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Der Israelit · 1909-03-25 · Heft 12 (25.3.1909) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 12 (25.3.1909)
Date
1909-03-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12. Der JSraeltt. 35. März 1909. Sette 11. Eier aus einer Straße, wo solche Kranke sich aufhielten (l. c.) Erinnere ich noch an die biblischen Vorschriften über Tumo und Taharo durch Leichen und Krankheiten und ihren Ausbau im Talmud, welche allerdingswie erwähnt, vor allem religionsgesetzliche Bedeutung haben, aber auch einer hygienischen Betrachtung standhalten, so ergibt sich hier eine Auffassung vom Wesen der Infektion und der Seuchen und von deren Verbreitungswegen, zu welcher sich erst die durch Kenntnis der Bakterien aufgeklärte Wissenschaft in unfern Tagen erheben konnte. Ein richtiger Begriff der Infektion war bei den allen Aegyptern und Indern, welche die Seuchen bösen Dämonen zuschrieben, ausgeschlossen, ging aber auch den Griechen trotz der gewaltigen Seuchen, die sie erlebten, wie z. B. zur Zeit des Pericles, nicht auf, obwohl man wußte, daß Pfleger von solchen Kranken leicht auch erkrankten, und obwohl man durch den bloßen Anblick solcher Kranker sich gefährdet glaubte. Hippokrates und mit ihm alle folgenden Aerzte durchs ganze, von schweren Epidemieen heimgesuchte, Mittelalter hindurch führten Seuchen auf schlechte Ausdünstungen von Sümpfen und Kadavern zurück. Galen schreibt die Verbreitung einer von ihm (165—168 u. Z.) erlebten Pest einem Giftkeim zu, welchen die Chaldäer in einem Behältnis verschlossen hatten, das die Römer nach Eroberung von Seleucia im Heiligtume des Apollo erbrachen. Hier war also der kontagiöse Charakter von Epidemieen schon einmal klar gefaßt, wurde aber für alle Zukunft wieder vergessen, wie schon daraus ersichtlich, daß man die großen Pestilenzen des Mittelalters der Brunnenvergiftung durch Juden zuschrieb. Die genaue Erkenntnis vom Wesen der Kontagion und Infektion dämmert erst auf mit derEntdeckung der Infusionstierchen durchLcuwenhoek (1675) und gewinnt ihre volle Klarheit erst in unfern Tagen Es ist gar nicht auszudenken, welche Wege Hie Wissenschaft genommen hätte, wenn sie die tn dieser Hinsicht und in Bezug auf pathologische Anatomie ihrer Zeit um Jahrtausende vorausgeeilten Anschauungen und Erfahrungen der Talmudisten sich zu eigen gemacht und nicht übersehen hätte. Nur Einiges, was wir ans dem großen Meere des Talmud, no^nn D', fischen konnten und dessen medizinische Betrachtung sich leicht darbietet, wurde in vorstehender Abhandlung berührt und besprochen. Wo ist der große Kenner dieser umfangreichen Litteratur und der kenntnisreiche Arzt zugleich, der alles, was sich in den Rahmen einer solchen Betrachtung einfügen ließe, zusammentrüge und deutete! Die Wiederbelebung de$ Vereins mekize nirdamim. Man schreibt uns: Allen denjenigen, die vom Judentum und vom jüdischen Lebeu Kenntnis haben, ist es nicht unbekannt, welche außerordentliche Bedeutung die hebräische Literatur für die Judenheit gehabt hat. Die Forscher wissen aber auch, daß viele literarische Schätze, besonders in den Jahrhunderten vor Erfindung der Buchdruckerkunst, verloren gegangen sind, und daß viele wertvolle Schriften aus allen Gebieten der jüdischen Literatur - religiöse, poetische, historische u. s. f. — nur in einer einzigen oder in ganz wenigen Handschriften