Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1909)
- Date
- 1909-03-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der Israelit. No. 11 Seite 3 18.März 1909 __ die Weihe und Poesie des jüdischen Freitag Abend nicht zu ersetzen vermag, zu bestreiten, hätte er sogar ein neues schemenhaftes Religionsgebilde an die Stelle seines ebenso gehaltwie wesenlosen Vorgängers gesetzt, auch dann würde es sich nicht der Mühe verlohnt haben, nur ein Wort der Erwiderung zu sprechen. Da aber die wichtigsten, göttlichen Religionsgesetze in ihr Gegenteil verkehrt wurden und ihnen sogar jegliche ethische Bedeutung, abgesprochen werden soll — muß gegen die Unterstellung Verwahrung eingelegt werden, als ob das Judentum mit seinen mxo und nnp, nvnn und rrnup, WBLVQ und D'p'in eine minderwertige Religion sei, die erst der Einsührung des „Heiligen Abends" und des „Weihnachtsbaumes", des „Vater unser" und anderer deutscher Gebete und Lieder bedarf, um zum mindesten als einer der beiden unechten Ringe gellen zu dürfen. Denn, daß etwa das Judentum, die Religion des reinen Monotheismus, die Mutter jener beiden großen, die gesamte Kulturwelt beherrschenden Tochter- Religionen gar den Anspruch erheben könnte, der wirklich echte, der verloren geglaubte Ring zu sein — dazu vermag sich der Herr Laie auf Grund seiner „Gedanken" nicht aufzuschwingen. Uns gesetzestreuen Juden aber wird es nicht schwer fallen, nachzuweisen, daß die Ethik der Kern des Judentums ist, mit der es steht und fällt, eine Ethik, die hocherhaben über den erst durch sie behaupteten Morallehren aller anderen Religionen steht und daß die in dem erwähnten Artikel gegen das gesetzestreue Judentum gerichteten Vorwürfe auch nicht den Schein einer Berechtigung haben. Wir wollen uns in der Hauptsache mit den „Gedanken" über die jüdischen Feste beschäftigen, obgleich inzwischen noch „Gedanken" über andere jüdische Gebote veröffentlicht wurden. Aber die Festtags-Betrachtungen enthalten schon so unendlich viel irrtümliche Auffassungen über das Judentum und seine Institutionen, daß wir die anderen einer kritischen Beleuchtung vorläufig nicht unterziehen wollen. Es mutz allerdings von vornherein betont werden, daß die Absicht des Herrn Anonymus — der Verfasser verschweigt seinen Namen — eine durchaus menschlich edle zu sein scheint, denn, wenn er von dem „Winterfest" schreibt: „Im Laufe der Zeit wird sich das Fest bei uns so einbürgern, daß kommende Generationen kaum ahnen werden, wie es entstanden ist", so geht er offenbar von dem Bestreben aus, die Nichtjuden die. Vorzüge des Judentums mitgenießen und sie des Geistes und der herrlichen Poesie der jüdischen Feste teilhaftig werden zu lasten. Welche Verblendung aber spricht aus diesen Worten! Wie gering muß die Meinung des Herrn Verfassers von der Bedeutung der jüdischen Feste sein, wenn er hofft, sie schon bei den kommenden Generationen auslöschen zu können. Jene Feste, die sich Jahrtausende hindurch behauptet, die Jahrtausende lang das Glück und der einzige Lichtblick der in Fesseln schmachtenden Judenheit waren, sie sollten ihrer Bedeutung nach mit einem Male in Vergessenheit geraten können! Aber wir wollen lieber chronologisch Vorgehen und Schritt für Schritt den uns vorliegenden Ausführungen folgen. Eigentlich würde es genügen, wenn wir systematisch die vorgeschlagenen Reformen ordnen und ihnen die an anderer Stelle angeführten Begründungen gegenüberstellen wollten: dann würde sich ein solches Heer von Widersprüchen ergeben, daß sich ein Kommentar dazu erübrigte. Aber die Dinge sind zu ernst, zu heilig, um mit kurzen Worten abgefertigt zu werden. Wie soll man es vereinbaren, wenn „historisch e E r i n n e r u n g e n" als Festfeier empfohlen werden, aber bald darauf, wie wir soeben gezeigt, die Zuversicht ausgesprochen wird, daß der Ursprung, die Bedeutung der Feste gar bald — verschwinden werden? Ist das Logik? Der Herr Verfasser dürfte kaum