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Der Israelit · 1909-03-18 · Heft 11 (18.3.1909) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 11 (18.3.1909)
Date
1909-03-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11. Der JSraelit. den Rat eines Kollegen einzuholen, eine Denkschrift deS „V rbcmdS der deutschen Juden" geg n die jüdische BvlkS. schule unterschrieben hätten." In den „Blätter f. Erz.u.U." (Nr. 8d.J.) ist aber folgender köstlicher Erguß über den gleichen Gegenstand zu lesen: „Wie weit d r Druck geht, zeigt auch ein Borgang auf der letzten Versammlung des „Bundes '. Einige Lehrer ha ten Unabhangigkeitegelüste gezeigt, da aber fuhr ibnen ihr Herr und Meister aus F lda mit einem gewaltigen Hagelwetter dazwischen. Jede andere Versammlung würde einem Gaste, der sich eine solche Sprache erlaubt, den Stuhl vor die Türe setzendiese Versammlung duckte sich mäuschenstill und ihr offizielles Protokoll schweigt den Vorgang et fach 10t." Als Hauptquelle wird das „Frankfurter Israel. Familienblatt" angegeben! Es ist mit Sicherheit daranf zn rechnen, daß die „Bl. f. Erz. u. U." den „Vorgang" demnächst in der von ihnen beliebten Darstellung als historisch beglaubigte Tatsache feststellen, und ich bitte Sie deshalb dringend, ihn dahin zu verweisen, wohin er gehört, in das Gebiet der Legende, deren Ursprung zudem so leicht nachweisbar ist. Die fortbildung des jüdische« Ccbrcrs in den Reliaion$wi$$enschatte« unter Berücksichtigung der in den einzelnen Kursen gemachten Erfahrungen. Referat, der Generalversammlung des Bundes g. j. Lehrer zu Frankfurt a. M. erstattet von Seminarlehrer Elias Gut zu Cöln. (Schluß.) Auf solche Weise würde erreicht, daß diejenigen unserer Kollegen, die den Predigertitel führen, in der Lage wären, ihre weitergehenden Kenntnisse auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiete zu dokumentieren. Als geeignetste Stelle für diese Prüfung erschienen mir unsere beiden talmudischen Hochschulen Berlin und Frankfurt. Ich setze dabei voraus, daß diesen Lehranstalten die Verbindung und der Zusammenhang mit der Lehrerwelt ebenso angenehm sein wird, wie er der holländischen jüdischen und fast allen deutschen Hochschulen ist. Heute herrscht doch mehr als je das lobenswerte Bestreben, die Wissenschaft zu popularisieren, ihr den Weg zum Volke zu bahnen. Die Kommission dürfte am zweckmäßigsten zusammengesetzt werden aus zwei Hochschullehrern, zwei Seminarlehrern und einem Schuldirektor- Bedenken gegen die pädagogische Standesehre liegen also nicht vor. Denjenigen Lehrern, die diese Prüfung, deren Erfordernisse demnächst aufzustellen wären, bestehen, ist die Führung des tan und Religions-Hauptlehrertitels wohl zu gönnen. ' Bei einem Stande, der so um seine vitalsten Interessen zu ringen hat, wie der unsrige, müssen alle Mittel versucht werden, die Hilfe versprechen. Meine Herren! Die Steigerung des Wissens ist nicht der einzige Nutzen, den unsere Kurse ihren Teilnehmern und indirekt ihren Schülern bieten, ihre segensreiche Wirkurm erstreckt sich viel weiter. Wie hier Herr Dr» WeinbergSulzbach eingehend in seinem Berichte hervorhebt, freuen sich die Lehrer, die sich zu den Kursen zusammenfinden, wieder einmal mit gebildeten Menschen zu sprechen, mit Kollegen gemeinsame Interessen und gemeinsame Sorgen zu erörtern, eine Stelle zu kennen, wo man sich ungeniert orientieren kann über brennende Tagesfragen, über zweifelhafte Auffaffungen, über neu auftauchende Probleme. Nnirvo'ik terrnan ik Gesellschaft — oder Tod! Die tiefe Wahrheit dieses talmudischen Wortes erkennen