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Der Israelit · 1909-03-04 · Heft 9 (4.3.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 9 (4.3.1909)
Date
1909-03-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 9 Der ASraettt. 4. März. Sete 5 nichts Ersprießliches erreicht wird, wie kurz oder lang auch der Name des Vereins sein magwieviele oder wie wenige Mitglieder dabei anwesend sein mögen. Die Berliner Juden sind an solche Hornberger Schießen längst gewohnt. und Machrichten. orrespondenzen E. B. Berlin, 2. März. Der 1*7# % als der Geburts- und Todestag unseres Lehrers Moscheh spielt in dem innerjüdischen Leben des Nordens und Ostens eine hervorragendere Rolle als in Süddeutschland und wird noch vielfach als Fasttag begangen. In unserer Stadt wird er von der C h e w r a h K a d i s ch a der A d a ß I i s r o e l als ihr „Tag" durch Selichoth im Schacharisgebet und halbtägiges Fasten gefeiert. So auch diesmal- Mittags, nach dem Minchahgebet fand ein Sium auf Seder Seraim und daran anschließend Kaffeetafel der aktiven Mitglieder D’pDyfiö statt. Der Abend vereinigte dann wieder dieselben mit ihren Frauen, den Vorstandsdamen des Frauenvereins und dem Gemeindevorstand zur „Ehewra-Sude" im Burghotel, wo man bet geistigen und körperlichen Genüssen bis in die späte Nachstunde beisamen blieb und des ernsten Hintergrunds für ein paar Stunden vergaß, auf dem das Leben der Chewrah Kadischa sich sonst abspielt. — Auch das Beth- H a m i d r a s ch begeht nach uralter Tradition den Tag durch eine Feier. Nach Minchah hielt der Beth-Hamidraschrabbiner, Dr. Eduard Biberfeld in der wie an Jomim Hanauroim hergerichteten Synagoge eine Deraschah, die an die Mischnah Sotah I. 9 anknüpfte und den Maßstab (rHtt), mit dem Moscheh die Dinge bemaß aus der Tatsache herleitete, daß, während ganz Israel, wie der Midrasch sagt, mit seinen eigenen Jntereffen beschäftigt war, Moscheh die Gebeine Josephs, die für ihn nicht tote Knochen waren, mitnahm und für die Erfüllung der alten Versprechung Sorge trug. Während Israel „mit erhobener Hand", als ein aus eigner Kraft vermeintlich entftandner Volksstamm aus der Knechtschaft zog, vergaß Moscheh nicht, daß Israels Volkstum nur möglich und berechtigt sei iu der Verknüpfung mit der Tradition der Väter. Selbstlosigkeit bis zur Selbstvergessenheit und Kontinuität in der Geschichte seines Volkes, das sind die Maßstäbe, die jene Überlieferung als die unseres Lehrers Moscheh erkennen läßt, und sie fanden ihren höchsten Lohn in der Anerkennung, die Gott selbst ihm zuteil werden ließ. Des Weiteren gedachte Redner dann der im abgelaufenen Jahre Dahingeschiedenen, die als O'p'IL im gleichen Sinne gewirkt und gelebt haben, der uns Nahestehenden als Mitglieder der Verwaltung des Beth Hamidresch (David Struck, S. Haarburger, Caspari), des Mitbegründers der Adaß Jisroel, Dr. Stern heim und so vieler Anderen, die dahingegangen, bis hinab zu dem schweren Verlust, den erst in den allerletzten Wochen die Thora in dem Hintritt eines ihrer edelsten Träger, in dem „Eisenftädter Raw" zu beklagen hatte. Mit dem „Memorn" dieser Dahingeschiedcncn bl und dem Maarivgebet fand die eindrucksvolle Feier ihren Abschluß. E. Rs. 53 e x i i n, 28. Februar. Schier 66 Punkte standen auf der heutigen Tagesordnung der Repräsentantsitzung, doch enthielten sie meistens Rechnungsabschlüsse und Bewillignngen, so daß sie schnell erledigt werden konnten. Bon Zuwendungen sind zu verzeichnen 20.000 M. an die bei der Armenkommission bestehenden Alwine Lachmann-Stiftung, je 10.000 M. für die Altersversorgungsanstalt, für eine Dr. Robert Blumenreich-Stiftung, Caspar und Marie Levy geb. Reinach-Stiftung und einer Hermann und Doris Natharan-Stiftung. Ein Mitglied der Versammlung hatte wegen der Verzögerung des Baues der Synagoge Fasanenstraße interpelliert. Von Seiten des Vorstandes