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Der Israelit · 1909-03-25 · Heft 12 (25.3.1909) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 12 (25.3.1909)
Date
1909-03-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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i b l % l- ’f L r *. - r t- Geite 6. -Nr. 12. Der Israelit. 25 März 1SVS Darauf antwortete der Kriegsminister Herr v. Einem in seiner längern Rede folgendes: „Der Abg. Kopsch hat Klagen über Nichtberücksichtigung der Juden vorgebracht. Er hat gemeint, daß man Juden nicht als Reserveoffiziere angenommen habe. Wir haben keine Bestimmungen, die darauf hinwirken, daß aus konfessionellen Gründen jemand nicht zugelaffen werden könnte, daß jemand Reserveoffizier wird. Die allerhöchste Bestimmung, die am 10. Juni 1908 vom Kriegsministerium ergangen ist, erinnert daran, daß es unstatthaft ist, Einjährigsreiwillige lediglich wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft oder wegen der Standesanaehörigkeit ihres Vaters nicht zu befördern. Ich hoffe, daß sie dahin wirken wird, daß man die jungen Leute nur nach ihrer Tüchtigkeit befördert. Auch bei der Wahl der Reserveoffiziere soll nur die Befähigung in Betracht kommen. Es soll niemand ausgeschlossen sein, nur weil er Jude ist. Zur Sicherheit haben manche Regimenter Tabellen angelegt, in denen die Fähigkeiten der jungen Leute verzeichnet werden. Wer nun die Fähigkeit nicht hat, den können wir nicht gebrauchen. Die jüdischen Herren müffen sich unbedingt fügen dem Urteile, welches die Vorgesetzten über sie fällen. Gegen die Qualifikation wird eigentlich nur von den jüdischen He'ren remonstriert. Sie mögen in manchen Fällen Recht haben, aber nicht in den meisten. Die Armee hat früher jüdische Offiziere gehabt. Sie hat auch keinen Schaden davon gehabt. Ich halte es für einen Akt der Gerechtigkeit. Ich weiß, daß ich dafür angegriffen werde, daß ein junger jüdischer Mann, wenn er tüchtig ist, Offizier wird." An dem guten Willen des Ministers, den er schon zu wiederholten Malen dokumentiert hat, ist gewiß nicht zu zweifeln. Hoffentlich gelingt es ihm der toleranten Kabinettsordre auch bei den ihm unterstellten Militärbehörden Nachachtung zu verschaffen, dann aber auch dafür zu sorgen, daß jüdischen Offizieren die Beobachtung ihrer Religion im Rahmen des Dienstes ermöglicht wird! Atzung öesjloniflifdien flhf ions-Komitees. Kö ln, 19. März. Vom 15. bis 17. März fanden hier Sitzungen des Großen Zionistischen Aktions-Komitees statt, an denen außer den Mitgliedern des Engeren Aktions-Komitees eine große Anzahl von Vertretern aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Der Bericht des Engeren Aktionskomitees gibt Aufschluß über die Tätigkeit der verschiedenen Institutionen der Partei, vor allem des 1907 neu gegründeten Palästina-Amtes in Jaffa, dessen Tätigkeit durch die Neuordnung der politischen Verhältnisse in der Türkei ganz bedeutend beeinflußt wurde. Das Palästina-Amt vertritt alle Institutionen der zionistischen Bewegung, die in Palästina arbeiten. Ueber den Bericht des Präsidenten Wolffsohn über die Z u st ä n d e und Beziehungen im ottomanischen Reiche fand in 4 geheimen Sitzungen eine erschöpfende Debatte statt. Der Bericht des Vorsitzenden des Palästina-Refforts, Prof. Dr. Marburg, gab näheren Ausschluß über die Tätigkeit des Vereins „Oelbaumspende", der die Wiederaufforstung Palästinas mit Oelbaumwäldern betreibt, des Pflanzungsvereins „Palästinas", der „Palestine Land Development Company", die ihre Tätigkeit auf ihrem ersten Stammgut Kinereth (am Tiberias- See) bereits begonnen hat, und die bis 1. Januar über ein Kapital von 4000 Pfund (80 000 Mk.) verfügte. Weiter berichtete Prof. Marburg über die Tätigkeit des Palästina-Jndustriesyndikates, das die Vorarbeiten für ein größeres Transportunternehmen erledigte, und das sich wahrscheinlich demnächst an einem größeren Jrregationswerk in Palästina betelligen wird. Das Syndikat betreibt auch gemeinsam mit einer Jaffaer