Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1909)
- Date
- 1909-03-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 11. Der Israelit. reichsten Männer der deutschen Kolonie, Vorstandsmitglied der evangelischen Gemeinde und des deutschen, Hunderte von Mitgliedern zählenden Turnvereins, öffentlich. Braucht man dann noch über Judenhaß der Rumänen zu klagen, wenn die auf ihre Bildung und Zivilisation so stolzen Deutschen in Rumänien solch unwürdiges Spiel treiben? Der Durchschnitts- oder Alltagsrumäne ist in der Regel beffer als sein Ruf, und die landläufige Meinung, als sei dorl der Jude keinen Tag seines Lebens sicher, ist Irrtum. Die Hetze und was damit zusammenhängt wird von oben geleitet, In Rumänien existieren ungünstige Gesetze für die Juden, die Minister sind antisemitisch, das Volk aber folgt blindlings seinen Führern. Amerika. Zum PrSsigentenwecksel In gen vereinigten 5taaten. New-Aork, 7. März. In das Weiße Haus zu Washington ist nun der neue Präsident der „Bereinigten Staaten" Taft eingezogen. Am letzten Donnerstag hielt er seine Antrittsrede, in welcher er das Programm seiner Politik darlegte. Man hat nie daran gezweifelt, daß der Personenwechsel keinen Systemwechsel in der amerikanischen Politik mit sich bringen würde. Was aber der neue Präsident in seiner Antrittsrede als die Richtlinienen seiner Politik angab, bestätigt vollends diese Annahme. Uns Juden kann ein Festhalten am Kurse Roosevelts nur erwünscht sein. Abgesehen davon, daß dieses hervorragende Staatsoberhaupt zu wiederholten Malen Gelegenheit nahm, seine Sympathie für die Juden und seine Entrüstung ob der grausamen Behandlung derselben in den Ostländern in einer bei den Staatslenkern sonst gerade nicht üblichen entschiedenen Weise zum Ausdruck zu bringen, war auch seine ganze innere Politik, der Kampf gegen die Trusts und gegen die Plutokratie im allgemeinen, darauf gerichtet, den kleinen Mann wirtschaftlich zu schützen und ihm die bedrohten Existenzmöglichkeiten zu sichern. Zu diesen kleinen Leuten, die heute voll aufrichtiger Dankbarkeit zu dem scheidenden und ebenso vertrauensvoll zu dem neuen Präsidenten emporblicken, gehören aber auch die hunderttausende eingewanderter jüdischen Handwerker und Handelsleute, die in Amerika eine zweite liebevolle Heimat gefunden, und die heute, ob auch zur Zeit von der allgemeinen Krisis in Mitleidenschaft gezogen, hoffnungsfroh den besseren Zeiten, die bei einer Fortsetzung der Politik Roosevelts nicht ausbleiben können, entgegenharren. Die Politik Roosevelts war aber auch gegen jede Unterbindung der freien Einwanderung gerichtet. Daran will auch sei» Nachfolger festhalten, der in seiner Antrittsrede gegen den Klaffenhaß, gleichviel in welcher Form er zum Ausbruch gelangt, scharfe Worte fand. Ferner wäre noch die Paßfrage für die amerikanischen Reisenden in Rußland zu erwähnen, in welcher die amerikanische Regierung erst in letzer Zeit einen Erfolg errungen hat, den das neue Kabinett sicherlich sich nicht mehr aus der Hand spielen läßt. Wenn heute der russische Jude, aus der lieblosen Heimat verdrängt, in Amerika Unterkunft findet, fich dort bei der Ungunst der Zeiten zu halten vermag und später als amerikanischer Bürger sogar ungestört die alte Heimat aufsuchen kann, um alte Beziehungen aufzufrischen und den Seinen auszuhelfen, so hat er es letzten Endes einzig und allein der nach innen und außen liberalen und gerechten Politik Roosevelts zu verdanken, die nach der allgemeinen Ueberzeugung im neuen Präsidenten einen eifrigen Vertreter und Verfechter finden wird. * * * Die Sammelreise der Herrn Dr. Shmaryahu Lewin für das Technikum i n H a i f a ist erfolgreich verlaufen. Das^Untnehmen soll unter die Leitung eines internationalen Komites gestellt werden, dem in Amerika u. A. Herr Dr. Magnes, Mortimer, L. .Schiff, Louis Marshall und die Professoren Schechter und Adler angehören. Ein anderer Sendbote aus Palästina ist in der Person der Frau Dr. Bouchmul erschienen, die mit dem Plane umgeht, Maffen-Petitionen