erhalten sind, welche es voll verdienen ans Licht gezogen und zeitgemäß herausgegeben zu werden, bevor sie, in Bibliotheken verschlossen, vermodern. Es ist deshalb eine heilige Pflicht aller, welche ein Herz für die jüdische Literatur haben, dazu beizutragen, daß diese wertvollen Schriften ans Tageslicht gefördert werden können. Kritische Ausgaben, nach den modernen Editions- Prinzipien veranstaltet, sind nötig, damit sowohl die Männer der Wissenschaft — Juden und Nicht-Juden —, als auch das jüdische Publikum, das noch die hebräische Literatur mit berechtigter Liebe umfaßt, unsere Geistesschätze kennen lernen. Da nutt bekanntlich auf jüdischen: Gebiet sich keine Akademien befinden, die, mit reichen Geldmittel ausgestattet, solche Editionen veranstalten könnten, und da die jüdischen Institutionen, die etwa in Frage kämen, der Aufgabe sich nicht speziell widmen können, ist es nötig, daß ein besonderer Verein die Aufgabe zu lösen sucht. Schon im Jahre 1864 stiftete deshalb Dr. E. L. Silbermann s. A. den Verein Mekize Nirdamim, und es gelang ihm in den 10 Jahren, in welchen er chn leitete, eine Reihe werwoller Werke zu veröffentlichen. Der aus verschiedenen Gründen aufgelöste Verein wurde von Prof. Dr. A. Berliner im Jahr 1885 neugegründet, und in 20 Jahren ist dann unter feitter Leitung eine sehr große Zahl von bedeutenden Werken aus den verschiedensten Gebieten der jüdischen Litteratur erschienen, bis er vor 3 Jahren seines vorgerückten Alters wegen, es wünschte, daß jüngere Hände die Leitung übernehmen sollten. In den verflogenen 3 Jahren ist der Verein schmerzlich vermißt worden, und wir sind deshalb zusammen getteten, unr zu versuchen,- denselben wieder ins Leben zu rufen. Herr Professor Berliner hat uns seinen wertvollen Beistand zugesagt und hat uns die Güte erzeigt, das Ehrenpräsidium übernehmen zu wollen. Eine Anzahl kundiger Forscher haben schätzbare handschriftliche Werke teilweise oder ganz bearbeitet und sind gewillt, ihre Arbeiten unter der Ägide des Vereins erscheinen zu lassen. Es hängt jetzt von dem materiellen Beistand ab, den wir bei denjenigen finden, welche die hebräische Litteratur schätzen, ob es uns gelingen wird, unser Vorhaben glücklich durchzuführen. Als die Werke, die wir schon im Jahre 1909 hercruszugeben denken, nennen wir: 1) Die Kommentare der Eliezer von Beaugench, Schüler des R. S. B. M., zu Ezekiel und den 12 kl. Propheten. 2) Erklärung des Talmudtraktates Moed Katon von Salomo b. Hajathom, einem der wenigen Vertreter der süditalienischen Schule. Nach einer einzigen jüngst bekannt gewordenen Handschrift. 3) Ma'aseh Hageonim, inhaltlich mit S. Hapardes verwandt. 4) Fortsetzung der Ausgabe von: Divan des Jehuda Halevi. Wir fordern deshalb alle früheren Mitglieder des Vereins Mekize Nirdamim und auch alle, die für unfern Plan Interesse hegen, dringlichst auf, in den Verein einzutteten. Jedes Mitglied, das den Jahresbeittag zahlt — s. u. —, erhält die Jahresschriften des Vereins zugestellt. — Wir bitten aber zugleich um größere Beittäge sowohl vor: Einzelpersonen — z. B. durch Erhöhung der Jahresbeiträge — als vor: Vereinen und Gemeinden. Es ist selbstverständlich, daß wir um so besser unsere Besttebungen erfüllen können, je größere Geldmittel uns zur Verfügung gestellt werden. Von dem erlgeren Kreis der Männer der Wisserrschaft ist unser Plan mit ungeteilter Svmpathie