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Der Israelit · 1909-03-04 · Heft 9 (4.3.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 9 (4.3.1909)
Date
1909-03-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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4 März 1909. Rr. 9. Seite 7. und die Sache fälschlicher Welfe fo dargesteUt wird, als ob es sich um einen relativ gleichgültigen Kampf zwischen. Eliaschar und Panisel handelte, weist das sefardische Beth-Din überzeugend nach, daß der ganze Kampf sich ausschließlich um die eine Frage dreht: Darf ein dem überlieferten Judentum völlig fern stehender und mit äußeren Machtmitteln ausgerüsteter Mann ä la Antebi bestimmend in die Geschicke der heiligen Stadt und ihrer religiösen Institutionell eingreifen? Der Entscheidung dieser Frage allein gilt der Kampf, und ihr gegenüber ist es relativ gleichgültig, ob Eliaschar oder Panisel Chachambaschi wird. Kein Mensch glaubt übrigens noch, daß Antebi es mit der Unterstützung Eliaschar's ehrlich meint. Aus Haß gegen Panisel hält Antebi vorläufig dem Gegenkandidaten die Stange. Zu befürchten ist aber, daß im letzten Augenblick ein dritter Kandidat vonder Alliance Gnaden auf der Bildfläche erscheinen wird. Hoffen wir, daß die kurzsichtige Politik einiger Politiker des „Waad Kol Hakaulalim" nicht Antebi's Einfluß verstärken, und daß diesen Männern nicht erst dann ein Licht aufgehen wird, wenn eszuspätist. Als Nachfolger Chiskija Sabbatai's ist der Rabbiner der Marokkanischen Gemeinde, der Chacham Nachmann Batito zum provisorischen Stellvertreter eingesetzt, bis die Anordnungen Chajim Nahoum's eintreffen. Chacham Batito ist ein überaus würdiger Mann und ein echter Talmid Chochom. Er steht im Alter von 65 Jahren, nimmt in sefardischen Kreisen eine sehr geachtete Stellung ein und aspiriert wohl im Stillen ebenfalls auf die^Chachambaschi-Würde. Zu den öffentlichen Anhängern Antebi's gehört er nicht; aber ein furchtloses Auftreten gegenüber jenem Machthaber ist auch von ihm leider kaum zu erwarten. Bei den bedrückten ökonomischen Berhältniffen in Jerusalem spielt begreiflicher Weise die Scheu, gegenüber den Mächtigen seine Meinung offen'zu bekennen, in allen Fällen leider eine sehr bedeutende Rolle. Uermiscbtes. Cöln, 1. März. Bon dem Jüdischen Lehrerseminar in Cöln wird unS mitgeteilt, daß sämtliche Seminaristen des ersten Kursus am 26. Februar mit guten Erfolg die erste Lehrerprüfung vor der Königlichen PrüfungSkomvtssion bestanden haben. Moder», 26. Februar. Auf Grund eines mit großer Majorität erfolgten Beschlusses der Repräsentanten« Korporatton der königlichen Freistatt Modern, wurde, mit Genehmigung des Ministeriums, der Wochenmarkt daseli st von Samstag auf Donnerstag verlegt. Um die erfolgreiche Führung der Verhandlungen mit den kompe- 2ie freuten sich ganz ungemein über den Erfolg und tuschelten sehr vergnügt.... Als aber das Spiel aufhörte, da war der Beifall unendlich groß. Alles schien ausgesöhnt und zufrieden. Tie Alten erwachten und selbst die feigen Deserteure kamen wieder und stimmten in den Applaus kräftig ein. Ter Beifallsturm war so groß und so aufrichtig gemeint, daß sich die beiden Damen bald zu einer zweiten Draufgabe entschlossen. Tas war mir dann doch zu viel. Ich erhob mich und'suchte das Freie zu gewinnen. Draußen nahkn ich Hut und Stock, für deren Aufbewahrung ich erst vor einigen Minuten 20 Pfg. bezahlt hatte, und lies. Ich lief, wie von Dämonen gejagt und atmete wieder frei auf, als ich in meine stille Straße einbog und mein .friedliches Junggefellenheim im Mondschein lächelnd wieder erblickte. Als ich die Haustüre aufschloß, da erstorben gerade im Nebenzimmer die letzten Töne von: „Du, du liegst mir am Herz e n." Ich begab mich sofort zu Bett und von furchtbaren Walzer- und Zauberträumen geängstigt, schlief ich bald ein. Ich weiß gar nicht, wie lange ich geschlafen hatte, als ich plötzlich durch ein furchtbares Geräusch erwachte. Ich dachte anfänglich an ein Erdbeben oder an die Arie vom Waffenschmied. Mer es war keines von beiden. Mein Zimmergenosse, der ebenfalls zur Feier war und als wahrer Märtyrer bis zur letzten Minute ausaehalten hatte, war nachträglich in eine echte Purimstimmung.geraten und kam nun stark angehertert nach Hause. „Du", polterte er, „es war schön, sehr schön, prachtvoll und.anregend!" „Was war schön, was war prachtvoll und anregend?" fragte ich schlaftrunken jtnb sehr ärgerlich über die Störung. Der JSraelit. tenten 'Behörden und einzelnen Faktoren tu dieser für rOE7 fl’TötP überaus wichtigen Angelegenheit, haben sich oer rühmlichst bekannte Rabbiner der orth. isr. Gemeinde Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Samuel Frei selb und der Gemeindevorit« her Herr Simon Adler daurrnde Verdienste erworben. M. Sch. Uereinsmescn. Frankfurt a. M., 19. Febr. Das Deutsch- Israelitische Kinderheim in Diez ist unstreitig eine der hervorragendsten Stätten, wo jüdische Mildtätigkeit und Wohltätigkeit fürsorgend waltet In den lichtdurchfluteten Räumen des schönen und zweckmäßig eingerichteten Hauses, das, hoch am Waldrande gelegen, weit hinausschaut in das gesegnete Tal des nassauischen Geländes, wird eine große Anzahl von Knaben unter sorgfältigster Aussicht erzo en und zu einem menschenwürdigen, gottgefälligen Dasein herangebildet, die, ihren Kreisen überlassen, zum größten Teile sicherlich einem traurigen Schicksal verfallen wären. Waisen und Halbwaisen sind es nicht allein, die hier Aufnahme finden, auch solche, denen durch zerrüttete häusliche Brrhältnisie die Erziehung fehlen würde, wie auch solche bedauernswerte Kinder, denen eine grausame Welt sehr oft wegen des Fehltritts der Mutter einen Makel anhaftet: hier finden fie alle eine Stätte der Liebe, unter der sie fich entfalten und zu einem heiteren Leben erblühen. Man sehe nur in ihre froh blickenden Augen, ihre von Gesundheit zeugenden rotwangigen Gesichter, und man wird seine Freude an ihnen haben, und man wird fich freuen, daß jüdische Wohltäti keit hier «ine ihrer schönsten Blüten entfaltet. Es ist ein glückliches Bewußtsein, an diesem Wohltätigkeitöwerk sein Teil miigearbeitet zu habensich aber dieses Glückes teilhaftig zu machen, dazu bedarf es für den einzelnen keiner großen Opfer. Mit dem wiederkehrenden Pur im feste, das jüdischer Gedanke ja mit Wohltun am schönsten zu weihen glaubt, werden Kindermund und Ktnderspruch bei ihren kleinen und großen Freundest um eine kleine Spende für das Kinderheim bitten, und die Kleinen werden gewiß nicht abgewiesen werden und mit leeren Händen abziehen muffen. Das Kinderheim erweist seine Wohltaten jüdischen verlaffenen Kindern ganz Deutschlands, und so darf es auch wohl an die jüdischen Herzen ganz Deutschlands seine Bitte um Mithilfe an dem guten Werke richten. Berlin, lä. Febr. Ter B e r ein z u r Erhaltung des überlieferten Indent u m s veranstaltete am 11. d. M. nn Saale Burgstraße 20 eine öffentliche Versammlung, welche einen überaus in toressanten Verlaus nahm und deren Ergebnisse auch für weitere Kreise von Bedeutung sein dürsten. Z.rm Referenten des Abends war Herr Rabbiner Härter gewonnen, derselbe verbreitete sich in wohldurchdachten Ausführungen über oaS Verhältnis der modernen naturalistischen Weltanschauung zu derjenigen des Judentums. Einleitend zeigte Redner, daß jene Bestrebungen, welche daraus ausgehen, Gott und Vorsehung aus dem Getriebe des menschlichen