an die „Jca" zu organisieren, um auf diese Weise die Gesellschaft zu veranlassen, daß sie ihre Kapitalien künftig in steigendem Umfang in P a l ä st i n a an lege. In der Frage der Anerkennung amerikanischer Pässe für in Rußland reisende Juden hat die Kommission des Kongresses nunmehr im Sinne des Antragstellers und in Uebereinstimmung mit der Kommssion für auswärtige Angelegenheiten beschlossen, die Executive zu geeigneten Schritten im Sinne der Anerkennung dieser Pässe zu veranlassen. Das soll evtl, durch eine besondere Klausel im Handelsverträge mit Rußland erreicht werden. New-Aork, 1. März Selbst im Lande der Konvents und Meetings hat die jüdische Farmerkonferenz ein Interesse erregt, das noch anhält und immer mehr die großen Zeitungen zu Betrachtungen über jüdisches Ackerbauwesen veranlaßt. Die hier erscheinende Wochenschrift „The Nation" schreibt: „Schon die Möglichkeit einer Vereinigung jüdischer Farmer wird für die meisten Leute eine ebenso große Ueberraschung bieten, wie der Umstand, daß eine solche Konvention nicht weniger als 2000 jüdisthe Landbesitzer nur aus den Staaten New-Aork, Connecticut, Massachusetts und New-Jerfey umfaßt. Die Versuche, die modernen Juden wieder der Landwirtschaft zuzuführen, sind langwierige, kostspielige und gar oft — unglückliche gewesen. Aber es ist ein alter Satz, daß Niederlagen meist hii'austrompetet werden, während der Erfolg irn Stillen utib unbemerkt vor sich geht. Individuelle Initiative hat mehr dazu getan als organisierte Hilfsarbeit, die agrikulturelle Idee langsam und stetig in diesem Lande fortschreiten zu lassen unter einem Volke, bei dem die - aufgedrungenen — Gewohnheiten von 2000 Jahren in keiner Weise die natürliche menschliche Zuneigung zur Bodenarbeit erstickt haben. Es ist wahrlich nicht zu erwarten, daß der Jude auf einmalvon den Außentoren des Ghettos zu den Kornfeldern und Viehhürden des Westens gelangen wird. Die jüdischen Farmer haben sich in der Regel auf die Kleinfarmerei beschränkt, die in der Nähe der Großstädte und größeren Städte ihren Boden findet: Gemüsebau, Geflügelzucht, Milchwirtschaft und im südlichen Staat New-Jersey Weinbau. Eine wichtige Klasse unter den jüdischen Farmern.sind die Tabakbauern in Connecticut. Diese Industrie, bei der geschulte Agrikulturtätigkeit mit geschäftlicher Schneidigkeit sich vereinigt, sagt den jüdischen Ackerbauern besonders zu. Doch ist es nicht zu bezweifeln, daß diese Erfolge in der Bearbeitung des Bodens auch noch den Präirien und den Weizenfeldern Kanadas jüdische Pioniere schenken werden." Die Bereinigung jüdischer Farmer hält regelmäßig Delegiertenversammlungen ab und wird mit der nächsten zugleich eine Ausstellung der von ihren Mitgliedern gezogenenProdukte eröffnen. * * Die in der Nähe von Hawkins im Staate Wisconsin in Amerika befindliche jüdische Ackerbau-Kolonie „Israel", die sich rasch entwickelte, ist nun, wie die „Newyork Times" berichtet, durch einen Waldbrand zerstört worden. Der Brand hat solche Dimensionen angenommen, daß alle Kolonisten um ihre Habe gebracht wurden. Es ist eine Aktion im Zuge, durch welche die Kolonie „Israel" in der Nähe der eben zerstörten Kolonie wieder errichtet werden soll. 18 März 1909 Uemii$cl>tt$. Ticha«, 12. März. Am letzten Purim feierte die hiesige Synagogen-Bereintgung ihr 25jährtgeS Jubiläum. Die Feier wurde durch einen Festgottesdienst von Herrn Kantor Scheftelowttz etngelettet. Die Mitglieder, wie zahlreiche auswärtigen Gäste versammelten fich darauf in der Restauration der Frau Weißenberg. Der Vorsteher, Herr Zernik, Mitbegründer der Bereinigung, begrüßte die Erschienenen, indem er auf die Bedeutung des Tages htnwies und zur wetteren Pflege des jüdischen Gemeindelebens aufforderte. Ein Festspiel schloß die eindrucksvolle Feier. Frankershausen, 14. März. Die hiesige bürgerliche Gemeinde hat sich mit der Synagogengemeinde dahin geeinigt, ihr zur Unterhaltung ihrer Schule eine Beihilfe von 237,50 Mk. pro Jahr zu gewähren. Göttingen, 12. März. Der Oberpräsident hat