Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1909)
- Date
- 1909-03-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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«rite S. Sk. 11. die "jüdischen Wohltäter und Mäcen der Wissenschaft veranlassen werden, ihre Unterstützungsgelder für Studienzwecke so anzulegen, daß sie nicht den blindwütigen Antisemiten, sondern ihren bedrängten Glaubensgenossen zugute kommen, bleibt bei der Verworrenheit der Dinge zunächst abzuwarten. Die Wohltätigkeits-Institutionen, aus denen Hunderte von Studenten in Wien jährlich ihre Existenzimd Studienmöglichkeit erhalten, werden zumeist von jüdischem Gelde ernährt. Ebenso der jetzt in Rede stehende Krcmkenverein, der dem Studierenden gegen einen minimalen Jahresbeitrag freie Kur und Heilgelegenheit in allen Krankheitsfällen bietet. Als vor einiger Zeit die Mensa für die Juden gesperrt wurde, da besann rnan sich in Wiener jüdischen Kreisen mit einiger Beschämung auf die Pflicht, eine jüdische Mensa akademica zu gründen. Wir wissen nicht mit welchem Erfolge, da die Neugründung nicht mehr viel von sich reden machte. Anzuzunehmen ist es aber, daß die Jünglinge, welche erst gewaltsam aus der gemeinsamen Küche hinausgedrängt werden mußten, kein großes Interesse an einer jüdischen Küche bekundet haben, so daß die Existenz-Notwendigkeit derselben noch zu beweisen wäre. (Haben doch erst neulich die gleichen Jüdisch-Nationalen ihr Verbindungsfest mit gemeinsamer Ausfahrt am Sabbat gefeiert). Die zwingende Notwendigkeit einer geregelten Kranken-Unterstützung für die jüdischen Hochschüler, die brutaler Weise auch in dieser Beziehung von ihren „lieben Kollegen" aus der deutschen Nation ausgeschloffen werden, braucht aber nicht erst bewiesen zu werden. Der blinde Nationalismus und die rohe Kampfesweise der Deutsch-Nationalen sollte, so meinen wir, die Selbstachtung der Juden stärken und ihr so viel gepriesenes und, soweit wenigstens Wien in Betracht kommt, von den Feinden stark übertriebenes Solidaritätsgefühl steigern. Auf den neuesten Gewaltakt der antisemitischen Studentenschaft gibt es nur eine Antwort: Die Zurückziehung der jüdischen Mittel aus den ausschließlich deutsch-nationalen Institutionen und deren Verwendung zum Nutzen und Frommen der jüdischen Studierenden, und zwar unter Bevorzugung derjenigen, welche nicht erst durch ihre Feinde und auch nicht erst an der jüdischen Unterst ü tz u n g s k a s s e au ihr Judentum eri n n e r t werden müssen. PMstlna-SpenSen. Auf telegraphischem und brieflichem Wege gelangen dringende Bittgesuche der deutsch-hol- Zu ttHn.l '3- Bon Rabbiner Dr. M.L. Barnberger in Schönlanke Zu der Schrtftstelle ES*? Hin t2H,1 bemerken unsere Weisen im Midrasch: .1120 112(712 cmart '22 w p V"i 11 D’anwai mwaa ,222x2 rra'pn iS rtxim 711120,1 11220 nn 10x212 111202 ,i22S2i 10x212 122S2 xoon 22S nn 10x212 d’jpiw .021 ,17,1 12111 „Rabbi Simon, Sohn des Jochai lehrte: Drei göttliche Gebote waren unserem Lehrer Mose sehr schwer verständlich, das Gebot der Anfertigung des Leuchters für das Heiligtum, das Verbot der unreinen Tiere und die Bedeutung des Mondes für das religiöse Leben des jüdischen Volles, ta zeigte ihm der Allherr gleichsam mit dem Finger deren Bedeutung, denn so heißt eö in der Der aOtdritt ländischen Gemeinde in Jerusalem an uns, in denen darauf hingewiesen wird, daß infolge der herrschenden Teuerung und schlechten sanitären Verhältnisse der wirtschaftliche Notstand in der heiligen Stadt zur Zeit sehr stark sei und daß darum reichliche Spenden, namentlich im Hinblick auf die bevorstehenden Pessach-Feiertag'e mit ihren erhöhten Erforderniffen, in hohem Maße erwünscht sind. Die Erkundigungen, die wir bei unseren Vertrauensleuten in Jerusalem eingezogen haben, bestätigen diese Mitt e i l u n g. Wir möchten indessen dabei ausdrücklich darauf Hinweisen, daß direkte Sendungen an die