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Der Israelit · 1909-03-18 · Heft 11 (18.3.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 11 (18.3.1909)
Date
1909-03-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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| Nr. 11 _ I unserem ungarischen Korrespondenten in Nr. 7 beanstandeten Artikels betreffs der orthodoxen Lehrerpräparandie in Ungarn schreibt uns: „Ueber meinen Artikel im M. Zsido bez. der Lehrerbildung in Ungarn, meint Ihr Herr Korrespondent in letztei^Nummer Ihres w. Blattes, daß mein Wunsch,.wonach die in der neologen Lehrerpräparandie erzogenen Lehrkräfte vonSeiten der Rabbinen disqualifiziert werden, eine „unüberlegte Aeußerung" wäre. I Gestatten Sie, daß ich ^meinen Wunsch hier Motiviere, um klarzulegen, wie ich über diesen Gegenstand, vom Standpunkte der unverfälschten gesetzestreuen Tradition denke. Hier in Ungarn werden zu den Präparandien aller andern Konfessionen auch Juden zugelaffen, von den Staatspräparandien nicht zu reden, wo Lehrkandidaten jüdischer Konfession in großer Zahl vorhanden sind. Den ungarischen Orthodoxen fehlt eine eigene Erziehungsanstalt für Lehrer. Es kommt daher vor, daß die Lehrer der Neologen in orthodoxen Gemeinden gewählt werden — weil diese einmal ihr Zeugnis haben und dem Namen nach noch Juden sind. Hier aber liegt die — die große Gefahr für die Zukunft der gesetzestreuen Judenheit. Junge Leute, die nur dem Namen nach Juden sind, sollen I nicht als Lehrer gewählt werden dürfen, um unschuldige Kinder mit dem Gift der Reform zu infizieren! Haben wir doch die vielen Staatspräparandien, wo jede Religion gleichberechtigt anerkannt ist, wo auch der orthodoxen Richtung der Judenheit Gelegenheit geboten ist, für die Heranbildung ihrer Lehrer zu sorgen, nach eigenem Wunsch und Bedürfnis!" Uirftland Petersburg, 10. März. Die Kadettenpartei hat, wie kürzlich gemeldet wurde, den Protesten und der scharfen Kritik durch Vertreter der hiesigen öffentlichen jüdischen Meinung gegen ihre bezüglich der Judenfrage in der Duma bisher befolgte „Schweigetaktik" nachgegeben und den Beschluß gefaßt, in Zukunft die schamlosen Angriffe und Verleumdungen der „echten Ruffen" gegen die Juden in der Duma nid)t unbeantwortet zu lassen und bei solchen Anlässen die den russischen Juden gegenüber ununterbrochen geübte schreiende Ungerechtigkeit zu brandmarken. Die „schwarzen Hundert" sind natürlich über diesen Beschluß sehr aufgebracht. Ihre Presse sieht darin eine Bestätigung ihrer unzähligemal wiederholten Behauptung, daß die Kadetten sich den Juden „verkauft" haben. „Rußkoje Snamia" und „Kiewljanin" drücken beide den gleichen „Gedanken" aus, daß die Juden in Rußland die auf's neue anzustrebende geistige und sittliche Verjüngung des Juden? Und lehrte er nicht mit der inneren Wiedergeburt die Mugestaltung unserer äußeren Beziehungen? — „ Und David's Lippen sprachen aus übervollem, dankbarem Gemüte heraus das Kiddusch Hall'wonohdü'bet. Und wie eine persönliche Verheißung klang es ihm, als er sprach: „Und zum Monde sagte Er, daß er sich erneuere, die Pracht seiner Majestät den Leib-Beladenen, die, in gleicher Verjüngung einstens verherrlichen werden ihren Schöpfer zur Ehre Seiner Herrschaft." Und mit jedem Worte, das er sprach, trank er Zuversicht und Kraft in sich hinein. Unverwandt blickte er aufwärts und es war wie eine leise Zwiesprache '.wischen ihm und dem in seiner Stummheit so beredten göttlichen Diener. Und zum Monde gewandt, gelobte David innerlich, dieses Abends eingedenk zu bleiben, da ihm der Mond erschienen war, wie der Freund in der Not, wie der himmlische Herold einer neuen, vielleicht kämpfereichen, sicher aber siegbringenden Zeit. (Lehachis-Judentum.