Firma eine Zement- Fabrikation, die nach dem Berichte zu guten Hoffnungen berechtigt. EineJmmobiliengesellschaft in Palästina hat im Laufe von zwei Monaten fast das ganze im Prospekt verlangte Anfangskapital von 80 000 Mark durch private Zeichnungen aufgebracht. Unter einigen weiteren Punkten nahm vor allem das Jnformationswesen in Palästina die Versammlung längere Zeit in Anspruch. Es wurde schließlich beschlossen, den Informationsdienst in Verbindung mit den anderen jüdischen Organisationen, die in Palästina arbeiten, durchzuführen. Bezüglich des im Sommer 1909 abzuhaltenden neunten Zionistenkongresses wurde beschloffen, dem Engeren Aktions-Komitee die Bestimmung von Ort und Zeit desselben zu überlassen. Eine eifrige Erörterung fand noch ferner die Frage der Gründung eines Instituts für Agrarkredit in Palästina. Die Versammlung wählte eine Kommission, die die Gründung eines solchen Agrarkreditinstitutes in Uebereinstimmung mit der neuen Entwicklung und der türkischen Gesetzgebung studieren, und das nötige Mart rial vorbereiten soll, um der nächsten Sitzung des Großen Aktions-Komitees die Ergebnisse dieser Arbeit vorlegen zu können. Die Zionistische Palästina-Bank, die ihre Generalversammlung am Dienstag den 16. März abhielt, beschloß gemäß dem Vorschlag des Direktoriums, aus dem erzielten Gewinn 1500 Pfund (30 000 Mk.) auf Reserve-Konto zu übertragen und eine Dividende von 10 Pence pro Pfundaktie d. h. etwa 41/« Prozent zur Verteilung zu bringen. Hannover, 15. März. Die Niederlage der Nationalliberalen bei der Reichstagsersatzwahl in Verden-Archim ist, wie jetzt bekannt wird, zum guten Teil auf antisemitische Quertreibereien zurückzuführen. Während die offizielle Parteileitung des Bundes der Landwirte ihrer Parole zugunsten des nationalliberalen Kandidaten Dr. Heiligenstadt noch am Tage vor der Stichwahl besonderen Nachdruck verlieh, wurde von der Parteileitung der Deutschsozialen, bezw. ihrem Parteiorgan, den „Deutschsoz. Bl." .insgeheim d e Wahl der Welfen begünstigt. Das antisemitische Parteiorgan hatte nämlich schon sofort zwischen Haupt- und Stichwahl in unverblümter Weise für den welfischen Kandidaten Stimmung gemacht. Diese Nummer des Blattes ist, wie es in der Freude über die Niederlage der Nationalliberalen etwas unvorsichtig in der nächstfolgendeu Nummer selber ausplaudert, an bündlerische Wähler und Vertrauensmänner des Wahlkreises in einer größeren Anzahl versandt worden. Im Briefkasten der nach der Stichwahl erschienenen Nummer ist nämlich unzweideutig angegeben, daß die für die Wahl des Welfen Stimmung machende Nummern der „Deutschsoz. Bl." an bündlerische Vertrauensmänner auf dem Lande verschickt worden sind und in der Tat die beabsichtigte Wirkung erzielt haben: „Hannover 6 hat Hannover 1 gerächt", d. h. die Antisemiten haben sich für ihre Niederlage in Norden-Emden-Leer durch die Unterstützung des Welfen in Verden- Archim gerächt! Man sieht daraus, wie ernst es diesen einstigen „Stützen von Thron und Altar" um die Pflege des Gedankens der Reichseinheit ist. Schweinfurt, 23. März. Zu der Korrespondenz aus Schweinfurt in voriger Nr. des „Israelit" erhalten wir mehrere Zuschriften, die alle die großen Verdienste des Herrn Distriktsrabbiner Dr. Stein um die heilige Sache der Sabbatruhe und den Erfolg derselben rühmend hervorheben. Eine derselben lautet u. a.: „Sie brachten in Nr. 11 einen ausführlichen Bericht von Schweinfurt über die Tatsache, daß die am najp geschlossenen Engrosgeschäfte und Fabriken ihr jüdisches Personal an Sonntagen in hiesiger Gemeinde mehrere Stunden beschäftigen dürfen, das weit über das Weichbild unserer Stadt hinaus von eminenter Wichtigkeit ist. In diesem Artikel ist der Sachverhalt wohl klargelegt, aber die Verdienste unseres sehr verehrten Herrn Rabbiners Dr. S te in nicht gewürdigt und mag daher der betreffende Artikelschreiber doch nicht so ganz orientiert gewesen sein. Gerade unser Distriktsrabbiner Dr. Stein war es, welcher mit aller Energie und Ausdauer, im