deutsch-israelitische Gemeinde (soll heißen: „Deutsch-Holländischer Kaulel") durchaus unangebracht sind, daß vielmehr alle Palästina- Freunde prinzipiell darauf halten sollten, ihre Spenden ausnahmslos entweder den Pekidim und Amarkalim in Amsterdam oder den mit diesen in Verbindung stehenden Gabboim und sonstigen bekannte n deutschen Sammelstellen zu überweisen. Nur in diesem Falle ist Gewähr dafür geboten, daß die Spenden durch das Palästinabureau, welches die Pekidim in Jerusalem unterhalten, unter europäischer Kontrolle je nach Würdigkeit und Bedürftigkeit der Empfänger verteilt werden. Jede direkte Sendung nach Jerusalem schwächt die bestehenden Organisationen und hindert diese so, die notwendigen Maßnahmen zur Sanierung der Jerusalemer Verhältnisse durchzuführen. Die in Amsterdam eingehenden Spenden werden genau nach der Vorschrift der Spender verwendet. Wo eine solche Vorschrift nicht vorhanden, kommen die Gaben ungefähr zur Hälfte der deutsch-holländischen Gemeinde, zur anderen Hälfte den übrigen Armen der heiligen Städte, sowie besonders empfehlenswerten Institutionen des heiligen Landes zu gute. Lieber das Judentum! von einem „Laien" an einen „Laien". Von Wilhelm Freyhav tn Breslau. Als ich jüngst die „Allgemeine Zeitung des Judentums" zur Hand nahm, fesselte mein besonderes Interesse ein Aussatz, dessen Ueberschrift mir aufgefallen war. Sie lautete: „Gedanken eines Laien über das Judentum". Diese Fassung hatte mich im ersten Augenblick insofern überrascht, als hier der Gegensatz zwischen 7,12 und unmöglich gemeint sein konnte, während andererseits die jüdische Religion unter ihren Bekennern keinen Unterschied zwischen „Priestern" und Schrift: D i e s ist die Arbeit des Leuchters, dies sei unrein für Euch, dieser Monat sei für Euch!" Eine äußerst merkwürdige Zusan menstellung, eine Verbindung von Gegenständen, deren Zusammengehörigkeit uns in keiner Weise einzuleuchten scheint, die aber dennoch in innigem Zusammenhänge stehen, die dennoch das gesammte jüdische Bolkswesen und Volksleben bildlich darstellen. "TH2 XIH iTTIxS SD1- Gottes allsehendes Auge bedarf in seinem Heiliatume eines von Menschenhand angezündeten Lichtes? Was nützt es dem Allmächtigen oder welchen Schaden erfährt Er, wenn das jüdische Volk das Verbot der THIIDX 1lS2X0 beachtet oder nicht? Weshalb sollte auch hierin Israel von den andern Völkern fich unterscheiden, daß cs ein besonderes Kalenderwesen besitzt? oSi2.i niöixi 21,1 iarr Dn2n p’Sl? ^2^120' das find doch Dinge, welche von den Ungläubigen in Israel und von den Andersgläubigen so sehr angegriffen werden können, weshalb o Herrr, früg Mose, willst Du Deinem Volke sie auftragen? ,1X111 222X2 iS und Gott zeigte Mose die Tragweite jeder einzelnen dieser drei Mizwolh, Er zeigte ihm gleichsam mit dem Finger, daß gerade E'2,212, ,"11122 und n22S die beste Antwort uns lieten, wenn Ungläubige aus unseres Bclkes Mitte oder aus and rn Bölkera unseres Gesetzes Göttlichkeit tn Abrede stellen wollen. Da ist zunächst ,T112)Ö, Lev fiebenarmtge Leuchter, der im Heiligtum ausgestellt werden soll e, nicht um das Heiligtum zu beleuchten, sondern 111201 '23 SlO Sx 11131 712212 TTK1' um gegen dte Vorderseite des Leuchters rhren Schein zu senden. Aus dem Heiligtum hinaus, auf die Straßen, wo der Menschen Getüttimel fich zeiget, hinein in dieHäuser, wo die Menschen wohnen, sollte der klare Lichtstrahl dringen. Und der 18 März iSvS „Laien" macht, wie dies bei andern Religions- Gemeinschaften der Fall ist. Hatte doch, jedem Zweifel über die eigentliche Bestimmung des jüdischen Volkes vorbeugend, Gott selbst, noch ehe er dem zum einzigen Träger der reinen monotheistischen Idee auserkorenen Israel die zehn Gebote — jenes Fundament jeglicher Zivilisation - zur unverlierbaren Hut übergab, ausdrüHlich betont, daß die Ausübung der sittlich-religiösen Satzungen nicht einem auserlesenen Teil der Nation, vielleicht