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Der Israelit · 1909-03-25 · Heft 12 (25.3.1909) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 12 (25.3.1909)
Date
1909-03-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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25. März 1909. Der JSraeltt Ho. 12 Seite 9 1 und des Präsidiums versammelt. Eine große Anzahl gesanglicher und deklamatorischer Vorträge hielt die fröhliche Kinderschar bis abends in angeregtester Stimmung beisammen Besonders dankbar wurde zum Schluffe eine Verlosung begrüßt, die keinerlei Nieten ergab. Berlin, 23. März. Die ordentliche General-Versammlung des „Htlfsvererns der Deutschen Juden" findet am Sonntag, 28. März, vormittags 11 Va Uhr, in Berlin, Hotel „Prinz Ali recht", Prinz Albrechtstr. 9, statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Traktanden: 1. Erstattung des Geschäftsberichtes, 2. Entlastung der Verwaliung, 3. Cooptation für das Zentralkomitee. Stuttgart, 8. März. Eine dreifache Feier war es, zu der sich am Purim Abende im Festsaale die Mitglieder und sonstigen Gönner Unserer Religionsgesellschaft mit ihren Damen eingesunden hatten. Es galt zunächst das 30jährige Bestehen der Gemeinde zu feiern. Es find 30 Jahre her, daß die Herren F. M. Kahn, Dr. Levi, I. Berltnger, Carlebach und Landauer zusammentraten, um in Stuttgart einen Gottesdienst altherkömmlichen Ritus einzuführen. Und trotz aller Anfechtungen ist cs gelungen, die gute Sache fortzusetzen und ihr eine größere Gestaltung zu verleihen. Es darf heute gesagt werden, daß wir festen Fuß gefaßt haben und daß die Hoffnung berechtigt ist, bald in einer eigenen Synagoge unseren Gottesdienst abhalten zu können. Die zweite und wichtigste Beranlaffung war die Abhaltung eines Sinn', nachdem gerade vom v"'^Verein der Traktat JYDÜ2 beendet und Traktat p“nn3D begonnen wurde. Der Purim gab dann die beste Gelegenheit, den Tag dreifach zu feiern. Das Fest bestand in einem opulenten Mahle, das der Veranstalterin, Frau Abraham, alle Ehre machte. Die Paus.n wurden mit würzigen Reden auszefüllt. Mit einer Begrüßungsansprache eröffnete den Reigen der Borträge der 1. Vorsteher, Herr Em. Kaufmann. Dann ergriff Herr Rabbiner Dr. Kahn-Eßlingen das Wort, um unter Zugrundelegung der Schlußstelle des Traktat?>12!2 in schöner beherzigenswerten Weise die Bedeutung des Festes zu schildern. Herr Dr. Kahn gedachte noch der aufopfernden Tätigkeit des verdienstvollen langjährigen Vorstehers, Herrn Herm. Gutmann j-j Nach dem Tischgebet tegannen die theatralischen Aufführungen und Borträge durch Damen und Herren aus der Gesellschaft, bei denen fich besonders die Herren Kantor Sulzbacher und Paul M. Aron auszeichneten. Unter den Darstellers» trugen viel zur Erhöhung der Festesstimmung bet: die Damen H. Abraham, Else Schloß, Regina und Lea Jakob, Natie Löwenthal ebenso die Herren Nuß bäum uud Alfred Schilder. Emden, 16. März. Am Sonntag, 14. März, hielt Herr Landrabbiner Dr. Loeb hier im „Monte fiore- Berein" einen Vortrag über „Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Emden". Der Redner verstand es, seinen Zuhörern in einem zweistündigen spannenden Referate ein deutliches Bild aus den Annalen der Gemeindegeschichte zu geben. Perronaiiee. Gailingen, 18. März. Letzten Donnerstag starb nach schwerer Krankheit im Alter von 43 Jahren die Gattin unseres Bezirksrabbiners, Frau Dr. Minna Spitz. Am Sonntag fand umer außerordentlicher Beteiligung die Beerdigung statt. * ämtliche