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Der Israelit · 1909-03-25 · Heft 12 (25.3.1909) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 12 (25.3.1909)
Date
1909-03-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sette 8 Nr. 12 Der Israelit. 25. März 1909 den und religiösen Gegensätzen freien Ottomanentums zu realisieren sucht. Deshalb schließen sich die Griechen der Partei Sabaheddins an, der sogenannten dezentraliftischen oder liberalen Partei, deren Doktrin von hohem, idealen Fluge, von großer Toleranz ist, und sind über die Juden erbittert, die in ihrer Friedfertigkeit sich der Majorität der Wähler anschließen und begreiflicher Weise eher zu den Türken als zu den Griechen halten. Indessen müssen auch die sogenannten Liberalen den Juden ihren ehrlichen Patriotismus zugestehen. Der Levante erald, der erbitterste Feind des Jungtürkischen omitees, der in einem längeren Artikel die Fehler und Unausführbarkeit des zentralistischen Programms nachzuweisen sucht, läßt alle in der Türkei wohnenden Nationalitäten Revue passieren und zählt die Tugenden wie die Untugenden einer jeden Bevölkerung auf, Armenier, Araber, Griechen und Albanesen werden da einer gründlichen Prüfung unterzogen. Zu den Israeliten übergehend äußert sich das Blatt dann in der anerkennendsten und schmeichelhaftesten Weise. * * * Nach dem neuen militärischen Reglement wird die Zahl der Nichtmohamedaner in der zukünftigen türkischen Armee ein Viertel der gesamten Soldaten betragen. Die Griechen werden darin 12,50 Prozent, die Armenier 4,50 Prozent, die Bulgaren 4 Prozent, die Syrier, die katholischen und jüdischen Kontingente werden 4 Prozent betragen. Das militärische Reglement befindet sich jetzt im Staatsrat. Vom Dienste befreit werden all diejenigen werden, die den Chachamtitel führen. 4° -i- Dank der selbstlosen Tätigkeit der Frau Narr, die seit einem Jahre unermüdlich für die Gründung eines Waisenhauses in unserer Stadt arbeitet, ist gelungen, über 600 Ltg. für diesen Zweck zu sammeln. In einer Versammlung der Spenderinnen, die heute stattfand, wurde der Statutenentwurf genehmigt und der Beschluß gefaßt, das Waisenhaus in Moda, einer prächtigen Vorstadt zu eröffnen. Die Mädchen werden ^dort eine religiöse Erziehung erhalten. * * Der Chacham-Baschi ist gestern nach dem üblichen Zeremoniell vom Sultan empfangen worden, eine Ehre, die der Gemeindekasse die Kleinigkeit von 5000 Mark Spesen kostet. Nalästina. Jaffa, 1. März. Noch bis vor wenigen Jahren war die Elektrizität im türkischen Reiche verboten. Die elektrische Licht- und Trambahn- Anlage in Damaskus, die im Herbst 1906 fertiggestellt wurde, war das erste derartige Unternehmen im ganzen Lande. Dann folgte eine Konzession für eine ähnliche Anlage in Beirut, an welch letzterem Platze auch eine der wenigen Gasanstalten des türkischen Reiches besteht, und schließlich wurde im September vorigen Jahres die von einer englischen Firma ausgeführte elektrische Beleuchtung der Grabmoschee Muhammeds in Medina zum ersten Male in Betrieb gesetzt. Nachdem so das frühere Vorurteil der maßgebenden türkischen Kreise vollständig besiegt ist, dürfte man bald von zahlreichen neuen Konzessionen für elektrische Anlagen im Reiche hören. Das Beispiel Aegyptens, wo man mit elektrischen Anlagen vielfach ebensogut und besser versehen ist als in entsprechenden europäischen Plätzen, kann einen Begriff von den bestehenden Möglichkeiten geben. In der Türkei selbst hat man es mit der Einführung elektrischer Licht-, Kraft- und Bahnanlagen um so leichter, als eine Konkurrenz mit Leuchtgas nur in den wenigsten Fällen in Frage kommt und auch die Verkehrsmittel noch meist von äußerster Primitivität sind. Dabei mangelt es keineswegs an benutzbaren Wasserkräften. Eine solche liefert die Kraftquelle für die Anlage in Damaskus/ der Jordan und seine östlichen Nebenflüsse könnten für die Anlagen am Tiberias-See und für Jerusalem nutzbar gemacht werden, für welchen Platz noch, näher gelegene kleine Wasserkräfte in Betracht kämen. Für Jaffa würde der nahe gelegene kleine, aber wasserreiche Audsche-Fluß in Betracht kommen. Gerade Jaffa und Jerusalem