einem Fürsten- oder Priester- Geschlecht, Vorbehalten bleibe und daß nicht erst ein Adel irgend welcher Art zur Ausübung des Gesetzes verpflichte. — Nein, im Gegenteil, durch die Annahme des Gesetzes und dessen Uebung sollte das Volk erst geadelt werden, und zwar das ganze Volk, ohne Ausnahmeeine veredelte Nation unter den vielen andern Völkern, gleichsam ausgesucht von dem Gärtner, der die besten und geeignetsten unter allen ihm gleich lieben jungen Bäumcken erwählt, um ihnen ein edles Reis einzupfropfen, damit sie die schönster! und herrlichsten Früchte zur Reife bringen. Als das für die Erziehung zum höchsten Menschheitsideal empfänglichste Volk, ersah aber Gott Israel und sprach zu ihm: „Ihr sollt mir ein „Reich von Priestern" bilden, ein „heiliges Volk" sollt ihr mir sein! War also die Bezeichnung „Laie" von vornherein verfehlt — so interessierte es mich den noch, des näheren zu erfahren, was für Gedanken über das Judentum ein sogenannter „Laie" haben kann. Und ich blickte näher hin. Aber da ich las, ergriff mich ein tiefer Schmerz ob der falschen Auffassungen über das jüdische Religionsgesetz, die noch heute in den Reihen unserer Glaubensgenossen vorherrschen und verbreitet werden können. Wie traurig muß es in unfern eigenen Reihen um die Kenntnis der über allen andern Religionen erhabenen Ethik des Judentums stehen! Um so nachdrücklicher muß dann aber den Zweifeln, die sich gegen die Lebensfähigkeit des gesetzestreuen Judentums erheben, entgegengetreten werden. Soll die Behauptung, daß sich das weihevolle, zu. neuem Leben aufrufende Chanuckafest, durch das verblaßte, altgermanische Winter- Sonnwendfest ersetzen lasse, wobei der nichtssagende Weihnachtsbaum mit der uns zu Heller Begeisterung aufrufenden Menorah auf eine Stufe gestellt wird, unwidersprochen bleiben? Ja, wenn sich der Herr Reformator') lediglich darauf beschränkt hätte, die Lebensfähigkeit des öden, auch ihn anwidernden Reformjudentums, das auch ihm *) Die in der letzten Nummer der „Allgem. Zeitung des Judentums" veröffentlichte Entschuldigung des Herrn Herausgebers ändert nichts an der Tatsache, daß er die einzelnen Aussätze als irr sich abgeschlossene Beiträge zur Resormation der jüdischen Religion veröffentlicht hat. vom fiebenarmrgen Leuchter ausgehende Lichterstrahl, er sollte den Menschen verkünden 71222 11 217 11120 Sxi12' der reine goldne Leuchtcr, er sei der Gesammtheit Israels Vorbild. X'122,"1 17 121V der Fuß des Leuchters, er belehre den Fürsten in Israel, iSx I2pl (n"n) D'I'oStiI/ der Schaft des Leuchters, er belehre die Gelehrten in Israel 711(71271,1 iSx ,171131/ die Blüten des Leuchters sie erinnern uns an die Bedeutung der Schulen in Israel. Das Judentum kennt keine Standesunterschtede, Vorzüge durch Geburt, durch Ab stammung kennt unser Volk nicht, einen besonderen Adelstand be tzen wir nicht, find wir doch alle gleich adelig, können wir doch alle unseren Stammbai m zurückführen auf unsere Stammväter, Aöraham, Jsak und Jacob. Sxit2' 71D2D 11 317,1112Ö- Der reine goldne Leuchter erinnert uns an die Gesammtheit Israels, alle sind wir aus reinem, edlen Blut, alle sind wir berechtigt mit Stolz hinzublicken auf unsere historische Vergangenheit, die nicht durch ein.eine Familienpapiere dokumentiert ist, sondern durch das göttlich heilige Buch der Thora- 172110 2j72' 7lSlj7. Und im innigsten Zusammenhänge mit dem Aufträge einen Leuchter für das Heiligtum anzufertigen steht das Gebot der unreinen Tiere X!2L),1 Ö3S ,111 L?2(7122! Wenn jener uns zeigen soll den richtigen Weg zur Erkenntnis unseres eigenen Jchs, so soll das Verbot der unreinen Tiere uns Hinweisen, auf dasjenige, daS dieser Erkenntnis störend entgegentritt. 12SX X 111 11222 '123X X DlX 10X' xS" 11DX .11171.11 '123X xSx 012011 Q'2(712.11222/ man sage nicht ich will nicht genießen das Fleisch verbotener Tiere, der Anblick derselben ist mir schon ein