besonders diejenigen Kollegen, denen nicht das Glück vergönnt ist, im Kreise gleichgesinnter, hochstrebender Amtsbrüder zu wirken, sondern draußen auf dem platten Lande, weitab vom brausenden Weltverkehr als Pioniere altehrwürdiger Kuttur ihres verantwortungsreichen Amtes walten. „ Aber nicht nur die min, auch die zieA gewaltigen Vorteil aus unseren Zusammenkünften. Wie mancher, der draußen in der Isolierung, ermattet vom Kampfe gegen Jndifferentisrnus und Stumpfsinn, Mut und Begeisterung schwin den ließ, rafft sich wieder tatentschlossen auf, sieht er seine Binder feurig sich um das teure Banner der mivtt scharen! Möge daher das Netz unserer Kurse sich immer weiter ausdehnen, bis es allmählich alle Gebiete „vom Fels zum Meere" als freie Vereinigung zur Wege der Thora umfaßt! M. H.! Wir tagen auf historischem Boden. In den Mauern dieser Stadt feierte der große Kämpfer, dessen hundertjähriger Geburtstag vor wenigen Monden überall da, wo dem unverfälschten Gotteswort Stätten errichtet sind, mit Dankbarkeit begangen wurde, seine unvergeßlichen Triumphe. Ich glaube, wir dürfen Samson Raphael Hirsch auch zu den Nnsrigen rechnen. Er war nicht allein der große dekvusor fidei, nicht nur der erfolgreiche Organisator, er war auch ein begeisterter Pädagoge, ein treuer Freund und Erzieher der Jugend. Abgesehen von. seinen glänz'enoen praktischen Erfolgen beweisen dies so recht seine pädagogischen Plaudereien, wie er in bescheidener Weise jene wertvollen erzieherischen Abhandlungen im Jeschurun genannt hat. Wohlgemuth betont in seinem stimmungsvollen Essay „Hirsch als Erzieher" mit Recht, daß Hirschs erzieherische Kraft auf psychologischen Gesetzen beruhe und sich deshalb bei jedem bewähren muß, der sich in den Bereich seiner Erziehertätigkeit begibt. Was liegt also näher, als daß wir Erzieher der Jugend bei diesem Erzieher unseres Volkes in die Lehre gehen, um sein Programm zu dem unserigen zu machen. Im vorletzten seiner neunzehn Briefe stellt nun Hirsch sein Bildungs- und Fortbildungsprogramm auf, welches lautet: „Einen Weg gibt es zum Heile: Nehmen die Quellen des Judentums, n"an D"r und ttniD, sie fürs Leben gelesen, studiert, begriffen - daraus Judentums Ansicht geschöpft über Gott, Welt, Menschheit und Jisroel nach Geschick und Lehre. Mit davidischem Sinne Natur angeschaut, mit jesaitischem Ohr Geschichte vernommen, mit so gewecktem Auge, mit so geöffnetem Ohr über Gott, Welt, Menschheit und Jisroel die Lehre geschöpft und zum Begriff gebracht, mit dem Geiste solchen Begriffes, in D"tf studiert, in na*?n nichts als Äuseinanderlegung dieses Begriffes, in rmK nichts als in Bilo verhüllten Ausspruch dieses Geistes erkennend. Das wäre Werk für der Wiffenschaft Jünger! Aber die Resultate dieser Wiffenschaft dann ins Leben — durch die Schulen verpflanzt, und die jungen Sprößlinge Eures Volkes zu Juden erzogen, zu Söhnen und Töchter des Judentums, wie Ihr es s o erkannt habt." Wir können, m. H., unsere Hirfchfeier nicht würdiger begehen, als daß wir dieses Hirsch'sche Fortbildungsprogramm als Richtschnur unserer Bestrebungen anerkennen. Was immer wir auch zu unserem und der Jugend Heil beschließen, unser oberster Leitsatz wird sein: iiaa uni min?! " Der Tauroh gebt die Ehre! Recbeurcbattrbelicdle. Die Rechenschaftsberichte des israel. Seminars in Würzburg und der beiden Präparandenschulen in Höchberg und Burgpreppa.ch liegen uns vor und da diese Anstalten viele gemeinsame Beziehungen haben, wollen wir sie, wie im Vorjahre, nach gemeinsamen Gesichtspunkten besprechen. In früheren Jahren interrffierte der ___18. Marz 