erging die Mitteilung, daß sämtliche Schwierigkeiten beseitigt, der Bau nun in die Wege geleitet werden könne und im Früjahr begonnen werde. Für Ausarbeitung eines neuen Entwurfs werden für einen Architekten 2500 M. bewilligt. Der Punkt 12, Bewilligung einer Ausgabe zur Herausgabe einer deutschen B belübersetzung, rief eine lebhafte Debatte hervor. Es sind vorläusig 36 Gelehrte in Aussicht genommen, welche als für die Redaktion geeignet in Betracht kommen. — Die Herren Dr. Maybaum, Elbogen und Holzman sind für die weiteren Verhandlungen berufen und wurde vorläufig eine Summe von 20.000 M. ausgesetzt. Die Befürchtung einer Tendenz-Uebersetzung ist angeblich unberechtigt. Ungarn, bleich und gleich. (Von unserem Korrespondenten.) Budapest, 26. Februar. Im neologen Lager herrscht himmlische Freude und Wonne. Eine „orthodoxe" Gemeinde hat sich mit einer neologen vereinigt und hierdurch das orthodoxe „Märchen" von den klaffenden Gegensätzen zwischen Orthodoxen und Neologen vernichtet. Auch hat die betreffende neologe Gemeinde im Bund.' mit der neol. Landeskanzlei behufs Statuierung dieses Exempels große materielle Opfer gebracht. Dieselbe hat die erdrückende Schuldenlast der betr. „orthodoxen" Gemeinde übernommen. Grund genug für die Ablegung der orthodoxen Farbe? Denn daß die betr. „orthodoxe" Gemeinde den Namen „orthodox bloß als leere, inhaltslose Vignette führte, ist schon aus obigem ersichtlich. Es ist hier von der „orthodoxen" Gemeinde inStuhlweißenburg die Rede. Dem der mit den religiösen Verhältnissen der „orthodoxen" Gemeinde in Stuhlmeißenburg bekannt ist, ist mit dieser Namensnennung alles gesagt. Für den Uneingeweihten aber können wir das Vorgehen der „Orthodoxen" in Stuhlweißenburg am beftett mit einem historischen Bonmot beleuchten. An den großen R. Ezechiel Landau, Verfasser des Noda bijehnda, soll einst ein gottloser Mensch folgende Worte gerichtet haben: „Rabbi, ich habe bereits alle Ge- und Verbote der Thora mit Ausnahme des Selbstmordes übertreten."— Hierauf soll R. E. Landau geantwortet haben: „Sie haben Recht, daß Sie keinen Selbstmord begehen, denn hiermit würden Sie Ihrem Prinzige zuwider eine mxö erfüllen, denn es heißt: ■pa'ipo jnn mini." Aehnlich verhält es sich auch mit den dem Namen nach „Orthodoxen" in Stuhlweißenburg. Trotz 70 bis 80 steuerzahlender Mitglieder mußte man gewöhnlich raff zu *]D1D einige f'2v-Ersatzmänner vom Wochenmarkte Hereinrufen. — Dies spricht mehr als alle langen Schilderungen von dem im Kreise der Stuhlweißenburger Auch- Orthodoxen herrschenden Geiste. — Auch die Gemeindeführung schlug in den letzten Jahren einen solchen Weg ein, der ein wahrer Hohn auf ihren einstigen Gründer und ersten Rabbiner, den großen R. Gottlieb Fischer 7"XT gewesen ist. Sie ließ in ihrer Synagoge Trauungen durch Zöglinge des Pester Seminars veirichten. Bis sie vor 2—3 Jahren einen in einer neologen Gemeinde wirkenden Rabbiner auf den einstigen rrnmn kdd von — R. Gottlieb Fischer berief. Nur noch der Selbstmord — die Auflösung und Vereinigung mit den neologen „In welcher Nummer stand Ihr Artikel?" Also auch das wußte er nicht! Ueber seine Qualifikation als Redakteur hatte Nachum schon im Stillen sein Urteil gefällt. Nun fing er auch an, überhaupt an dem einfachen Menschenverstand des sogenannten Redakteurs zu zweifeln. Er nannte ihm die Nummer. Tie Zahl war ihm ja so -lieb und geläufig. Ter Mann stand auf, blätterte lange in einer Mappe herum und sagte endlich: „So, die P e r s o n a l n o t i z!" — .so nannte der Grausame den Artikel, — ist, wenn auch in geänderter Form, ausgenommen, und Sie wünschen wahrscheinlich eine Aelegnummer oder vielleicht Honorar. So müssen Sie sich hier im Vorraum bei der Expedition erkundigen." Von dem Gedichte .sprach er überhaupt nichts. Nachum zitterte vor Wut und Enttäuschung. Ter Mann wußte also nicht