Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1909)
- Date
- 1909-02-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 8 Der Jdraelu. neuer Seitenflügel ist dem alten Bau angegliedert worden, der zunächst noch unmotiviert und ohne Abschluß in die weite Welt hinein sich streckt und wie die s. Z. berühmten Bayrischen dritten Bataillone nach dem Anschlüsse an einen Mittelflügel lechzt. Dieser Ergänzungsbau, für den die Pläne bereits mitentworfen sind, soll erfolgen, sobalddie finanziellen Mittel dafür vorhanden sind,- die Treppenanlage, die in dem neuen Seitenflügel untergebracht ist, verrät auch schon deutlich das Zukunftsbild, indem sie die Haupttreppe zu werden bestimmt ist, während die jetzige Vorder treppe dann zur Nottreppe werden soll. Die Pläne rühren von Herrn Reg.- Baumeister Frankel her, die Bauausführung lag in den Händen der Architektenfirma Levy u. Guttmann. Das hohe Portal ist mit feingetönten Majolikaplatten an den Wänden begleitet und gibt dem Hause einen vornehmen Anstrich. Im Erdgeschoß befinden sich die Waschküche, Heizungsanlagen, Kohlenräume und vor allem das Laboratorium, das sowohl für uiikroskopische wie für chemische Zwecke — Dank einer hochherzigen Spende des Herrn Geh. Reg. Rat Aron — aufs Vorzüglichste ausgestattet ist. (Abzug, Paraffinöfen u. A ) In der ganzen Anstalt ist neben der elektrischen auch Gasdecken- Beleuchtung vorgesehen; die Heizung erfolgt durch Heißwasser, in jedem Zimmer ist eine Einrichtung für warmes und kaltes Wasser. Das Parterre enthält die Verwaltungsräume, die Sprechzimmer der dirigierenden Aerzte und die innere Abteilung (vorläufig I I Betten). Der dirigierende Arzt ist hier Herr Prof. Fed. Blumenthal. Ferner sind hier das Vier zelle» bad und das elektrische Lichtbad untergebracht; daneben ist in jeder Etage ein Badezimmer, sowie eine Teeküche vorhanden, der Speiscntranspoi t erfolgt durch zwei Aufzüge (für milchding und fleischding getrennt), brr wrr brr Prr^vrrrnrrrrb ÄÄ- Irisch betrieben werden. Im ersten Stock befindet sich die geburtshilflich-gynäkologische Abteilung (dingender Arzt Herr Dr. Joseph Hirsch). Wir zählen hier 16 Bettenein Zimmer ist für septische Fälle reserviert und von den anderen Räumen abgeschlossenferner ein Entbindungssaal J2 Betten), ein Wöchnerinnensaal mit den Kinderbettchen und Cuveuse (3 Betten) - ein kleiner Operationssaal für pathologische Geburten und 2 Schwesternzimmer. — Der zweite Stock birgt die chirurgische Station mit 16 Betten, Assistentenzimmer und Schwesternzimmer. Dirigierender Arzt Herr Br. S. Adler. — Die mit den Operationssälen (1 chirurgischer, pi&ce de resistance endlich bildet der dritte Stock 1 gynäkologischer) und Vorbereitungszimmern. Es würde zu weit führen und überdies die Jntereffenahme des Laienpublikums überschreiten, wollten wir die geradezu raffiniert ausgedachten Details der Einrichtung dieser Glanzräume hier eingehend schildern. Nur Einiges sei. angeführt: Die Säle haben eine Wandhöhe von 4.25 m, bis 2 m Höhe sind sie mit Fließen ausgelegt, darüber ein Anstrich von Ripolin, so daß eine tägliche Waschung der ganzen Wandfiäche möglich ist. Damit nirgends Ecken als Staubfänger entstehen, erfolgt der Abschluß überall durch Nutendie Beleuchtung geschieht durch Oberlicht resp. elektrische Beleuchtung. Der Antrieb der für Operationen notwendigen größeren Apparate (Trepanationen u. A.) erfolgt durch Motore u. v. A. Für ambulatorisch operierte Patienten ist ein Ruheraum vorgesehen - außerdem liegen auf diesem Stockwerke noch Küchen (mit großem 712V-Ofen), Vorratsräume und ein kleiner Waschraum, in dem die benutzte Operationswäsche einer Vorprozedur unterworfen wird, bevor sie in die Waschbäche gelangt. — Im Anbau seien noch die drei Liegehallen für geeignete