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Der Israelit · 1909-04-01 · Heft 13 (1.4.1909) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 13 (1.4.1909)
Date
1909-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 1.8 Sette 3 1. April 1909 _ dichteten, hat eine Angelegenheit ihren Abschluß gefunden, die für die Erkenntnis der zionistischen Politik von klärender Bedeutung ist. Je lebhafter die gefühlsmäßigen Sympathieen sind, die man gerade in gut gesetzestreuen Kreisen den wirtschaftlich-praktischen Bestrebungen und dem idealen Kerne des Zionismus entgegenbringt, und von denen auch wir uns nicht frei wisien, desto unangenehmer, zugleich aber auch desto gebieterischer erscheint die Pflicht, wieder einmal an das Primat der Vernunft gegenüber dem Gefühle zu erinnern und mit schmerzlichem Bedauern feftzustellen, daß sich die Grundsätze des heutigen Zionismus und die Grundsätze des überlieferten Judentums wie Ja und Nein, oder besser wie Nein und Ja gegenüberstehen. Der Tatbestand ist folgender: Bekanntlich hatte das Direktorium des zionistischen Nationalfonds im Sommer des vorigen Jahres den Beschluß gefaßt, dem hebräischen Gymnasium zu Jaffa in Würdigung der kulturellen Wirksamkeit dieser Anstalt Grund und Boden aus den Mitteln des Nationalfonds unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Gegen diesen Beschluß richtete sich ein Protest des „Misrachi", der unter Berufung auf die im Lehrerkollegium herrschenden unjüdischen Gesinnungen und den irreligiösen Geist der Schule, Verwahrung dagegen einlegte, daß eine solche Anstalt aus den Mitteln der zionistischen Gesamtheit, also auch der gesetzestreuen Zionisten, gefördert werde. Der Protest des „Misrachi", zu dem sich gemäß Aufforderung des Aktionskomitees das Lehrerkollegium des Gymnasiums in einem offenbar sehr kampflustigen und das zionistische Palästina-Amt in einem ruhigeren Tone geäußert hatte, stand nun in der Sitzung des großen Aktionskomitees zur Diskussion. Aus dem in der „Welt" veröffentlichten offiziellen Bericht ergibt sich, daß nicht nur die Persönlichkeit der Lehrer das Mißtrauen der gesetzestreuen Kreise gegen das Gymnasium vollauf rechtfertigt — in dieser Hinsicht wurde nicht einmal der Versuch einer Widerlegung unter-, nommen —, sondern daß den Kindern am Gymnasium selbst bibelkritische Vorlesungen gehalten worden waren! Dieser unerhörte Uebergriff — die unmittelbare Propaganda der m'sr in einer jüdischen Schule —, zu dem selbst die radikalsten neologen Heißsporne in Deutschland bisher kaum fähig waren, ist denn nun auch von der Majorität des Lehrerkollegiums und auch des Aktionskomitees schon aus pädagogischen Gründen nicht gebilligt worden. D ß indessen die bibelkritischen Exzesse des Herrn Dr. Mossinsohn vor seiner Schulklasse nur Symptome waren für den Geist, der ihn selbst beseelt, daß ja in der Tat nur die vollendetsten Heuch ler imstande wären, des großen Schönredners der Reform, Moritz L a z a r n s , tit seinem letzt veröffentlichten Werke aus seinem Nachlasse — „heißt: nicht bloß bei seiner Religion ausharren, mit ihrem Namen geschmückt oder belastet Jude bleiben, leidend oder auch tätig in der bloßen äußerlichen Erfüllung seiner Vorschriften, Sitten und Gebräuche, treu sein heißt vielmehr an dein wahren, an dem inneren Bestand des Judentums den innigsten Anteil nehmen usw." Und dazu bedarf es der Freiheit, die sich nach ihm darin äußern muß, daß „der innerhalb des Judentums Stehende dafür sorge, daß das Judentum nicht blos wie eine Mumie dauere oder wie ein Gespenst umgehe, sondern in der Frische, Fülle und Lebendigkeit seiner gedeihlichen Wirksanrkeit sich entfalte". Und uni in diesem Sinne treu und frei zu sein, hält es die stimme aus dern Grabe der Reform für nötig, „mit der rabb i n i s ch e n .st asui st i k zu brechen, die, seiner Ansicht nach, übertrieben P i e t ä t g e g e n das A l t e u n d U e b e r t i e f e r t e , die glaubt, darin eine Beleidigung der Vorfahren zu finden, wenn etwas ausgegeben wird, was jenen heilig war, a b z u l e g e n, die fesseln, die u ns f r ü h e r e Iahrh u n - d c r t