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Der Israelit · 1909-03-04 · Heft 9 (4.3.1909) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 9 (4.3.1909)
Date
1909-03-04
Page
– (sequence 23)
Language
German
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4. März 1909 Der Israelis. Ro. 9. Seite 23 Aufblühen der Gemeinde auch diesem Uebel abgeholfen werden, und die Errichtung einer entsprechenden Umfassungsmauer ist nur noch eine Frage der Zeit. €in alter Bericht aus dem heiligen Lande. In dem Werke V'f findet sich ein Brief des Rabbi Schclomo Memsterl aus Cundenburg in Mähren, datiert aus Zefas (Safer) vom 24. Tamus des Bürgerkrieg vor Granada. Jahres 5363 (1603 der gew. Zeitrechnung), der also fetzt 306 Jahre alt ist. In diesem Brief wird im Eingang die Sehnsucht des Schreibers nach dem heiligen La de geschildert und wie es ihm gelungen ist, alle S.i wterigteiten zu überwinden und das Land feiner Sehnsucht zu erreichen. Seine Darstellungen der dortigen Zustande find von ungemein hohem kuliw historischen Interesse. Sie regen von selbst zu einem Vergleich mit der gegenwärtigen Lage der Dinge im heiligen Lande in so hohem Grade an, daß es genügt, diesen Brief hier zugleich in freier Uebertragung wi-derzugeben und es jedem Leser zu überlasten, selber ei, e Parallele zwischen den damaligen und den heutigen Z ständen zu zieh n. Die Einleitung kann l.ier übergegangen, und die Uebertragung des Briefes mit der Stelle begonnen werden, wo der Schreiber seine Ankunft in Z fas, im oberen Gal läa am Chol Hamoed Sukkos des Jahres 5363 erwähnt. „Hier in Zefas fand ich eine heilige Gemeinde vor, denn es ist eine gar große Gemeinde, voll vom Geiste der Thora. Es gibt hier nahezu 300 g'vße Rabbiner, alles fromme, tatkräftige Männer. 18 Jcschiboth habe ich hier vorgefunden und 21 große Synagogen uud Bote Midrasch, in welchen n ihezu 400 Kinder von 20 Lehrern unterrtcbtet werden. Der Unterricht ist unentgeltlich für die Schüler. Reiche Leute in Konstantinopel bezahlen die Lehrer und verso gen alle noch d zu Jahr für Jahr mit Kleidern. Täglich nach dem Maarib- und Schacha is-Gebet versammelt fich die ganze Gemeinde grupvei we ke in a'ien Synaeooen und alle lernen in 5 bis 6 Abteilungen bei den Robb nen, bevor fie die Synagoge Verlusten — Eine Partie lernt ständig Rambam, eine andere En Jakob, andere lernen beständig die ges.tzltchen Bestimmungen über Beruhst, wieder andre Mtschna mit Kommentar, eine fünfte, sechne, siebente Partie lernt Gemoro mit Raschi und Toiefos, das Sohar-Buch und Thnach, so daß keiner Morgens an seine Arbeit rder an sein Geschäft gebt, ohne ein bestimmtes Pensum Thora gelernt zu habe'. Dasselbe w ederholt sich allabendlich, nachdem Maarib gebetet ist. Am Labbath strömt alle Welt zu den Vorträgen der verzchiedenen Gelehrten. An jedem Donnerstag kommen alle in der grölten Synagoge nach dem Morgengebet zusammen und verrichten dort ein überaus ergreifendes Gebet, das ganz Israel an allen Orten seinerZ rstreuung, das Exil der SchechinaundJsrae s ui d die Zcrstö.ung des Gotteshauses zum Gegenuand. hat. Sie eifleuen den Beistand Gottes für alle, welche die Armen des heiligen Lundes durch Geldspende,, unterstützen, daß ihnen langes Leben, Gelingen in allen Unierne^nungen und Schutz vor Nor und Leid beschieden sein mö e. Das Gebet verrichten alle mit lautem Winen und gebrochenem Herzen. Bor dem Gebet betritt Rabbiner Galanli die Kanzel und 'pricht in gar eindrucksvoller eise, jn de, er alle zur Gottesfurcht anregt. Mit dem Reiz seiner Sprache, seiner groß,» Weisheit, Belesenheit und Hellig.eit versteht er alle zur Liebe Gattes zu gewinnen. Dann treten die zwei Häupter der Jeschiboth, Rabbi Maffod, der Blinde — es ist dies mein Lehrer — und Rabbi Salomon Maarabt vor den Betpult - fie find beide wett und breit durch ihre Weisheit, ihre ungewöhnliche Demut unb ihre hervorragende Frömmig keit bekannt. Wenn fie mit ihrer Scheu und Furcht vor Gott ihr Gebet beginnen und ihren Augen die Tränen wie aus zwer Quellen entströmen, da kann fie keiner anschauen unb ihre > rscbütternden Gebete hören, ohne ebenfalls