die von der hiesigen jüdischen Gemeinde kürzlich vorgenommene Wohl von Repräsentanten für unzütlttg erklärt, weil Ausländer an der Wahl teilgenommen hätten. Budapest, 10. März. Das offizielle Organ der ungarischen orthodoxen Landeskanzlei, der „Magyar Zsid 6", bringt in seiner letzten Nummer eine längere Besprechung über die Tätigkeit des „Schomre Schabbos-Berbandes" in Deutschland, von Alexander Gabel, Frankfurt a. M. Die nun auch in Ungarn aktuelle Frage des Sonntagsruhegesetzes veranlaßte den Berfaffer des Artikels, die hervorragenden Institutionen des „Schomre Schabbos-Berbanves", sowie seine segensreiche Wirkung auf den verschiedenen Gebieten des sozialen Leben den ungarischen Juden als nachahmungswert vor Augen zu führen. Die in Ungarn zur Zeit existierenden, kleineren Vereine entsprechen zwar in vollem Maße den an sie geknüpften Erwartungen, sind aber, da es an einer einheitlichen Aktion flhlt, durchaus unzureichend, der heutigen Situation gerecht zu werden. Eine einheitliche, das ganze Land umfaffende Bereinigung müßte auck hier einsetzen und es ist zu hoffen, daß endlich auch die gesetzestreuen Kreise Ungarns die zwingende Notwendigkeit einer Vereinigung der Sabbatfteunde einsehcn und einen ungarischen „Schomre Schabbos-Berband - ins Leben rufen werden. Eugen Kohn. Prestburg, 5: März. Am 2. und 3. d. M. wurden an der hiesigen Jeschtbah (öffentl. Rabbinatsschule) die Semesterial-Prüfungen abgehalten. Diesem sogen, „großen Verhören" gingen am 24. und 25. Februar die Prüfungen aus voran. Das Resultat sämtlicher Prüfungen war ein glänzendes. Sowohl bet — unter der Leitung deS Herr» Oberrabbiners — als auch — unter der Leitung des Herrn Subrabb. Fried mann und Rabb.- Affeffor Rubin stein — haben sämtliche Schüler alle an sie gerichteten Fragen mit Geschick und Sachkenntnis beantwortet und lieferten den Beweis, daß hierorts noch im wahren Sinne deS Wortes rnin „gelernt" wird und daß die hiesige Jeschibah, die im heurigen Schuljahre die ansehnliche Zahl von 260 ordentlichen Schülern zählt, unter sämtlichen Jeschibahs Ungarns den ersten Rang einnimmt. Dank den Bemühungen des Herrn Oberrabbiners Schreiber und denen der Letter der orthodoxen Landcskommtsfion ist es im vorigen Schuljahre gelungen, mit Genehmigung der hohen Regierung, der hiesigen Rabbi, erschule durch statuarische Bestimmungen eine feste und gesetzliche Basis zu verschaffen. Bei den Prüfungen war die orthodoxe Landeskommisston durch den Herrn Oberra'.btner M. Katz-Neutra vertreten. Die zahlreichen Gäste, die mit Jutereffe und Aufmerksamkeit den Prüfungen folgten, zollten dem Direktor der Jeschtbah, dem allverehrten Oberrabbiner und den ihm zur Seite stehenden aufrichtigen Dank für ihre Bemühungen. llereinsvesen. Frankfurt a. M., 17. März. Schon lange find Bestrebungen im Gange, um die durchaus veraltete Vcrfanung der hiesigen Israeli! ischen Gemeinde, die noch aus dem Jahre 1839, also aus der freistädifchen Zeit stammt, sowie auch das Wahlrecht zeitgemäß zu reformieren. Um zu dieser Frage Stellung zu nehmen, beruft der „Centralverein israelitischer Gemetndemttglteder" eine Versammlung auf Samstag, 20. März, abends */*9 Uhr, in den „KaiserHof", Goetheplatz 5, ein. Referent ist Herr Dr. W. Hanauer. Berlin, 12. März. Der „Israelitische Fortbtldungsveretn Monteftore" veröffentlicht seinen Jahresbericht pro 1908/09. Bor allem hat der Verein seine Tätigkeit darauf gerichtet, durch Lehrkurse, die von ersten Gelehrten avgehalten worden find, die Mitglieder mit den Lehren und den Schriften des Judentums bekannt zu machen. Durch die Erfahrung, daß Einzelvorträge, die stets andere Gebiete flüchtig behandeln, nur selten einen bleibenden Wert bringen, belehrt, hatte es Herr Rabb.Dr. Munk übernommen, währenddes ganzen Winters an den BereinSabenden einen fortlaufenden Bortrag über „die Bedeutung und den Inhalt unserer täglichen Gebete" zu halten. Veräußerst lehrreiche Vortrag hat wohl auf alle Hörer eine» bleibenden Eindruck gemacht. Auf vielfachen Wunsch hat der Verein auch