Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1909)
- Date
- 1909-03-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Sette 11 4. März 1909. Der Israelit. Rr. 9. ein, das letztere nach berühmten Mustern ein Hetzblatt" zu nennen, weil in seiner pädagogischen Beilage im Schimpfen ganz Bedeutendes geleistet wird. Es ist nämlich gar nicht wahr, wie es Herr St. darzusteüen beliebt, daß ich immer der Angreifer, er der Angegriffene istjeder Kundige weiß, daß fast alle polemischen Artikel, die ich geschrieben, der Abwehr galten. Nie aber sind meiner Feder Ausdrücke entflossen, wie die Eingangs erwähnten, durch welche die persönliche Ehre von Kollegen in den Staub gezogen wurde. Nie habe ich andersdenkende Kollegen als minderwertig bezeichnet, wie mein Gegner es ständig tut. Das aber ist das wichtigste Kriterium für den Fanatikernicht auf' mich trifft diese Bezeichnung zu, wohl aber auf ihn, und sein ganzes Vorgehen ist eine sehr sonderbare Art, den Zusammenschluß aller Lehrer anzubahnen. Einen ehrlichen und ehrenvollen Frieden werde ich nicht zurückweisen im Interesse unseres Standes, und aus dem gleichen Grunde rede ich auch der Einigkeit in den von mir angedeuteten Grenzen das Wort. Ich werde mich aber durch die heftigsten Angriffe nicht beirren lassen, das zu schreiben und aufzunehmon, was ich für notwendig, für nützlich und ersprießlich halte. Ich werde besonders mit Entschiedenheit der Leaendenbildung entgegentreten, als ob wir die Friedensstörer, die Fanatiker seien und unseren Stand durch Uneinigkeit schädigten. Und nun zum Schluß noch eine Bemerkung. Herr St. hat es für gut befunden, sich mit den religiösen Verhältnissen ‘ der Gemeinde zu befassen, in der zu wirken ich die Ehre habe. E i n ehrendes Zeugnis darf ich ihr jedenfalls ausstellen: wie auch der religiöse Standpunkt der einzelnen Vorstände und Mitglieder war, sie haben nach besten Kräften dafür gesorgt, die religiösen Institutionen zu erhalten und zu kräftigen. Daß sie dabei auch meinen Wünschen Rechnung getragen, das danke ich ihnen, und das ist mir ein Beweis, daß mein Wirken kein ganz vergebliches war. Die Torrbildung des jüdische« ledren in den Reltoion$wi$$enschalten unter Berücksichtigung der in den einzelnen . Kursen gemachten Erfahrungen. Referat, der Generalversammlung des Bundes g. j. Lehrer zu Frankfurt a. M. erstattet von Seminarlehrer Elias Gut zu Cöln. III. Nicht erforderlich ist, daß gerade der Traktat rYQ*o vorzugsweise behandelt wird. Es stärkt den Eifer und die Lust, wenn auch niroDö aus anderen O'i-w zur Durchnahme gelangenferner wäre empfehlenswert, auch mittelschwere mSDm, die kein zu großes verlangen, heranzuziehen. Zur gründlichen Befestigung des in einem p"»S verarbeiteten Lehrstoffs sind *)"'n und sehr geeignet. Bei einem dreistündigen Tiytf werden wohl IV* Stunden auf inoi und eine Stunde auf -12VQ und D'n fallen. Wie der verehrte Leiter des Nürnberger Kurses berichtet, erwies sich besonders das Studium des n"K mit als vorteilhaft, da es den angehenden Lehrern Freude bereitete, Einblick in die oft so verschlungenen Pfade der ro^n zu erhalten. Hingegen wird das Studium des re"v, wie durch einen Druckfehler in den im „Israelis abgedruckten Thesen irrtümlicherweise zu lesen war, als nicht geeignet erachtet, da bei zweckmäßiger Behandlung dieses Kommentars ein Quellenstudium vorausgesetzt werden muß, zu dem den Kollegen in der Regel die Zeit fehlt. Der atö'n nto reicht für unsere Zwecke aus, da auch er den Weg weist, einen ft"! von der Ursprungsquelle bis zu den äußersten Ausläufern zu verfolgen, ein Verfahren, zu dem die Lehrer auch im Seminar Anleitung erhalten. Was die anderen Lehrgebiete betrifft, Bibelstudium, Midraschliteratur, Geschichte, Homiletik, Liturgik, Grammatik,. Pflege