e a u f e r l e g t haben, zu entferne n." - Braucht es noch ein Wort der Auseinandersetzung, um zu zeigen, wie weit entfernt diese Treue von der j i> d i s ch e n Ire u e ist, die das Volk in den bittersten Zeiten sorgsam gehütet und mit der es Wunder v-ollführt, von der Treue, die durch all der Zeiten Stürnre des Volkes Geist aufrecht, seine Seele rein, seine Ideale und nationalen Güter unversehrt erhalten, und ihm mitten in der bangen Nacht des Golus Iubellieder, Lieder von Glück, Hoffnung und Freiheit in den Mund legte? .... „Einst" — so lautet der Weisen Erzählung „schmückten des Königs Tafel zwei kostbare Pokale, ,__ Der JSraettt. ihre religiöse Ueberzeugung vor reifendelt Schülern auf die Dauer zu verleugnen und daß darum die vorgekommenen „Verstöße" höchst gleichgültig sind im Vergleich mit der durch den Direktor selbst sestgestellten vielsagenden „völligen Neutralität" des Gymnasiums gegenüber den „religiösen Richtungen" im Judentum — diese naheliegenden Erwägungen hätten selbst in den Augen billig denkender „Liberaler" die Forderung des Misrachi — Ablehnung der Do tat ion, Ausschaltung der strittigen „Kulturprobleme" aus der gemeinsamen Aktion — gerechtfertigt erscheinen lassen müssen. Lehrer und Schulen, die auf dem Gebiete der religiösen Neberzeugung besten Falles „Neutralität" mimen müssen, können nimmermehr überzeugungstreue Juden, können höchstens Atheisten oder Agnostiker heranbil^en, und es folgt daher für jeden religiös gesinnten Zionisten aus der „Neutralitätserklärung" des Gymnasialdirektors das Zugeständnis, daß das Jaffaer Gymnasium in der Tat keinerlei Unterstützung uns gemeinsamen Mitteln empfangen dürfte. Für diese gerechte Forderung des Misrachi aber erhob sich keine einzige Stimme. Mag sein, daß sich der Misrachi in seiner Eingabe vielleicht — wir kennen sie nicht — zu sehr aufpädagogische Einzelheiten eingelassen und daher das rein religiöse theina prohandunr ein wenig verschoben hatte — zweifellos mußte dem Aktionskomitee in dem Augenblick seiner Entscheidung klar sein, daß es sich hier nicht um unterrichtliche Kleinigkeiten, sondern um die e i n e prinzipielle Frage handle: Mü ssen gesetzestreue Juden, wenn sie Zionisten sein wollen, mit ihren materiellen Mitteln und ihrem moralischen Einfluß zur Untergrabung ihrer heiligsten religiösen Ideale beitragen und damit ihr Gewissen aufs schwerste belasten oder nicht? Das Aktionskomitee hat durch seine Entscheidung diese Frage ex cathedra, bejaht, hat den unjüdischen Grundsatz „Religion ist Privatsache", der durch das tausendjährige Martyrium des jüdischen Volkes für seine „Religion" einen dicken unbarmherzigen Strich macht, offiziell anerkanntund hat damit endlich sogar seine eigene Erklärung verleugnet, wonach der Zionismus nichts unternehme, was der jüdischen Religion zuwiderlaufe. Denn daß die offizielle Förderung einer „jüdischen" Schule, die der Wahrhaftigkeit der grundlegenden Wahrheiten des Judentums „neutral" gegenüber steht, die flagranteste Verletzung jüdischer Religionsgrundsätze bedeutet, darüber kann Herr Sokolow aus den Erinnerungen seiner Beth-ha-midraschzeit den Herren des Aktionskomitees gewiß authentische Auskunft geben. die, durch treue Diener liebevoll und behutsam dem Herrn gereicht, seinen Stolz und seine Freude bildeten. Da fiel der eine dunh Unvorsichtigkeit der Diener zu Boden und ging in die Brüche. Namenlose Bestürzung bemächtigte sich der Diener, die wohl alles verloren gaben. Der Stönig aber sprach gnadenvoll: „Ist der eine Becher dahin, so hütet treulich und mit doppelter Sorgfalt den andern nrjtt heißt der eine Becher, PftVH ber andere." Der eine Becher war dahin, der Wille zur Tat war gehemmt, die Möglichkeit, ein eigenes Oolksteben zu führen unterbunden durch den Verlust der Freiheit und nationalen Selbständigkeit, aber der andere Becher war geblieben, und wird immer unser bleiben, solange ein jüdisches Herz schlägt, denn er .helfet: ÜBE1') und bedeutet die altbewährte und tausendfach erprobte jüdische Treue. Und täglich v»n neuem dürfen wir, ailgesichts dieses Kleinods, in Erwartung endgültiger Erlösung durch Gottes Hand, .den Sang anstimmen, der alle anderen Stimmen der wogenden Unwett, den Notschrei von innen wie den Droh- und Lockruf von außen laut übertönt, den Sang von unserer eigenen inneren Erl ös u n g und der B e frei u n g un - s e r e r Seele irt?