Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1909)
- Date
- 1909-04-05
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449367--65430-2508068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
5. April 1909 Der Israelit. Nr. 14. Ihre bessere Bearbeitung auf den ersten Blick von den arabischen unterscheiden, obwohl diese Baumkultur längst vor uns von den Arabern eingeführt worden war. Aehnlich steht es mit allen anderen Baumkulturen. Besonders mit dem Olivenbau, bei dem jüdische Kolonisten schon jetzt in wesentlich kürzerer Zeit Erträge erzielen, als ihre arabischen Nachbarn. Dieser unverkennbare Aufschwung der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina, verbunden mit der hohen Rentabilität besonders der Baumkulturen, hat dazu geführt, daß in letzter Zeit die Kolonien viel Zuzugs von außen haben. Zum Teil sind es neue Einwanderer — meist aus Rußland —, die mit einigem Kapital kommen und sich in den Kolonien Baumpflanzungen anlegen lasten, zum Teil aber — und das kann als ein noch deutlicheres Zeichen für den Erfolg unserer Landwirtschaft angesehen werden — sind es auch städtische Elemente aus Jaffa und sogar aus Jerusalem, die ihre Gelder in dieser Weise anlegen und tellweise auch selbst nach den Kolonien übersiedeln. In industrieller Beziehung geht es gleichfalls vorwärts. Während es bis vor wenigen Jahren an solchen Unternehmungen nur einige Mahlmühlen und mechanische Werkstätten gegeben hat, sind in den letzten zwei Jahren nicht nur mehrere modern eingerichtete größere Mühlen (mit Saug- Gasmotoren) und einige weitere Werkstätten errichtet worden, sondern es ist auch von jüdischer Seite eine neue aussichtsreiche Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte in die Hand genommen worden, und zwar die Gewinnung von Olivenöl, die Verarbeitung der aus den primitiven arabischen Oelmühlen kommenden Preßrückstände, die Seifensabrikation aus Olivenöl und Aehnliches. Diese Industrien stehen im engen Konnex mit unserer landwirtschaftlichen Kolonisation. Wenn auch momentan die jüdischen Oelbaum- Plantagen noch keinen sehr großen Ertrag liefern, so daß vornehmlich das Produkt der arabischen Pflanzungen in den neuen Fabriken zur Verarbeitung gelangt, so nimmt doch der Ertrag der jüdischen Pflanzungen von Jahr zu Jahr zu, und die Gründung der Oelsabriken *) ermutigt jedenfalls zur stetigen Ausdehnung dieser für uns ganz besonders wichtigen Art von Baumkultur. Aber nicht nur werden die Kolonien durch diese industrielle Entwickelung ermutigt, der Olivenkultur und dem Bau anderer Oelfrüchte (u. a. auch Rizinus) erhöhte Beachtung zu schenken, sondern die Fäbrikunternehmungen selbst werden mit Oelbaumplantagen größeren Umfanges verbunden. Dies hat nicht nur für die Fabriken den Vorteil, sie wenigstens mit einem kleinen Teil ihres Bedarfs unabhängig zu machen, sondern es wird damit auch den Fabrikarbeitern Gelegenheit zu landwirtschaftlichem Verdienst geboten. — Hierdurch wird die Arbeiterschaft der nur saisonweise arbeitenden Fabriken bodenständig und dürfte sich aller Vorraussicht nach ganz von selbst auch an andere landwirtschaftliche Betätigung, wie Gemüsebau, Geflügelzucht u. s. w. gewöhnen. Es läßt sich leicht eine Kombination der Fabrikarbeit mit solchen landwirtschaftlichen Beschäftigungen finden, durch die eine gleichmäßige Inanspruchnahme der Arbeitskräfte das ganze Jahr hindurch ermöglicht wird. Damit wäre ein ganz neuer Typus einer auf Industrie -und Landwirtschaft basierenden Kolonisation geboten.