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Der Israelit · 1909-04-05 · Heft 14 (5.4.1909) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 14 (5.4.1909)
Date
1909-04-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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s. April 1909. Der JSraÄtt. tausende, von seinem Wirken erblicken könne. Dies wird ihm auch sofort klar gemacht. Denn nachdem er auf die wiederholte Frage „Was tust du hier, Elijahu?" nur seine verzweifelungsvolle Klage über die Verderbtheit seines Volkes wiederholen kann, wird ihm nun scheinbar unvermittelt der Auftrag, der ihn ohne weiteres mitten in das Leben und in das Menschengetriebe zurückführt, ihn zum Vermittler ernster Gottesverhängniffe macht und ihn zugleich mit der Bestellung und Erziehung des Mannes beauftragt, der nach seinem Heimgange in seinem Sinne an seiner Statt weiter zu wirken berufen sei." (M. Hirsch Haftoroth X. 283/84.) Morer Geburt und erste Lebensjahre. Nach 2. B. M 2. B. 1—14. (Fortsetzung.) 10. Wenn übrigens die Retterin seines Lebens jetzt erst ihrem Schützling den Namen gibt, muß er doch schon wenigstens einen gehabt haben. Viri ist die Begründung dafür, daß sie ihn an den Hof brachte. Die Eltern hatten genügend Gelegenheit, ihm die ersten Grundlagen der Erziehung insthrem Sinne zu geben. Es sind nebenbei HM die drei Bedingungen im Verse enthalten, denen ein jüdischer Prophet genügen muß. Er muß gesund, klug und unabhängig sein. kann im wörtlichen Sinne verstanden werden. Es war ein großes l.Kind. Es war gesund, stark und kräftig. Es erschägt ja allein ohne viel Mühe — wie es scheint — oen Aegypter. Indem es ins Königshaus kam, wird es reich. Wenn sich die Tochter seiner wie eines Kindes annimmt, so stattet sie Moses aus mit allen Anforderungen einer Erziehung, die am Hofe verlangt wird. Die besten Lehrer stehen ihm auf allen Gebieten zur Verfügung. Er wird ein Epn. Zudem hat er einen Einblick in die ägyptischen Staatsverhältnisse, Regierung und Gnrichtung. Etwas aber, was sonst einer höfischen Erziehung fern bleibt, woran alle Höflinge zumeist arm ausgehen, ihm wird es nicht vorenthaltensie gibt ihm einen Namen, durch den er sein Leben lang durch sich selbst daran erinnert wird, wie edel und dankenswert es isi, Retter der Schwachen und Bedrückten zu sein. Was sie freilich mit diesem Namen meinte, durfte sie nicht sagen - sie erklärte öffentlich, wieder mit Sakeph godaul, den Namen, als wenn er „Herausgezogener" und nicht „Herauszieher" hieße. Unter solchen Verhältnissen wird Moses groß am Pharaonen-Hofe. Man hatte seine Herkunft vergessen und hatte Vertrauen zu ihm gefaßt. Nichtsdestoweniger hatte er seinen Namen, seiner Retterin zu Ehren, nie vergessen. Nach einer schönen Erzählung hatte der weise Staatsrat das 5kind anfänglich stets beobachtet und mit Argwohn verfolgt. Spielend habe es sich Pharaos Krone aufgesetzt. Man wollte das Kind darauf prüfen, ob es das mit Bewußtsein tue. Es habe nach den einen Bileam, nach anderen Jitroh dabei gesessen und den Rat erteilt, eine Pfanne mit Kohlen und eine Schüssel mit Gold vor das Kind hinzustellen. Kinder greifen nach Feuer — dem Menschen verwandten Stoffe innerer Reinheit und Lebensgrundes. Erst ein „kluges" Alter greift nach Gold. Moses aber hätte nach dem Golde greifen wollen. Der Engel Gabriel hätte seine Hand zur Kohle geführter habe sie an den Mund genommen und sich verbrannt, so daß er „schwer" von Mund und Zunge geworden sei. Wir verstehen nicht, daß durch Berührung mit der Kohle Moses ns “D2 wird, während Jesaias gerade durch die Berührung mit der Kohle zum Redner berufen wird. Sollte aber auch Moses sich wirklich nur durch höhere Hand bewogen, zur Kohle vom Golde weg habe führen lassen? Vielleicht könnte folgendes der Sinn sein. Bileam ist der würdige Vertreter einer „Gottesgelahrheit", die unter