jemals an einem unserer heiligen Feste teilgenommen haben, dort wo sie dem Gesetze entsprechend mit dem innigen Ausdruck der gänzlichen Hingebung an Gott gefeiert werden. (Forts, folgt.) und Nachrichten. orrespondenzen DeutNtze« Metth. Ein Erfolg in der Sonnfagsruheflngelegenheif. Schweinfurt, 15. März. Am Ende des vorigen Jahres hatte bei Gelegenheit der Beratung eines neuen Ortsstatuts für die S o n n t a g s r u h e der Fabrikant Jakob Ullmann von hier sich an die beiden städtischen Kollegien mit einer Eingabe gewandt, es möge den Inhabern solcher jüdischer En gros-Geschäfte, die nachweislich am Sabbath und den jüdischen Feiertagen geschloffen sind und demgemäß ihrem Personal mindestens 24 Stunden Ruhe in jeder Woche gewähren, gestattet sein, auch nach Inkrafttreten des neuen Ortsstatuts ihr jüdisches Personal — und zwar nur dieses — bei geschlossenem Laden zu Contor¬ und Lagerarbeiten während 5 Stunden heranzuziehen, während das neue Ortsstatut nur eine Arbeitszeit von 1 Stunde für alle Geschäfte zuläßt. Der ganz außerordentlich warmen und energischen Befürwortung unseres ersten Kultusvorstands, Herrn Kgl. Kommerzienrat Heimann, in seiner Eigenschaft als Magistratsrat, war es zu verdanken, daß der Magistrat mit überwältigender Majorität eine im Ganzen 4stündige Arbeitszeit für die in Frage stehenden Geschäfte beschloß, trotzdem eine Umfrage in anderen bayrischen Städten in dem Sinne, ob man dort eine derartige Ausnahmebestimmung getroffen habe, mit Ausnahme von München ein negatives Resultat ergeben hatte. Das Gemrindekollegium in seiner Sitzung vom 8. Dezember trat dem Beschluß des Magistrats bei einem Stimmenverhältnis von 15: 13 nicht bei. Damit war die Angelegenheit vorläufig zur unerfreulichen Ruhe gekommen. Es ist nun wiederum das Verdienst des ersten Kultusvorstands, daß die Sache wieder in Fluß gebracht wurde. Für die Ablehnung im Gemeindekollegium war wesentlich das negative Ergebnis der obenerwähnten Umfrage schuld, indem man den Nachdruck daraus legte, man habe nicht nötig, gerade hier Ausnahme zuzulassen, die — München abgerechnet — nirgends sonstwo konzediert seien. Mit Rücksicht hierauf veranstaltete die Kultusverwaltung zusammen mit dem Distriktsrabbiner ihrerseits eine Enquete, die das Resultat ergab, daß die Anfrage des Magistrats seinerzeit unzutreffend gestellt war, indem tatsächlich in fast allen größeren bayrischen Städten eine Veranlassung zu Ausnahmen bisher noch gar nicht gegeben war, da dort, wo eine Neuregelung der Sonntagsruhe noch garnicht erfolgt ist, alle Ge- Geschäste ohne Ausnahme, christliche wie jüdische, eine Reihe von Stunden, die zwischen 3 und 5 variieren, arbeiten dürfen. Auf Grund dieser Feststellung richtete nun die Kulusverwaltung ihrerseits im Interesse aller in Frage kommenden Geschäftsinhaber von Neuem bas diesbezügliche Gesuch an die städtischen Kollegien, indem sie ganz besonders auch darauf hinwies, daß die in Frage stehende Forderung auch an den höchsten Stellen als eine gerechtfertigte empfunden wird, wie dies die diesbezüglichen Entschließungen des bayrischen und badischen Ministeriums beweisen. Ekel, Nein nur deshalb, nur aus dem einen Grunde sei es ungenießbar für uns, weil die Thora es verboten bat." Die Speisen welche der Mensch seinem Körper zuführt, üben nicht allein auf seinen Körper Einfluß aus, »och weit größer und bedeutungsvoller ist der Einfluß, den fie auf seinen Geist und seine Seele ausüben. 