Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1909)
- Date
- 1909-03-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Der Israelit «Liil EinCentralorgan lürdasqrfhodnxgJudenftm UflBB Hl isässa Begründet dob Dr. Leknann in Rbiia ss&ss lll 50. Jahrgang. MSI FranMurf a. M.. den 18. MM 1900. 25. Hdar 5669. M 11. Abonnement Pro Vierteljahr: Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50, HeftauSgabe (Kunstdruck) Mk. 3.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Lr.» Rußland 1 Rud., England 2 sk., Amerika 50 ets., Niederlande 1.20 S., Frankreich Fre. 2.50. Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HeftauSgabe nur dirett. Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sech-gespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haasenstein u. Vogler A.-G-. Frankfurt a. M.» und deren Filialen. Zahlungen können außer dirett an den Verlag erfolgen per: Conto bei dem Postscheck-Amt Frankfurt a. M. Ro. 344. Conto bei der K. K. Postsparkasse Wie« No. 79695. Conto bei dem K. Postsparkastenamt Budapest No. 18 4£4. Conto bei der Rigaer Commerzbank in Riga und deren Filialen. Dot Ylachdruch Der Rrtihel und Correfpondenjen des „Israelit“ UT nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fleh um gröbere Rufffifce handelt, nur nach vorheriger Genehmigung geftaftef Aufwärts! „Mein Auge hing an deinem Angesichte, An deines Himmels Harmonie mein Ohr- Berzeth dem Geiste, der, von deinem Lichte Berauscht, daS Irdische verlo." Des Poeten laute Klage mag auch oft Israels Klage se n, des treuesten Sohnes, der bei der Teilung der Welt allein vergessen scheint, der, enterbt und entrechtet, im Lande der Träume verweilt, dieweil Jung und Alt geschäftig sich regt, den zuerteillen Besitzstand in Sicherheit zu bringen. Die göttliche Antwort aber, die Israel wird, ist keineswegs nur ein himmlischer Trost, eine Vertröstung auf ein besseres Jenseits, eine Einladung, im Himmel mit Ihm zu leben, der, so oft er kommt, ihm offen sein soll. Eine solche Abfindung würde dem Wesen der Religion, deren Vorzug es ist, nicht im fernen, weltfremden und lebensfeindlichen Gebieten zu wurzeln, kaum entsprechen. Die Antwort an Israel ist denn auch vielmehr eine Aufforderung, den Blick nach oben zu richten, die Augen zum Himmel zu erheben, um von einer höheren Warte die Dinge und Geschehnisse anders zu betrachten und zu bewerten, aus dem Daseinsjammer seine unsterbliche Volksseele über all die Leiden und Nöte des Lebens, über das Chaos der vergänglichen und wechselnden Erscheinungen hinweg zu jenen Höhen emporschwingen zu lassen, wo sie in der Nähe Gottes Trost findet — schon für das Erdendasein . . . So lernte Israel schon in den Uranfängen seines Volkewerdens seinen Blick an den Himmel zu heften und sich aus der Sternenwelt die Kraft für sein doppelt mühevolles Erdenwallsn zu holen. Den an seiner Zukunft verzweilselnden Ahn unseres Stammes führt Gott hinaus, mit der Aufforderung: no'ötrn iO Dan, von der Erde weg seinen Blick zum Himmel, zu den Sternen hinauf zu erheben. Der große Führer aber, der die Abrahamsfamilie befreien und sie durch Not un Mühsal ihrer Volksentwicklung und großen Zukunft entgegenführen soll, wird auf den zunehmenden Mond im Monate der Erlösung verwiesen) an der Schwelle der neuen jüdischen Zukunft zeigt ihm Gott den wachsenden Silberreis und spricht: „Diese Erneuerung werde euch zum Anfang von Neumonden, zum Anfang von Erneuungen!" Und wenn noch Jahrtausende später die geistigen Führer in Israel mit peinlicher Aufmerksamkeit und glühender Sehnsucht nach dem Niffan-Monde spähten und sein erstes Auftauchen allen Zerstreuten des Volkes, die nach ihm dem Pstichtleben des Jahres seine zeitliche Einteil ng und Ordnung gaben, durch Höhenfeuer kundtaten, so lag dieses scheinbar umständliche und primitive Verfahren keineswegs, wie eine leichte und seichte Kritik, die die jüdische Vergangenheit