**) Eine weitere große Hilfe dürfte die landwirtschaftliche Kolonisation' in kürzester Zeit durch die Hausindustrie erfahren, an deren Ein- *) Bis jetzt gibt es drei größere Etabliflements dieser Art, doch ist die Errichtung von wetteren in kürzester Zeit zu erwarten. **) In naher Zukunft dürfte auf dem gleichen Wege ein weiterer wichtiger Schritt gemacht werden durch Einrichtung von Konservenfabriken und durch Organisation de- Transportes sür frisches Gemüse (z. B. nach Aegypten, das allein schon einen fast unerschöpflichen Markt darstellt.) - sührung jetzt von verschiedenen Seiten gearbeitet wird. Eine der größten Schwierigkeiten unserer Kolonisation hat darin bestanden, daß die besonders im Anfang noch recht einseitige Landwirtschaft den Kolonisten und den sonstigen Arbeitskräften nur eine Art Saisonarbeit bot, außerhalb deren — und das heißt hier während des größeren Teils des Jahres — eben gar keine Arbeit vorlag. Dies hat unter anderm auch dazu geführt, daß bis in die neuste Zeit hinein an die Schaffung eines jüdischen Arbeiterstandes in den Kolonien kaum gedacht werden konnte. Für die tageweise oder wochenweise Beschäftigung, die man zu bieten hatte, konnte man jüdische Arbeitskräfte nicht Jahr aus Jahr ein in den Kolonien halten, und sie für die Dauer der Arbeitszeit aus den Städten zu holen, wäre ebenfalls nicht gut angegangen, selbst wenn solche Kräfte verfügbar gewesen wären. Man war also gezwungen, aus den nahe gelegenen arabischen Dörfern Fellachen zu mieten, die man ja sogar für einzelne Tage haben konnte. Durch diese Beschäftigung arabischer Arbeitskräfte hat unsere Kolonisation die bedenkliche Nebenwirkung gehabt, daß die arabischen Nachbarn bei ihrer großen Anspruchslosigkeit zu verhältnismäßigem Wohlstand gelangten, daß dadurch wieder die Bodenpreise in der Nachbarschaft der Kolonien so weit stiegen, daß uns der Zukauf von Land für die Erweiterung unserer Kolonien sehr wesentlich erschwert wurde usw. Bis zu der Einführung so vielseitiger Kulturen, daß damit einer größeren Anzahl von Arbeitern das ganze Jahr hindurch Erwerb geboten werden konnte, war es also nicht möglich, jüdische Jahresärbeiter in den Kolonien zfu installieren. Innerhalb der letzten drei Jahre ist es eben auf dem Wege der vielseitigen Kulturen in der Kolonie Petach-Tikwah gelungen, einige hundert jüdische Arbeiter dauernd zu beschäftigen und in Rechoboth ist eine ähnliche Entwickelung zu bemerken. Aber ungleich schneller als durch die Einführung vielseitiger landwirtschaftlicher Kulturen wird es möglich sein, durch Einführung von Hausindustrie die arbeitslose Zeit landwirtschaftlicher Arbeiter nutzbringend auszusüllen. Damit wären nicht nur die arabischen Arbeiter durch jüdische ersetzt, sondern jede Kolonie würde auch durch den Zuwachs an seßhaften jüdischen Arbeitskräften außerordentlich erstarken. Es ist ganz selbstverständlich, daß man bei einer derartigen Ansiedelung von Arbeitskräften von vornherein dafür sorgen wird, daß jeder Arbeiter ein kleines Stück Feld für Gemüsebau usw. neben seinem Hause hat, und das Beispiel, das der Verein „Esra" in dieser Beziehung in der Kolonie Rechoboth gegeben hat, zeigt, daß in solcher Weise angesiedelte Arbeiter sich mit der Zeit zu selbständigen Kolonien entwickeln können.