Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1909)
- Date
- 1909-03-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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*0 11 Seite 9 18. März 190g Der J-raelit nun hören wir, was An orthodoxer Herr kalten Blutes zu schreiben imstande ist: „Bor allem verlautet, daß die Mehrzahl der „bayrischen Rabbiner sich in einer im 'November „in Würzburg stattgehabten Konferenz mit aller „Energie gegen die eine Wanderung der bisherigen „Gesetzgebung, die allerdings in weit- „gehendster Weise die Omnipotenz der „Rabbiner so ziemlich auf allen Ge - „bieten des Gemeindelebens statuiert „hat, ausgesprochen habe. Die Herren befürchten, „daß ein Teil ihrer hierarchischen Rechte durch die „zu erwartenden neuen Normen geschmälert werden „könnte.Nur wenige Rabbiner, an deren ,'."Spitze Münchens Gemeinderabbiner, haben bisher „volles Verständnis für die Situation bekundet." . . . Wir möchten nun in diesem Zusammenhang davon Abstand nehmen, das tatsächlich Unrichtige in diesen Behauptungen nachzuweisen, (Herr D. L. mußte es uns selbst schon zugestehen, daß dieser Beschluß der Würzburger Generalversammlung der Penfions- und Reliktenkasse bayrischer Rabbiner eine Mythe ist), wir sind auch zu stolz für unsere Rabbiner, als daß wir über den Vorwurf einer egoistischen Taktik derselben viel Worte verlieren möchten und überlassen diese Arbeit gerne dem vollen Verständnis des Münchener Gemeinderabbiners; nur mit der Infiltration möchten wir uns beschäftigen, welche den Ausführungen des Herrn D. L. zu Grunde liegt. Soweit wir uns erinnern, ist das Wort von der Omnipotenz der Rabbiner als Schlagwort in einer Versammlung geprägt worden, welche die Revisionsfreudigkeit des neologen Teiles der bayrischen Judenheit zeugte. Ter höchst moderne Gedanke einer Trennung von Kirche und Staat hat eine derartige Zugkraft bewiesen, daß er sogar für das Innenleben von jüdischen Gemeinden skrupellos angewendet wird, wobei man ganz naiv vergißt, daß die jiidische Gemeinde eben imr Kultusgemeinde ist, daß sogar der orthodoxe Herr D. ganz unbedenklich eine Scheidung zwischen religiösen Gemeindeaufgaben und anders gearteten vollzieht. Weiß denn Herr D. L. nicht, daß für die religiöse Auffassung des Gemeindelebens es andere als religiöse Ausgaben desselben überhaupt nicht gibt?! Daß die Organisation einer Verwaltung derselben, daß die Betätigung ihrer sog. sozialen Ausgaben in dasselbe Gebiet fallen? Allein jene oben skizzierte moderne Idee ist so sieghaft vorgedrungen, daß alles andere daneben verblaßt. So kann es kommen, daß orthodoxe Kämpfer ihre Rüstung jenen .tkreisen entnehmen, denen der Rabbiner im Wesentlichen Kanzel- und Casualredner ist, daß Eintreten für die nilöK als hierarchisches Gelüste stigmatisiert wird, daß die Herzensangst derselben, es könnte bei der Revision eine Gefährdung des religiösen Lebens entstehen, es sich gefallen lassen muß, als engherzige Selbstsucht angesprochen zu werden. Und dies alles, wir betonen es, nicht aus Verkennung und bösem Willen, sondern unter dem Druck der infiltrierten