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Der Israelit · 1909-03-11 · Heft 10 (11.3.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 10 (11.3.1909)
Date
1909-03-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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|^gJIV4 10 11. März. Sette 5 dieser Feste Israels, die 65,000 jüdische Einwohner zählt? Nur einige Stunden! Derv ich hoffe, daß diese Herren ihre Untersuchung nicht betrieben habe» während der beiden Nächte, die sie im Schlafwagen und im Hotel zugebracht haben. Das war auch der Fall in allen anderen Städten. Herr Israel Levy und seine Kollegen haben die Etappen schneller abgemacht als die Inspektoren der Eisen bahn, deren Kommissionsvorsitzender sich nicht beeilt hat, ein schönes Interview herauszugeben und einen schönen Bericht vorzubereiten. Diese Arbeit hätte er auch ohne zu reisen in seinem Arbeitszimmer leisten können, wenn er ruhig beim Kamin sitzen blieb. Herr Benedict, der an der Mission teilgenommen hat und vier oder fünf Lage in Saloniki geblieben ist, ist ebenfalls von einem Journalisten interviewt worden, dem er unumwunden folgendes gesagt hat: „Wir ^nehmen einen beklagenswerten Eindruck von Ihrer Stadt mit". Dies Interview ist am 19. Januar im „Journal de Salomgue" erschienen. Einem andern Journalisten, der ihn fragte, warum die Alliance in den Reihen ihrer Lehrer Personen duldete, die die Anarchie predigten, ihre Schüler aneiferten, die Direktoren zu verhöhnen, Frauen und Kinder zu beleidigen und sich mehr mit Politik als mit Schulangelegenheiten zu befassen, erwiderte Herr Benedict wörtlich: „Wir hatten Furcht, diese räudigen Schafe fortzujagen." Und sodann jagt die Alliance den Direktor fort. Nein, sehr geehrter Herr Rabbiner, es ist nicht alles zum Besten in der besten der Alliancen! Ich habe unter meinen Papieren einen Brief, geschrieben von Herrn Bigart selbst, worin er des längern über die Anarchie spricht, die die Ziele des Werkes der Alliance beherrscht, wo Zentralkomitee und Lehrer sich beeinflussen lassen von der Furcht, von der Angst vor dem Skandal und noch viel schlimmerem. sein? Kann eine Institution wie diese noch lebensfähig Die Zukunft wird es uns sagen, und eine Zukunft die näher ist, als man glaubt. Sam. Levy. Chefredakteur des „Journal de Salonique". Wir brauchen nicht zu betonen, daß u n s an diesem Berichte vor allem der dritte Absatz interessiert/ denn gerade in Saloniki, wo ein Schützling und Freund der Alliance, Rabbi Jacob Meier, als Chachan-Baschi residiert, könnte die Allianceleitung von ihr nahestehender Seite die erbaulichsten Dinge über den im Lehrerkollegium herrschenden „religiösen" Geist erfahren. Daß dieser Geist kein Zttfallspcodukt, sondern notwendige Folge des ganzen Alliance-Werkes ist, glauben wir zur Genüge dargetan zu haben. Lfc-Cu orrespondenzen und Wtachrichten. Deutsches MeUH. Berlin, 1. März. Die „wahrhaft russischen Männer" schildert die „Kreuz-Zeitung" in einer Artikelserie, und es ist bemerkenswert, daß dieses stramm antisemitische Blatt für seine russischen Gesinnungsgenossen herzlich wenig übrig hat. Von bestimmendem Einstuß für diese Abneigung ist freilich die Erfahrung, der sich auch das Organ des preußischen Junkertums nicht entziehen kann, daß von den russischen Pogromhelden alle „Fremdstämmigen" in einen Topf geworfen und die Deutschen mit den Juden und Polen, Armeniern und Georgiern auf eine Stufe gestellt, ja, gegen sie sogar ein besonders grimmiger Haß gepredigt wird. Die „Schwarzschärler", wie die „Kreuz-Ztg." die russischen Reaktionäre etwas despektierlich bezeichnet, erklären jetzt, wo sie ihren Weizen blühen sehen, „jeden für einen gefährlichen Roten, der sich nicht ihre alleinseligmachende Lehre zu eigen macht". Auch der Art und Weise, wie die „Schwarzschärler" den Kampf gegen die Juden führen, kann das Blatt, das dereinst (in der nachmärzlichen Zeit) Rußland als „den Hort der konservativen Interessen Europas" feierte, keinen Geschmack abgewinnen. Um jedoch in gewohnter Weise zugleich auch den Juden eins zu versetzen sagt sie zum Schluffe: „Was die Juden betrifft, so reichte die Intelligenz nicht aus, um nur ein einziges positives antisemitisches