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Der Israelit · 1909-03-04 · Heft 9 (4.3.1909) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 9 (4.3.1909)
Date
1909-03-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Crzid^umj and Päd^ajisci)« B«il Ein wunderlicher kindettraporrel. Von H. Ehrmann in Friedbers i. H Das Papier ist geduldig. Der Redakteur des Verbandsorgans hat sich in zwei Artikeln eingehend mit meiner Person und mit meiner Tätigkeit als Redakteur von „Erziehung und Lehre" beschäftigt und, wie nicht anders zu erwarten, bin ich dabei recht schlecht weggekommen. Ich weiß mich zu trösten. Ich muß ihm antworten, weil meine Freunde es erwarten, und weil es wie persönliche Feigheit aussähe, wenn ich es unterließe. Ich verzichte von vornherein darauf, auf alle Anzapfungen und Verdächtigungen einzugehen und werde mich nur an die Hauptsache halten. Da der Kampf aber in eine ganz gewöhnliche Messerstecherei auszuarten droht, so werde ich mich hüten, in denselben Ton zu verfallen, den Herr Steinhardt angeschlagen, sondern werde, von derGerechtigkeit meiner Sache überzeugt, seinen leidenschaftlichen Anklagen und Verdächtigungen kühle Ruhe und ruhige Sachlichkeit entgegensetzen. Auch sonst werde ich seinem Beispiel nicht folgen. Ich werde weder die religiösen Verhältnisse in seiner Gemeinde, noch seine Erfolge oder Mißerfolge in der Schule zum Gegenstand meiner Betrachtungen machen. Ich habe es nur mit dem Schriftleiter des Berbandsorgans zu tun, seine privaten Verhältnisse kümmern mich nicht. Und noch in einer dritten Hinsicht werde ich ihn nicht kopieren: ich werde weder ihn noch seine Anhänger en canaille behandeln. Ich werde sie weder von mir „abschütteln", noch ihnen unedle Motive, wie niederen Mammomsmus und dal. unterschieben, noch ihnen vorwerfen, sie hätten „Bettelbriefe" geschrieben. Das alles überlaste ich getrost Herrn Steinhardt, der sich selbst das Diplom eines berufenen Hüters der StandeSehre ausgestellt hat. Allerdings hat H. St. seine beiden Artikel so persönlich zugespitzt, daß man zu prinzipiellen Erörterungen kaum gelangen kann. Er wirft mir vor allem Inkonsequenz vor. Verbot es mir mein religiöses Gewissen, so argumentiert er, dem Verbände der jüdischen Lehrervereine anzugehüren, weil ich dort mit liberalen, mit sogenannten „neologen" Lehrern zusammenarbeiten müßte, so dürfte ich auch nicht dem zionistischen Bunde angehören, in dem ich mit weit radikaleren Elementen zusammenarbeiten müste. Ich bin Misrachift, also Mitglied der gesetzestreuen Gruppe innerhalb des ZionsmuS. Eine engbegrenzte Aufgabe, wie die Kolonisation Palästinas, mit radikalen Elementen gemeinsam zu lösen, halte ich — und das ist meine private Ueberzeugung — fürungefährlich, besonders da die Führer das bündige Versprechen gegeben, daß dabei uichts geschehe, was die religiöse Ueberzeugung der Misrachisten verletzen kann. Der Misrachi aber ist eine feste Organisation mit selbständigem Programm und voller Aktionsfreiheit. Aehnlich wünsche ich das Verhältnis zwischen Bund und Verband geregelt zu sehen. Damit komme ich zur Besprechung einer anderen Frage. H. St. fließt über von Einigkeitich erlaube mir, an der Aufrichtigkeit dieser Gesinnung zu zweifeln. Ich habe am Schluß meiner Artikelserie „Bund und Verband" einen gangbaren Weg gezeigt', wie wir sofort dazu gelangen können. So gut die sozialdemokratischen, die christlichsozialen und die Hirsch-Dunker'schen Gewerkschaften in einer Kommission fiüedlich zusammen tagen und Standesfragen gemeinsam erörtern, könnten sich doch auch Verband, Bund und bayrischer Lehrerverein — fast 95°/° aller jüdischen Lehrer — in einer ständigen Kommission über einzelne zur Beratung stehende Fragen verständigen. Unter Einigkeit versteht man aber auf der Gegenseite Unterwerfung, und dafür sind wir nicht zu haben, denn wir fürchten eine Vergewaltigung. Wie mit der Einigkeit, so verhält es sich auch mit der F r i e d e n s l i e b e. H. St. spielt auf eine private Korrespondenz