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Der Israelit · 1909-04-05 · Heft 14 (5.4.1909) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 14 (5.4.1909)
Date
1909-04-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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h: erreicht, da die russischen Eifenbrrhnbeamten ihn unterwegs? plünderten. Tatsächlich hat auch damals der größte Teil der jüdischen Soldaten während derPessachtage die größten Entbehrungen gelitten. Anläßlich der feierlichen Installation des neuernännten bosnischen Landeschefs Korpskommandanten Marian V a r e s a n i n von Bares, wurden von demselben auch die Deputationen der beiden jüdischen Gemeinden von Sarajewo empfangen. Die Spaniolen erschienen unter Führung ihres Gemeindepräsidenten Josua D. Salom, während die Abordnung der österreichischungarischen Jsraelitengemeinde vom Oberrabbiner Dr. Weszel geführt wurde. Auf die Ansprachen der beiden Sprecher der Juden Bosniens antwortete der Landeschef in herzlichen Worten, indem er versicherte, daß er für die gesamte Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession 'ein liebevolles und wohlwollendes Herz mitbringe und trachten werde, auch den gerechten Hoffnungen der Juden zu entsprechen. Ungarn. Budapest, 28. März. Peßach ist vor der Tür und die Ritualmord-Märchen tauchen Wiederaus. Die erste Kunde hierüber kommt diesmal aus einer kleinen slovakischen Gemeinde im Turoczer Komitat in Ungarn, welcher ganz im Banne der klerikal-antisemitischen Volkspartei steht. In der Gemeinde brach ein Feuer aus, das mehrere Häuser einäscherte. Als Brandstifter wurde ein Dienstmädchen in Haft genommen, das sich mit einer echt antisemitischen Ausrede zu entschuldigen suchte. Sie erzählte nämlich, daß ihr jüdischer Dicnstgeber ihr gedroht hätte, sie zu Ostern abzuschlachten, wenn sie nicht des Nachbars Haus in Brand steckte. Die Gendarmerie verhaftete darauf sofort den „schuldigen" Juden und brachte ihn, ohne jedes Verhör, gefesselt in das Gefängnis der Staatsanwaltschaft der Komitatstadt Turoez-St.-Marton. Dies geschah um 2 Uhr nachts. Der Jude nannte seinen Advokaten, besten Bemühungen wegen Freilassung seines Klienten jedoch erfolglos blieben. Der Advokat wandte sich nun an den Vizegespan (ungefähr im Range eines Statthalters). Die Wirkung war - überraschend. Der Vizegespan, Koloman Beniczky, rügte den Advokaten dafür, daß er nicht sofort nach der Verhaftung um 2 Uhr nachts zu ihm gekommen sei und seine sofortige Hilfe in Anspruch genommen habe. Der Vizegespan, der den verhafteten Juden persönlich kannte, erklärte sich beim Staatsanwalt sofort bereit, eine Kaution voll 100 000 Kronen für den Juden zu erlegen. Tatsächlich erlegte der hohe Beamte einen Garantieschein von 100 000 Kronen und der Jude wurde in Freiheit gesetzt. Damit ist die Angelegenheit wohl noch nicht erledigt.' Die Untersuchung ergab, daß das Dienstmädchen eine Lügnerin der gefährlichsten Sorte ist, die auch sonst geistig zurückgeblieben ist. Der Gendarmerie-Oberleutnant, der die Verhaftung des Juden auf Grund der von mehreren unglaubwürdigen Aussagen der Brandstifterin vornehmen ließ, wurde vorläufig strafweise versetzt. UuMarrd. pogrom-öekahr. Petersburg, 27. März. Kaum zwei Jahre sind seit den furchtbaren Judenpogromen in Rußland verflossen. Noch leben jene entsetzlichen Geschhenisse mit ihrer ganzen erschütternden Grausamkeit in unserer Erinnerung — und schon wird uns eine Wiederholung dieser „patriotischen Heldentaten" in Aussicht gestellt! Es liegt wieder etwas Unheimliches und Grauenvolles in der Luft. In den Reihen des „Schwarzen Hundert" rüstet man sich zu großen Handlungen. Die Regierung hat es für nötig gehalten, die Gouverneure auf die den Juden drohende Gefahr aufmerksam zu machen und sie zu ersuchen, für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen. Wer