Lebens auszuschalten, keineswegs erst das Ergebnis unserer erweiterten Naturerkenntnis bilden. Redner verbreitete sich ausführlich darüber, daß die von den Modernen ins Treffen geführten Argumente keineswegs bei vorurteilsloser Prüfung sich als schlüssig erweisen, vielmehr das Ergebnis von unzulänglichen Beobachtungen und voreiligen Verallgemeinerungen bilden. Nach der praktischen Seite hin müsse diese Richtung geradezu verheerend wirken. Nirgends zeigen sich diese beklagenswerten Folgen so sehr als bei uns im Judentum. Von dem Sauerteig dieser Richtung sei unsere Lehrerschaft vielfach ergriffen, von der er aus „Es war schön", lallte mein Freund, bemüht, den richtigen Ausdruck zu finden, aber erfolglos. — „Die . na, wie heißt man das?.... was war denn das?». ../Ich weiß es nicht mehr... Aber gleichviel . Es war schön und Tu .... Du... Du.." Weiter kam er nicht. Schwerfällig und sehr umständlich hatte mein alter Freund doch auch endlich seine Ruhe gefunden. Ich aber dachte noch lange über das dunkle Mort meines Freundes nach und fand auch bald den Zusammenhang. Ta während der ganzen Feier kein einziges jüdisches Wort ertönt, kein einziger jü di sch er Gedanke zum Ausdruck gelangt, kein einziger Zug einer jüdischen Freude zur Geltung gekommen war, so war es nur begreiflich, und verzeihlich, daß mein Freund, der auch sonst keinon Anspruch daraus macht, ein Gedächtniskünstler zu sein, jetzt ganz vergessen hatte, daß — er bei einer „ P u r i m f e i e r " gewesen war? Jfu$ dem jüdischen Gemeindeleben. In einer Großstadt, in welcher sich mehrere jüdische Gemeinden, orthodoxe, sehr orthodoxe, liberale und gemäßigt liberale Synagogen befinden, trafen sich an einem schönen Sabbathmorgen vier Glaubensgenossen an einem Straßenübergang. Alle vier waren sabbathlich gekleidet, feierlich gestimmt In nd mit Zylinder bedeckt. Ter eine hatte einen Schirm in der rechten und ein Gebetbuch in der linken Hand. — Er ging in den Reformtempelzu-r Andacht. Der zweite hatte nur ein Gebetbuch, das er warm an die Brust drückte, aber keinen Schirm. — Es war 'ein gemäßigt Liberaler, der in die uuscre unreife Jugend übertragen wird. Tenn es fei widersinnig, vorauszusetzen, es könne ein Lehrer seine sogenannte wissenschaftliche Gedankenrichtung in der praktischen Betätigung des Unterrichtes einfach ausschalten. Ohne Einsetzung der ganzen Persönlichkeit gebe es keinen Unterricht, höchstens nur Dressur. Unsere geofscnbarre Thora gründe sich aus Tatsachen, die jeder wissenschaftlichen Prüfung standhalten. Sie bildet für uns den Maßstab, an welchem wir die Erschcinnngen der Wett und des Lebens abmessen und ans ihren Wert abschätzen, nicht umgekehrt. Aus jener Seite hätte man einer sittlichen Wellordnung jeden Boden eittzogen, die nur auf Grundlage unserer Thora sich behaupten kann. Mit der Aufforderung, diese Ideale unentwegt sestzuhalten, und die Herzen unserer Jugend für dieselben zu entflammen, schloß unter großem Beifall der geschätzte Redner. Rack, Worten des Tankes »ür den Vortragenden verbreitete sich der Vorsitzende des Vereins, Herr S. W e d e I l, über eine - Reihe von Vorkommnissen in der Berliner jüdischen Gemeinde. Er wies daraus hin, daß die Verwaltung der Medizinalrat Tr. Kohn-Stistung für jüdische Lehrlinge jüngst in einer össentlichen Bekanntmachung in de» hiesigen politischen Zeitungen laut Bestimmung des Testanlentes, junge Leute, welche den Sabbat nicht halte», zur Bewerbung um die ihr zur Verfügung stehenden Stipendien aufforderte. Es fei empörend und übersteige alle Grenzen, wenn im Namen der jüdischen Gemeinde zu Berlin durch Bekanntmachung in öffentliche»^ Blättern Präinien für die Entweihung des heiligen Sabbats angeboten