heute entdecken zu können. Hier in dieser Hhgodoh steht es!" Verständnislos und verwirrt hob die Alte ihre feuchten Augen und sah erst jetzt, daß der Fremde aus einem in dem Buche befestigten offnen Couverte einen Bogen behutsam hervor- „Das eine Dokument — sagte der fremde Mann — mag ich heute am Festtage nicht berühren, denn es ist Geld, eine Obligation mit Zinsscheinen von vielen Jahren, die eine beträchtliche Summe ausmacht, den beiliegenden Zettel aber will ich Euch vorlesen, er ist ein Stück H a god oh, Eurer Hagodoh, und für Euch das wichtigste — denn er bringt Euch ungeahnt Befreiung und Erlösung! — . — ." . Die Alte stand immer noch verwirrt und und verlegen da, ihre fragenden Augen ruhten abwechselnd auf dem sonderbaren Gast und dem alten vergilbten Buche. Dieser aber las: „Hier der ganze Erfolg meiner langjährigen Mühe und Arbeit, er gehöre ganz meinem Kinde, gez. am 1. Niffan usw." Der Zettel war hebräisch geschrieben. Der Fremde las uizd übersetzte und erklärte und erläuterte einmal, zweimal, dreimal. Langsam dämmerte der Alten ein Licht über den Zusammenhang der Dinge auf, langsam erlangte sie Klarheit. Sie dachte den ganzen Abend, als der Fremde schon längst fort war, sie dachte die ganze Nacht nach, und nun war ihr alles so einfach urw klar. Was wäre da auch unbegreiflich und unnatürlich? Ihre Wünsche und Klagen wurden erhört, der Gesandte Gottes war gekommen und machte all ihren Nöten ein Ende .... * * * Der fremde Mann ließ sich in der Hütte „auf der Steig" nicht mehr blicken. An den folgenden Festtagen war er bei den wohlhabenden Familien der Gemeinde zu Gast und am Ausgang der ersten Feiertage verließ er das Dorf, ohne über seinen Fund mit jemand ein Wort verloren zu haben. Am Morgen des ersten Cholhamoedtages aber sah man die alte Peffele sich mühsam zur Poststatton bewegen, um sich einen Platz im Postwagen, der nach der Stadt fuhr, zu sichern. Der Posthalter lächelte spötttsch über die „seltene Stadtdame" und bösartige Menschen sagten: „So seht doch die alte Bettlerin an, tut immer so, als könnte sie nicht gehen noch stehen und macht noch Ausflüge, Vergnügungsreisen! . . ." Noch am selben Abend kam sie zurück. Sie kam aber nicht mehr allein, sondern hatte ihre Verwandte, die Lea bei sich. Ihre Augen hatten einen sonderbaren, aber ruhigen Glanz, ihre Züge waren sanft und verklärt, wie die einer von schwerer Krankheit Genesenen, dankbar und stillalücklich. Als Tag darauf der Gemeindediener ihr das Wochengeld bringen wollte, verweigerte sie die Annahme und erklärte, sie werde von ihm und von keinem Menschen mehr etwas annehmen. Sie sei so reich wie die andern. Gott habe ihr geholfen, am ersten Sederabend . . . Ihr und dem Kinde durch eine Erscheinung, durch ein Wunder... In der Gemeinde schüttelte man .bedenklich den Kopf. „Die Alte ist nicht recht im Kopfe!" sagte man. „Sie führt wirre Reden." „Sie nimmt nichts mehr an und will verhungern mit der Lea, die sie aus guter Stellung heraus hergebracht." Peffele aber hörte und sah nicht und bekümmerte sich nicht um das Gerede der Leute. Sie wußte es genau und sagte es jedem, der es wiffen wollte. Was war da auch zu verbergen? Der Propheth Eliah war am Sederabend bei ihr erschienen, upt ihrer Not und Armut einmal für allemal ein Ende zu machen. ■■ ■ 11 Tortscfcritte der jüdischen Kolonisation in Palästina. Mit 5 Bildern. Bon Davis Grietfch. Die Ausgabe, osteuropäische Juden