der jüdischen Lebens¬ und Weltanschauung, so wird es sich wohl nicht anders einrichten lassen, als daß in jedem Semester zwei der genannten Fächer abwechselnd behandelt werden, z. B. ODin mit Grammatik, D'K'21 mit Geschichte, D'D’iro mit Literatur, Homiletik und Liturgik, Weltanschauung und Methodik oder in ähnlichen Zusammenstellungen. Welche Lehrmittel für jedes Gebiet zu empfehlen sind, kann meines Erachtens den Kursleitern überlassen bleiben. Wie der Leiter der ostfriesischen Kurse mit Recht vorschlägt, wäre es zur Herbeiführung einer größeren Einheitlichkeit und systematischen Behandlung wünschenswert, daß eine noch zu wählende oder aus den Kursleitern zusammengesetzte Fortbildungskommission einen Studienplan für ein Semester oder Jahr festsetzt. Der Kursleiter würde dann für jeden ein Thema stellen, auf welches jeder Teilnehmer zu Hause sich vorbereitet, während beim nächsten nyff die Sache besprochen und diskutiert wird. Schwierige Partieen oder solche Stellen, über die keine Einigung erzielt werden kann, müßten emeinschaftlich durchgenommen werden. Daß eim Pentateuchstudium außer den altbewährten Erklärern auch neuere Kommentare, Malbim, Hirsch und Hoffmann benutzt werden, ist selbstredendgerade Hoffmanns Leviticus erfordert geduldiges, eingehendes Studium, ist aber, wie die ostfriesischen Kursiften erzählen, Lohn, der reichlich lohnet. Vielleicht findet sich aber bald der Mann, der eine umfassende jüdische Geschichte in unserem Sinne schreibt, im Stile MommsenS oder Rankes. Ferner tut uns not eine jüdische wissenschaftliche Lehrerbibliothek, etwa nach dem Muster der Comeniusbibliothek - leichter zu erfüllen ist der Wunsch nach periodisch erscheinenden Zusammenstellungen empfehlenswerter Werke, Volks- und Jugendschriften. Ich glaube, auch unser Bundesorgan würde den Nutzen einer solch intensiven pädagogischen Betätigung bald spüren und alsdann kaum noch die Fülle derer zu fassen vermögen, die Jung-Jsrael dienen möchten. Es wird Ihnen daher wohl leicht werden, meinen Thesen 4—6 zuzustimmen. Meine Herren! Wir kommen nunmehr zur Einrichtung der Ferienkurse. Wo diese Institution einmal festen Fuß gefaßt hat, möchte die Lehrerschaft sie nicht mehr missen. Bon jeher hat unser Stand das Bestreben gezeigt, an den Quellen der Wissenschaft zu trinken, die Labe der Forschung nicht erst aus vierter oder fünfter Hand entgegenzunehmen. Aber welche Mühe hat es gekostet, bis dem Lehrer die Pforten der Hochschulen, wenn auch nur auf einige Wochen, sich öffneten. Ganz allmählich hat sich der fahrende Schüler und der reisende Melamed in den studierenden Volksschullehrer verwandelt. Es dauert hoffentlich nicht allzulange, bis sich die größeren deutschen Staaten ihren kleineren Geschwistern Sachsen, Hessen rc. anschließen und dem jungen Lehrer die Befähigung zuerkennen, mit Erfolg den akademischen Darbietungen folgen zu können. Aehnlich verhält es sich mit den jüdischen Lehrern. Solange es bei uns nicht, wie in Holland, eingeführt ist, daß auch die Lehrer die Unterabteilung einer Rabbinerschule besuchen, müffen wir uns damit begnügen, daß unsere Pädagogen wenigstens in kurzen Zügen den wissenschaftlichen Betrieb einer jüdischen Hochschule und die Koryphäen der Thora kennen lernen. Das Programm eines solchen pädagogischen Ferienkursus müßte sehr sorgsam vorher erwogen und auch strikte durchgeführt werden, damit das Ziel, in kurzer Zeit möglichst vielseitig und tief anzuregen, erfüllt werden kann. Damit der Segen dieser Veranstaltung sich gleichmäßig auf alle Landschaften verteile, habe ich vorgeschlagen, daß jeder Fortbildungskursus ein oder zwei Delegierte wählt, die dann später in ihrem Kurse eingehend über das Gehörte und