nicht tief genug herabsetzen kann, glauben zu machen sucht, an den mangelhaften Kenntnissen der Juden von den astronomischen Gesetzen, nach denen sich der Mondumlauf vollzieht. In der Tat wissen wir, daß den Bestimmungen der Monatsanfänge allezeit eine mathematisch und astronomisch genaue Berechnung zu Grunde lag, an der auch die Aussagen der Zeugen geprüft wurden. Aber trotzdem, oder eben darum, war die wirkliche Wahrnehmung des wiederkehrenden neuen Lichtes zur Bestimmung der Monate von nöten — von nöten für das leidende und hoffende Volk, dessen Schmerz und dessen Sehnen sich nicht in mathematische Formeln bannen lassen, dessen Genius in der Erneuerung des Mondes, der einstens Erlösung brachte und alljährlich auf das große Wiedererwachen der Natur herabschaut, immer noch den o,BHn vtn: den Anfang von innerer eigener Erneuerung zu erblicken hatte . . . Was Wunder, daß der Jude auch später und heute noch, da der jüdische Kalender längst festgelegt und unabhängig von himmlischen Erscheinung seine Zeiten bestimmt und sein Pflichtenleben regelt, nach wie vor allmonatlich seinen Blick wie hilfesuchend an die blasse Mondsichel heftet, die ihn zunächst über die ewigen unwandelbaren Gesetze belehrt, nach denen die Himmelskörper in freudiger Pflichterfüllung ihre Wirksamkeit entfalten, dann aber, selbst zu Zeiten, da scheinbar kein Sternlein seinen Nachthimmel erhellt, seiner Brust den Siegesruf abringt: *6 njnS '2 jnw1? 'm« bl 1^1'! „All die Feinde werden mich nicht zu berühren vermögen!" daß er beim Scheine des Mondes, der in der Zeiten und Erscheinungen Flucht, so manche Gefahr, so manche Errettung gesehen, die lockende Stimme des Geliebten zu vernehmen glaubt, des Geliebten, „der da kommt über Berg und Hügel, gleich dem Hirsche und dem Rehe, der sich hinter der Wand verbirgt, vom Fenster herabschaut, durch die Oeffnung winkt" . . . .Bei dieser Gelegenheit pflegt der Jude dann, aufrecht und erhobenen Blickes, voll Vertrauen und Siegesbewußtsein, mit dem Psalmisten zu beten: „Die Hilfe kommt von Gott, dem Schöpfer des Himmels und Erde. Er läßt nicht wanken deinen Fuß, es schlummert nicht dein Hüter. Siehe, nicht schlummert und schläft der Hüter Israels!"- M W Und der Enterbte, der getreueste Sohn, der bei der Teilung scheinbar allein von allen vergessen ward, der, ein Höhenmensch, mit Auge und Ohr an Seinem Angesichte, an Seines Himmels Harmonie hängt, findet darin reichen Trost — himmlische Freuden auf Erden. Kochenrmöscha«. Rus 9er Bochschule des nnfisemifismus. Der Kampf zwischen den deutsch nationalen und den jüdisch-nationalen Akademikern in Wien tobt weiter. Die deutsch-nationalen Studenten, die ihren jüdischen Kommilitonen die Satisfaktionsfähigkeit absprechen, sie nicht als würdige Waffenbrüder und — vielleicht mit Recht — Tischgenossen, betrachten, haben nun, angeeifert durch die Erfolge und die vielfache Unterstützung ein neues Kampsesmittel ersonnen; sie haben beschlossen, den Auslä dein durch Erhöhung der Mitgliedertaxe den Eintritt in den Studentenkrankenverein zu erschweren oder unmöglich zu machen. Daß unter Ausländern Juden zu verstehen sind, ist vielleicht nicht jedem gleich ersichtlich, darum wurde auch der direkte Antrag gestellt, Tschechen und Juden — in Prag heißt die Kampfparole : „Deutsche und Juden" — gänzlich auszuschließen- Der Antrag wird demnächst auf die Tagesordnung gesetzt und wohl auch zum Beschluffe erhoben werden. Dieser ‘bic Brutalität der Deutsch-Nationalen, so markant bezeichnende neue Gewaltakt hat einen Sturm der Entrüstung entfacht in den Kreisen, die noch eine zu hohe und.ideale Auffaffung von der Universität haben, um sich mit dem Faustrechte, das allein noch in der Wiener Studentenschaft dominierendes Recht ist, ohne Weiteres abzufinden. Ob diese terroristischen Gewaltstreiche auch die Angegriffenen, die jüdischen Studenten, zur klaren Besinnung bringen und ob sie auch