Gemeinden des Bezirks hatten Abordnungen entsandt, um der beliebten und hochgeachteten Frau die letzte Ehre zu erweisen. Rabbiner Hoffmann-Randegg hielt die Leichenrede. Er entwarf ein Charatterbild der edlen Entschlafenen als treue Gattin, welche die Tugenden einer echtjüdffchen Hausfrau entfaltete, als ebenbürtige Gefährtin wie eifrige Helferin ihres Mannes bet der Lösung der verantwortungsvollen Aufgabe seines Berufes. Er sprach dem tiefgebeugten Gatten, dem durch den Verlust seiner Mirjam wie einst Israel in der Wüste der Wunderbrunnen versiegt schien, aus dem er stets frische Lebenskraft schöpfte, herzlich zu, Trost zu finden in der Liebe zu seinem einzigen Kmde und der herzlichen Anteilnahme seiner Gemeinde. Nach ihm gab der so schwer getroffene Gatte selbst in ergreifenden, alle Hörer zu Tränen rührenden Worten seinem titfem Schmerze Ausdruck. Er dankte der teuren Verschiedenen für alle Liebe und Treue, die fie ihm in bald zwei Jahrzehnte langem Ehebunde erwiesen und schilderte in schmerzdurchbebler Rede, was fie ihm gewesen und was er an ihr verloren. Aufrecht halte ihn nur der Gedanke, daß er der Schwergeprüften in langer Leidenszett jeden Wunsch erfüllt und die tröstliche Zuderstcht auf ein Wiedersehen in einer befleren Welt. Möge das Andenken der Frau zum Segen sein. Merchingen, Baden, 8. März. Am 28. Februar wurde Lehrer D. Cal ln er unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Viele Freunde und Ko egen waren von nah und fern herbeigeetlt, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Der stattliche Trauerzug gab Kunde von der allgemeinen Beliebtheit des Verstorbenen. Neben der Gattin und den Kindern verliert auch die Gemeinde IN erchtngen in dem Heimgegangenen einen gewiffenhaften, überzeugungstreuen Lehrer - einen seltenen der durch seine klangvolle Stimme, getragen von wahrhafter Gottesfurcht, seine Gemeinde zu tteffter Andacht zu stimmen verstandeinen vorzüglichen gewiffenhastm Schochereinen bewährten Mohet, der als solcher in den entferntesten Kreisen bekannt wareinen großen Talmudisten und selbstlosen edlen Menschen. Am Grabe gab Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstetn der Anerkennung und Würdigung all dieser Eigenschaften besonders dadurch Ausdruck, daß er dem Heimgegangenen nachträglich den Ehrentitel verlieh. Herr Lehrer Scheuermann feierte im Auftrag der badischen Lehrer den Verstorbenen durch warme Abschiedsworte. Herr Lehrer Bravmann- Merchingen dankte namens der dortigen Gemeinde für die 27jährige segensreiche Wirksamkeit. Zum Schluffe schilderte Lehrer E. Wertheimer als Spezialfreund des Berk ärten dessen Lehrtätigkeit und segensreiche Wirksamkeit. Auf Anregung des Lehrers Wertheimer beschloffen die Beztrkskollegen, den Verklärten «Y'l? noch dadurch besonders zu ehren, daß fie während der einen Schiur für denselben lernen. -riD^ab ist -dt Sprechsaal. Bier Fragen. Sehr geehrter Herr Redakteur! Es dürste wohl zur Klärung der Ansichten in dem Kampfe für und gegen die Revision bettragen, wenn über folgende zunächst noch dunkle Punkte von Seiten der Revtsionsfreunde Auskunft erteilt würde: 1. Welches find — in den „Grundsätzen" — die „wichtigsten" Kriterien für den Begriff der Kultusgemeinde, welches die minder wichtigen, die fallen gelaffen werden? 2. Was find „rein" religiöse Fragen, die der Autorität der Rabbiner vorbehalien bleiben? Denn selbst die Einrichtung der Mikwoh, die Anstellung des usw. haben neben der religiösen auch eine finanzielle Seiteder Begriff bedarf also der Präzisierung. 