Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1909)
- Date
- 1909-04-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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acker ist aufgegrmgen und auch die im SWW der Erde schlummernden werden einst noch geweckt werden von der Sonne der jüdischen Liebe. Und wenn erst das Ganze vrünt und blüht, und das wogende Gottesfeld reif ist an Garben der Tugend und der Sittlichkeit, des Gottesglaubens und der Menschenliebe IpKn bv 'n nvn und die ganze Erde dem Weltenkönig entgegrnjubelt, dann wird Israel hinziehen zur Ruhe. Reif find die Garben und der ersehnte Morgen der allgemeinen Gottesproklamation ist da. Dies wäre der Inhalt des herrlichen Psalms. Diese Gedanken müssen dem Kinde gereicht werden, denn das, was einst ein David in glühender Begeisterung den Saiten seiner Harfe entlockt hat, darf nicht für ewig verstummt sein, lrrrnas roira Die Harfe, die ehemals Israel in seinem Glücke geklungen, hat ihre Zuflucht zu den Trauerweiden genommen. Sie tönt nur noch — nach dem Worte der V'r D'o:n — in stiller Mitternacht, wenn der Nordwind durch die Saiten streicht. Wir Lehrer können aber und müssen der Harfe Töne wieder wecken in des Kindes Seele. In unseren Schülern müssen wir ein Geschlecht heranbilden, das einst als Männer und Führer unwandelbare Treue schwört der Fahne des überlieferten Judentums. Erwärmen müssen wir die Jugend an jenem Feuer, das einem David einst die Harfe in die Hand gedrückt hat. Zeigen müssen wir dem Kinde, daß keine Euterpe ihn zum Musengünstling gemacht hat, daß es der 'K n*n war, wahre Liebe und aufrichtige Begeisterung, die den königlichen Sänger dichten und singen hieß. Die Liebe zur Religion wird sich dann beim Kinde zur höchsten Potenz heiliger Bewunderung steigern. Die heilige Ehrfurcht wird kräftig genährt an dem Glorienschein eines Genius, eines David, der aus der Sphäre des Profanen hinaufeilt zur Poesie und auch im Drange des Lebens seinem Gottvertrauen Worte der Begeisterung leiht. Mögen diese Worte dazu beitragen, den Psalmen durch die geistige Erschließung wieder einen höheren Kurswert zu geben in der Schule. Die Klagen wegen mangelhafter Lehrmittel, schlechter Geschichts- und Religionsbücher werden dann immer seltener werden. Wir besitzen in den Psalmen ein Quellenbuch tiefster Religionserkenntnis, aber auch ein gutes Stück jüdischer Geschichte enthalten sie für den, der darin zu lesen versteht. Leitgemäke Hnnonce von looy. (Eine wahre Begebenheit.*) In unserem Verein ist die Borbeter- und Schächterstelle per sofort zu besetzen. Das Gehalt beträgt incl. sämtlicher Nebeneinnahmen 1200 M. Der betreffende Beamte muß talmudisches Wissen haben, Balkare, Baltokea und Mohel sein und muß sich verpflichten, Gänse, die aus Oesterreich eingeführt werden, zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Extraentschädigung zu schlachten. -- Meldungen mit Zeugnisabschriften sind zu richten an den Vorstand des Synagogenvereins Birkental, O.-S. (Jsr. Familienbl. p. 18. Februar 1909.) An den Wohllöbl. Vorstand des Synagogenvereins in B. (O.-S.) Bewerbungsschreiben des Herrn Dr. Chiel Groß, z. Zt. Privatdozent an der Universität Kiel, mit a) eurriculum vitae, b) Abiturientenzeugnis, c) Zeugnis über 8jährigen Besuch der Jeschiwah Zeidlin, ä) Zeugnis über kantorale Befähigung von Sulzer und Weintraub, e) Kabboloh von allen europäischen Gaonim, k) Abschrift des philosophischen Doktordiploms. Der Endesunterzeichnete glaubt auf Grund beigefüater Zeugnisse, sowie dem inneren Drang seiner Seele folgend, als Bewerber für die dortige Stelle wie geschaffen zu sein, vorausgesetzt, *) Daß unseren Kollegen der Sinn für Humor trotz schwerer Zeiten noch nicht ausgegangen, beweist obige Zuschrift. i - ’ .i? ij ‘niiii-ij'iiTii >!