und Gesehene zu referieren haben. Auf diese Weise würden auch die Kosten dieser Ferienkurse leichter aufzubringen sein. Ich glaube, daß diese Einrichtung auch für die Dozenten sich nicht nutzlos gestalten wird. M. H. Wenn auch eigentlich die rmn gelernt werden soll, möchte ich doch Vorschlägen, daß diejenigen Teilnehmer der Kurse oder allein weiterarbeitende Lehrer, die Lust dazu haben, sich einer Prüfung unterwerfen, mit deren Bestehen besondere Titel und Berechtigungen verbunden werden. Das bekannte Wort Bismarcks „Wir gehen an unseren examinlbus noch zugrunde" kann wahrlich nur aus die nichtjüdische Beamten Welt bezogen werden, denn wir leiden doch kaum unter der so gefürchteten Prüfungswut. Daß jüdische Lehrer mit 19 Jahren die erste Lehrerprüfung ablegen und hernach in ihrem ganzen Leben nicht mehr eine Prüfungskommission zu Gesicht bekommen, soll gar keine so große Seltenheit sein. Warum sollen wir denjenigen Lehrern, die nie an einer Volksschule gearbeitet haben, sondern nur mit der Erteilung des Religionsunterrichts betraut sind, nicht neue Bahnen weisen und erweiterte Lebensmöglichkeiten schaffen? Entsprechend unserer zweiten Bolksschullehrerprüfung oder dem Mittelschulexamen sollte daher eine erweiterte Prüfung im Jüdischen eingeführt werden, wie eben angedeutet wurde. Für Lehrerbildner müßte diese Prüfung verbindlich sein, denn das wird doch wohl jeder unbefangene Beurteiler zugeben, daß das zum ersten Lehrerexamen verarbeitete Wissen auf dem Gebiete der Thora für einen Praparanden- oder Seminarlehrer nicht ausreichend sein kann. Da wäre denn doch die Kluft zwischen profanen und jüdischen Kenntnissen gar zu groß. In Holland steht zwischen der Lehrer- und der Rabbinerprüfung das sogenannte Magid-Examen - diese Zwischenstufe halte ich nicht für unberechtigt. (Schluß folgt.) £om$pondenzen «.ßaebriebte«. Frankfurt a. M., 24. Febr. Wir tmpfangen folgende Zuschrift: Der in ihrem geschätzten Blatte enthaltene Bericht über die Februarsitzung der „Bereinigung jüdischer Religionslehrer in Berlin" zwingt uns zu folgender Richtigstellung: Die Stelle des Berichts: „Die zahlreich anwesenden Dirigenten von Religionsschulen Berlins, die alle den Bleicherode'schen Siddur eingeführt hatten . ..." ist irreführendes entspricht vielmehr den Tatsachen, daß der Siddur „Schaare Tefillah", herausgegeben von I. B. Levy an der Mehrzahl der Religionsschulen der Jüdischen Gemeinden in Berlin, sowie an der Knaben- und der Mädchenschule der Jüdischen »Gemeinde ln Berlin ein geführt ist. — Frankfurt a. M. und Rödelheim, 24. Febr. B. Levy als Herausgeber des neuen Rödelheiwer Siddurs „Schaare Tesillah". M. Lehrberger & Co. als Verleger des neuen Rödelheimer Siddurs „Schaare Tefillah". Cassel, 28. Febr., Die am hiesigen israelitischen Schullehrerseminar am 23 Februar und den vorhergehenden Tagen abgehaltene Entlassungsprüfung (erste Lehrerprüfung) ergab ein recht günstiges Resultat. Sämtliche Abiturienten bestanden. Einer wurde auf Grund seiner schriftlichen Arbeiten, die sämtlich gut ausgefallen waren, von der mündlichen Prüfung befreit. Aus der Religionsprüfung, die bekanntlich am hiesigen Seminar einen integrierenden Teil der Prüfung bildet, sei da- Thema des Aufsatzes hervorgehoben. Es lautete: „Tier- und Pflanzenreich in Pplästina". Mündlich wurden unter anderem die Fragen gestellt: Jerusalem, Religiöse Parteien z. Z. Hyrkans I., Gamliel II., Samuel Hanagid, Saadia, Weinstock und Oelbaum in der Bibel, Sodoms Zerstörung aus der Oberstufe, (schulmäßig zu behandeln.) Der pädagogische Aufsatz hatte zum Thema : „Die Mutter als Erzieherin in Lienhard und Gertrud." Den Vorsitz bei der Prüfung führte Geheimer Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Otto. regn