aber die Selbständigkeit der russischen Provinzbehörden kennt, dem wird diese Aufforderung der ZeEalregierUng ivenig Beruhigung zu gewähren vermögen. Jeder Generalgouverneur fühlt sich als autonomer Herrscher in seinem Rayon und kümmert sich nicht viel um Weisungen aus Petersburg, und Stolypin hat bis jetzt vergebens gegen die Willkür der Generalgouverneure angekämpft. Abgesehen davon, daß man nach den bisherigen Erfahrungen der erwähnten „Aufforderung zur Aufrechterhaltung der Ordnung" nicht allzuviel vertrauen darf. So sind die russischen Juden wiederum von Schrecken ergriffen. „Rußkoje Snamja" droht offen mit einem Ausbruch von Judenhaß, der „an gewisse Geschehnisse aus der jüngsten Vergangenheit erinnern werde". Die „Potsckajewskaja Jswestija^,, ein Organ der echten Russen in Potschajew (Wolhynien), hetzt die dortige christliche Bevölkerung gegen die Juden in niederträchtigster Weise auf und fordert direkt zu Aus sch reit ungen gegen die Juden auf. Die Potschajewer Juden sind von der Pogromgefahr ganz besonders bedroht und die Aufmerksamkeit der gesamten russischen Judenheit wendet sich ihnen jetzt zu. Potschajew liegt auf „geheiligtem Boden", weil sich dort eine von der russischen Christenheit verehrte Kapelle befindet, zu der sehr viele Christen ans ganz Rußland wallfahren. Seit mehreren Jahrzehnten wohnt dort eine größere Anzahl von Juden, denen die Kirchengemeinde Boden verkaufte, worauf sie Häuser und Geschäfte errichteten. Die Juden haben den Wallfahrern verschiedene Bedarfsartikel verkauft und lebten stets im besten Einvernehmen mit der christlichen Bevölkerung und mit den kirchlichen Behörden. In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde in dem unter Pobjedonoszews Leitung Mitglieder von trieben werden, dort eigene und möchte stehenden Heiligen Synod angeregt, die Vertreibung der Juden auö Potschajew zu verlangen - da protestierte die dortige Kirchenverwaltung dagegen mit der Begründung, daß die Juden diesem Orte sehr großen Nutzen brächten. Seit dem Beginn der „Freiheitsära" ist aber das gute Verhältnis zwischen den Juden und Christen in Potschajew immer mehr getrübt worden und nimmt jetzt einen für die Juden bedrohlichen Charakter an. Unter der dortigen Geistlichkeit sind einige Echt-Russen aufgetaucht, und der Verband des russischen Volkes arbeitet mit den gemeinsten Mitteln für die Säuberung des geheiligten Platzes von Juden, wobei seine versteckter materieller Gier ge- Der Verband hat näntlich Warenhäuser aufgemacht den ganzen Absatz an die Wallfahrer an sich reißen. Nach Verjagung der Juden hofft er ihnen Besitz an Boden und Geschäften in seine Hände zu bekommen. Ein solcher Preis ist auch der größten Mühe wert, und so lassen die Verbändler nichts unversucht, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Zuletzt griffen sie zur Verleumdung, nnb als in einem ihrer Geschäfte Feuer ausbrach, richteten sie an den Zaren ein Telegramm, worin sie die Juden der Brandstiftung beschuldigten und um Schutz gegen die „Vaterlandsfeinde" baten. Auf den Straßen schrieen sie: „Schlagt die Juden tot! Die Juden haben unser Eigentum in Brand gesteckt!" Die Potschajewer Juden leben in der größten Angst und haben einen herzerschütternden Hilferuf an den jüdischen Abgeordneten Nisselowitsch gerichtet. Sie schildern darin ihr früheres friedliches Verhältnis zur christlichen Bevölkerung und ihre jetzige verzweifelte Lage, über die es in ihrem Schreiben heißt: „Die Pogromgefahr rückt immer näher heran." Man hört schon das dumpfe Donnergeräusch, man fühlt das Herankommen des schrecklichen Sturmes. Ja, es ist klar: Wenn wir nicht freiwillig Potschajew verlassen werden, wo unsere Eltern lebten und starben, wo wir geboren sind und unser ganzes Leben verbracht haben — dann harrt unser der „Zorn" des