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Der Israelit · 1909-03-25 · Heft 12 (25.3.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 12 (25.3.1909)
Date
1909-03-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Der HSraellt. 25. März. Seite A 363. IVO (Gebote 163), nonnn nso (in rroVn "'K), miaK und omatt pö 561 (die zahlreichen Dezisionen, jpelche dieser Entscheidung beipflichten, kann man das. im D'Ti mm« '□ verzeichnet finden.) Vergl. auch Hirsch Chaurew § 704. Der Raum der mty, dessen Betreten mit rro HD'K untersagt ist, läßt sich nicht mit Genauigkeit bestimmen. Nach einem Responsum des Nr. 691 wird mit Sicherheit angenommen, daß innerhalb der Moschee, die von den Mohamedanern Al Sachra genannt wird, sich der »TntP pK befindet, der in der Mitte des Allerheiligsten die Stelle der Bundeslade bezeichnete (vgl. hierüber Schwarz, Das heilige Land, S. 216 ff.) Von diesem rTW pK ausgerechnet, reichte der Raum der mty nach Westen ca. 43 Ellen, nach Norden und Süden ca. 73 Ellen, und nach Osten cü. 154 Ellen. Diese Angaben sind nach dem lichtvollen Plane von H. Bloch (Breslau 1883) gemacht. Diese Bemerkungen werden genügen, um jeden Gesetzestreuen vor dem Betreten des Tempelberges und besonders des Tempelplatzes zu warnen.*) Ucbcr aas Judentum! Uon einem „Laien " an einen „Laien ". Bon Wilhelm Kreyhan in Breslau. (Fortsetzung.) Wenn wir erst warten wollen, bis uns der „Anblick der schwellenden Triebe eines Baumes, der aus Winterstarrheit zu jungem Leben erwacht, religiös stimmt," wenn wir erst „Gottes Allmacht preisen angesichts eines wallenden Kornmeeres oder eines Baumes, 5essen Zweige in der Wucht der Früchte sich demütig zu Boden senken" und dann erst unsere Augen dankerfüllt zum Himmel heben, dann bliebe unsere religiöse Gesinnung noch unendlich weit hinter der des geringsten gesetzestreuen Juden zurück, der — selbst wenn er nicht zu den psychisch besonders fein veranlagten Naturen gehört — täglich, *) Der obige Aufsatz steht im Zusammenhang mit dem Verhalten eines jüngeren norddeutschen Rabbiners, der sich in einem öffentlichen Bortrag^über seine Palästinareise der Kühnheit gerühmt hatte, mit der er den Tempelberg betreten habe, und der inzwischen — infolge unseres Eingreifens — seinen Irrtum durch einen Artikel in der »Jüdischen Rundschau" anerkannt hat. Dieser Widerruf läßt uns um so leichter darauf verzichten, die Ungezogenheiten, mit denen der junge Herr auf unser loyales Privatschreiben in dieser Angelegenheit öffentlich reagierte, hier einer Würdigung zu unterziehen. Das obengenannte Blatt, das zuerst jenen Schimpfereien Raum gewährte, hätte seinem Klienten jedenfalls mehr genutzt, wenn es diese rein relig öse Angelegenheit nicht zu Partetzwecken auszubeuten versucht hätte. Red. Prediger Stöcker war bekanntlich in der Wahl teincr Mittel nicht gerade sehr vorsichtig. Als er mit seiner unter dem Namen „Berliner Bewegung" bekannten monarchisch-muckerischen Agitation unter den Volksmassen der'^Neichshauptstadt anfangs der Achtzigerjahre begann, hielt man sich in den Versammlungen, wo er sprach, eine bezahlte Clague. Dabei ereignete sich, wie erzählt wird, einmal folgende amüsante Episode. Stöcker steht auf der Rednertribüne und haranguiert sein Auditorium folgendermaßen: „Wer hat den Mammonismus ins deutsche Volk gebracht? Einer von der Clague, ein kleiner buckliger Schneider, der sich um gesehen zu werden, auf einen Stuhl stellen mußte, kreischt sächsisch melodisch: „Die. Juden!" Rings im Zaale fällt der Chorus der Antisemiten beifällig cm: „Die Juden!" Stöcker fortfahrend: „Und wer die Internationale?" Der Schneider: „Die Juden!" Der Chorus: dito. Stöcker: „Wer hat das deutsche Handwerk und die deutsche Landwirtschaft ruiniert?" Antwort: „Die