71P7J7 DK fitÖBBtt HKÖtDrr* Die verbotenen Genüsse verdunkeln dre Seele, lehren unsere Eilten, und deshalb Köörr D2^ ÜTl deshalb liegt es in Euerem eignen Jntresse der verbotenen Genüsie Euch zu enthalten, ££^ für Euch find die Speisegesetze gegeben, zu Euerm Nutzen und zu Euerm Borieil, durch fie sollt Ihr beweisen, daß nicht das Tierische im Menschen die Oberhand besitzt, daß vielmehr das Fletsch durch den Geist beherrscht und geadelt wird. Und das dritte der Gebote, von dem ■>£- EH uns erzählt, daß dessen Bedeutung zu erfassen unserm großen Lehrer Mosche schwer wurde, ist ££*■> ntH EHrtn die Tatsache, daß Israel ein Kalendersystem besitze!, das von den Kalendersystemen der andern Böller verschieden ist. Nicht die glänzende, sti ahlendeHimn elsköntgin, nicht die Sonne allein ist es, welche für Israel die Berechnung der wandelnden Zeit adgiebt mniltb 1'NI C’JtPl 01Ö,^1r auch der silberklare Mond, der weder Lichr noch Warn e besitzet, vielmehr beides von der Sonne cinpiängt, hat Einfluß, hat ausschlaggebenden Einfluß nuf tas jüdische Kalende wesen, ja unsere sämmtltchen Festtage werden durch das Sichtbarwerden des neuen Mondes bestimmt. Und nicht ohne Grund ist das “nKfc jttpn das kleinere Licht, der Mond, der eigentliche Stern des jüdischen Volkes. Wenn die rHlJö im heiligen Tempel des Herrn unS »uruft, eS gtebt keinen Standesunterschied im Judentum, wenn der Abschnitt von den verbotenen Tieren uns veriimdet, es achte der Jude darauf, daß diese Erkenntnis nicht vernichtet oder abgeschwächt werde, so macht jnttHS EHHrr uns darauf aufmerksam, daß die Betrachtung des Mondes notwendig ist zur Erhaltung Israels in seiner Gesonderthett inmitten der Völker, zu seinem Schutze vor dem Untergange in dem Bölkertrubel des Erdenrundes. Als Gott am vierten Schöpfungstage die beiden Lichter an das Firmament setzte, trat der Mond vor den Schöpfer der Welt hin mit den Worten: £^1P StP *13121 inrr 17122 iVvriV'V n'zbn ':wb itrax „Herr der Welt, ist es denkbar, daß zwei Könige nur eme Hrone gemeinschaftlich tragen sollen" und der Herr gab ihm als Antwort: -|£2Cp DK ’ÖP’ttl W „gehe hin, gieb einen Teil Deiner Größe ab". -TJEXP 71K ’W’Öl *>2*> Gehe hin, gib einen Teil Deiner Größe ab ist auch die Lehre, welche das vertleinerte von den beiden großen Himmelslichtern Israel zuruft! £2*7 niH VINN- Die Beleuchtung des Neumondes lst lehrreich für Euch, es ist unbedingt notwendig, daß Ihr ein besonderes Kalenderwesen besitzet, damit wenigstens einmal im Monat, wenn den Segensspruch über den verjün.ten Mond Ihr sprechet, Ihr erinnert werdet, demütig und bescheiden zu sein. Gerade für Euch, für Euch selbst ist dies unbedingt erforderlich, weil niliö und £'2L2V Euch an Euere bevorzugte Stellung unter den andern Völkern N^3B BP *6 DJT.T) erinnern, muß N32*7 uns daran mahnen, daß >.icht um unserer Frömmtgket willen und wegen unseres lautern Herzens wir der hohen Gnade des himmlischen Allvaters teilhaftig wurden. Und Israel in stiller Zurückgezogenheit iebend, muß alles vermeiden, was den Namen Gottes entweihen könnte, jederzeit muß eS sich zurufen Eßl HH V1N!7, der Mond verkündet es aller Welt, daß ein Dp, ein aus erwählt Volk Ihr seid und darum auch ausgezeichnet sein sollt durch Gottesfurcht und Tugend, durch Edelmut und Bescheidenheit. Während unter Euch selbst Zusammengehörigkeitsgefühl herrschen soll, wie der' Leuchter im Heiligtume lehrt, so sollt einerseits von den übrigen Völkern ihr geschieden sein durch Euere Speisengesetze, anderseits mit ihnen verbunden sein durch jene Lehren, welche der verkleinerte Mond Euch kündet £27112217 KVT '2 D’ppn TPb D2h3n2V denn durch Euer bescheidenes uns zurückhaltendes, wenn auch keineswegs kriechendes und schmeichelndes Wesen, werdet Ihr von aller Welt anerkannt werden als das Volk, dem Gott die höchste Weisheit seiner Thora hat anvertraut und ihr werdet dazu beitragen, daß allgemeine Gotteserkenntnis auf Erden wird verbreitet werden. Aleines Feuilletonvrr fierold. Bon Hekmo«. Sausend jagte der Eilzug über Hollands schneeige Halden. Anr fernen Firmament erlosch langsam die Sonne. Nur ungern schien sie ihre heutige Tagesaufgabe beschließen zu wollen., Immer wieder schossen ihre letzten Strahlen liebkosend über die weite weiße Wiuterslur. ES war wie ein zärtlicher Abschied zwischen Liebenden. Und dann verzitterten auch die allersetzten und saumseligsten Strahlen, lind die Erde tag -■» 'i—tSLni-arOMteli.