Volkes. Aber was sollen wir tun? Wohin sollen wir uns retten?" Mag auch ein Teil dieser Angstschreie auf die durch anhaltende Pogrompanik erregte Phantasie MMMMhMl seinjo genug, zu ernster Befürchtuütz und zum rechtzeitigen Eintreten der um ihre Brüder Besorgten übrig. Petersburg, 20. März. Anläßlich der Debatte über den Etat des Ministeriums des Inneren in der Reichsduma wurde wieder einmal die gesamte russische Judenfrage augerollt. Da Nisselowitsch zurzeit krank ist, nahm Friedmann zum ersten Mal während dieser Session das Wort und veranschaulichte in längerer Rede klar die Wurzel des Uebels: die Gesetzgebung und ihre praktische Anwendung. Er wies besonders auf den engen Zusammenhang der allrussischen Freiheitsbewegung und der Lösung der Judenfrage hin und zählte alle Gesetzgebungsakte gegen die. Juden der Reihe nach auf, aus denen die Willkür der Behörden klar hervorgeht. Merkwürdig ist es, daß die Rechte sich während der ganzen Rede völlig ruhig verhalten hat. Traurig ist es aber, daß auch diesmal die Herren Kadetten die Juden im Stich gelassen haben; über die Judenfrage verloren sie kein Wort. Auch Friedmanns Rede bringt die fortschrittliche Presse in stark verkürzter Form und ohne jeden Kommentar. Täglich erhalten die Dumaabgeordneten telegraphische Gesuche von Juden aus allen Gegenden, die ohne jeden Grund ausgewiesen werden. Da die russischen Abgeordneten sich nur selten für ihre jüdischen Landsleute verwenden, lastet die gewaltige Arbeit auf den beiden jüdischen Abgeordneten, deren Bemühungen übrigens häufig von Erfolg gekrönt sind. Die Zentralverwaltung kann in den einzelnen Fällen das völlig willkürliche Vorgehen ihrer lokalen Organe nicht gutheißen. Mehrere solcher Telegramme brachte der Abgeordnete Friedmann im Laufe seiner Duma-Rede auch zur Vorlesung. Itoroättiro Gin toleranter Kirchenfürsf.—Rumänische Thoralehranstalt. (Von unserem Korrespondenten.) Bukarest, 26. März. Daß die rumänische Kirche judenfreundlicher ist als die Regierung beweist folgender Fall: Herr Oberrabbiner Schor wurde vom Metropoliten, dem Oberhaupte der griechisch-katholischen Kirche, welche hier vorherrschend ist, in einer längeren Audienz empfangen. Der Metropolit erkundigte sich eingehend über die Lage der rumänischen Juden und betonte besonders die Intelligenz und die historische Bedeutung des jüdischen Volkes. Am andern Tage übersandte der Kirchenfürst dem Herrn Rabbiner folgende Adresse: Unser allbarmherziger Hort und Weltenschöpfer lehrt uns, da Gebot der Nächstenliebe so hcch zu halten, wie das Gebot der Liebe zu Gott; und diese Liebe bezieht sich auf alle Menschen auf Erden ohne Unterschied der Nationalität und Religion. Beseelt von dem Wunsche, diese Liebe zu betätigen und derselben Ausdruck zu verleihen, beehre ich mich, Euer Ehrwürden die S mime von 3‘jO Franks zu übersenden, mit der B tte, den Betrag an vvfjte armen Glaubensbrüder zu verteilen. Gleichzeitig danke ich für die Gebete, die Euer Ehrwürden für mich zum Allmächtigen emporgesandt haben. Ich bitte Euer Ehrw. die Versicherung meiner Hochachtung entgegen nehmen zu wollen. Bukarest, i n März 1909 (gez) Athanasie, Metropolit-Prim t. Zu bemerken ist noch, daß der Rabbiner sich eines großen Ansehens beim König Carol erfreut, ebenso auch bei allen Ministern und Großen des Landes. Herr Oberrabbiner Schor ist bereits bei verschiedenen- Gelegenheiten mit Orden dekoriert worden. Herr Rabbiner Ben-Zion Roller aus Buhusch, einen! kleinen Orte im Moldaugebiet, war vergangene Woche hier in Bukarest, wo er Propaganda für seine vor 8 Monaten aus eigenen Mitteln gegründete ra'W' machte, welche staatlich konzessioniert ist und neben Talmudstudien auch (2 Stunden täglich) weltliche Lehrgegenstände in ihrem Programme aufweist. Bis jetzt hat Herr jasfck

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