1909. Seite 11. materielle Stand der LehrerbilduÄgMmstalten die Leser nur recht mäßig. Man freute sich, daß sie .nicht nur in der glücklichen Lage waren, für alle Ähre Bedürfnisse aufzukommen, sondern auch noch /einen* schönen Meservefond anzusammelnman freute sich, daß Anstalten, die aus so kleinen Anfängen hervorgegangen, die von ihren edlen Gründern mit einem starken Maß von pn&a ins Leben gerufen worden waren, sich auch finanziell immer mehr konsolidiertenheute gilt der erste Blick dem Rechnungsabschluß. Erfreuliches ist nach dieser Richtung hin auch in diesem Jahre nicht zu berichten: die Bedürfnisse steigen zusehends, aber nicht die Eingänge. Das Würzburger Seminar schließt mit einem Defizit von nahezu 3000 Mk. ab, denn einer Ausgabe von 35.525 Mk. stehen nur 32.650 Mk. als Einnahmen gegenüber. Hoffen wir, daß die bayrische Regierung, der Anregung der Kammer folgend, ihm eine solche materielle Beihilft gewährt, daß es im Stande ist, seinen Etat ins Gleichgewicht zu bringen, ohne das Vermögen anzugreiftn. Etwas besser liegen die Verhältnisse in Höchbergdort konnten zwar 2100 Mk. dem Pensionsfond zugeführt werden, aber 6460 Mk., die der Anstalt an Legaten zufloffen, mußten bis auf ftinen Rest von 600 Mk. für die laufenden Ausgaben verwendet werden. Dabei steht die Anstalt vor der Notwendigkeit, ein neues Schulgebäude zu errichten! Scheinbar am günstigsten steht noch die Talmud-Thoraschule in Burgpreppach, denn sie konnte ihren, ftrilich noch reckt kleinen Pensionsfond um. 3000 Mk. erhöhen und cä. 1200 Mk. dem Reftrvefond hinzufügen. Sie wird aber künftig bedeutend höhere Aufwendungen für Lehrergehälter machen müffen, um wieder einen ftsten Stamm von tüchttgen Lehrern zu gewinnen und sie dauernd an die Anstalt zu fesseln. Häufiger Lehrerwechsel ist der Entwicklung einer jeden Schule nachteilig, bei einer Präparandenschule aber ist sie mehr als mißständig und deshalb dürfen keine Mittel geschaut werden, um stetige Berhältniffe inbezug auf das Lehrpersonal zu schaffen, auch aüf die Gefahr hin, daß die Ueberschüffeverschwinden. „Tu' Geld in unseren Beutel!" Auf diese Aufforderung laufen jetzt allx RchenschaftSberichte hinaus und es ist ein schweres Problem, wie man die Mittel für die täglich neu auftauchenden Bedürfnisse auforingen soll, ohne alte Jnstituttonen, die auf die öffentliche Wohl» tätigkeit angewiesen find, in ihrem Einkommen zu schädigen. Beide Präparandenschulen hatten im Berichtsjahr einen schweren Verlust ju beklagen. Der Leiter der Höchberger Talmud-Ehöra, Hauptlehrer Nathan Esch Wege, schied am 23. April v. I. nach 33jährigem Wirken an der Anstalt auS einem tatenreichen Leben und am 22. Oktober senkten sie in Burgpreppach die sterbliche Hülle deS um die Entwicklung der Schule hochverdien.- t e n Lehrers Wolf Neumann in die kühle Erde, nachdem sich kaum ein Jahr vorher das Grab über einem anderen Lehrer der Anstalt, den wackeren Josef Braunold geschlossen hatte. Ihre Bedeutung und ihr segensreiches Wirken wurde bereits in diesen Blättern gewürdigt und wir können uns darauf beschränken, den beiden Anstalten den innigen Wunsch auszudrücken, daß es ihnen gelingen möge, als Ersatz Männer von gleich edler und uneigennütziger Gesinnung und von gleich unermüdlicher Schaffenskraft zu gewinnen "»"'aitt! (Schluß folgt.) CSsQ Korrespondenzen «. vacdttcdle«, Frankfurt a. M. Am 1. April d. I. begehen die H. H. Kösterich und Pineas, Lehrer an der israel. Volksschule dahier, ihr 25jährigeS Amtsjubiläum. C^D ■üatimBSnnitkWti»' •H'-'<*«rniiririf-i ~

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