an, die vor einigen Monaten zwischen uns stattgefunden. Er habe mir in direktester Weise nahegelegt, den Frieden zu wahren und ich hätte den Streit schon wieder vom Zaune gebrochen. Er berichtet aber sehr einseitig. Ich habe ihm in eindringlichster Weise vorgeschlagen, unsere gesamte Tätigkeit als Schriftleiter einem unparteiischen Schiedsgericht zu unterbreiten, ja, ich hatte ihm bereits zwei Kollegen als Schieosrichter vorgeschlagen, die ihm durchaus genehm waren, er hat das Schiedsgericht aus nichtigen Gründen abgelehnt und damit den einzigen Weg verlegt, der zu einem für beide Teile ehrenvollenFrieden führen könnte. Ich bestreite aber auch ganz entschieden, den Streit vom Zaune gebrochen zu haben. Die beiden Bemerkungen, die bei H. St. so helle Entrüstung ausgelöst haben, sind so harmlos, daß schon besondere Kunst dazu gehört, sich darüber aufzuregen. Er hat beide nicht ganz richtig wiedergegeben und ein bischen vorri^er 1a fortiine gespielt. Was ich in Bezug auf die Stellung des Verbandes zu dem Rabbinerftand gesagt, ist, nur in ganz abgeschw ächter Form, das, was Herr Rabbiner Dr. Doctor-Bruchsal, jetzt in Cassel, ein-warmer Anhänger des Verbandes, n Nr. 8, Jahrgang 1905 der „Bl. f. Erz. u. 11." in dem Artikel „Ein Mahnwort" zum Ausdruck gebracht. Und wenn ich weiter gesagt, der Verband habe sich „fteiwillig" unter die Aegide des D. I. G. B. gestellt, so kann ein Nichtverbändler das Verhältnis der beiden Körperschaften kaum schonender andeuten. Wenn auch das nicht mehr erlaubt ist, so bleibt mir gar nichts anderes übrig, als jeden Artikel vor der Drucklegung zuv Begutachtung nach Magdeburg, zu schicken. Und nicht nur meine eigenen Geisteserzeugnisse müßte ich der Zensur meines liebenswürdigen Kollegen unterbreiten, sondern auch die meiner Mitarbeiter. Er hat es für nötig gehalten, die Welt vor einer Unterstützung des Cölner Seminars, das sich in schwerer finanzieller Bedrängnis befindet, zu warnen. Das ist zwar ein ganz ungewöhnlicher Schritt, aber er besitzt die Macht, also auch das Recht dazu, und die Gründe stellen sich dann von selber ein. Daß es unter den Schülern und Freunden der genannten Anstalt auch Leute gibt, die diese Gründe nicht gelten lassen wollen, die der Meinung sind, es handle sich beim Cölner Seminar gerade wie bei dem in Münster nur um die Erhaltung des Seminars, die bei St. eine religiöse Voreingenommenheit vermuten und dieser Meinung im „Israelit" Ausdruck verleihen möchten, um eine materille Schädigung der nach ihrer Meinung ungerecht angegriffenen Lehrerbildungsstätte hintanzuhalten, liegt doch nahe. Auch der friedliebendste Redakteur kann in einem solchen Falle gar nichts anderes tun,als die Ausdrücke möglichst zu mildern. Daß das geschehen ist, weiß H- St. durch einen Vertrauensmann. Trotzdem findet er es für angemessen, aus diesem Anlaß in der heftigsten Weise über mich herzufallen. Ich tröste mich mit dem Gedanken, daß schon weit beffere Männer als ich von ihm mit Kot beworfen worden sind. Wenn er aber beabsichttgt, mich durch eine solche Kampfesweise einzuschüchtern, so will ich ihm erklären, daß er seinen Zweck vollständig verfehlt hat. Herr St. spricht von der Abhängigkeit des „Bundes" vom „Israelit" und von dessen angeblicher Lehrerfeindlichkeit, Das gegenseittge Verhältnis ist ein viel,viel würdigeresals das zwischen dem Verbände und Herrn Leßmann - dafür kann stets der Beweis erbracht werden. Die Kreise, mit denen der Bund in freundschaftlichen Beziehungen steht, nämlich die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und der „Israelis können sich, was Lehrerfreundlichkeit anlangt, mit dem D. I. G. B. und dem „Hamburger Israel. Familienbatt" getrost messen.*) Es fällt mir aber nicht *) Ich erinnere hier nur daran, daß die erstere auf der zweiten Generalversammlung nach ihrer Reorganisation Herrn Semtnarlehrer Stoll Gelegenheit geböten hat, unsere Sache vor einem erlesenen Publikum zu führen.

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