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Der Israelit · 1909-03-25 · Heft 12 (25.3.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 12 (25.3.1909)
Date
1909-03-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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25. März 1909. Der Israelit. Nr. 12. Seite 7 .909 M>ieines : der Herr mit, rtoriorden habe. t Ergauizum Herr ier in urde. gau uterharttande evölman e der runq vollieges )ieser adendaß h dar zu An- »amit kunft lichen esten gen a, die; Gederte ihren rtzug tstige stend ^amitaatindeeng- Geoses; der r die daß itrag eine 'teuz-?noch h die )rtst ist. lütejens- Jn ihren Zasyl. ftlich scheu dort mnte , dem ' nicht l der lahm lub" rren daß uden :sein lister t die Wünsche der Bevölkerung anzuhören und einleuchtende Ratschläge zur Hebung vorhandener Uebelstände entgegenzunehmen. Hinsichtlich dr einzelnen vorgebrachten Wünsche und Beschwerden sagte Minister Dulemba: Was die Frage der Sabbatbeziehlingsweis Sonntagsruhe betrifft, so sei ihm die Angelegenheit nicht fremd, da er seinerzeit Referent aller die Sonntagsruhe betreffenden Angelegenheiten im Lemberger Gemeinderat war. Er erinnere daran, daß sein Vorgänger in derselben Angelegenheit ein Memorandum ausgearbeitet habe. Er wolle sich über das Schicksal dieses Memorandums erkundigen und die Wünsche der orthodoxen Juden beim galizischen Statthalter, der auf die Frage einen großen Einfluß habe, unterstützen. Ungarn. Budapest, 12. Mär;. Vorige Woche fand im Seminartempel in Budapest die feierliche Entlassung von 4 Zöglingen statt. Zur Hebung der Feierlichkeit hielt im Aufträge des Kuratoriums und der Prüfungskommission Herr Dr. Kecskemeti, neologer Prediger in Großwardein, eine lange Ansprache an die neuen „Rabbiner", der sich ein Holdheim nicht zu schämen gehabt hätte Zur Kennzeichnung dieser im Dienste der Ultrareform, einer Reform im Sinne Geigers und Holdheims gehaltenen Missionspredigt wollen wir nur einen Satz herausgreifen: „- und die Propheten, sie haben etwas zu sagen, auch nach Mosis, ja selbst gegen Mosis!" Daß mit diesem einen, die jüdiscke Tradition ins Antlitz schlagenden Satz der Anfang vom Ende da ist, der Mission des Christentums Liebes dienste erwiesen werden —was ficht dies die hohen Herren, wie Dr. Kecskemeti und Seminardirektor Bacher, an. Uebrigens läuft die ganze Festrede auf eine radikale Reform der alten Tradition und auf die Proklamierung einer bloßen Ethik als Ersatz für das ganze Judentum aus. Und dabei sprechen noch die gleichen Herren von „Einheit". B u d a p e st, 13. März. Der Sektionschef im Kultusministerium, Herr von Makkah, hat gegen den Redakteur des neologen Wochenblattes, Max Szabolcsi, wegen seiner unberechtigten Angriffe auf das Verhalten des Ersteren jüdischen Angelegenheiten gegenüber, einen Ehrcnbeleidigungsprozeß angestrengt und zu diesem Zwecke sämtliche auf beit fraglichen Gegenstand bezüglichen amtlichen Akten, die das Verhalten genannten Sektionschefs durchaus rechtfertigen, dem Staatsanwalt als Vertreter der Klage übergeben. — Rußland. Warschau, 12. März. In der ökonomischen Lage der Juden im Ansiedlungörayon, insbesondere in Russisch-Polen, vollzieht sich seit dem „Erwachen des russischen Volkes" ein ernster Wandel, durch den die ohnehin traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse der russischen Juden sich noch trostloser gestalten und den Charakter einer chronischen Krisis annehmen. Zu der völligen Entrechtung und dem politischen Judenhaß tiit er org anisierte ökonomische Antisemitismus hinzu, der sich in allen Gouvernements, wo Juden wohnen dürfen, immer mehr ausbreitet und planmäßig und systematisch betrieben wird. In allen Städten und Dörfern bilden sich christliche Konfum-Genoffenschaiten mit eigenen Detailgeschäften, in denen die christliche Bevölkerung ihre Lebensmittel einkauft. Die Parole dieser Genoffenfchaften