Krankheitsfälle erwähnt. Kurz und gut: Das Bild einer Anstalt, in dem Tatkraft und Menschenliebe sich vereint haben, um für leidende, heilungsuchende Mitmenschen das Beste und Vollkommenste zu schaffen, was Erfahrung und fortgeschrittene Technik auf dem Gebiete der Krankenpflege ermöglichen. So bleibt nur noch der Wunsch, daß der Segen Gottes auf der Anstalt ruhen möge, damit sie nur Segen und Heil den Menschen bringe, und der weitere Wunsch, daß das Interesse, das die Anstalt bei ihrer Eröffnung in weiten Kreisen fand, sich in werktätige Teilnahme umsetzen möge, damit sie ihr Ziel, eine Wohltätigkeitsanstalt in bestem Sinne zu werden, in immer steigendem Maaße erreiche! Mülhausen, 15. Febr. Auch bei uns im Elsaß fängt es an zu tagen. Und zwar ist es der „Verband der Sabbatfreunde", der es versucht, die Begeisterung für das Judentum wieder zu wecken. Nachdem Herr Louis Kahn, Frankfurt im Vorjahre mit beachtenswertem Erfolge in einigen Ortschaften durch Vorträge aufklärend gewirkt, hat sich nun Herr Rabbiner Dr. Weill, Buchsweiler der mühevollen Aufgabe unterzogen, das von Herrn L. Kahn begonnene Werk fortzuftthren. Mit welchem Ernste Herr Dr. Weill an diese Aufgabe herantritt, das beweist am besten der Umstand, daß . er innerhalb Monatsfrist in einer ganzen Reihe von Ortschaften Vorträge gehalten, in denen er unter Darlegung der Zwecke und Ziele, die dieser Verein erstrebt, diejenigen zum Beitritt aufforderte, denen es noch angelegen ist, die Grundmauern unserer Religion erhalten zu sehen. Die schönen Erfolge, die der allgemein verehrte Redner in den Gemeinden Sulz, Hatten, Weitersweiler, Neuweiler, Buchweiler, Pfaffenhofen und Hagenau erzielte, sind ganz dazu angetan, zu weiterer Arbeit anzueifern. Es ist erfreulich, daß die heilige Sabbatsache in Herrn Dr. Weil, dessen Namen im ganzen Lande einen guten Klang hat und durch die ganze Art seines Auftretens seine Zuhörer zu begeistern weiß, \«3- «vHrlUw. Vaickäw-yfer o^mrdev. fyxtu Wir dürfen uns der Hoffnung hingeben, daß sein und seiner Freunde Wirken auch weit über den Bezirk hinaus, im ganzen Reichslande sich segensreich geltend macht. Auch in Mülhausen hat sich in letzter Zeit auf Anregung von Herrn Rabbiner Schüler, Bollweiler und des Herrn Dr. m«*d. Meyer, Mülhausen eine Schar glaubensstarker Jehudim . zu einem Verein mir "iDlir zusammengeschlo ssen. Andere Gemeinde werden hoffentlich dem Beispiel folgen. Denn gerade im Elsaß und speziell in den Landgemeinden ist noch ein ganz geeigneter Boden zur Gründung von n2tp 'iviV-Vereinen, da man hier noch row VlSn als großes Unglück empfindet und nach Möglichkeiten sucht, die Kinder bei Berufswahl davor zu bewahren. Dankbar würden viele besorgte Eltern es anerkennen, wenn ihnen in dieser Beziehung Hilfe geboten werde. Es bedarf aber hierzu der starken Förderung auf dem Wege der Belehrung und Unterstützung durch Stellenvermittlung usw., eine Aufgabe, der die Vereine auch hier im Elsaß in erster Reihe dienen wollen. Oestervetrh. Lemberg, 10. Februar. Vor kurzem meldete ein vierzehnjähriger Knabe beim Lemberger Magistrat seinen Uebertritt von der katholischen zur jüdischen Religion an. Der Magistrat ließ den Knaben auf seinen Geisteszustand (!) untersuchen. Der ärztliche Befund erklärte, der geistige Zustand des Knaben sei nicht derart entwickelt, daß er volle Rechenschaft über seine Handlung oblegen könnte. Daraufhin nahm der Magistrat die Anmeldung vom Uebertritte nicht zur amtlichen Kenntnis. Der Uebertritt ist somit ungültig und der Knabe gilt vorläufig als Katholik und Idiot. Bei genauer Untersuchung der Familien- Verhältnisse des Uebereretenden ergab sich folgendes: Der Knabe ist ein Kind eines arischen Vaters und einer jüdischen Mutter, welche die katholische Religion annahm, sich