einmal, daß er 20 Exemplare von der dtummer 'sich hatte schicken lassen, um sie an alle Verwandte, Vater- und mutterseits zu verteilen. Und er konnte in einem solchen geschäftsmäßigen Tone sprechen, da es sich um das reinste idealste Streben handelte. Nachum bemeisterte seine wogenden Gefühle und sagte mit geheuchelter Ruhe: „Ich komme wegen des Ihnen eingesandten Purimgedichtes, über welches ich bis jetzt noch keinen Bescheid habe." „Ein Gedicht?" fragte der Mann. Also eine neue Enttäuschung, ein? neue tiefe Verletzung seiner Schriftsteller-Gefühle. Seine dichterische Schöpfung, die ihm so lange im Kopse herumschwirrt, so innig mit seiner Seele verbunden ist, sein Glück und seine Sehnsucht, sein Warten und Hoffen. Der Grausame, dessen Hand er sein Liebstes anvertraut, er kannte es nicht einmal! Wieder suchte der Mann unter einem Haufen von Manuskripten und versprach nachher, ihin baldigst darüber Bescheid zukommen zu lassen. Sehr abgekühlt verließ Nachum di? Stätte, mit der ihn poesievolle Träume io lange in idealster Verbindung gehalten harten. Ter .Bescheid kam wirklich schon nach einigen Tagen: „W egen Rau m in a ngel s unverw e n d b ä r." Es war ein stiller Purinr für Nachum. Er gewann dem lustigen Treiben fast kein Interesse ab und die Schlachmonaus-Tafel, die in seinem Geiste mit dem Purimgedichte so eng verquick! war, schien ihm nun entwürdigt und allen Schmuckes entblößt.?lber es war mit Nachum eine merkliche Veränderurig Vorgängen. Er schrieb weder Rätsel noch Gedichte noch andere Artikel, er befaßte sich aber umsomehr mit seinem eigentlichen Studium. Der Ehrgeiz der Eltern und Verwandten, der durch die ablehnende Haltung der Redaktion etwas gekränkt war, war bald wieder vollauf befriedigt, als sich die Zeugnisse des Sohnes wesentlich verbesserten und er ungestört und mit bestem Erfolge seine Gymnafiatstudien zu Ende brachte. Nachum ist nun seit vielen Jahren eine Zierde seines Standes und seiner Gemeinde. Mil seinem klaren Geiste und scharfen Verstände mit seiner unermüdlichen Tatkrasr dient er auch dem Gesamtjudentum — und zwar ausschließlich durch Veröffentlichungen in der Zeitung, die ihn, den jugendlichen Träumer, einst auf f>en. Weg realer, fruchtbarer Arbeit gewiesen hatte. Er hat sich mit der Redaktion, die er heute nicht als phantasieumworbene Traumwelt. sondern als Stätte eifriger, ernster Arbeit kennt, längst ausgesöhnt und gehört heute zu ihren besten Mitarbeitery. Die tieneralpmammluitg des Uerelns jüdischer Treidcnker. Trahtbericht von nnserm Spezialberichterstatter. Berlin, 14. Adar. Ter V o r s i tz e n d e eröffnet? die Versammlung mit folgenden Worten: Meine Herren! So sehr auch unsre Meinungen iu jüngster Sitzung aufeinandcrgeplatzt sind, in einem Punkte, so hoffe ich, sind wir doch alle einig: Jeder Mensch, der etwas glaubt, ist ein Esel. (Minutenlanger Beifall.! Redner fährt fort: Auch darin sind wir einig, es gibt keinen Gott, keine Unsterblichkeit, keine Seele, es gibt kein Jenseits, es gibt auch keine Welt. Zwischenrufe: Qho. Vorsitzender: Wer hat sich unterstanden, hier Qho zu rufen? K o m m e r z i e n r at o r a ch von K o r a ch - stein meldet sich: Ich war der Qho-Rufer. Ich muß doch sehr bestreiten, daß es keine Welt gibt. Wo sind wir denn eigentlich? V o r s i tz e n d e r: Wir sind nirgends: das was wir Welt nennen, sind nur Formen unserer Anschauung. Zwischenrufe: Cogito ergo sum. Vorsitzende r: Ich muß sehr bitten, alle hebräischen Zitate zu unterlassett, wir befinden uns in einem deutschen Verein, di? Benutzung fremder, namentlich semitischer Sprachen ist hier verpönt. Zwischenrufer: Also gut, dann deutsch. Wenn ich denke, dann bin ich auch, ich glaube also an mich selbst. Vorsitzender: Sobald Sie etwas glauben, dann sind Sie nach unserem heutigen Beschluß ein Esel

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