ausgenommen lvorden. Wir hoffen, daß auch ein weiterer Kreis uns seinen unentbehrlichen Beistand nicht versagen wird. Jeder der Unterzeichnetell nimmt mit Dank Meldungen entgegen. Das Komitee für den Verein Mekize Nirdamim: D. Simonsen, Koppenhagen, Vorsitzender. A. F r e i m a n n, Frankfurt a. Bi., Stellverttetender Vorsitzerider. S. Poznanski, Warschau, Sekretär. W. Bacher, Budapest. A. Epstein, Wien. D.Günzbürg, St. Petersburg. A. H a r k a v y, St. Petersburg. D. Jellin, Jerusalem. Jsr. Levi,Paris. S.H.Marg u l i e s, Florenz. S. S ch e ch t e r, New-Aork. Der Jahresbeitrag bettägt: IO Rmk. —12 Kr. (Oestr.-Ungarn).— 10 sh. — 5 Rubel —12% fr. — 2% Lstr. — 9 Kr. (Skandinav.). Diejenigen, welche 200 Rmk. einzahlen (—240 Kr. rc.) werden als lebenslängliche Mitglieder gerechnet. Herr Leo Mainz, i. F. L. Mainz senior, Uhlandstt. 46, Frankfurt a. M., hat die Güte gehabt, die Kassengeschäfte des Vereins zu übernehmen sowie auch Vieldungen und Einzahlungen in Empfang nehmen zu wollen Wir begrüßen die Wiederaufnahme der literarischen Tätigkeit des verdienten Vereins mit aufrichtiger Genugtuung und hoffen, daß er vielseitige Unterstützung fiitdet. miK mo "w rr'JüVDö m« bv jrfcttM *]nr ^2'v .na Disrn fiKjn n«a D"n ♦pnniw ppi2« mro V'xt pat2ö2 ib.i SP -V ' l / ' v\ \\\\ ' / / > V \\Y\ " >v A.ä—v ücherscha« Biel früher als nach dem Tode des Verfassers — stehe ln dem Nekrolog im „JSraelit" 1908 Nr. 24 — zu erwarten war, ist ein neuer Band deS ausgezeichneten Werke« jr6tfrr *]H1T erschienen, so daß wir jetztH^ und öln vollständig und von ‘■pp 2^128^ bte für die Praxis wichtigsten Partien haben Es verdient besonderer Erwähnung, daß wir die Drucklegung der lobenswerten Energie einer Frau zu dankm haben, nämlich der Tochter deS Verfassers der Rabbiner witwe Bretne Wolob^tnskt in Novogrubok, Goud. MtnSk^von der auch sowohl die früher erschienenen Bände als auch der neue zu mäßigen Preisen zu beziehen sind. Da, wie dem Schreiber dieser Zellen vor Jahrm schon vom Berfaffer mttgeteilt wurde, das ganze fich auch auf die ,17.1 fön m w'tw erstreckende Werk druckfertig vorhanden ist, wird es nun von der Unternützung, welche diese energische und pietätvolle Tochter durch Ankauf der gedruckten Teile findet, abhängen, ob das Werk so schnell frfcheinen kann, wie eS der letzte Wunsch deS fel. Bereaffers war. Die Brauchbarkeit deS Werkes sowohl für 2if12 '^2 wie für Q'jSöia n"fi ist allgemein bekannt und anerkannt. Ganz besonder« zu empfehlen ist es denjenigen, welche, nachdem sie die betr. f)l2^n nicht aus Compendien, sondern aus den Quellen vom Talmud bis zum und seinen wichtigsten Kommentatoren gelernt haben, das Gelernte wiederholen wollen, um eS fich gut etnzuprägen. Diesen wird *]H2 besonders gute Dienste leisten. Bom Talmud, oft sogar vom Brbrlwort ausgehend, behandelt der Verfasser die /1127N bis zu den letzten Ausläufern in klarer letchtfaßlrcher Sprache, beleuchtet Dunkelheiten, löst Widersprüche, erklärt Schwierigkeiten, geht oft von neuen Gesichtspunkten aus und gibt eigene wohlbegründete Dezifionen. Sachkundigen Kennern des Werkes ist das alles bekannt und es wird fie auch nicht überraschen, zu vernehmen, daß einzelne Te le schon in zweiter Auflage erschienen find. Auf einiges aus dem eben erschienenen Teile möchte ich besonders aufmerksam machen. Samuel di Medina weist in einer seiner Responsen ('2 'D H' D'1721 n1l2) darauf