jedoch später von ihrem Manne scheiden ließ und mit dem Kinde in ihr Elternhaus zurückkehrte. Das Kind wurde im jüdischen Geiste erzogen, und sein Uebertritt zur jüdischen Religion ist nichts als eine belanglose 25. FebAmr 190Ö Formalität, die eine Tatsache bestätigt. Nichtsdestowenig r fand der Arzt, daß der Knabe nicht volle. Rechenschaft über seine Handlung ablegen könne. Man könnte das Verhalten der Behörde und das Gutachten des Arztes noch immerhin verstehenaber unwillkürlich taucht doch die Frage auf: Legen sich etwa die geraubten jüdischen Mädchen, die Waisenkinder in Clirzanow," Rechenschaft über ihre Handlung ab? Wird auch in den Fällen, wo Raub und widerlicher Seelenfang Kinder zur Taufe zwingen, der geistige Zustand der Konvertiten untersucht? Ja, Jud', das ist etwas anderes .... Ungarn. kin orthodoxe behrerpräparanöie? (Von unserem Korrespondenten.) Budapest, 15. Febr. Die letzte Nummer des orthodoxen Organes M. Zsido enthält einen bemerkenswerten Artikel, in dem der Errichtung einer selbständigen orthodoxen Präparandie das Wort geredet wird. Wir haben bereits 1897 in diesem Blatte die unumgängliche Notwendigkeit einer solchen Lehranstalt in einer ganzen Artikelserie nachgewiesem Aber eben im Interesse der Sache möchten wir den Artikelschreiber im M. Zs. davor warnen, die Errichtung einer orthodoxen Präparandie von einem Mehrheitsbeschlüsse einer event. Landeskonferenz abhängig zu machen. Denn leugnen wirs nicht, die die Zeichen der Zeit ignorierenden und denl profanen Studium abholden chassidischen Rabbinen sind noch immer in Mehrzahl . . . Und eine offizielle Ablehnung der orthodoxen Präparandie seitens einer event. Majorität würde die gute Sache auf immer be- .graben. Vielmehr müßten die. präparandiefreundlichen D,321 und OTQ ’bj?2 zu einem engeren Komitee zusammmentreten und die Errichtung einer Präparandie privaten Charakters bewerkstelligen. Dies würde kaum eine Gegenaktion der v'l'vn Herausforderin Auch die orthodox - jüdischen Han eisschulen in Preßburg, Grogwardein, Pest wurden ohne vorherige oder nachherige Genehmigung uitserer v'N'ON errichtet und stiften dennoch reichen Segen in orthodoxen Kreisen. Aehnlich müßte man auch im vorliegenden Falle verfahren. Den Wunsch des Artikelschreibers aber, wonach ^an gegen die Anstellnng der Zöglinge der neologen Präparandie ohne weiteres einen "TlD'# schleudern soll, müssen wir für eine recht unüberlegte Aeußerung halten. Dieser Wunsch wäre berechtigt, wenn man über eine orthodoxe Präparandie verfügte. Bis dahin tragen die Gegner eines solchen Unternehmens vor der Geschichte die Verantwortung dafür, daß die Zöglinge der Pester neologen Präparandie unsere Jugend in die Faugnetze der Neologie führen. * * * In letzter Zeit wurde den orthodoxen Separatgemeinden in Mak6 und Nyirbätor die volle Autonomie verliehen. Darob großer Verdruß und Feuerlärm im neologen Lager. Gegen den Kultusminister wird schweres Geschütz aufgefahren, da der jeweilige Kultusminister — nach Auffassung der Neologen — die heilige Mission Hütte, die jeweilige orthodoxe Minorität, eventuell auch die orthodoxe Majorität den zuständigen neologen Gemeinden zu unterordnen. Ja, selbst eine orthodoxe Majorität einer neologen oder »ratusguo ante Minorität. So war es z. B. in Nyirbätor. Die Orthodoxen befanden sich dort seil jeher in überwiegender Majorität, doch wollte eine kleine, aber einflußreiche Minorität von der Orthodoxie nichts wissen und gerierte sich als Muttergemeinde. Durch ihren Einfluß gelang es ihr, das durch neologe Machenschaften entstandene Kriterium einer Muttergemeinde, die Matrikel an sich zu reißen und die, die Majorität der Gemeinde bildenden Mitglieder der orthodoxen „Betgenossensckast" sich tributär zu machen. Und nun wurden der