■ ■ ''■r'rwM daß *8 dem Wohllöbl. Vorstand nicht schwer fallen dürfte^ die gestellten Bedingungen ein wenig zu erweiwrn. Der Aspirant leidet infolge verminderter Einnahmequelle z. Zt. an Schlaflosigkeit und bittet daher, gleichzeitig das Amt eines dortigen Nachtwächters mitversehen zu dürfen. (Selbstverständlich gratis.) Derselbe verpflichtet sich noch, falls sein vierjähriges philosophisches Studium kein Hindernis sein sollte, sämtliche Utensilien, wie Rock, Mütze- Waffen und Nachttute, wozu sich vielleicht ein alter Schofar, von denen er einige Exemplare besitzt, verwenden ließe, aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Da die Sicherheit der Stadt es erfordert, daß die üblichen Runden strenge innegehalten werden, so verpflichtet er sich, den Geflügelchalof stets bei sich zu führen, um zu jeder Nachtzeit den Gänsen gegenüber gerüstet zu sein,' evt. können dieselben von dem Bewerber gerupft werden. (Selbstverständlich gratis.) In der Erwartung, daß mein Gesuch Berücksichtigung finden möge, zeichnet Hochachtungsvoll Dr. Chiel Groß z. Zt. Privatdozent in Kiel. (Für beglaubigte Abschrift: L. Katz, Lehrer.) Antwort des Vorstandes: An Herrn Dr. Ch. Groß, Mel. Der Vorstand hat beschlossen: Bon den 768 eingegangenen Bewerbungen 12 zur engeren Wahl zuzulassen darunter auch Sie, obzwar es langer Erwägungen bedurft hatte. Er hat sich von dem Umstand leiten lassen, daß Sie gewillt sind, auch noch folgende Bedingungen mitzuerfüllen: I. Stelleninhaber ist verpflichtet, zu allen Zeiten (§ 3), falls der Hausknecht des 1. und 2. Vorstehers verhindert sein sollte, denselben zu vertreten. H. Sind beide Hausknechte irgendwie verhindert, so muß Bewerber seine Frau veranlassen, die Dienste des einen zu verrichten, oder aus seine Kosten einen Stellvertreter beschaffen. III. An Schabbos, Jomtof und Fasttagen ist er von allen landwirtschaftlichen Arveiten wie Pflügen, Säen, Düngen rc. befreit, jedoch mit der Einschränkung, daß an den Tagen, wo es früh Nacht wird, er den gesamten Gemeindemitgliedern die Stiefel für den folgenden Tag zu putzen hat. — Unter den Bewerbern, die den Betrag der Reisekosten unserer Kaffe extra überweisen, wird gelost, und der Glückliche erhält am 1. Schabbos nach seiner Anstellung einen Mischeberach gratis. Mit Achtung Der Vorstand der Gemeinde B. in O.-S. llecde«rcdallrdenedte. (Schluß.) In dem Jahresbericht des Würzburger Seminars nimmt mit Recht der Bericht über den erhebenden Verlauf des 25jährigen Klaffenjubiläums der Seminarabiturienten vom Jahre 1883 einen bedeutungsvollen Raum ein. Es war ein . ehrendes Zeugnis für die Anstalt und für die Jubllare, ein Akt der Schülertreue, der ihnen selbst zum Ruhme gereicht und nicht minder der Anstalt, der sie ihre Ausblldung verdanken. Möge diese Veranstaltung noch recht häufig Nachahmung finden.' Es darf hier wohl darauf aufmerksam gemacht werden, daß das jüdische Seminar gegenüber den staatlichen Anstalten Bayerns, die nur eine zweijährige Ausbildungszeit kennen, schon feit mehr als 20 Jahre drei Kurse besitzt. Nur so war ee möglich, den hohen Ansprüchen zu genügen, die in Bayern inoezug auf Musik an die Seminarabiturienten gestellt werden, ohne die Religionsfächer zu vernachlässigen. Bon maßgebender Seite wurde vor nicht langer Zeit eine gründliche Ausbildung der jüdischen Lehrer im Kantorate gewünscht, well unsere Gemeinden nun einmal hohen Wert auf die gesanglichen Leistungen des Lehrerlegen und das materielle Fortkommen des jüdischenLchrers geradezu abhängig ist von seinen gesanglichen Leistungen als Kantor. Wirschließen unS diesem Wunsche an und meinen, g „ die gÄindliche Ausbildung in artut« ge dem künftigen jrn zu gute kommen muß «no daß, wenn schon in der Präparandenschule in systematischer Weise der Grund für das nWi