Idee der Berechtigung des Laienelementes. Ein zweites Bild! Es ist in diesen: Kampf viel von S. R. Hirsch und Rabbi Esriel Hildesheimer 7^*7 die Rede gewesen: man hat den orthodoxen Rabbinern vorgeworfen, daß sich ihr Standpunkt in der Revisionsfrage sehr wenig mit der Verehrung für diese Heroen vertrage. Auch hierauf möchten wir heute nicht eingehcn, nur die eine Bemerkung sei gestattet, daß die Anlehnung an diese Vorbilder es kaum gestatten dürfte, immer wieder und wieder von der Trennungsmöglichkeit als Sicherheitsventil zu sprechen. Vielleicht bitet sich in einem anderen Zusammenhang und an einem andern Ort die Möglichkeit, diese Trage izü beleuchten. Was unsjedoch hier und heute am interessiert, ist wiederum der Nachweis einer Infiltration. Der im politischen Leben Deutschlands junge Versuch einer Proportionalwahl. bemächtigt sich des Denkens und Wollens in solchem Umfang, daß man ihn kurzerhand auf "das jüdische Aemeindeleben verpflanzen möchte, ohne auch nur zu ahnen, wie himmelweit dieser Gedanke gerade von dem Ideenkreise eines Hirsch und Hildesheimer absteht. Wir heben ausdrücklich hervor, daß wir meritorisch über Wert und Berechtigung der Proportionalwahl kein Urteil abgeben möchten, haß man sehr wohl sich eine Begeisterung für dieselbe denken kann, nur daran lag uns, klarzulegen, wie auch hier wieder eine heterogene Idee einen Mann, der sicher innerlich der Hirsch- Hildesheimerschen Auffassung huldigt, zum Eintreten für eine Frage verführt hat, die ihm durch moderne Prinzipien suggeriert wurde. Ein drittes Bild, das allerdings mit dein Artikel des Herrn D. L. .nicht im Zusammenhang steht. Für die Notwendigkeit der Revision werden stets die Verhältnisse der Großgemeinden ins Feld geführt: es ist ja nun wohl klar, daß da auch die Gegner der Revision sich mit diesen Verhältnissen befassen müssen, um aus der Diskussion derselben ihren ablehnenden Standpunkt begründen zu können. Da, .ist nun aber in der jüngsten Zeit ein Novum aufgetaucht; man sagt, diese Diskussion bedeute eine Ueberfchreitung der Kompetenzen, sie müsse deshalb unterbleiben!! Auch hier vergißt man, daß der alte Satz.:<g'37kK. SOV ^?3 *772 SV in Verbindung mit den Vorschriften der Decisoren die Grenzen der Kompetenzen .geyftV. festlegt: im besten Glauben huldigt man.einHyp vom.^modernen Empfinden infiltrierten Gedanken und kömmt dabei zu so seltsamen Resultaten, daß wir eine Schilderung derselben lieber unterlassen wollen. Es käme dem gesch. Leserkreise vielleicht zu bajuvarisch vor. Dasselbe wäre vielleichb»der Fall, wenn der Nachweis versucht würde, daß schließlich in dem Schlagwort von den sog. Richtungen im Judentum eine ganz ungeheuerliche Infiltration liegt, daß diese Infiltration der Jammer unserer Zeit ist. Allein das würde wirklich die Grenzen der blau-weißen Pfähle überschreiten und wir würden fürchten, mit dieser Darlegung eine bewußte — Infiltration zu begehen. Oder vielleicht nicht? Jüdische Soldaten. Geehrte Redaktion! Das Pesachfest ist im Anzuge, das Fest, an dem wir Juden gern an die Armen und Bedürftigen denken, an desien Abenden wir die schönen Worte der „Hagada" beten: „Wer hungrig ist, der komme zu unS und effenut, jeder Dürftige talte mit uns das Pesachfest!