Gesetz zu erlaffen (?), sondern man begnügte sich mit kleinlichen, schikanösen Polizeimaßregeln, die natürlich dem schädlichen Einflüsse dieses Volkes in keiner Weise Abbruch taten, wohl aber Haß und Erbitterung säeten und Scharen von Juden ins revolutionäre Lager trieben, während doch auch unter ihnen, besonders unter den strengrituellen, konservative Elemente nicht fehlten." Eins vergißt allerdings das Blatt zu melden, nämlich, daß die schwarzen russischen Männer sich oft genug in der Duma wie in der Presse auf ihre Vorbilder, aus die deutschen Antisemiten berufen. M. Hamburg, 1. März. Das Repräsentantenkollegium der deutsch-iSraelitischen Gemeinde hielt im Gemeinde- Bureau, Kaiser Wilhelmstraße eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Dr. I. Samson ab. Bor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des Ablebens des Gemeindevorstehers Herrn Jos. Schönseld, sowie des zweiten Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums Herrn Gustav Tuch, deren Andenken von der Versammlung durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde. Als neu eingetretenes Mitglied für den verstorbenen Herrn Tuch wurde Herr Jos. Oettinger von dem Vorsitzenden begrüßt. Bei der alsdann vorgenommenen Wahl eines zweiten Vorsitzenden, wurde der bisherige erste Schriftführer Herr Dr. Samson gewählt. Zum Mitglied der Kommission für die Beratung der Satzungen der israelitischen Töchterschule wurde für den verstorbenen Herrn Tuch Herr Ludwig Mathiason gewählt und in die Wohlfahrtskommission Herr Paul Laskar designiert. In den Vorstand der israelitischen Töchterschule wurden die turnusgemäß ausscheidenden Herren Ed. Meyer und Albert Wolff per Aklamation wiedergewählt. Betreffs des in voriger Sitzung gefaßten Beschlusses auf Herausgabe eines Handbuches für sämtlche der Aufsicht des Gemeindevorstandes unterstehenden milden Sttstungen, verliest der Vorsitzende ein Antwortschreiben des Gemeinde- Borstandes. In diesem wird mitgeteilt, daß der Vorstand der Herausgabe eines derartigen Handbuches durchaus sympathisch gegenüber stehe, jedoch noch nähere Erkundigungen bei auswärttgen Gemeinden über Umftmg und Form eines solchen Buches einziehen müsse, ehe er eine diesbezügliche Vorlage an das Kollegium gelangen lassen, respekttve einer Kommission nähere Mitteilungen machen könne. In der Debatte über diesen Punkt regt terr Mathiasson an, daß das Repräsentantenollegium den Wunsch ausspreche, daß das Handbuch auch die nicht der Aufsicht des Gemeinde- Vorstandes unterstehenden Sttstungen mit umfasse. Der Redner weist noch auf das von der Aufsichtsbehörde für milde Stiftungen herausgegebene Handbuch hin, das in seiner Anlage geradezu als musterhaft bezeichnet werden müsse und ja auch alle Sttstungen mit Ausnahme der israelittschen enthalte. Auf Antrag der Herren Bachrach und Peine wird beschlossen, den Kommissaren den Auftrag zu erteilen, dem Gemeindevorstand den Wunsch zu unterbreiten, daß in dem Handbuch außer dem Verzeichnis aller der deutsch-israelitischen Gemeinde unterstehenden milden Stiftungen, auch die in der Gemeinde zugleich Ochsen und Esel an einen Pflug gespannt werden. Aus der Bibel erfahren wir ferner mancherlei, wie gesät und geerntet wurde. Tie Mute begann Ostern und war Pfingsten beendet. Gerste war im April vollständig reis, Weizen im Juni. Be. Jerusalem scheinen jedoch die Feldsrüchte früher gereist zu fern, denn oft sandte man sich zum Pfingstfest schon neues Oel und neuen Wein zum Gefcyenk. Während der Ernte bewirtete man die durch das Land ziehenden Fremden und 'beschenkte die Armen und war nach gesetzlicher Borschrist bedacht, nicht allzu sorgfältig abzuernten, um den Armen das Aehrenlesen nicht gar zu schwer zu machen. Ferner gibt uns die Bibel über mancherlei noch Auskunft, so wurde wohl zu verschiedenen Zeiten und auf dreierlei Art gedroschen. Einmal mit einem Dreschwagen, mit und ohne Räder. Letztere waren große, hölzerne Tafeln, die unten mit starken Nägeln beschlagen und oben mit schweren Gewichten oder «keinen beschwert waren und von Ochsen über das Getreide umhergezogen wurden, damit die Körner herausfielen. Ein solcher Dreschwagen wird in Jesaias 41, Bers 15, genannt. Gne andere Art