Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1909)
- Date
- 1909-03-04
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449362--65342-2507975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus We \ f and Leb .Osraelif Üllustricrte Beit Unsere Illustrationen ru'Samnel ba-Hagia. Die interessanten Lebensschicksale und die Vielseitigkeit des Helden der gegenwärtig in unserem Blatte zum Abdruck gelangenden Erzählung haben die Aufmerksamkeit auch äußerjüdischer Kreise auf sie gelenkt. So sah sich der bekannte Maler Philipp Zeltner veranlaßt, die dramatisch bemerkenswertesten Stellen im Bilde festzuhalten. Wir sind heute in der angenehmen Lage, unseren Lesern einige davon vorzuführen, wenn auch in starker Verkleinerung, indes noch groß genug, daß sie ein Urteil gestatten. Fatima, die treue Gefährtin Samuels in Not nnd Glück, wird uns zunächst bei einer ihrer ersten Begegnungen mit ihrem Freunde gezeigt. Die beiden ahnen noch nicht, wie das Leben sie späterhin rütteln und schütteln wird. Auf dem Balkon des elterlichen Hauses der Braut überreicht der in Liebe erglühende junge Gelehrte der Erwählten seines Herzens die ersten schüchternen Ergebnisse seiner Muse, jener Dichtungen, deren Originalhandschriften sich noch heute in der Kaiserlich russischen Hofbibliothek zu Petersburg befinden. Nach langen Jahren des Getrenntseins erreichen die jungen Leute das hohe Glück, daß die Vorsehung sie wieder zusammenführt, auf daß sie nunmehr einen Bund schließen für das ganze Leben. Wie die dem Geliebten entgegenharrende Braut von ihren dunkelfarbigen Dienerinnen zur Hochzeitsfeier vorbereitet wird, das will uns der Künstler auf dem zweiten Bilde zur Anschauung bringen. Der süße heiße Duft jener spanisch-maurischen Zeit mit ihrer Freudigkeit am verfeinerten Genuffe weht uns aus diesem Bildchen berauschend entgegen. Glitzerndes Schmuck, kostbare Geräte, prächtige Gewebe und blühende Granaten, sie bilden schon jetzt die Umgebung der künftigen Gattin des Großveziers. Biel und furchtbar hat Samuel zu kämpfen, um seinen hervorragenden Platz zu behaupten, die Vornehmsten und Neichen der Stadt, ja seine eigenen Glaubenszen offen, arbeiten an seinem Sturze. Bei einer Verschwörung in einer Höhle beschließen sie seinen Tod. Diesen tragischen Augenblick hat Zeltner in seinem dritten Bilde mit Meisterhand festgehalten. Die Gruppierung der Verschwörer, das Mienenspiel des Haupträdelsführers, Jbn Migas, sind hier w lebendig wiedergegeben, daß diese Zeichnung wohl zu den besten,. was Zeltner geschaffen, gezählt werden darf. Der kurz darauf folgende Bürgerkrieg, bei dem Samuel in wunderbarer Weise der höchsten ' Lebensgefahr entrinnt, ist in dem vierten Bilde nicht minder bewegt zur Darstellung gebracht. Hier zeigt es sich besonders, welche umfangreichen Studien auf dem Gebiete der Kostümkunde und der Architektur jener Zeit der Künstler, der lange in Spanien und Südarabien lebte, getrieben hat. Das letzte der Bilder, die wir heute zum Abdruck bringen, führt uns schon in die späte Zeit unseres Helden, er ist genötigt, vor seinem geistig und körperlich bereits zerfallenden Könige und vor den Großen des Reiches seinen Glauben zu verteidigen. Im Löwenhofe der Alhambrah, dem größten Meisterwerke, das spanisch-maurische Baukunst hervorgebracht, steht er vor dem Spring- Samuel überreicht feiner Braut feiue Gedichte quell auf einem Teppiche, während der ihn anklagende Fakhi, ihm nahe auf einem erhöhten Sockel Platz genommen. Mit der Ruhe, die nur die felsenfeste Ueberzeugung von dem^ Vorgetragenen gewährt, antwortete er seinem Ankläger, während der wankelmütige König, scheinbar teilnahmslos, der Redeschlacht lauscht. Philipp Zeltner, der sich schon früher als Humorist und Genremaler mit der Darstellung rheinischen Lebens einen klangvollen Namen erworben, pflegt in neuerer Zeit das historische Gebiet und hatte namentlich mit der Ausschmückung des Dortmunder Rathauskellers bedeutende Erfolge aufzuweisen. Gegenwärtig arbeitet er an einem großen historischen Gemälde für das neue Schloß des Freiherrn von Waldthausen in Budenheim am Rhein. Die Originalbilder zu Samuel ha Nagid werden in einer Frankfurter jüdischen Buchhandlung demnächst zur Ausstellung gelangen. Die Spaniolen ln Bosnien. Seit Oesterreichs Doppelaar über den Gebirgen Bosniens schwebt erklingt in. den Synagogen der sephardischen Judengrmeinden die Volkshymne der Habsburger in spanischer Sprache. Die bunte Völkerkarte des Donaustaates ist eben durch ein interffantes, das neue Regime freudigst begrüßendes Völkchen vermehrt worden, das sich die Sprache seiner im Jahre 1492 aus dem Lande der Kastanien vertriebenen Urahnen treu bewahrte. 16000 Köpfe stark wurde eine arbeitsame Nation durch blindwütigen Glaubens¬ und Raffenhaß von ihrem häuslichen Herde geriffen. Es sind nicht die ersten und einzigen ein romanisches Idiom sprechenden Oesterreicher. Abgesehen von Italienern an derSüdostgrenze und den Dakoromanen (Rumänen) im Osten des Staates, gab es schon vor 200 Jahren in Südostungarn französische und spanische Kolonistendörfer, welche die dortigen ungemein fruchtbaren Gefilde im Bunde mit tausenden deutschen Ansiedlern zu neuer Kultur bringen halfen. Die Spanier verschwanden bald in der teils rumänischen teils serbischen Urbevölkerung, die Franzosen behaupteten sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, seit welcher Zeit nur noch französische Familiennamen an die Kolonie erinnern. Heuer erhielt der Donaustaat Ersatz in den fast 6000 Köpfe starken sephardischen Israeliten, den „Spaniolen" wie sie auf dem ganzen Balkan genannt werden. — La lira — sociedad de cantar de los judios eäpanoles. — Dies ist die Aufschrift an dem Gebäude des spaniolischen Gesangvereines, also in rein spanischer Ausdrucksweise und doch ist das Spaniolische ein arges Kauderwelsch, denn die, welche sich desselben untereinander ausschließlich bedienen, nennen es selbst einen Jargon, welcher eher dem portugiesischen ähnlich sein soll und von zufällig Bosnien bereisenden Spaniern absolut nicht verstanden wird, denn zuviel türkisch, flavisch, hebräisch und bisweilen italienisch wird beigemengt. Auch bei Dilettantenvorstellungen gebrauchen die Spaniolen ihre Sprache. Nach der Vertreibung aus Spanien fanden die Emigranten im Reiche des Halbmondes überall gastliche Aufnahme, von den Säulen des Herkules längs der Küste Afrikas und Kleinasiens bis zum goldenen Horn. Mit den Osmanen kamen sie bis nach Ofen und nach. mäumi£Ü