sind jetzt von aktuellerem Interesse insofern, als soeben der Negierung ein Konzessionsgesuch unterbreitet worden ist, das sich auf Lichtanlagen in beiden Plätzen und auf eine elektrische Bahn zwischen Jaffa und Jerusalem bezieht. In Athlit, dem neuen Castellum peregrinorum, besitzt die Jca seit langer Zeit Land. Jetzt sind die Rechtsstreitigkeiten, die sich an dieses Land knüpfen, beseitigt, und die Jca hat das Land, das bisher von den Pächtern bearbeitet wurde, an Kolonisten verteilt. Für die Kolonisten sind auf einem Hügel, auf dem seltsam behauene Steifte von einer großen Vergangenheit zeugen, zehn Häuser errichtet worden, die von einer gemeinsamen Mauer umschlossen werden. Ein aus dem Altertum stammender, vorzüglich gebauter Brunnen ist aufgefunden worden und liefert Wasser. Die Lage der neuen Ansiedlung ist sehr schön. Sie bietet dem jüdischen Reisenden eine erwünschte Etappe auf dem langen Wege von Sichron Jakob nach Haifa. Amerika, lkw-borker Brief. New - Nork, 14. März. Die beabsichtigte G e s a m t o r g a n isation einer „jüdischen Gemeinde N e w - A o r k s" ist nunmehr zur Tatsache geworden. In einer Versammlung von etwa 70 Gemeinden und "jüdischen Organisationen der jüdischen Weltstadt, zu der 280 Delegierte anwesend waren, ist die Gemeinde konstituiert worden. Während die Vertreter der Orthodoxie, die Herren Dr. Ascher, Dr. Mendes und Dr. Drachmann für eine starke Betonung der religiösen Interessen als des eigentlichen Existenzgrundes einer jüdischen Gemeinde eintraten, spricht das angenommene Statut hiervon keine Silbe. Es ist wohl dem überwiegenden Einfluß Jakob H. Schiff's zu verdanken, daß die Organisation zustande kam. Als Zweck der jüdischen Gemeinde von New-Uork, City, wird bezeichnet : „Die Sache des Judentums in New-Aork zu fördern und die Juden in der Stadt mit Bezug auf alle lokalen Angelegenheiten von jüdischem Interesse zu repräsentieren. Die Organisation darf keine Propaganda parteipolitischer Natur betreiben, oder die Autonomie der einzelnen Organisationen beschränken." Wie werden auf die Konstituierung und au* die ersten Schritte des neuen Gebildes, das jedenfalls großes Interesse verdient, zurückkommen. * 4- * Präsident Taft hat in seiner am 4. März in Washington gehalten Ansprache bei seiner Amts- Einführung sich mit Bezug auf die bekannte Paß- Frage wie folgt geäußert: „Die Politik der „Vereinigten Staaten" hat seit dem spanischen Kriege eine einflußreiche Stellung unter den Nationen errungen. Wir sollten diese Stellung dazu benutzen, um allen unseren Bürgern, einerlei, ob sie Eingeborene oder naturalisiert sind, auch in fremden Ländern die ihnen gebührende Achtung zu verschaffelf. Wir sollten keine Anstrengung scheuen, um diejenigen unserer Bürger, die sich vorübergehend in fremden Ländern aufzuhalten wünschen, vor jeder Demütigung oder erniedrigenden Beschränkung wegen ihrer Rasse oder Religion zu schützen." Man darf gespannt sein, welche Aufnahme die letzten Schritte der Behörde in der Paßfrage in Rußland finden werden. * Wie verlautet, soll Oskar Strauß, der bisherige Handelsminister im Kabinet Roosevelt als Gesandter der „Vereinigten Staaten" nach Tokio (Japan) gehen. llermisedter. Berlin, 20. März. Eine jüdische Blindenanstalt für das Deutsche Reich soll hier ins Leben gerufen werden. Es kommen etwa 500 Blinde in Betracht, von denen in den bestehenden interkonfessionellen Blindenanstalten kaum 20 untergebracht sind. Tie notwendigen Summen sollen durch freiwillige Sammlungen aufgebracht werden. Berlin, 13. März. Die hiesige jüdische Chasfidim- Gemeinde, die nicht als Religionsgemeinschaft im Sinne des Staatsgesetzes, sondern nur als privater Religionsverein anzusehen ist, hatte einen Ausländer vorbeten lassen. Ter Staatsanwalt hatte geglaubt, daß dieser Vorbeter ein fest Angestellter sei und da das Gesetz eine Beaitung von Ausländern im religiösen Kultusdienste verbietet, gegen den Reltgtonsverein eine Strafe von 50 Mark beantragt. In der Verhandlung vor der Strafkammer wurde erwiesen, daß der Vorbeter jedoch nicht als Beamter im Gesetzesstnne zu beurteilen sei, und demgemäß sprach das Gericht die