werden. Redner verbreitete sich iveiter über die Angelegenheit des Dr. Kellermann, gegen dessen weitere Verwendung als Leiter einer Religionsschule der Vereinsvorstand ans Grund einer in öffentlicher Versammlung beschlossenen Resolution bei' den Gemeindebehörden vorstellig, von diesen aber abschlägig beschieden worden ist, weil dessen literarische Tätigkeit keinen Anlaß vazn böte^ Ter Vorsitzende zitiert hieraus eine Reihe von Aeußerullgen, die der gen. Tirigent einer Religconsschule in seinen Vorträgen gemacht und dem Drucke übergeben hat, wonach der Thora und der Tradition der Ossenbarungscharatter schlechtweg bestritten wird usw. Mit Bedauern konstatiert Redner, daß die in ausführlicher Petition den Gemcindebe- Hörden vorgetragenen Forderungen des Vereins, wozu in erster Linie die Einsetzung eines aus dem Boden der lleberliesernng süßenden Rabbinats gehört, noch immer bei diesen keilt Gehör gefunden haben. In der hierauf sich »entspinnenden Debatte ergreift zunächst Herr K o n r a d 2 ch a y e r das Wort und meint, daß der Verein bei seinen Vorstellungen, die er au deu Vorstand richtet, es an dem nötigen Nachdruck und der erforderlichen Schärfe fehlen lasse. Herr Direktor Lichten stein erklärte, daß er zwar im persönlichen Leben den Forderungen des überlieferten Judentums nicht immer gerecht zu werden vermag, sich aber mit Stolz den Bestrebungen des Vereins anschließe. Er greift wiederum aus die Angelegenheit des s. Zt. von dem Vorstände gemaßregelten Tr. Emil Eohlt zurück und meint, wenn ein Vorstand einen Dirigenten Keller,,rann, dessen Wirksamkeit mit Recht so viel Anstoß erregt, duldet, man es für unbegreiflich finden nruß, daß er ersteren ohne weiteres aus dem Amte gedrängt hat. Herr Dr. Fink führte aus, daß das überlieferte Judentum erst dann den ihm gebührenden Platz im Gemeindeleben erlangen kann, wenn es alle seine versprengten Anhänger in einer einheitlichen Organisation zusammensaßt. Der Vorsitzende lenkte sodann, nachdem die Herren Joses Chaim, Dr. med. Wechselm a n n und Herrn Max Saul vom Vorstände die konservative Synagoge zum Gottesdienst ging. Ter dritte hatte w^>er Schirm noch Gebetbuch. — Er wollte Schuten gehen, um zu o r e n. Auch der vierte war vollständig unbewaffnet. Nur die Zipfel seines „Arbakanfes", die indiskret aus seinem Kaftan hervorschauten, und sich wie eine Wetterfahne in der Luft bewegten, zeigten an, daß er in das polnische Minjair wollte, um zu „dawnen". Da kamen von beiden Richtungen zwei Tramwagen, die Straße gefahren, dazwischen sauste ein Automobil, dem init knapper Not ein vollgeladener Lastwagen auswich, der zwei Radfahrer in den Straßengraben warf. Die Tramwagen schellten und klingelten: das Automobil schnaufte, der Kutscher fluchte und die Radfahrer schimpften. Die vier Glaubensgenossen aber mußten anr gesperrten Straßenübergang stehen bleiben und warten. „Ich komme zu spät", ruft der andächtige Tempelherr, unruhig mit seinem Schirm fuchtelnd. „Versäume ich das A u s h e b e n, bei welchem die neue Sängerin heute ihr Solo singt, was hätte die ganze Andacht noch für; einen Wert?" t Und der konservative Gottesbiener aus der Mittelreform seufzt leise: „Ich komme zu spät, zu spät zur Predigt. Und die Predigt ist doch der eigentliche Kern, der Mittelpunkt des ganzen Gottesdienstes!" Ter orthodoxe Schulengänger aber schmunzelt vergnügt: „Schadet nichts, Hab' daheim geort und gegessen und komme ich zu spät, was macht das? Spät in die Schul' kommen, gehört sogar gewissermaßen zum guten Tone!" Ter polnische Minjanmann aber ruft verzweifelt: „Wenn's asoi weiter geit, dann well ich noch euwer Ä ' r i S ch' m a s e i n!"

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