lautet: „Kauft nicht bei Juden!" und wird vornehmlich von den einflußreichen katholischen Geistlichen gepredigt, die auch die Hauptorganisatoren dieser ganzen Bewegung sind. Die Juden können mit den christlichen Genossenschaften um so schwerer konkurrieren, als diese von der Regierung durch Befreiung von jeder Steuer unterstützt werden und dadurch in der Lage sind, die Waren zu den niedrigsten Preisen zu verkaufen. Die russische Regierung ist eben „opferfreudig", wenn es gilt Hunderttausende von jüdischen Existenzen zu ruinieren. Und so blieben alle jüdischerseils bei dcr Regierung gemachten Vorstellungen wegen der Nichtbesteuerung dcr christlichen Konsumgenossenschaften ohne jeden Erfolg. Diese haben eine einheitliche Organisation und werden von großen Zentralen aus mit einer „Hingebung" geleitet, die der „christlichen Nächstenliebe" alle Ehre machen würde, wenn sie einem besseren Zwecke gedient hätte. Der immer weiter um sich greifende Boykott der jüdischen Geschäfte verändert völlig die ökonomische Struktur im jüdischen Rayon. Die Juden haben sich hier bekanntlich bisher größtenteils auf dem Handel und Geschäftsgebiet betätigt, das ihnen jetzt aber fast völlig entrissen ist. Sie sind nun meist gezwungen, sich den Handwerken zuzuwenden, um nach den inneren russischen Gouvernements überzusiedeln. (Jüdische Handwerker haben das Wohnrecht in ganz Rußland.) Eine solche gänzliche Aenderung im ökonomischen Status bedeutet zwar eine tiefe wirschaftliche und psychische Erschütterung — scheint aber doch der einzige Ausweg für die unglücklichen russischen Juden. Und es ist Aufgabe der hier tätigen jüdischen philantropischen Organisationen, diesen schweren Uebergang zu erleichtern und ihre ganze Wirksamkeit der Verbreitung des Handwerks unter den Juden in Rußland zu widmen. Finnland. Helsingfors, 2o. März. Im Jahre 1907 beschloß der finnländische Senat, an die Ausarbeitung eines neuen Gesetzes über die Rechte der Juden in Finnland zu schreiten. Nunmehr sind die Vorarbeiten abgeschlossen und der Gesetzentwurf liegt in seiner entgültigen Fassung vor. Die Gesetzesvorlage enthält im Wesentlichen die folgenden Punkte: Die in Finnland geborenen, oder solche Juden, die zumindest seit zehn Jahren vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes ununterbrochen in Finnland ansäßig sind, können die finnländischen Bürgerrechte unter denselben Bedingungen erlangen, wie alle übrigen Ausländer. Die Rechte der auf diese Weise zu finnländischen Bürgern gewordenen Juden sind mit denjenigen der Lutheraner vollständig gleich. Eine Begrenzung der Rechte dieser Juden ist unzulässig. Hingegen ist das neue Gesetz gegenüber neuankommenden Juden äußerst streng. Kein Jude darf ohne besondere Erlaubnis länger als drei Monate in Finnland bleiben. Der Gouverneur ist berechtigt, die Erlaubnis zum Aufenthalte auf weitere sechs Monate zu verlängern. Alle weiteren Fristerstreckungen sind nur mit Zustimmung der Kommunalbehörden jener Gemeinde zulässig, in welcher der betreffende Jude zu bleiben beabsichtigt. Diese Art geduldeter Juden, die kein Bürgerrecht besitzen, stehen unter eigener polizeilicher Aufsicht. Hingegen werden alle Sonderbestimmungen betreffend die Ausübung des jüdischen Glaubens, die Beschränkungen der jüdischen Ehen usw. unter welchen die Juden in Finnland jetzt so viel zu leiden haben, aufgehoben. Soeben wird hier durch die Amtsblätter der Beschluß des Senats bekanntgegeben, wonach das Schlachten der Tiere nach jüdischem Ritus in ganz Finnland verboten sei. Die Juden, die nach der günstigen Entscheidung des russischen Ministeriums in dieser Angelegenheit die Gefahr als beseitigt betrachteten, trifft diese drakonische Maßregel wie ein Blitz aus heitrem Himmel. Die Bestürzung ist allgemein und groß. (Siehe Wochenrundschau). England. lublSum lies Chief-Rabbi. London, 20. März. Die englische Judenheit rüstet sich