Verein mit unserem verehrten Kultusvorsteher Kommerzienrat Heimann sich der Sache so warm annahm und sind wir ihm für die Herbeiführung dieses günstigen Bescheides zum Danke verpflichtet, welcher ihm an dieser Stelle nochmals ausgesprochen sein möge." H a l b e r st a d t, 23. März. In einer jüdischen Zeitung wurde jüngst das Gerücht eines Schächtverbots durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verbreitet. Dazu teilt uns Herr Rabbiner Dr. Auerbach in Halberstadt mit, daß die neue Verfügung, wie ihm von autoritativer Seite mit Entschiedenheit erklärt worden sei, auf das Schächten absolut keinen Bezug habe. Kch«,e1r. Baden (Schweiz), 20. März. Einen Erfolg in politischer Beziehung haben die Argauischen Juden insofern zu verzeichnen, als zum ersten Male auch ein Jude, und zwar Herr Rechtsanwalt Arnold Bollag, von hierin den argauischen Großen Rat gewählt wurde. Bedenkt man, daß gerade der Kanton A r g a u sich seinerzeit der vom Bundesrate aus unternommenen Emanzipation der Juden so hartnäckig widersetzte und daß auch zu dem 1893 zustande gekommenen Schächtverbote die argauische Bevölkerung ihr gut Teil beigetragen hat, so kann man in dieser Wahl eines Juden zum Mitgliede der Staatsregierung doch eine wesentliche Besserung erblicken. Andererseits aber kann von einer vollständig ungetrübten Freude ob dieses Sieges kaum ernstlich die Rede sein. Stand doch dieser Herr bislang dem Judentume und der Judenheit so fern, so kalt und fremd genenüber, daß es kaum zu erivarten ist, daß er jemals sich dazu bereit sinden würde, jüdische Interessen zu vertreten. Bedeutet aber diese Wahl den Anbruch einer neuen Aera, so eröffnen sich damit immerhin freudige Perspektiven für die Zukunft der schweizerischen Judenheit. In unmittelbarer Nähe unseres herrlichen Badestädtchens befinden sich die zwei ältesten jüdischen Gemeinden der Schweiz, Endingen und Lengnau. Die beiden Landgemeinden, die noch vor wenigen Jahrzehnten ein blühendes Gemeindeleben aufwiesen und mehrere Hunderte Familien zählten, haben in den letzten Jahren durch Tod der älteren Mitglieder und .Fortzug der jüngeren Generation ihre einstige Größe und Bedeutung leider eingebüßt. Während Endingen immer noch mehr als 50 Familien zählt, und ein durchaus geordnetes und staatlich anerkanntes und beaufsichtigtes Gemeindewesen unterhält, hat die Nachbargemeinde Lengnau so abgenommen, daß bei der letzten Gemeindeversammlung der Vorsteher, Herr Moses Guggenheim, den Antrag auf Auflösung der Gemeinde stellte. Es ist aber bezeichnend für die Opferfreudigkeit der schweizerischen Juden, daß alle Mitglieder entrüstet gegen diesen Antrag protestierten und ihn als ein Attentat gegen eine jüdische Gemeinde dahinstellten, deren Existeuzfähigkeit sowohl durch die Opfer der wenigen/noch dort ansässigen Gemeindemitglieder als durch die Beiträge der vielen auswärts wohnenden Ortsbürger noch auf viele Jahre hinaus gesichert ist. Beide Gemeinden besitzen noch aus ihrer Blütezeit Synagogen, die als Prachtbauten eine Sehenswürdigkeit in der ganzen Umgegend bilden. In Lengnau befindet sich das vor einigen Jahren errichtete herrliche Schweizerisch-jüdische Altersasyl. Der Friedhof, den beide Gemeinden gemeinschaftlich besitzen, wird jährlich von Taufenden fchwelzelifchen Juden besucht, deren Väter oder Urahnen dort ruhen. Oesterreich. Lemberg, 21. März. Der neuernannte galizische Landsmann-Minister Dr. Dulemba, dem der Ruf eines gerechten Mannes vorausging, ergreift jede Gelegenheit zu beweisen, daß er nicht nur Landsmann-Minister der Polen, sondern der gesamten galizischen Bevölkerung ist. So nahm er dieser Tage die Wünsche des „Jüdischen Klub" entgegen und versicherte den erschienenen Herren Abgeordneten, Gabel, Mahler und Stand, daß er, so wie bisher, auch in Zukunft den Juden gegenüber vollständig unparteisch und gerecht sein werde. In seiner Amtshandlung als Minister stehe er über den Parteien und sei bereit die Süü

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