- Auf die im Sil. Feuilleton der Nr. 8 unseres Blattes unter diesem Titel erschienene Mitteilung teilt uns das Sekretariat der Pester israelitischen Religionsgemeinde mit. daß in der Pester Gemeinde weder am 'ZV tO*V noch am 8. M Trauungen abgehalten werden, Was nun die Bekanntmachung betreffe, dcrzufolge die Hochzeit dennoch am besagten Tage stattfinden müsse, so entspreche dieses Datum der Verfügung des Stifters, wonach die Trauung an seinem Todestage stattfindcn soll, wogegen aber im Verwaltungsstatut der Stiftungen vorgesorgt sei, daß „wenn eine Trauung an dem vom Stifter anberaumten Tage aus religiösen Gründen Der ASraeltt. Revolution hervorgerufen hätten, um durch sie zur Erreichung ihrer Gleichberechtigung zu gelangen: dabei hätten sie sich der Kadettenpartei bedient. Die Juden hätten aber ihr Ziel nicht erreicht, wie die beiden Organe triumphierend schreiben, und werden es auch nicht erreichen, denn — so meint „Kiewljanin" — das russische Parlament wird immer von Haß gegen die Juden erfüllt sein, wenn es aus wirklichen Volksvertretern zusammengesetzt sein wird. — Hoffentlich lassen sich die Kadetten dadurch nicht abschrecken, bei gegebener Gelegenheit zu beweisen, daß sie eine andere Auffassung von den Aufgaben der Volksvertretung haben. England. London, 10. März. Wie englische Zeitungen berichten, mehrt sich allmählich die Zahl der jüdischen Einwanderer in Australien. Bekanntlich herrscht in Australien ein sehr demokratisches Regierungssystem und auch die ökonomische Lage des Landes war bis in die letzte Zeit eine gute. Trotzdem wurde Australien von Fremden nur in sehr geringem Maße als Ansiedelungsort gewählt, weil sich die Bevölkerung gegen die Zulassung neuer Elemente, deren Konkurrenz sie fürchtete, gewendet hatte. Sowohl die Regierung als auch ernste Organisationen in Australien veröffentlichen Berichte, aus denen hervorgeht, daß gutes Emigrantenmaterial, besonders landwirtschaftliche Arbeiter erwünscht sind. Geübten Ackerbauern oder solchen, die sich verpflichten, dem Ackerbau zu widmen, werden sogar Schiffkarten und freier Boden in Aussicht gestellt. Diese Umstände haben nun mehrere jüdische Familien aus Rußland bewogen, dahin auszuwandern. (Vor der planlosin Auswanderung ist dennoch dringend zu warnen. Red.) Italien. Rom, 12. März. Die italienischen Parlamentswahlen haben mit dem entschiedenen Siege der liberalen Elemente geendet. Unter den Gewählten befinden sich auch mehrere Juden. Interessant ist es, daß die Juden auch die Hilfe der klerikalen Partei vielfach erhielten, indem letztere in ihre Wahlparole u. a. auch folgenden Punkt aufnahm: „Auf Grund der Suspendierung des „Non Expedit" für diese Wahlen haben die Bischöfe den katholischen Wählern vorzuschreiben, für wen sie zu stimmen haben. Hierbei hat die Weisung zu gelten, daß kein Unterschied gemacht werden dürfe, zwischen einem katholischen und jüdischen Kandidaten, wenn er Garantien dafür bietet, daß er im Falle einer Wahl nicht die kirchenfeindliche Politik unterstützen wird." Daß die jüdischen Deputierten bei aller Wahrung Ihrer nicht vollzogen werden könnte, sie an einem, diesem Termin folgenden geeigneten Tage abgehalten werden müsse". Bei dem anderen inkriminierten Datum, dem 7. Siwan sollte es nicht heißen, daß die Trauung a m 7. Siwan, sondern b i s zum 7. Siwan stattzufinden habe. (Die Juden in Serbien.) Nach der amtlichen serbischen Statistik, zählte ganz Serbien im Jahre 1906: 2,735,147, und zwar 2,331,107 Serben, 90,000 Rumänen, 46,000 Zigeuner, 7194 Deutsche, 5729 Juden, 1956 Magyaren und 10,575 verschiedene andere Nationalitäten. In Serbien werden die Juden amtlich als eigene Nationalität aufgeführt. (Der Tempel Salomos.- Der Tempel — ireilich nicht in seiner wirklichen Größe — erhebt sich jetzt auf einem bescheidenen Unterbau in der Südhalle des — Zollhofs in Alt-Moabit. Das ganze Tempelgebiet wie es sich einst auf dem Berge Moriab in alter Pracht und Herrlichkeit erhob, läßt sich hier in vollster Deutlichkeit überschauen. In unermüdlicher zehnjähriger Arbeit hat ein armer Jude aus Jerusalem, sich auf die Angaben der Bibel, des Talmud und sonstiger Quellen stützend, diese Prachtbauten nachzubilden gesucht. Ob er überall das Rechte getrossen, müssen Berufene entscheiden. Jedenfalls gewinnt der Laie bei genauerer Betrachtung dieser Modelle eine Vorstellung vom jüdischen Heiligtum. Deutlich erkennt man das Allerheiligste, zu dem der Hohepriester von dem dem Osttor gegenüber liegenden Oelberg blicken konnte, die Galerien mit den 162 weißen Marmorsäulen, die sich innen an den Mauern entlang ziehen. Unter den zahlreichen Gebäuden im Innern des fast vollständig untertunnelten ^.Tempelgebietes fällt neben dem Hechal mit seinen zwei gleichartigen Stockwerken das Allerheiligste auf, das vom Hechal durch zwei 18. März. Seite 5 Parteiinteressen