in Tränen aufgelöst zu werden. Auch wer ein Herz von Stein im Busen trüge, wird wie umgewandelt, wenn er diese Gebete wegen unser r Zerstreuung und der Zerstörung des Gottesheiltgtums bört, und bereut unter I heißen Tränen jedes verübte Unrecht, wenn er in diesem Kreise steht. Jeden Eref Rosch Chodesch wird die erste Hälfte des Tages mit Einstellung all r Arbeit wie Eref Jom Kippur b> gange . Alle versammeln fich dann in einer der größten Synagogen, oder besuchen die Gräber des Propheten Hoschea (sein Grab ist von einem prächtigen Bau überwö bt) oder des Tana Rabbi Jehuda ben Jim oder die Höhle des Tana Abba Schoul, welche fich sämtlich in der Nähe der Stadt befinden. Dort wird der halbe, von vielen so ar der ganze Tag mit ergreifenden Gebeten und Ansprachen verbracht. Die nichtjüdische Bevölkerung fügt fich in freiwilliger Unterordnung und Eh erdietung allen diesen Aeußerungen der Heiligkeit Israels. W nn wir auch den ganzen Tag auf freiem Fel^e in Tallts und Tefilltn bete > und mit lauter Stimme an den Gräbern der Z idtkim za Gort rufen, so findet fich doch kein einziger Nichljude, der fich erdreistete, an den O t auch nur htnzulreten, an dem die Juden beten, gesch veige denn dle jüdischen Gebete, Gott behüte, auch nur mit einem Worte des Spottes zu begleiten. Alle gehen vielmehr ruhig ihres Weges, ohne auch nur den Mund ,u einem le sen Wo te zu öffnen. Im Gegenteil. Sie behandeln die Grabilätlen der helltgen Ta raim mit hoher heiliger Verehrung, zünden Lichter auf ih en Gräbern an und spenden Oel für die Synagogen. In Kefar Zirvin, ,n Dims und Meiron gibt es noch viele Synagogen, die leider leer stehen, weck keine Juden mehr dort wohnen. In ihren Hechaloth leben noch ungezählte Sifre Thora, und die nichtMische Bevölkerung bringt ihnen die höchste Ehrerbietung entgegen. Sie Laben die Schlüssel dazu in Händen, halten fie rein, zünden Lichter vor den Hechaloth an, und keiner wagt cs näher zu treten und eine Sefer Thora auch nur anzurühren. Wlr besuchen manchmal diese Dörfer und verrichten bet besonderen Anläßen in jenen Synagogen unser Gebet. Auch in w derer Hinsicht habe ich im ganzen heiligen Lande den Segen Gor.es >n ungewöhnlicher Fülle empfunden. Es herrs-,1 ein Ueberfluß und eine Billigkeit aller Lebensmittel, de nicht hoch genug geschätzt werden kann, und die kaum zu schildern ist. Als ich den großen üderströmenden Reicht, m des heiligen Bodens sah, den die Völker der Welt gen eßeu, während Israel zerstreut lebt, ohne von seiner Frucht genießen und an seiner Vorzüglichkeit sich sättigen zu können, habe ich bittere Tränen geweint und gesagt: Wenn unsere jüdischen Bruder eine Ahnung hätten auch nur von dem zehnten Teil der Se.ensfülle, der Vorzüglichkeit und des großen liebe, flustes, die sich zur Zeit in Erez Israel finden, fie würden Tag und Nacht ihr Exil, würden das gute, herrliche geräumt e Land beweinen, das fie verloren haben und das noch heute in seiner Zerstörung Früchte, Oel, Wein und Seide in einer Menge erzeugt, die den dritten Teil der Welt versorgen ktznitte! Schiffe kommen von allen Enden der Welt, von Venedig, Spanten, Frankreich, Portugal und Kwstantinopel und exportieren Getreide, OUv.nöl, Rosinen, Feigen, Honig und Seide in Mengen wie der Sand des Meeres. Und trotz dieses großen Exports nach allen Enden der E.de kaufen wir hier Wetzen so rein wie die Sonne, ein Maß, das so groß ist wie 2 Vs Efa in Mähren, für einen Thal.r! Zwölf Rottel Olivenöl (1 Rottel enthält 9 Liter Mährisch) f.,r emen Thaler. Mohnsamenöl, süß wte Honig, fünf Rottel einen Thaier. Wer in d r Zeit der Wein- Lft Trauben kauft und sie in dem Keller auSpreßt, tarn ür einen Thaler 6 Rottel Wein erzielen, dazu konimen noch 4—5 Rottel B anntwein, die man aus den Trautenrestern gewinnen kann. Bon Bienenhonig kosten 4 Rottel einen Thaler, von Traubenhonig 10 Rottt l einen Thaler und Rofinen erhält man 18 Rottel für einen Thaler. Ebenso sind Feigen, Hühner, Eier ungemem billig Ein Huvn kauft man um 5—6 Kreuzer, 3 10 Eier kosten einen Preis, der einem Betrug von 22 Heller Eures Geldes entspriüt. Lammfleisch ist besonders zart, gut