dem Tatar der Theologie die Sucht nach dem Golde birgt. Gold und Ehre ist das Zi seines ehrgeizigen Sehnens, wofür er sich afl Mittler der schlechtesten Handlung und zum M r'ßbrauch seines „frommen Amtes" hergibt. Er gibt den Rat in seiner mephistophelischen Klugheit, das Kind auf seine Ehrlichkeit, unschuldige Reinheit oder seine „Lebensklugheit" zu prüfen. Moses war bereits am pharaonischan Hofe „klug" geworden. Er mochte an manchem Beispiel der Ehrung und Beförderung gesehen haben, an wen Aemter und Würden verteilt wurden. Er hatte genügend Gelegenheit zu erkennen, was das Geld in der Welt vermag. Er griff zum Golde. Erhalte aber noch mehr gelernt. Wenn das Auge auch am Golde hing, mau durfte aber nicht scheinen, als wollte man es begehren. Gabriel, eine höhere Macht, die Macht des Rufes, des Berufes und der Stellung gestatteten ihm nicht, das zu zeigen. Seine Klugheit war aber der des Bileam wohl gewachsen. Er griff zur Kohle — und verbrannte sich. Das bleibt ihm als Erziehung seiner selbst durchs Leben zu eigen. Die Lehre war ihm geworden. Greifst Du, wenn du dich nach dem Golde sehnst, unter irgend welchem äußeren Zwange handelnd, nach dem Feuer des Gesetzes, dann verbrennst du dir den Mund. Nur dem wird das Feuer zum Förderer, dessen innerer Drang wie bei Jesaias nach ihm greift, ihm schadet es nicht. Er bleibt innerlich unabhängig, wie äußerlich. Spielen aber kann man mit dem Feuer des Gesetzes, nicht - es als Krücke zu gebrauchen innerer Gebrochenheit. Frei mußt Du zum Feuer greifen, nicht zum Golde schielen, dann wirst du nicht HB 122 -nm sondern erhälst omo1? ptr1? — Moses mußte das durchmachen, um es verstehen, beherzigen und glänzend betätigen zu können.*) Es kamen ihm nun in Verbindung mit der Bedeutung seines Namens und der Erziehung, die er seitens seiner Adoptivmutter genossen, zu Bewußtsein, in welcher Umgebung er sich befand und wie im Gegensatz zu diesem Glanz des Höfts, der ihn umgab, elendiglich seine armen Brüder schmachteten. Nicht sondern die ganze Energie gehörte dazu, der unsichtbaren Fesseln des umgebenden Kreises sich zu entledigen und hinauszutreten zu seinen Brüdern. Er betrachtete, stellte Betrachtungen an über oder sah sich um wegen ihrer Arbeiten (nicht ntt in*) sondern 2). Damit nicht genug, er sah noch mebr, sah, daß es sich nicht um eine Schlägerei des Pöbels handelte, darum, daß etwa das Volk sich nicht vertrug, nein "tod VN schlug '^2Z- V-k es handelte sich um die Feindseligkeiten in den oberen Schichten. Die Sachlage war dadurch auf der einen Seite bewußter, ernster, es war „regierungsseitiges" myttn. Auf der anderen Seite war Hoffnung vorhanden, daß gerade die untere Schicht des geplagten Volkes sich hier und da versteckter > Weise gefördert sah vom mitleidigen Volk der unteren ägyptischen Kaste. Das sah er, aber er sühnte, daß VHK, der geschlagen wurde, sein Bruder war. - Nach der Deutung der Weisen soll das doppelte K'tP des vorigen Verses auf das Verbrechen hindeuten, zu dessen Vertuschung der Aegypter glaubte, den Hebräer schlagen zu müssen, um ihn so einzuschüchtern, damit er nichts anzeige. Er hatte sich gegen den hebräischen Ehegatten vergangen und schlug ihn drum. Doch als er ihn schlug, war keiner zugegen. Alles nahm bei solchem Zwischenfall Reißaus. Ihrem Bruder zu helfen, durften sie nicht wagen, um aber Zeuge von dessen Qualen zu sein, dazu blutete ihnen das terz zu sehr. Moses war allein Zeuge. Der egypter hätte höchstens auf Schonung Anspruch, wenn noch nicht alle Saiten menschlichen Empfindens in seiner Brust zu schwingen aufgehürt. Aber nach alle dem, was er von diesem Manne sah, war er so durch und durch verroht, daß keine Hoffnung vorhanden war, daß dieser Mann imstande sei, gute Keime in die Brust eines Kindes zu legen. So schwer lagerte die Furcht vor diesen niederträchtigen Polizisten auf den