hin, daß, wenn in Israel etwas, das als Vorschrift gilt, nicht beobachtet wird — natürlich ist hierbei nicht von D1122/ sondern von matai min '12112 anto D’Snw die Rede - man verpflichtet sei ■»"rtfl a'IIL.1 ^2 bv 117rfe j'iw th 121*? m\i a'iix ♦ma ra Unfern Autor hat stcherlich dieser Gedanke gelettet — obwohl er a"1121 nicht erwähnt — als er in tö*?pn '’D P]'£D das Faktum konstatieren mußte, baß heutzutage wohl überall (wenigstens in Europa) am die Geschäfte geöffnet find und wie an Werktagen gearbeitet wird. Wie unser Autor ^K172' bv 21127 la^B ist, lese man an angegebener Stelle nacy. Auch auf folgendes möchte ich Hinweisen: Schon Rabbi Ephraim Salomon Margulieö klagt darüber, daß der im g Pppa Dpn ''B 2112 kodifizierte pinS 121 |'1 keine Beachtung finde. (Siehe j-|"V z -r Stelle, jjn&TP ,1Ö bv f'AI er. weist nun stcherlich zur Rechtfertigung auf 1"3pn 'D 1*' hin, siehe auch ,"1X11,1 '211 Fol. L c von Rabbi Hirsch Ehajes y'2C7). Man lese nun bet unserem Verfasser das aus dem Talmud selbst Eruierte nach bv ni2T .11 p2 nnr Din» p» buntr 211. Dagegen kann er dem feit zwei ober drei Menschenaltern in Rußland eingeschlichenen Bräuche, auch am pn 12U Sabbatkleider zu tragen, trotzdem derselbe durch die jener Zeit Angeführt wurde, für seine, b. t. unsere Zeit nicht zusttmmen, trotzdem er die Richttgkeit deS Gebrauches für jene Zeit anerkennt. Die Stelle x"3pn X 1 'D verdient nachgelen7zu werden, da fie auch für ven Westen Europas von Wichtigkeit ist. Den Gebrauch der ni1B2 am 1133 ßy» 212 bespricht er natürlich, kann aber nicht untertussen, darauf htnzuweisen, daß durch denselben oft B'f?1pbp entstehen und nachdem cr berichtet, daß eS aucy früheren Größen nicht gelungen ist, den Brauch aufzuheben, empfiehlt er, wenigstens dahin zu wttken, daß das Schlachten der ni1S2 einige Tage vor 1122 21' beginne und die 2'äniV nicht durch Ueberanstrengung unwillkürlich bpbpti seien. (Die Richtigkeit dieser Worte kann Schr'tber dieser Zeilen auS eigener Erfahrung bestätigen.) Allgemeine Beachtung verdient,- was unser Autor in pn Jö’d in Bezug auf die Verwendung von Fleisch zu 2112 bemerkt. Wenn, sagt er, ein V"1' Donnerstag und Frettag ist, man also am Mittwoch n"2 macht, so wird das Fletsch bis zum Sabbat leicht veroorben und ungenießbar sein 3112.1 12211 Auch was er in 'ß E5*3in '’D in betreff der Verwendung von Matten, die zur Verpackung von Waren gebraucht werden, als N33^ *pD sagt, verdient in manchen Gegenden besondere Beachtung. — ES ist natürlich unmöglich, auf alles Wichtige hier näher einzugehen, man muß eben daS Werk selbst lesen, nein lernen. — Dennoch möchte ich zum Schluffe eine sehr schöne Bemerkung unseres Verfassers mttl eilen, die man in einem Wer« wie jrDBfln "J112 kaum suchen dürfte. Obwohl, jo bemerkt er "ö s1n2D HSpn '’2> das Schofarvlafen am n2t22,1"1 nur rabbtnisch verboten ist sei daS doch in der Thora angedeutet durch p182 TOI da der Pesach des Jahres, in dem die Israeliten aus Aegypten zogen, auf einen Tonnerstag fiel (7"£ *1272)/ mußte natürlich der darauffolgende rUfcM 72X1 am n312 sein. Darum habe die Thora gesam '2'212.112112 ... ,121in s1127 pn2t2/ d. h. daher werde da am 2,272 nur ,121in s1127 sein. - Möge daS Werk eifrige sachkundige Leser und zahlreiche Säufer finden, damtt auch die noch sehlmdm Teile schnell erscheinen können. R.

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