und f tt, jedes Schaf i,at auf dem Rücken eine Art Fetthocker, 17 Liter an Gewicht. Em Liter Schasfleisch k^ster wte in Mähren 3% Kreuzer, O. senfletsch 3 Kreuzer, Fi'che ein Batzen per Liier und oft noch weniger. Reis ist ungewöhnlich billig, Kraut und Getuüse gibt's in ungezä ckler Menge von einer Gü:e, wie Ihr sie noch nie gekostet habt, diese find das gan e Jahr hindurch, im Sommer wte t u Winter, zu Huben und fast um onst. Außerdem sind die Früchte all/ von seltene Qualität- Bis Horn, Pvmeranzrn, Limonen und Melonen, üke alle zuckersüß schmecken, ferner Bohnen, G r^en, Kürbist ex und viele andere F uchr aten, die Euch gänzlich unbekannt sind und deren Aufzählung daher für Euch keinen Wert hat. Die Früchte, Kraut- und Gemüsearten von Erez Israel und auch diejenigen, welche man auch in Eurem Lande nicht hat, verhalten fich in dem Vergleich zu denselben Erzeugnissen anderer Länder wie Gold zu Silber oder wte Gerstenzu Weizenbrot. Wem daher Gott die Gnade gewährt, in Erez JSroel ständig wohnen zu können, ist, wenn er auch nur ein ganz geringes eigenes Vermögen besitzt, glücklich zu preis«. Denn er kann fich durch Anschluß an die frommen, tatkräftigen Männer das Le en der kommenden Welt erwerben und kann auch schon in dieser Zeitlichkeit durch den Genuß dieses reichen Ueberflufles seine Befttedigung finden. Für ein Drittel der Kosten, eie bei Euch ein Haushalt kostet kann man hier königlich leben. Lazu kommt noch die reine kräftige Luft und daS ftifche, gesunde Waffer, welche beide sehr wesentlich zur Verlängerung des Lebens beittagen. In der Tat erreichen die meisten, ja fast alle Bewohner des heiligen Landes ein Al er von 80, 90, 1 0 und 110 Jahren, wte unsere Weisen ja bereits im Hinweis aus das Wort der Thora (V. 6. M. Cap. XI, B. 21) das lange Leb.n seiner Bewohner als eine Eigentümlichkeit deS heiligen Landes bezeichnen. Die unzuträglichen Speisen und Gettänke sowie die ungünstige Lust außerhalb des heiligen Landes haben ja in der Tat viele schlimme Folgen und veranlaßen schwere Krankhe ten, dle dann die Lebensdauer der Menschen selbstverständlich verkürzen. Während z. B. außerbalb des heiligen Landes fast eie meinen Mensch« mit Ausschlag an den Knien und Schenkeln behaftet sind, findet man im heiligen Lande Gott sei Dank nicht ein« einzigen derartigen ^allfie alle find von goldretnem Aeußern."- Der übrige Teil des Briefes enthält noch persönliche Angelegenheiten des Schreibers, der deshalb weniger von allgemeinem Jntereste ist. , Die Samaritaner. lieber dre Samaritaner schreibt der bekannte Reiseschriststeller Dr. Paul Rohrbach in der „Gartenlaube" u. a. folgendes: „Wer in Palästina gewesen ist und den Ritt von Damaskus oder von Nazareth nach Jerusalem gemacht hat, wird sich an die zwischen den beiden alttestanlentlichen Bergen Ebal und Garizim in Ottern engen Tal hingelagerte Stadt Nablus erinnern. Der Name Nablus ist entstanden aus Flavia Nepolis, dem römischen Namen des alten Sichem. An Sichem künpft sich eine lange Reihe großer Erinnerungen aus der israelitischen Geschichte. Nach der Ueberlieferung liegt Joseph, der Sohn Jakobs, dort begraben. Hoch über der Stadt, am Abhang des Garizim, springt ein mächtiger Felsblock wie eme natürliche Kanzel hervor. Von dort hat Jotham den Sichemiten die berühmte Fabel vom Dornenstrauch und Weinstock erzählt. Jeribeam, der König von Israel, hielt hier Hof. In der Geschichte des späteren Judentums spielt aber SichemNablus noch eine Religionsdisputation. besondere Rolle als das religiöse Zentrum der sogenannten Samaritaner. Der Garizim, der Berg oes Segens, trug ihren Tempel, in dem oie Samaritaner bereten und opferten. Zwischen Samaritanern und Inden bestand fett dem babylonischen Exil bittere Feindschaft. Dre assyrischen Könige hatten den Mel und die besitzenden Klassen aus dem Reiche Israels nach der. Eroberung des Landes nach Assyrien mitgeführtdas Landvolk und alle niedrigen Leute waren aber zurückgeblieben. Im Ausiausch gegen die Fortgesührten wurden Babylonier nach Samaria gebracht pnd dort angesiedelt.

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