3. Hirsch (Ges. Schr. I 220) stellt auf Grund des die Norm auf, daß „kein wichtiger Gemeinde¬ oder Vorstandsbeschlutz Geltung hat, solange er nicht dem B3PI oder Rabbiner des Orts zur Prüfung vorgelegr ist, ob er den Bestimmungen des Religtonsgesetzes gemäß sei." Soll dieser Satz der „Fundamental-Statuten" Geltung behalten? 4. Welche Garantien glaubt Herr S. F. für Erlangung des orthodoxen Programms zu haben? Ms. Da auch die Redaktion des „Israelit" zu den , Revifionsfreunden" zählt, so ist es uns vielleicht gestatt.t, dte Fragen des verehrten Einsenders kurz zu beantworten: 1. Wir haben in den von dem Einsender gemeinten „Grundsätzen" die Wendung gebraucht, daß bei der bevorstehenden Revision die „wichtigsten historischen Kriterien des Begriffs der jüdischen Gemeinde" unbe)ingt festgehalten werden müßten. Wir verstehen unter den „wichtigsten" historischen Kriterien die religionsgesetzliche Integrität sämtlicher Institutionen, d. h. also von Schule, Synagoge, Schechitah und Mikwa. Eines dieser historischen Krckeiien wäre aber (streng genommen) auch die religionsgesetzliche Integrität des Vorstandes, > mit anderen Worten die Nlchl Wählbarkeit solcher Personen, die unter den Begriff des ""löUa fallen. In diesem einen Punkte, das wollten wir mit oer erwähnten Wendung andeuten, werde den Anforderungen des pl kaum entsprochen werden, weil fich die Gesetzgebung auf eine derartige Ignorierung der nun leider einmal tatsächlich vorhandenen Verhältnisse wohl nicht etnläßt. Um so nachdrücklicher jeloch dürfen alle anderen bisher schon in dem Ministerial-Reskript von 1863 anerkannten Kriterien festaehalten werden. 2. Darüber, daß die Einrichtung einer die persönliche Qualifikation des EmtP, die Frage der Beisetzung von Aschenurnen, als religiöse Fragen in den Kompetenzkreis des Rabbinats fallen, wirdkeinMensch im Unklaren sein, und wir begreifen nicht, wie man daraus ein Problem machen kann. Ebenso unzweifelhaft ist, daß Fragen, wie z. B die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit einer Synagogen - Reparatur, dte Festsetzung der Gehaltsskala für Kultuöbeamte u. a. m., administrativer Natur find und die Rabbiner nichts angeken. Dazwischen gibt es natürlich, wie in allen menschlichen Dingen ein Grenzgebiet, auf dem M inungsverschtedenheiten künftig möglich sind wie heute. Die Zahl dieser Meinungverschiedenheiten kann durch eine präcise Fassung des Gesetzestextes verringert, aber niemals ruf Null reduziert werden. Nach wie vor wird man also in der Praxis, sofern in einem Falle keine Einigung erfolgt, von den staatlichen Verwaltungs-Instanzen evtl, von den Gerichten, Entscheidungen verlangen muffen, da eine jüdische Oberbehörde von allen Seiten und unter allen Umständen abgelehnt wird und abzulehnen ist. Wir erblicken in dieser Konstellation, wie die Dinge heute in jüdischen Kreisen einmal liegen, kein großes Unglück, und es ist auch durchaus kein Schandmal für das Judentum, wenn gerade dte am feinsten und tiefsten empfindenden religiösen Kreise bet dem Widerstreit der Weltanschauungen innerhalb der jüdischen Religionsgesellschaft eine jüdische Ent> cheidungsinstanz für religiöse Fragen ablehnen. Empfindet man ja auch in christlichen Kreisen dte innere Unmöglichkeit einer solchen — niemals unparteiischen — konfeifionellen Oberbehörde sehr lebhaft. Die staatlichen Instanzen, die den Dingen fern und kühl gegenüberstehen, find da zu formalen Entscheidungen bei weitem tauglicher. 