£3 nH£ Sn lrnSix: Sr wm Tr 'ff mw Sch. <35®- Uns hat dieser Ausgang nicht überrascht, weil wir cm die — über alles bewußte Wollen hinaus — übermächtig wirkende Kraft der Ideen glauben, und weil aus der ganzen ideellen Fundierung des modernen Zionismus für ihn die innere Unmöglichkeit folgt, den Gewiffensanliegen der Juden alten Schlags gerecht zu werden. Ob es in absehbarer Zeit gelingen wird, jene Fundierung von Grund aus zu ändern — wer weiß es? Nus 9em blietto 9er 6lnnian9eningslän9er. Berichte aus New-Uork wissen von einem fortgesetzten, recht empfindlichen Notstände unter den eingewanderten Juden in New 8)ork zu melden. Es ist ein besonders markantes Symptom der gefährlichen Lage, daß die „United Hebrew Charities" in einem besonderen Rundschreiben an bewährte Männer zu einer außerordentlichen Anstrengung behufs Bekämpfung des Notstandes auffordern. Es wird in diesem Rundschreiben gesagt, daß die Zahl der Arbeitslosen noch immer nicht abllehmen wolle, sodaß die Mittel der „United Hebrew Charities" durch die Ansprüche der Arbeitslosen allmählich erschöpft lvürden. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist 4 mal so groß wie vor 2 Jahren und 50%» mehr als im vergangenen Jahre. Manche Familien sind, lvie ihre Briefe beweisen, der Verzweiflung nahe, und es laufen solche Briefe nicht weniger als 200 im täglichen Durchschnitte bei dem jüdischen Armenamte ein. Uni den Ansprüchen zu genügen, seien sofortige Zeichnungen von mindestens 100.000 Dollar notwendig, und es sind denn in der Tat bereits 60.000 Dollar infolge dieses Appells aufgebracht worden. Für das laufende Finanzjahr werden die Ausgaben auf 240.000 Dollar geschätzt. Das sind Riesenziffern, die dem wohltätigen Sinne unserer amerikanischen Brüder ein ehrendes Zeugnis ausftellekl, nicht minder charakteristisch aber für die wirtschaftlich precäre Lage sind, in der sich die aus dem russischen in die amerikanischen Ghetti übergehenden Unglücklichen befinden. Etwas freundlicher, wenn auch noch traurig genug, ist das Bild, das uns das Londoner East End bietet. Für dort liegt gerade jetzt der Jahresbericht des „Board of Guardians" vor. Auch diese Behörde hat sich in den letzten Wochen genötigt gesehen, einen besonderen Aufruf an die zahlungsfähigen jüdischen Kreise Londons ergehen zu laffen, wobei die unbedingt aufzubringende Summe mit Lstr. 40.000 beziffert wird. Bei einem nach englischer Gepflogenheit zum Zwecke der Kollekte veranstalteten großen Diner wurden Lstr. 25.000 aufgebracht, sodaß noch etwa emlleton. ves Ungekecbten Schlaf. Bon JudäuS. (Schluß.) Sobald Tu merkst, daß beide schlafen, schneidest Du Friedmann mit diesem ven mir extra zu diesem Zweck scharf geschliffenen Messer den Hals durr§, nimmst das t"eld, schließst das Haus auf und gehst wieder Deiner Wege. Sollte die Frau sich irgendwie regen, so ist das Messer scharf genug auch für sie, obwohl sie in einer zähen, allen Haut steckt. Hast Tu mich verstanden?" „Nein, das habe ich nicht verstanden," lallte Petrowilsch, indem er sich einen frischen Grogg einschenkte. „Zuerst verstehe ich nicht, wenn das alles so einfach und leicht ist, warum Du es nicht ».'Iber besorgst: 10,000 Rubel wirft man einem andern doch nicht so hin, wenn man sie selber haben kann?" „Perrvwitsch, Tu bist ein Esel und zwar kein gewöhnlicher," entgegnete Dundukofs. „Ich kann das Geschäft nicht selber besorgen, denn wenn man den Friedmann und seine Frau morgen früh mit zerschnittenen Kehlen vorfiudet, so fällt der Verdacht zuallererst auf mich. Ich muß daher hier bleiben utld nachher, wenn Du fort bist, einige Händel mit andern Gästen anfangen, damit ich mein Alibi Nachweisen hum. Siehst Du das ein?" Obwohl Petrowitsch bereits schwer geladen h.itt, begriff er doch die Richtigkeit dieser Darstellung. Nichts-

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