um den bevorstehenden siebzigsten Geburtstag des allverehrien Chief Rabbi Dr. Adler würdig zu begehen. Dr. Adler hat in seiner vieljährigen Tätigkeit es verstanden, die religiösen Traditionen, die er von seinem Vater übernahm und gemäß seinen eigenen Ueberzeugungen weiter pflegte, vielen und starken Anfechtungen von außen gegenüber aufrecht zu erhalten und seine ganze amtliche Wirksamkeit auf den Grundsätzen des überlieferten Judentums aufzubauen. Mit Genugtuung darf Dr. Adler dennoch darauf Hinweisen, daß er in allen Kreisen der jüdischen Gemeinschaft Englands, auch in denen, die seinen religiösen Standpunkt als „reaktionär" verschreien, unbegrenzter Wertschätzung und Verehrung sich erfreut. So ist zu erwarten, daß der bevorstehende Jubeltag überall im Reiche zu mannigfachen Kundgebungen der Liebe und Anhänglichkeit führen wird. AÜerdings gibt der Gedenktag auch zu mancherlei Betrachtung sachlicher Art Anlaß. Daß e i n Mann — und sei es der begabteste — nicht im Stande ist, den religiösen Bedürfnissen eines Weltreiches die ausreichende Fürsorge zu widmen, ist augenscheinlich. Es wird die Aufgabe des nächsten Jahrzehntes sein, in dieser Beziehung für eine starke Vermehrung der englischen Rabbinate zu sorgen und dabei auf eine vernünftige Abgrenzung der Kompetenzen bedacht zu sein. Rumänien Bukarest, 10. März. Der Handels- und Industrie-Minister hat kürzlich ein Schreiben an alle Staats- und Stadtbehörden versandt, worin er verlangt, daß die Artikel 45 des Handwerkergesetzes und 95 des Reglements desselben Gesetzes streng beobachtet werden soll. Artikel 45 besagt, daß bei Staats- und städtischen Arbeiten die rumänischen Unternehmer auch dann zu bevorzugen seien, wenn ihr Angebot 5 Prozent teurer ist, und Artikel 95 deS Reglements fordert, daß bei Staats- und städtischen Arbeiten nur rumänische Arbeiter beschäftigt werden. Das Monitum des Handelsministers ist also eine rein antijüdische Maßnahme, und viele jüdische Arbeiter sehen sich somit neuerdings zur Auswanderung gezwungen. Bekanntlich ist der Eintritt in die öffentlichen Schuten in Rumänien den Juden nur gegen Entrichtung einer Schultaxe von 30 Frcs. jährlich gestattet. Daß es dem größten Teile der jüdischen Bevölkerung Rumäniens unmöglich ist, eine solche Taxe für jedes Kind zu zahlen, bedarf keines Beweises. Um sich nun die Folgen dieser Zustäude zu vergegenwärtigen, beachte man folgende Ziffern, die wir im Amtsblatte finden und die ein trauriges Bild zeigen: Von den 23 639 schulpflichttgen Kindern im Jahre 1906/07 waren 17 420 rumänische und 6219 fremde Kinder (die Juden werden bekanntlich in Rumänien auch als „Fremde" bezeichnet!) Von diesen wurden in die öffentlichen Staatsschulen im Schuljahre 1907/08 15167 rumänische und nur 127 jüdische Kinder ausgenommen. Die anderen jüdischen Kinder bleiben freilich nicht ganz ohne Unterricht: denn infolge des Bestehens des Schulgesetzes, welches den jüdischen Kindern H nderniffe bei der Aufnahme in die öffentlichen Schulen in den Weg legt, entstanden etwa 15 jüdische Schulen, deren Erhaltung der hiesigen jüdischen Bevölkerung schwere Mühe und viele Kosten auferlegt. Türkei. nationale Reibunsen. (Bon unserem Korrespondenten.) K.onstantinopel, 21. März. Der ökonomische. Wettkampf zwischen Juden und Griechen in Makedonien, der immer größere Dimensionen annimmt und auch über unsere Sladt sich auszubreiten droht, hat einen politischen Hintergrund. Das griechische Element sieht im politischen Programm der Jungtürken, die jetzt das ganze Parlament beherrschen, eine große Gefahr für die einzelnen Nationalitäten im türkischen Reiche, da das Jungtürkische Komitee die Vereinigung aller Völker des türkischen Reiches unter Aufgabe ihrer Sonderrechte zur Doktrin erhoben hat und mit aller Gewalt den Gedanken einer einheitlichen von allen Rassenunterschie- Vi

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