Gemeinde frei. Breslau, 20. März. Der Expedient W. war von seinem Chef entlassen worden und beanspruchte von der Firma eine entprechende Gehaltsentschädigung. Die Entlassung ist aus folgenden Umstünden erfolgt: W. hatte gegen ten Reisenden der Firma die Ae itzerung getan: „Sie haben einen gemeinen jüdischen Charakter." Der Chef, der das hörte, stellte W. dieserhalb zur Rede und erklärte ihm, daß eine solche Rede nicht anständig sei, um so mehr, als der Chef des Hauses auch jüdisch sei. W. erwiderte mit Beleidigungen und Beschimpfungen und wurde daher entlassen. Der Kläger stellte zwar die Beleidigung in Abred -, sie wurde aber von einem Zeugen bestätigt. Die Klage wurde abgewiesen. Hannover, 16. März. Der älteste Wähler, der bei der Retchstagsersatzwahl im 6. hannoverschen Wahlkreise Syke-Hoya-Verden sein Wahlrecht ausübte, war der Färbermeister E. D. Elias in Hoya, der am Sttchwahllage bei guter Gesundheit seinen 98. Geburtstag feiern konnte. Agram, 20. März. Die Gattinnen der Abgeordneten Binkovies und Lukincs wurden vom Polizeikommisiariat in Karlstadt zu je 95 K. Geldstrafe verurteilt, weil sie bei den jüngsten Gemeindewahlen in Karlstadt mit den Rufen: Nieder mit den Juden! gegen die jüdische Wählerschaft agitiert hatten. Rakospalota, L0. März. Die hiesige Stabtbehörde lieferte einen schönen Beweis der konfessionellen Eintracht, indem sie den Oberrabbiner d"r hiesigen (orthodoxen) israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Michael Duschinszky, mit der Abhaltung der Festrede bei der am 15. März im hiesigen Rathause abgehaltenen Märzfeier betraute. Die Rede machte einen solchen Eindruck, baß die Festversammlung, laut Antrag des evangelischen Seelsorgers Kovacsy, einstimmig beschloß, deren ganzen Wortlaut ins Protokoll aufzunehmen und im Lokalblatte zu veröffentlichen. New-Bork, 28. Febr. Die neue Synagoge, welche die ungarische Gemeinde Ohab Zedek als Fumle ihres alten Gotteshauses in Norfolk Str. sich erbaut hat, wurde gestern Nachmittag unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern der Gemeinde feierlich eingeweiht. Herr Max Stern, Vorsitzender des Stiflungskomitees, überreichte dem Vorsitzenden der Gemeinde den Schlüffel zum Gebäude, worauf der Oberrabbiner Dr. Philipp Klein die Wethepredigt hielt. Das Innere des stattlichen Gotteshauses war zur Feier des Tages herrlich geschmückt. Ungenannte Mitglieder der Gemeinde haben der Synagoge ein Geldgeschenk von 50 000 Dollar gestiftet. Umin$w$eit. Frankfurt a. M., 18. März. Der Jahresbericht des Vereins zur pflege der idealen Interessen jüdischer junger Leute „Montefiore' pro 1908 konstatiert zunächst ein fortgesetztes Anwachsen der Mitgltederzahl. Der Verein umfaßte Ende 1907 rund 1200 Mitglieder, und zählte am 31. Dezember dieses Jahres 315 außerordentliche und 995 ordentliche M itglieder. Der Verein entwickelte auch im abgelaufenen Semester eine äußerst rege Tätigkeit. Im Lesesaale fanden die um einige Kunstschriften vermehrten Tagesvlätter und Zeitschriften reichen Zuspruch. An zwei Abenden der Woche fand Bücherausgabe aus der Vereinsbibliothek statt. Die Benützung der reichhaltigen Büchersammlung, die wiederum um eine Anzahl wertvoller Werke bereichert und im Laufe des Jahres auch katalogisiert wurde, war immer eine sehr gute, wie die beiden Bibliothekare berichten. Besonders groß aber war der Zudrang zu den Freitagabend-Zusammenkünften, die in den Wintermonaten wieder stattfanden. Unter Ansprachen und Rezitationen ernsteren und heiteren Inhalts, an denen sich die jungen Mitglieder eifrig beteiligten, verliefen diese Abende sehr anregend. Den Zwecken der Belehrung und geistigen Anregung der jungen Mitglieder diente wieder eine Anzahl von Lehrkursen und Borträgen, die Mittwoch Abends stattfanden. Im Ganzen fanden 17 Borträge und vier musikalisch-deklamatorische Veranstaltungen statt. Frankfurt a. M., 23. März. Am jüngsten Sonntag Nachmittag waren die Knaben des Synagogen-Chor es der „Israelitischen Religtonsgesellschaft" im alten Gemeindehause Schützenstraße zu einer gemütlichen Feier unter Leitung des Dirigenten

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