andererseits sich an keinen Aktionen gegen eine andere Konfession beteiligen werden, dessen sind die Katholiken überzeugt. Das römische Amtsblatt meldet, daß derPräfident des Appellationssenates von Modena, Cavaliere Cesare Colombo zum Oberstaatsanwalt in Bologna ernannt wurde. Zum Präsidenten des Appellationshofes in Modena wurde ein gleichfalls angesehener jüdischer Jurist, Signor Jona, ernannt, der seit zwanzig Jahren als Richter im Appellationssenate in Mailand tätig ist. Rumänien Sur inneren trage. (Bon unserem Korrespondenten.) Bukarest, 10. März. Vergangenen Samstag waren es 50 Jahre, seitdem das Gebiet der Moldau und der Walachei dem.Königreich Rumänien einverleibt wurden. Wenn schon der Gedenktag alljährlich festlich begangen wird, so gestaltete er sich dieses Jahr zu einer ganz besonderen Nationalfeier. Wenn die Juden in Rumänien auch keine bürgerlichen Rechte besitzen — den Königsrock zu tragen hält man sie aber würdig genug - so sind sie doch gute Patrioten, und so ließen es sich die hier bestehenden jüdischen Schulen auch nicht nehmen, Nattonalfeiern zu veranstalten. Aber als beschämende Tatsache muß erwähnt werden, daß die Schüler des einen jüdischen Gymnasiums am Schabbos mit Fahnen und Trompetengeschmetter durch die Straßen zum Tempel zogen, wo, wie in allen Synagogen, Festgottesvienst abgehalten wurde. Es kennzeichnet dieses den Geist, in dem die jüdische Jugend in Bukarest — mit verschwindenden Ausnahmen — aufgezogen wird und wirft ein grelles Licht auf die Gesinnung der Religionslehrer. Rühmliche Ausnahmen gibt es auch hier. So mußte eine andere Schule ihre Feier erst am Sonntag abhalten, weil der jüdische Lehrer es ablehnte, sie wegen des damit verbundenen rw?iVi zu leiten. Was die Schulverhältniffe sonst anbelangt, so konnte bis jetzt die erwünschte deutsch-jüdische Schule noch nicht errichtet werden. Die Gründung einer solchen Schule ist durchaus notwendig, wenn die jüdischen Kinder, die jetzt entweder die Schulen der deutsch-evangelischen Gemeinde oder die von Jesuiten geleiteten katholischen Schulen oder gar Missionsschulen bevölkern, eine geordnete jüdische Erziehung erhalten sollen. Die jüdischen Familien, welche jene jüdischen Schulen unterstützen, bedenken gar nicht, daß sie sich ins eigene Fleisch schneiden, indem sie den Antisemitismus stärken, von dem auch die deutsche Kolonie mit wenigen Ausnahmen durchtränkt ist. Erst kürzlich erklärte dieses einer der einflußkleine Höfe gelrennt ist. Man bekommt einen guten Einblick in die Tätigkeit der Priester sowie den ganzen Opierdienst. Sluch von der Stistshütte ist eine gute Nachbildung im Kleinen angesertigt. In England erfreute sich die 4lusstellung der Modelle großen Zu- Ipruchs. (Ein interessanter jüdischer Kund in Portsea.) Jn Portsea bei London wird gegenwärtig eine Erweiterung der dortigen Synagoge vorgenommen, wobei der Abbruch der östlichen Mauer notwendig geworden. Bei der Demolierung dieser Mauer stießen die Arbeiter auf mehrere Gedenktafeln, welche die Namen mehrerer jüdischer Persönlichkeiten tragen, die in der Geschichte der Juden Englands im 18. Jahrhundert eine Rolle gespielt haben. Diese Gedenktafeln standen gewissermaßen eingebettet in der Mauer. Ta sie flach und eine über der anderen standen, sind die Inschriften leicht zu entziffern, obgleich sie zumindest seit der Erbauung der Synagoge, d. h. seit 129 Jahren in der Mauer stecken. Zwei dieser Steine sind bereits von dem Mauerwerk losgelöst worden. Die Inschriften sind so frisch erhalten, als ob sie erst vor kurzer Zeit in die Mauer eingefügt worden wären. Da angenommen wird, daß sich in der Mauer noch viele solcher Gedenksteine befinden und eine Tafel infolge Unvorsichtigkeit der Arbeiter zerbrochen wurde, hat die Synagogenverwaltung dem Unternehmer den strikten Auftrag erteilt, bei der Loslösung der einzelnen Steine vorsichtig zu Werke zu gehen. Nachdem, was bisher zu Tage gefördert wurde, muß angenommen werden, daß die Mauern der Synagoge ihrer Länge nach mit solchen Gedenktafeln ausgefüllt sind. Einer der bereits geretteten Steine trägt den Namen des Chacham Moses D'Azevedo mit dem Datum 5540 (1780). Er war wahrscheinlich, vier Jahre vor seinem Tode, bei per Einweihung der Synagoge anwesend.

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