gelegt wird, den Ansprüchen unserer Gemeinden vollauf genügt werden kann, ohne daß den übrigen Fächern Abbruch geschieht. e-ttrrpo»<le«rr« «. ßaftricbten. Aus Starkenburg. Auch in diesem Jahre haben die jüdischen Religionslehrer Hessens die Budgetberatungen benützt, um ihre Schmerzen vor die Kammer der Abgeordneten zu bringen. Veranlaßt durch Herrn Kollegen Lebermann- Darmstadt ergriff Herr Landtagsabgeordneter Reinhardt-Worms bei dem Titel „Volksschule" das Wort, .um sich der jüdischen Religionslehrer, besonders derjenigen auf dem Lande, in der wärmsten Weise anzunehmen. Wohl hätten die religiösen Gegensätze in der israelittschen Glaubensgemeinschaft dazu geführt, so führte der Redner aus, daß der zweite Ausschuß die Beratung über den Gesetzentwurf, die Regelung der Verhältnisse der israelittschen Religionsgemeinden betreffend, nicht zu Ende führen konntedas entbinde aber die Regierung nicht von der Verpflichtung, schon jetzt die Verhältnisse der jüdischen Religionslehrer zu regeln. Bon diesen seien nur ea. 15 mit den Rechten eines Volksschullehrers (aber nur mit zwei Dritteln seines Gehalts. Die Red.) angestellt, während sich etwa 100 andere mit teilweise außerordrnllich niedrigem Gehalte aen müßten. Er tadelte es ferner, daß die ung des Schächteramtes den definitiv angestellten Lehrern untersagt sei, wodurch sie der aus dieser Funktion fließenden Nebeneinnahmen verlustig gingendie Regierungen in Bayern und Preußen seien nach dieser Richtung hin entgegenkommender als die hessische. Er verlangt ferner, daß auch die jüdischen Religionslehrer der oberen Schulbehörde in Darmstadt unterstellt werden und daß den Kultusvorständen das alleinige Recht der Anstellung und Entlassung des Lehrers entzogen werde. Die Regierung antwortete durch Herrn Geheimrat Dr. Eisenhuth, daß sie sich die größte Mühe gegeben habe, eine größere Anzahl israelitischer Religionslehrer in der Eigenschaft als Bolksschullehrer anzustellen. In vielen Fällen sei diese Bemühung an dem Widerstreben der Gemeinden gescheitert, die sich den von der Regierung gestellten Bedingungen nicht fügen wollten. Wenn diese Antwort auch noch recht unbefriedigend lautet, so darf doch nicht in dem Bestreben nachgelassen werden, die Lage der Lehrer immer wieder vor daS Forum der Kammer zu bringen, denn wir sind der festen Ueberzeugung, daß ein günstiger Erfolg nicht ausbleiben wird. Aus wiederholte Streiche fällt auch die stärkste Eiche. Die Forderung des Abgeordneten Reinhardt, die Angelegenheit der Lehrer separat zu regeln, entspricht einem früheren Vorschlag der hessischen Religionslehrer und auch die Regierung muß zu der Einsicht gelangen, daß eine Verquickung dieser Materie mit der beabsichttgten Organisation die Sache ad calendas graecas vertagen heißt. Briefkasten. Ohöv scholau«. Sie scheinen gar nicht zu wissen baß der Rabbinerverband eine lange Zeit ein wmtg beachte eS Dafein geführt hat, ohne daß ihm meines Wissens ein einzigeorthodoxes Mitglied angehvrte. Erst als den gefetzeStreuen Rabbinern gewisse persönliche und fachliche Bürgschaften, wie auSreichende Vertretung im Vorstand, der bekannte Gchutzvaragraph, gewährt wurden, entschloß sich — sticht ohne scharfen Widerspruch von seiten vieler Kollegen — ein Teil derselben, dem Rabvinerverband belzutteten. Sie gründeten auch sofort neben dem Verbände eine Vereinigung traditionellgesetzcstreuer Rabbiner und fie wachen mit Sorgfalt darüber, daß niemand ihrer religiösen Ueberzeugung zu nahe trete; ich erinnere hier an die Affäre Jakob-Dortmund. Ihr Vorschlag, im Lehrertzrrband ähnliche Verhältnisse zu schaffen und dadurch den Frieden anzuvahnen, ist ganz aussichtsloser kommt auch um reichlich fünf Jahre zu spät. Es gibt wirklich keinen anderen Weg zum Frieden als der n mir vorgeschlagene.