aus städtischer Umgebung und städtischen Berufen in einem neuen Lande auf landwirtschaftlicher Basis anzusiedeln, ist eine der schwersten, die die jüdischen Palästina-Bestrebungen sich stellen konnten. Andererseits aber war es von Anfang an klar, daß gerade die Landwirtschaft dasjenige Gebiet volkswirtschaftlicher Tätigkeit ist, das den Juden am meisten fehlt, und gerade hierauf mußten die größten Anstrengungen gerichtet werden. In diesem Sinne war es also wohl die schwierigste, aber gleichzeitig auch eine der wichtigsten Arbeiten der Freunde jüdischer Kolonisation in Palästina, die osteuropäischen Einwanderer gerade als Ackerbauer und Landwirte anzusiedeln. Die Schwierigkeit der Aufgabe und unser eigener Mangel an Erfahrung haben neben vielem anderen lange Zeit hindurch den Erfolg unserer Bemühungen zweifelhaft erscheinen laffen, aber geduldige Arbeit und große Mittel, wie sie besonders von Baron Edmund v. Rothschild zur Verfügung gestellt wurden, haben schließlich doch dazu geführt, daß der Erfolg auch der jüdischen landwirtschaftlichen Ansiedlung in Palästina schon heute gesichert erscheint. Wohl sind noch eine Anzahl Kolonien nicht über alle Schwierigkeiten hinweg, aber einige sind bereits soweit, daß ihre weitere gesunde Entwickelung keinem Zweifel mehr unterliegen kann, und dieses Beispiel ist natürlich von größtem Werte für die gesamte jüdische Kolonisation. Auch die verhältnismäßig großen Mittel, die das Anfangsstadium verschlungen hat, find schon längst nicht mehr. als verloren zu betrachten. Unsere landwirtschafttiche Täügkeit hat eine solche Wertsteigerung des Bodens hervorgerufen und auch so viel direkte Werte geschaffen, daß, wenn nicht schon jetzt, so doch in allernächster Zeit die Kolonien einen Wert repräsentieren werden, der alle darauf gewendeten Gelder mehr als aufwiegt. Schon heute wird der Wert der Kolonie Petach- Tikwah — Land, Häuser, Kulturen usw. — auf 12000000 M. geschätzt, und in manchen andern Kolonien steht es ähnlich, so daß nach allem auch die finanzielle Bilanz der Kolonisatton bei weitem nicht mehr so ungünstig ist, wie sie noch vor wenigen Jahren erscheinen konnte. Und dabei ist doch nicht außer acht zu laffen, daß diejenigen, die vor vielen Jahren das Wagnis jüdisch-landwirtschaftlicher Kolonisatton unternahmen, mit Opfern und Verlusten hatten rechnen müssen. Noch weit wertvoller aber als dieses finanielle Resultat ist die Zuversicht, der man heute on in Kolonistenkreisen begegnet. Diese Leute — wenigstens die besseren unter ihnen — sind durchaus von der Zukunft der jüdischen Kolo HSuser einer Jerusalemer Judeukolouie. nisation überzeugtsie schöpfen aus ihrer bisherigen Tättgkeit und ihren bisherigen Erfolgen das feste Vertrauen, daß sie selbst und andere Juden ganz fraglos imstande sind, jede Art von landwirtschaftlicher Tätigkeit sich anzueignen und entsprechend den speziellen Verhältnissen so weit zu vervollkommnen, wie es überhaupt möglich ist. Wenn der Weinbau gegenwärtig wie in Frankreich und anderen Weinbauländern so auch in Palästina eine Krisis durchmacht, so hat dies doch nur mit dem Absatz des Produktes zu tun. Die landwirtschaftliche Seite der Sache ist durchaus gut gelungen, und was beim Weinbau möglich war, ist uns bei den anderen Kulturen vielfach in noch höherem Maße möglich. Schon heute kann man eine jüdische Orangenpflanzung durch

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