^ Und sollten wir nicht in Erwartung dieser Tage auch an die jüdischen Soldaten denken, die leider das ganze Jahr hindurch zumeist rituelle Beköstigung entbehrend, dieses doch am Pesachfeste doppelt schwer empfinden müssen? Die Vorstände, sowie Rabbiner der jüdischen Gemeinden in den Garnisonstädten sollten es doch als ihre heilige Pflicht betrachten, fich dieser hochwichtigen Sache anzunehmen. Den Gemeinden, die aus eigenen Mitteln die rituelle Verpflegung nicht bewerkstelligen können, dürfte, wenn ste öffentliche.Sammlungen durch Aufrufe veranstalten, weitgehendste Unterstützung aller Glaubensgenossen sicher sein. Schreiber dieser Zeilen, besten Adreffe bei der Redaktion des „Israelit" zu erfahren ist, ist gerne bereit, den ersten Beitrag von 20 Mk. zu einer solchen Sammlung zu leisten. L. L. Briefkasten. Ben Ja r. Der Bericht konnte in dieser Form, die noch allzusehr der Purimstimmung entspricht, nicht auige ommen werden, Eine kleine Aenderung war daher unvermeidlich. I. <A. in B. N. Beim Eintreffen Ihres Berichtes lag uns bereits ein solcher von anderer Seite vor. Besten Dank! Langjähriger Leser in p. Ein derartiges Sammel-Jnstttut in Jerusalem ist uns nicht bekannt. Doch dürften die dort bestehenden bekannten Wohltätrgkeitsanstallen gern auf Ihren Wunsch eingehen. H. L. in B. Die Thoralehranstalt des Herrn Rabbiner Dr. Breuer in Frankfurt a. M., Schützensträße 14. Kvw. in B. Kleine Aenderungen und Kürzungen find bei Vereins- und Gemeinbeberichten mit Rückficht auf den Raum unvermeidlich. Den Artikel nochmals abzudrucken, geht unter keinen Umständen an. M. D. G. Den'Namen des betreffenden Herrn können wir Ihnen leider nicht nennen. Vielleicht kann Ihnen über den betreffenden Gegenstand Herr Lehrer Felix Wertheimer in Bukarest, Lucacistr. 14, Auskunft geben. A. K. in L. Reiner Salpeter darf am riDS derwendet werden, nicht aber irgendwelche Mischung. D. P in Breslau. Bon einem Kilo an ohne rD*D> bet 3Va Pfund mit ,1313- Unsere frühere Antwort in diesem Sinne scheint Ihnen entgangen zu sein. Fra« L. M. in L. Wie man uns von autoritativer Serie mitteilt, darf es, wenn Gefahr für das Kind vorhanden ist, geschehendoch müssen Sie fich über die Verhaltungsmaßregeln von einem gesetzestreuen Rabbiner genaüe Änweitungen geben lasten. Uereinskalender. Jüdischer Frauenverein e. B. Am Mittwoch, 24. März, abends 9 Uhr, in der Realschule der Jsr. Rel.-Gesellschaft, Am Tiergarten 8: ..Lektüre und Erläuterung des Buches Hiob". Referent: Herr Dir. Dr. Lange. Gäste (Damen) find willkommen. Herein Mekor-Chaiim. Samstag, 20. März, Nachmittags 33L Uhr, chützenstr. 2, Mikro-Vortrag oes Herrn A. M. Schwarzschild. Bereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung '23C fl'Mittwoch, 24. Marz 1909, abends 9 Uhr, im Vereinslokale Schützenstr. 