3. Das Axiom von Samson Raphael Hirsch enthält die Klausel, „daß kein wichtiger Gemeindebeschluß re." Das Wort . wichtig" entspricht ganz dem sud 2 von ms aufgestellten Grunsatze, daß alle diejenigen Fragen, welche ganz oder teilweise religiösen Charakters find, der Entscheidung deS Rabbinats unterliegen. 4. Dafür, daß die orthodoxen Forderungen überhaupt in vollem Umfange verwirklicht werben, gibt es keine Garantie und bedarf es keiner Garantie, wohl aber dafür, daß die Revision nur unter Erfüllung dieser Forderungen oder gar nicht zustande kommt. Die beste Garantie hierfür ist — neben den von Herrn S. F. bere ts genügend hervorgehobenen allgemein politischen Motiven — eine einheitliche und geschlossene Willenskundgebung der bayrischen Orthodoxie. Nur solange diese in sich uneinig ist, bedeutet die Revifionsbewegung eine Gefahr. Sie hört auf, eine Gefahr zu sein, sobald die bekannten Programmpunkte im Namen der gesamten bayerischen Orthodoxie als rocder de dronce festgell gt werten und rundweg erklärt wird: entweder so oder gar nicht. Warum Revisionsfreunde und Revifionsgegner, die im Grunde demselben Zie.e zusteuern, auf dieser Plattform sich nicht einigen können, darauf haben wir bisher keinerlei Antwort vernommen. Briefkasten. B. in G. 1. Ein jüdisches Mädcheu darf aus diese Weise am rCET nicht beschätigt werden. 2. Ja! 3. Am HDÖ nicht. 4. Was Butten betrifft, so gehen die Meinungen darüber auseinander, darum ist Vorsicht am Platze. Gleiches gilt auch von Ihrer 5. Frage. B. Rap. Die Bar-Mizwoh findet statt am rDtP JVDID ö"mn dieses Jahres. R C. in TL». Wir danken Ihnen für die freund!. Mitteilung, die sich aber für die Oeffentlichkeit nicht eignet. W. Z. Wr> verwendet. Besten Dank! W in C. Wie Sie sehen, ist Ihnen ein anderer Berichterstatter zuv rgekommen. Jedenfalls besten Dank! M N. in Casiel. Gumpertzsches Siechenhaus, Frank urt a. M., Röderbergweg. Uereinskalender. Verein Mekor-Chajim. Samstag, 27. März, Nachmittags 33/4 Uhr, chützenstr. 2, Mikro-Vortrag des Herrn Leopold Hirsch. — Bereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung '22C rDpü- Lamstag, 27. März 1909, mittags 12'/4 -1 Uyr, im Hörsacke der Synagoge Friedberger Anlage: Lektüre der „Neunzehn Briefe" unter Leitung des Herrn Dr. I. H. Bon di. — Schluß des Wintersemesters TamNiennacbricbten. Geburten: Eine Tochter: Moses Oppenheimer (Elbe> hier, Hanauer Ldstr. 22. — W. B indefeld (Außenberg) dier, Rechneigrabenstr. 12a. — Dr. Ludwig Sr and (Straus) Altona. Verlobte: Carry Marx, Seligmann Rau, beide dahier. — Helene Polen» Maharam Levy, Frankfurt a. M- München. — Sylvia Moscovici, Jakobsupnik, Drohobycz- Folticeni «Rum.) BarmiBwohfeier: Fri tz, Sohn von Samuel Nuß bäum. hier. In der Synagoge d. i§r. Religionsges. Friedberger Anlage. Sabbat-Anfang u. Ausgang OKI: Anfang Datmm Ausgang Uhr >Min. 1808 I 8668 UhrlMin. 27. 5. Nissan Frankfurt a M 6 20 März 7 35 Berlin .... - — 7 11 Mönche« . . . 6 15 7 15 Stratzbnrg . « 30 7 30 Stuttgart. . . 6 15 7 24 Pose« .... — — 7 05 Nürnberg . . — — 7 17 Hamburg. . . — — 7 30 .... .... — 7 — >— — Landestauter | -' ~ B Leinen» und Gebild-Weberei F. V. Grünfeld Königl., Grossherzogi. u. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W.» Lelpzlgentrassi 20-2. Grösste Aaswal)] aller Wäscheartikel für den Hausbedarf. HMu ihm flossiattiiiu. Preisliste mit ihblldimoen sowie Kosten' uschläoe za Diensten. l?sss)

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