- In diesem Zusammenhänge verdient die Entwicklung geeigneter Hausindustrien unsere ernsteste Beachtung. Man hat bereits angefangen, die Teppichindustrie zu verbreiten, und man wird nach und nach zu einer Reihe von anderen hausindustriellen Betätigungen übergehen, die den Familien der Kolonisten und der landwirtschaftlichen Arbeiter zugänglich gemacht werden sollen. Auf denselben Möglichkeiten — nämlich auf die Einführung von Industrie, Kunst- und Hausgewerbe beruht auch die Hoffnung, das nach Zehntausenden zählende Chalukah-Element der heiligen Stadt durch entsprechende Fortbildung der Jugend allmälig zu einem erwerbenden, Wirts chastlich-gesun den Elementumzuformen. In dieser Beziehung stehen die Kreise, die an einer schrittweise Reorganisation der Chalukah arbeiten, vor den gleichen Problemen, wie die Freunde der Kolonisation und es wäre zu hoffen, daß auch an der Lösung des Problems beide Kreise freundschaftlich Hand in Hand miteinander arbeiten werden. * * * Die vorstehenden Ausführungen wurden uns vom Berfaffer aus seiner Broschüre: „Fortschritte der landwirtschaftlichen Kolonisation" zur Ver sügung gestellt. Die Broschüre selbst wird von dem bekannten Kolonisationsverein „Esra" (Adresse: Moritz Dorn, Berlin N.A?., Louisenstr. 12) unentgeltlich und postfrei allen Interessenten zur Verfügung gestellt. Dev Slaln» der jüdischen Kolonie« Ende 1808. Bon Davis Trietsch. Name Gründungs- Jahr Areat in Hekt. Seelen- »ahl 1. Kolonien in Judäa. Artus 1896 450 60 Beth-Arif ‘) u. Kirjat-Sefer..) 1906 350 50 Ekron 1884 830 300 Jehudie 1883 15 Kastinieh 1888 4M 100 Katra 1882 450 140 Mikweh-JSrael3) 1870 225 150 Mozah 1890 59 28 Petach-Tikwah 1878 2300 1500 Rechoboth 1890 1300 600 Rischon-le-Zion 1882 920 880 Wad-El-Chanin u. Neß-Zionahfl 1882 285 146 2. Kolonien in Samaria. Atlit 1897 500 30 Chedera 1891 2900 164 Chefziboh5) 1905 200 8 El-Dschemal 1889 5) 65 Kafr-Saba 1894 675 30 Schweja 1881 6) 45 Sichron-Jaakob (Sammarin) 1882 1750 760 Tantura 40 . 3. Kolonien in Galiläa. Ain-Seitun 1891 509 51 Kinereth6) 1908 600 20 Jamma und Betdschen 1902 3000 260 Machanajin 7) 1899 773 . Mes'cha 1902 1000 145 Metulah 1896 ' 1300 311 Milhamie 4902 700») 108 Mischmar-Hajarden 1890 220 105 Rosch-Pinah 1882 3800 796 Sedschera 1899 1800 200 Aeffod-Hama'alah 1883 1000 246 4. Trans-Jordanien. B'ne-Jehuda 1888 315 83 Außerdem Landstücke 7500 Der jüdische Landbesitz in Palästina beträgt zur Zeit — inkl. der noch nicht besiedelten Landstücke — annähernd 40000 Hektar, die Bevölkerung ca 7500 Seelen. ') Industrielle Ansiedelung der Oel- und Seifenfabrik „Athid". *) Belkinds (hebräische) landwirtschaftliche Schule. 8) Eigentlich nicht Kolonie, sondern landwirtschaftliche Schule. *) Meist Eigentum der Pflanzungs-Gesellschaft „Agudath Netaim". 5) Tochter-Kolonien von Sichron Jaakob. — Die Ziffern sind in letzterer euthalten. °) Das Gut der Palestine-Land-Development-Company. — Besteht aus den Besitzungen Daleika und Um-el-Dschune. — Letztere liegt auf der Ostseite des Jordans (nahe dem Tiberiassee). 7) Der Boden gehört zur Zeit den Kolonisten von Rosch-Pinah. 8) Hiervon liegen ca. 75 Hektar auf der Ostseite des Jordans. NebrSWe5 vlamanttAlel. K j : n n n i fl o^nniin- * b 9 I 3 fl fl ac n Die vorstehenden Buchstaben sind so umzustellen, daß die wagerechten Reihen bedeuten: 1. einen Buchstaben, 2. ein Zeitmaß, 3. Betragen, 4. ein jüdisches Fest, 5. einen Verwandten Aarons, 6. einen jüdischen König, 7. ein Buchstaben,. Die mittlere senkrechte Reihe ist gleich der mittleren wagerechten. Ballenstedt. Bernhard Brilling.