Juden!" Stöcker: „Wer hat den Schwindel großgezogen?" Der Schneider: „Die Juden!" Ztöcker mit Cherubsmiene: „Wer hat den deutschen C'lauben gepflegt, deutsche Art und Sitte verteidigt und die Interessen der deutschen Arbeit?" Einmal im Schwünge, schreit der bucklige Schneider auch: „Die (luden!" In' fünf Minuten befand er sich draußen, von den Fäusten der tobenden Antisemiten an die irische Luft befördert, und stöhnte, sich die schmerzenden Glieder reibend: „Und das Alles bloß for iuszig Fenge!" So viel hatte er bekommen, um in der Stöcker-Versammlung den biederen Malm aus dem Volke zu mimen. stündlich der Allmacht jenes hoch über all den irdischen Realitäten stehenden Wesens gedenkt, täglich und stündlich die Allmacht dieses Wesens beim Genüsse, ja schon beim Anblick des scheinbar Geringen, aber doch als göttliche Schöpfung sich uns Darbietenden preist. Wenn wir uns des Wohlgeruchs einer schönen Blume erfreuen und in die Worte ausbrechen: „Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott König der Welt, der wohlriechende Pflanzen hervorbringt" oder wenn wir auch nicht eine Krume Brot genießen dürfen, ohne vorher den vorgeschriebenen Segensspruch: „Gelobt seist Du, Ewiger unser Gott, König der Welt, der die Nahrung aus der Erde ' hervorbringt," zu sprechen oder wenn wir sonst dankerfüllten Herzens für die Wohltaten, die Er uns in jedem Augenblick unseres Daseins erweist wir zu Gott im nma emporblicken — gibt der gesetzestreue Jude nicht dann mindestens so gut seinem religiösen Empfinden Ausdruck, als wenn er alle Schranken des den Juden fesselnden Gesetzes durchbrechend mit Jung und Alt an den Nachmittagen der Festtage hinauszieht in die zu neuem Leben erwachende Natur, um an ihr sich labend, Gottes Gnade zu preisen? Es sollte hier wohl nur darauf ankommen, das Engbrüstige „veralteter Verbote" des Fahrens etc. zu zeigen, denn daß die Spaziergänge am Sonntag oder Feiertag mit ihrem lauten, bunten Treiben nichts weniger als geeignet sind eine religiöse Stimmung auszulösen und Gottes Allmacht in der Natur wahrhaft Lu erkennen, das wird wohl jeder religiös empfindende Mensch zugeben müssen. Aber es sollte ja nur nachgewiesen werden, daß uns die Beachtung „veralteter Verbote in Fesseln schlägt", die wir unter allen Umständen abschütteln müssen, wenn wir den Anspruch erheben wollen, als freie Männer zu gelten. „Ist uns doch der Frohsinn einer bodenständigen Bevölkerung abhanden gekommen." Schleppt doch der Sklaven-Jude seine alten Fesseln weiter oder wie an anderer Stelle geklagt wird: „Und uns muten die Rabbiner zu in der Weite eng, in der Helle düster, in verjüngter Frische griesgrämig zu bleiben!!" Kann man wirklich den wahren Festesfrohsinn, jene glockenhelle Heiterkeit, die unsere verfolgten Glaubensbrüder, die Jahrhunderte hindurch im Unglück glücklich, in größter Not und Bedrängnis zufrieden und frei hat werden lassen, draußen im Volksgetümmel, im Geräusch vieler Tausender finden? Oder sollte sie nicht im stillen Schoß der Familie schlafen, nur darauf wartend, bis die Zeit gekommen, da sie wieder geweckt wird? Sollte das Herbstsest doch noch nicht so „kahl" und so „düster" geworden sein, wie es der Herr Reformator schildert? Gibt eS am Ende doch noch jüdische Familien, denen der Bau der Laubhütte ein Herzensbedürfnis ist und die den über ein jüdisches Hüttenfest gebreiteten Zauber als lebendige, herzergreifende Macht und nickt als „verblaßte Schönheit empfinden. Ja, „verblaßte Schönheit läßt sich nicht auffrischen." Das ist richtig. Ist diese Schönheit aber - in Wahrheit verblaßt oder liegt über ihr nur jener Schleier, der die herrlichste Poesie verhüllt und verhindert, daß sie der Spötter mit seinem verständnislosen Blicke entweiht, der aber im Augenblicke verschwunden