Gemütern des Volkes, daß, obwohl das doppelte *) Auch Moses hätte ein Bileam sein können. Daß er es nicht ward, stellt ihm das ehrendste Zeugnis für sein redliches Streben aus, des Lebens Inhalt ehrlich zu erfassen, ehrlich zu bleiben gegen sich und die Welt. Unrecht dieses fluchwürdigen Verkehrs bekannt war, keiner sich zu widersetzen wagte und so groß war diese Verkommenheit dieses Menschen, daher nur noch eine Zuflucht kannte, um ein begangenes Verbrechen zuzudecken: ein neues Verbrechen. (Schluß folgt.) So war es nicht gemeint. Nach schwerem Kampfe hat der preußische Staat ein Volksschulgesetz geschaffen, das mit dem 1. April 1908 in Kraft getreten ist. Zum ersten Mal — bezeichnender Weise auf dem dem politischen Boden fernstehenden, in bescheidener Zurückgezogenheit wirkenden Gebiet der Schule — keimt ein Anfang der Anerkennung der Verpflichtung des Staates den jüdischen Steuerzahlern gegenüber. Gleichzeitig stellte der Staat einen wenn auch kleinen Fond — aller Anfang ist klein — für jüdische Schulzwecke zur Verfügung. Allerdings kommen die schwächsten Gemeinden am schlechtesten fort. Gerade sie, die es am nötigsten hätten, genießen die Wohltateü dieser neuen Aera nicht, wenn die Zahl ihrer Volksschulkinder die Zahl zwölf nicht erreicht. Es kann der krasse Fall Vorkommen, daß eine durch ein Legat aut fundierte Gemeinde, in der sonst nur nominell eine Kultussteuer erhoben zu werden braucht, von dem Staat und der Kommune zusammen 550 M. Zuschuß erhält und eine Nachbargemeinde, die zu demselben Synagogenverband gehört und die fast 100 pCt. Kultussteuer umlegt, nichts bekommt.' Härten wird allerdings jedes Gesetz enthalten und der Arzt, der manches Leiden schon gelindert hat, wird auch hier Heilung schaffen — die Zeit. Sie wird in späteren Ausl^ungen des Gesetzes die Klagen der leistungsschwächsten Gemeinden berücksichtigen und ihnen geben, was ihnen zukommt. Hoffentlich wird sie aber auch einen Schaden heilen, den die Gemeinden ihren Lehrern und damit sich und ihren Kindern zufügen. Gewiß gibt es eine Reihe von Gemeinden, die ohne Zuschuß von außen aus eigenen Mitteln einen Lehrer nicht besolden können. Durch den in die Gemeindekaffe fließenden Zuschuß werden sie in den Stand gesetzt, ihrer ersten Verpflichtung, die sie als jüdische Gemeinde haben, nachzukommen. Die weitaus meisten Gemeinden aber, die bisher schon einen Lehrer anstellen konnten und die auf Grund ihrer größeren Schülerzahl den Zuschuß erhalten, bedürfen desselben für ihre Gemeindekaffe nicht. Er reicht nicht aus, um den Steuersatz herunterzusetzen und ohne ihn kommt man bislang auch aus. Da sollten die Gemeinden, nicht selbstlos, nein, selbstsüchtig genug sein, um den Zuschuß dem Gehalt des Lehrers zuzuwenden. Je größer das Gehalt ist, um so größere Ansprüche können die Gemeinden an die Leistungsfähigkeit des Lehrers stellen. Die Arbeitsfreude und die Seßhaftigkeit des Lehrers könnte durch diesen Schritt gefördert werden. Wie wirkt es aber auch nach außen hin, statt den Zuschuß zum Lehrergehalt zu verwenden, wenn die Steuerkraft der Gemeide das gestattet, denselben in der Kaffe verschwinden zu lassen? Daß die Gemeinden ein Geschäft mach enund die Lehrer das Nachsehen haben sollten, war nicht der Zweck des Gesetzes. So war es nicht gemeint. Briefkasten "der Redaktion. Anonymus. Lüften Sie den Schleier. Dann können wir überlegen, welcher Weg einzuschlagen ist. Uereinsnacbricbten. Der Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands hat in seiner Sitzung vom 18. November 1908 laut § 22 der Satzung in die Ritualkommisffon (Rabbinat) des Vereins neben dem Rabbiner die Herren Rabbiner Dr. Marx-Recklinghausen und Dr. Bendix-Cöln gewählt, in die Lehrerkommission die Herren Seminarlehrer Elias Gut-Cöln und Max David-Kettwig. f* ■ aTminariTfii

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