des Dreschens war, daß man fortwährend Ochsen über das Getreide trieb, wobei das Gesetz: „Du sollst dem Ochsen, der dir drischt, nicht das Maul verbinden", gewissenhaft gehalten wurde. Die Art, sich der Tiere zum Austreten der Körner zu bedienen, scheint schon bei fast allen Völkern mehr oder weniger in Gebrauch gewesen zu sein und wird noch heute in Chili angewendet. Man errichtet dort einen oft 40 bis 50 Fuß hohen und ebenso breiten Laufen Weizengarben, läßt um diesen einen 15 bis 20 Schritt breiten Raum und umgibt diesen mit einem Zaun. Von der Höhe des Hausens wirft man die Garben in den freien Raum und treibt 30 bis 40 Stück Stuten im Kreise über dieselben. Die Spreu verweht der^Wind, die Körner kehrt man öfter zusammen und sammelt sie ein. Das ganz: Stroh geht auf diese Weise verloren: da man dorr aber keine Stallfütterung hat, selbst das Bich nie in Ställen verwahrt, und ebenso wenig die Aecker düngt, so kommt dieser Verlust wenig in Betracht. Bei den Juden scheint auch auf der Tenne mit einer Art Flegel gedroschen zu sein. Es heißt in der Chronik: „denn Aram drosch Weizen", und etwas weiter: „er ging heraus aus der Tenne". Jesaia 28, Vers 24—28 heißt es über den Ackerbau: „Pflüget oder brächet, oder arbeitet ein Ackermann seinen Acker immerdar zur Saat? Ist es nicht also? Wenn er es gleich gemacht hat, streuet er Wicken und wirkt Kümmel, und säet Weizen und Gerste, jegliches, wo er es hin haben will. Denn man drischt die Wicken nicht mit Eggen, man läßt auch nicht das Wagenrad über den Kümmel gehen, sondern die Wicken schlägt man mit einem Stabe und den Kümmel mit einem Stecken. Man mahlt es, daß es Brot werde, und drischt es nicht gar zu Nichte, wenn man es mit Wagenrädern und Pferden ausdrischt." In der Bibel finden sich noch Angaben, wie das Getreide nach dem Dreschen gereinigt wurde. Zuerst wurde es mit Wurfschaufeln von der Spreu und anderen Unreinigkeiten gesäubert, später gesiebt, um die großen Körner "von den kleinen zu scheiden. Aus all diesem geht hervor, daß die alten Juden ein bedeutenden Ackerbau treibendes Volk waren, Es war das Bestreben der geistig Begabteren, den Ackerbau möglichst zu fördern und zu heben." (Zaufe uttb Naturalisation.) Wer da glaubt, daß der Tausschein immer als Eintrittskarte, wenigstens für die Kirche gilt, der lese die dieser Tage erschienene Broschüre „Eine kirchliche Schwebebahn" von P. Bernstein. Der Verfasser, erst russischer Jude, dann evangelischer Theologe, schleudert eine von Gift und Galle triefende Anklage gegen den Oberkirchenrat, weil er, nicht naturalisiert, weder in Preußen, noch sonst in einer deutschen Landeskirche Anstellung im Kirchendienst gefunden habe. Vielleicht glaubt der Staat, daß er an den ernheinrischen Täuflingen gerade genug habe, so daß er der ausländischen entbehren könne? Eine solche Erkenntnis könnte dem Staate nur zum Wohle gereichen. (Der jüdische Friedhof in Worms.) Eine der ältesten und kulturhistorisch interessantesten Begräbnisstätten Deutschlands wird demnächst eingehen. Ter hiesige jüdische Friedhof, jener berühmte und malerische Fleck Erde soll geschlossen werden, nachdem die jüdische Gemeinde aus der Höhe von Hochheim einen neuen Friedhof erworben hat. Bekanntlich ist die Wormser Gemeinde mit ihrem Friedhof die älteste jüdisch: Ansiedlung in Deutschland. Nach einer alten Chronik sollen schon nach der ersten Tempelzerstörung viele Juden nach Worms gezogen sein. Historisch nachgcwiesen ist jedenfalls, daß ein jüdischer Friedhof bereits im zweiten Jahrhundert n. übl. Ztr. bestand. Es existiert nämlich ein altes Manuskript, das sogenannte Minhagbnch, das im Jahre 1625 geschrieben ist und das von einem Leichenstein spricht, der damals schon über 1500 Jahre alt war. Jedenfalls gibt es Wohl keinen zweiten jüdischen Friedhof, auf dem so viele Heroen der jüdischen Wissenschaft und so viele Märtyrer ihres Glaubens ruhen. Daher sind die interessantesten Epitaphien wiederholt in Monographien behandelt worden, so besonders von Lewysohn („Sechzig Epitaphien aus dem israelittschen Friedhofe in Worms",. Eine Reihe von Steinen stehen seit dem 10. und 11. Jahrhundert. mm üMüüiMii

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