ist, da wir ihn zu lüften versuchen? Und wie mißverstanden hat der Herr Reformator die Bedeutung des Hüttenfestes: „Es war das schönste Fest im schönsten Monat des Jahres. Da hatte die Hütte, das Kampieren im Freien, Sinn und Bedeutung. Was bietet sie aber uns? Nicht einmal recht die Möglichkeit, die Mahlzeit zu verzehren." Von wie kleinlichen Gesichtspunkten mißt der „Laie" die, jüdische Freuden, mißt er unnotP pt, unser Erntefest, diesen königlichen Abschluß der Festreihe, die sich in aufsteigender Linie von dem Ernst der Lebenserinnerung, dem Neujahrsfeste, durch die zehn Tage des Jnsichgehens, zum Jaum Hakipurim, dem Versöhnungsfeste, der Aussöhnung mit der Wett und der Wiedervereinigung mit unserem Gotte, zur Höhe der Lebensfreude vor.Gott erhebt. Unser „Laie" weiß zur Charakteristik dieser Laubhüttenfreude nichts anderes zu sagen als: „Was bietet sie uns? (die Laubhütte). Nicht einmal die Möglichkeit, die Mahlzeit in Ruhe zu verzehren." Was bedeutet uns aber dieses Fest der heiteren Lebensfreude, was ist uns die Hütte? Bedeutet sie uns etwa wenig mehr als eine Sommerlaube, um „bei Gelagen und Mahlzeiten im Freien zu kampieren?" Nein, sie ist der Ausdruck unseres innigstens Seelenlebens, unseres feinsten, vornehmsten Denkens, das wie unser ganzes Leben aufs Neue die eigene Persönlichkeit unter den unmittelbaren Schutz Gottes stellt. Kaum vom Feste der Versöhnung mit unserem Gotte wieder in das Alltagsleben zurückgekehrt, wollen wir auch äußerlich zeigen, daß das, was wir gelobt, nicht nur leere Phrasen warendaß wir — nicht „obgleich" die Zeit für den Aufenthalt im Freien nicht geeignet ist — sondern gerade „weil" das Aufschlagen seiner Hütte im Freien zu dieser Jahreszeit nichts Alltägliches ist, hinausziehen mit unserer gesamten Familie, verlassen das festgegründete Haus und einziehen in die nur auf ein paar Pflöcken ruhende Hütte, der Unbill der Witterung uns auss^end — und alles dies, nur um Ausdruck zu geben, daß wir uns wiederum unter den unmittelbaren Schutz Gottes stellen, auf ihn vertrauen, daß er uns auch im neuen Jahre nicht verlassen werde; und wenn die drohenden Stürme noch so heftig um unsere schwach gebaute Hütte brausen — uns werden sie nicht zu schaden vermögen/ stehen wir doch unter dem eigenen Schutze unseres Gottes, Vaters und Schöpfers, des Allvaters der Natur! Darin liegt die Bedeutung der Laubhütte und mit ihr verknüpft ist die Glückseligkeit reinsten Familienlebens, die noch nicht „verblaßt" und noch nicht „abgestorben" ist, die vielmehr heller strahlt als je zuvor. Denn nicht die „künstliche Züchtung im Treibhause westeuropäischer Orthodoxie" hat uns die „verlorenen Bräuche des Mittelalters", um die wir angeblich „vergebens weinen", erhalten, sondern der gesunde, religiöse Sinn des Juden, der Gott sei Dank für die Poesie und die tiefe ethische Bedeutung unserer unverbrüchlich feststehenden Satzungen immer noch mehr Verständnis zeigt, als für die Tannenzweige am Winter-Weihnachts-Chanuklafest und für die „edelsten Pflanzen der Zone" am Laubhüttenfest! (Schluß folgt.) orrespondenzen und Nachrichten. Derrtsrhes MeUH. Berlin, 21. März. Bei Beratung des Militäretats in der Reichstagssitzung vom 19. März kam wieder einmal die Frage der jüdischen Offiziere zur Sprache. Abg. Kop sch (Freis. Vlkp.) rügte die konfessionelle Zurücksetzung beim Militär, wodurch Angehörige jüdischen Glaubens systematisch von der Beförderung zum Offizier zurückgehalten würden. Er erinnerte an die bekannte Kabinettsordre, wonach konfessionelle Unterschiede bei der Beförderung nicht maßgebend sein dürften und die zugestandenermaßen auch auf Juden Bezug habe, und wünschte strikte Einhaltung dieses allerhöchsten Befehls.

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