2: Schüß- Bürtrag des Wintersemesters'„Nistangedankm . Referent: Herr Leopold Schwab. — Samstag 20. März, findet, keine Vüriesung statt. — Samstag, i7. März, mittags 12lU~l Uhr, im Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage: Lektüre der „Neunzehn . Briefe" unter Leitung Tutf Herrn Dr. I. H. Bon di. - Schluß des Wintersemesters.; Mtsrachi, Ortsgruppe Frankfurt a. M' Dienstag, 23. März, abends 81/, Uhr, im Kursaal Mtlant, Friedberger Anlage: „Die Gegenwartsfragen im Zionismus und der Misrachi". Referent: Herr Baruch Stern- OA inderecke. ßebräisthes Räffel. Ist ein n des Wortes Mitte, Dann schließ Dich getrost ihm an, Er versagt Dir keine Bitte, Denn er hat Dich gern. Doch ist statt n ein /*> darin, Ich Dich zur Vorsicht mahn', Denn Böses hat er wohl im Sinn, Drum halt Dich von ihm fern. Alex Speyer Auflösung des Miels in Ho. 9: o'-ne - Richtige Lösungen (zumeist in gutem Hebräisch) sandten ein: . Jeanette Rafaiowicz, Nürnberg) Emanuel Donath, Rabbinatskcmditat, Preßburg) 'Marlin Scheftelowitz, Königsberg i. Pr.) Carl Weftenstock, Berlin) Mignon Scheftelowitz, Cosel) Ackermann, Lehrer in Wiesloch) Regina Stern, Bern) Selma Jacob, Rüdesheim a. Rh.) I. Jaffe, Tilsit) Israel Schächter, Borszczow) Samuel Kurz, Tarnow,' Samuel Markowitz, Lehrer in Kenty) Karl Darmstädter, Ladenburg) Adolf Gottesmann, Boldwa) L. Horwitz, Cannstadt) E. Wertheimer, Lehrer in Hardheim) Tobias Katz, Seifenfabrikant in Jerusalem, Lola Jung, Storozynetz) Alex Speier, Frankfurt a. M.?amiliennad>rid>ren. Verlobte: Lina Frankenth al, Sigmund Sichel. Altenlotheim-Heldenbergen. — Johanna Heck sch er. Louis Feuchtwanger. Hamburg-Fürth i. B. — Anna Breuer, Arnold Strauß, Budapest. — Irene Kohn» Geza Hirsch, Kaschau-Katona (Ungarn). Verstorbene: Fanny Friedmann (Wohl) hier, Röderbergweg 38. 65 Jahr. — Jecmette Kahn (Seckbach) hier, Zeil 34. 76 Jahr. — Simon Meyer, Aschaffenburg. 69 Jahr. — Fanny Fran k, Rödglsee. . Barmlswohfeler: Arthur, Sohn d. KueSmaklerS Jacob Dalheim. Ja der Synagoge der JSr. ReligionSges. Friedberger Anlage. Sabbat-Anfang u. Ausgang. Win 's mpa frnpn ' OBT: Anfang Datum Eisgang UhrlMn. 1909 | 5669 UhrlRiu. ffrottffttt* tu M 6 10 20. . März 27. Adar ' 7 25 Berlin;. — — 6 59 Wttdrche» . . 6 15 7 05 Strastburg . 6 15 7 so Stuttgart . . . 6 — 7 14 Pole« . — — « 52 HütubctQ . . — 7 07 Hamburg... . . — — 7 15 öria . . . ... — — 6 50 Für nett atejUomettteU ist die Stedaktton mid/t »er«««* wörtlich) insbesondere ist es nnsfchlirhltch Sache der Leser» die im ReklameteU enthaltenes Ampfehümgen i ttneller. Waren -der sonstige Angaben rrltgtonsgefeh - tichien «harnkters auf ihre ZnverlSsffgkett zu prüfe». . Jede Hausfrau muß rechnen. Nirgendist Sparsamkeit notwendiger und nirgends wird sie so sehr geübt wie Im Hausbalt. - Wenn die Hausfrau coscheres Palmin für 70. Pfennige das Pfund kaufen kann, braucht sie nicht Mk. 1,40 für Butter anzu5egen, denn zum Kochen, Braten und, Backen ttlt es ibr die gleichen Dienste. Palmin ist ein absolut reines Pflanzenfett ohne jeden Geschmack und Geruch und kann deshalb an den damit zubereiteten Speisen überhaupt nicht wahrgenommen werden. Cüscher Palmin wird ünter der streng rituellen Aufsicht Sr. Ebrrv. des Herrn Rabbiner Dr. Kohn in Ansbach hergestellt.